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Sprache der Generationen

2., aktualisierte Auflage

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Edited By Eva Neuland

Mit dem Sammelband Sprache der Generationen wird dem interdisziplinären Gegenstandsfeld Generation eine bedeutsame linguistische Perspektive hinzugefügt: Welche spezifischen Sprachgebrauchsweisen herrschen in bestimmten Generationen vor? Haben sie die Entwicklung der Gemeinsprache beeinflusst? Wie verändert sich der Sprachgebrauch mit der generationellen Zugehörigkeit, v.a. in Jugend und Alter? Gibt es Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Generationen? Welche Generationsbilder werden sprachlich konstruiert? Auf solche und andere Fragen bieten die Beiträge dieses Bandes erste theoretisch fundierte und empirisch gestützte Antworten und eröffnen Perspektiven in einem noch weitgehend unbearbeiteten Forschungsfeld der Sprachwissenschaft und speziell der Soziolinguistik.
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Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen in der deutschen Sprache: Dieter Cherubim

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Wer seine Sprache im Alltag benutzt, übersieht leicht ihre historische Dimension, so sehr sind wir mit ihr synchronisiert. Und doch unterliegen unsere Sprachen in der Weitergabe von Generation zu Generation fortwährend Veränderungen, die wir selbst kaum wahrnehmen, die aber Spuren in ihnen hinterlassen. Erst aus einer gewissen Distanz heraus wird uns diese historische Schichtung sichtbar: Ältere Texte, soweit sie uns noch zugänglich sind, können uns z.B. auf Abweichungen aufmerksam machen, die aus heutiger Sicht klärungsbedürftig erscheinen. In Gesprächen mit alten Menschen tauchen bisweilen seltsame Formulierungen auf, die wir selbst so nicht mehr verwenden würden, auch wenn wir sie vielleicht noch verstehen. Und in poetischen Texten, in der Werbung oder Presse werden stilistische Merkmale genutzt, die diesen Texten eine altertümliche Färbung verleihen können. Dazu kommt, dass der sprachliche Wandel nicht gleichmäßig zu verlaufen scheint: Schon im Interesse einer Verständigung zwischen den Generationen, die nicht abreißen soll, doch auch um die kulturelle Identität einer Sprachgemeinschaft zu sichern, muss in jeder Sprache ein ausgewogenes Verhältnis von Diskontinuität und Kontinuität existieren (Cherubim 1998), das ebenfalls zu historischen „Verwerfungen“, Brüchen oder Überlagerungen in jedem einzelnen Sprachzustand, zu einer Art von „Staffettenkontinuität“ (Lüdtke 1980, 4) führen kann.

Unsere Sprachen, die sich ja Einzelne und jede Generation neu aneignen, sind also historisch geschichtete Gebilde, für die, wie für viele andere kulturelle Phänomene, das Prinzip der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ gelten soll....

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