Show Less
Restricted access

Sprache der Generationen

2., aktualisierte Auflage

Series:

Edited By Eva Neuland

Mit dem Sammelband Sprache der Generationen wird dem interdisziplinären Gegenstandsfeld Generation eine bedeutsame linguistische Perspektive hinzugefügt: Welche spezifischen Sprachgebrauchsweisen herrschen in bestimmten Generationen vor? Haben sie die Entwicklung der Gemeinsprache beeinflusst? Wie verändert sich der Sprachgebrauch mit der generationellen Zugehörigkeit, v.a. in Jugend und Alter? Gibt es Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Generationen? Welche Generationsbilder werden sprachlich konstruiert? Auf solche und andere Fragen bieten die Beiträge dieses Bandes erste theoretisch fundierte und empirisch gestützte Antworten und eröffnen Perspektiven in einem noch weitgehend unbearbeiteten Forschungsfeld der Sprachwissenschaft und speziell der Soziolinguistik.
Show Summary Details
Restricted access

Der Sprachgebrauch der ‚1968er‘: Antirituale und Informalisierung: Joachim Scharloth

Extract

Der Begriff der Generation ist in der Geschichtswissenschaft eine Kategorie der Zeiterfassung: Mit ihm soll geschichtlicher Wandel geordnet und erklärt werden (vgl. Jureit 2006, 53f.). Der Begriff dient Hans-Ulrich Wehler in seiner Deutschen Gesellschaftsgeschichte dazu, „Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Lebensgeschichte, Denkformen und Handlungsweisen“ (Wehler 2008, 186) von Menschen herauszuarbeiten. Als geschichtswissenschaftlicher Terminus bedeutet der Begriff der ‚Generation‘ eine „Gemeinschaft, die sich durch gemeinsame Überzeugungen und vitale Akzente auszeichnet, verbunden durch gemeinsame Lebenserfahrungen, durch daraus gewonnene Lebensformen und -stile, durch Lebenshorizonte und ein bestimmtes Verhältnis von Gleichzeitigkeit, das auch altersunabhängig sein kann“ (Hermann 2006, 35).

Die Beantwortung dieser Frage hat nicht nur eine wissenschaftliche, sondern auch eine erinnerungspolitische Dimension. Je nach dem, welche historische Bedeutung man der 68er-Bewegung zuschreiben möchte, ist mit ihrer Assoziation mit einer Generation nämlich entweder eine Aufwertung oder eine Marginalisierung verbunden. Prägten und veränderten die Ereignisse um 1968 das Bewusstsein einer ganzen Generation, dann wäre sie qua ihrer breiten Basis in der Bevölkerung ein wirkungsmächtiger kultur-, sozial- und mentalitätsgeschichtlicher Faktor. Waren ‚die 68er‘ eine Generation, dann ließen sich fundamentale Veränderungen in der bundesrepublikanischen politischen Kultur und der grundlegende Wandel der Alltagskultur durch ihr Hineinwachsen in gesellschaftliche Schlüsselpositionen und die Ablösung der alten hegemonialen Eliten deuten. Aber: Wurde die 68er-Bewegung ‚nur‘ von einer Generation getragen, dann ließe sich dies auch als Marginalisierung deuten, denn das hieße, sie als bloßes Generationenphänomen abzutun, als pubertäre Auflehnung Jugendlicher gegen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.