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Geschichte in Bildern – Bilder in der Geschichte

Fallbeispiele zur historischen Bildforschung

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Edited By Eugen Kotte

Seit den 1990er Jahren hat sich das Augenmerk der Geschichtswissenschaft zunehmend auf die Auseinandersetzung mit bildlicher Überlieferung gerichtet, eine Entwicklung, die ganz unmittelbar im Kontext des kulturwissenschaftlichen Iconic Turn zu sehen ist. Bilder werden seitdem grundsätzlich in die historische Forschung und Vermittlung einbezogen und weit über ihre bloße Illustrations- und Anschauungsfunktion als genuine Quellen, als Medien der Erinnerungskultur sowie als geschichtskulturelle Objektivationen wahrgenommen. Es interessieren neben ihrer artifiziellen Eigenart sowohl der Produktions- als auch der Rezeptionsprozess, nach deren jeweiligen Kontexten nun dezidiert gefragt wird. Dieser Visual History tragen die Beiträge dieses Bandes Rechnung, indem sie nicht nur verschiedene Zugriffe aufweisen und höchst unterschiedliche Inhalte thematisieren, sondern auch ein Spektrum unterschiedlicher Bildgattungen und Motive aufzeigen, die zu verschiedenen Zeiten in diversen Ländern Konjunktur hatten.
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Daniela Kneißl: Wechselnde Lichtverhältnisse. Zur Bedeutung von Licht- und Finsternismetaphern in politischen Bilddiskursen der Dritten Französischen Republik (1871-1914)

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Daniela Kneißl

Wechselnde Lichtverhältnisse. Zur Bedeutung von Licht- und Finsternismetaphern in politischen Bilddiskursen der Dritten Französischen Republik (1871-1914)

Die Republik, ein Ort des Lichts: Dieser auf die Französische Revolution zurückgehende Mythos prägt zutiefst die politische Bildsprache im Frankreich des 19. Jahrhunderts.1 Die Bildpublizistik trägt nicht nur in entscheidender Weise zur kollektiven Verankerung der Vorstellung von der Lichtnatur der Republik (oder der Ablehnung dieser Vorstellung durch ihre Gegner) bei, sondern entwickelt das Bild von der „Lichtrepublik“ konsequent in einer Vielzahl von Variationen weiter. Die republikanische Bildpresse stützt sich dabei auf eine Vielzahl von Lichtmetaphern, die aus ihren traditionellen christlichen und monarchistischen Kontexten herausgelöst werden. Dies gilt in besonderer Weise für die Sonnensymbolik. Durch eine derartige Umwidmung wird der Anspruch der sich als Produkt der lumières verstehenden Republik als legitime Nachfolgerin des christlich geprägten Königtums verdeutlicht. Aus den christlichen und absolutistischen Kontexten übernommen wird auch die immanente Aufhebung des zyklischen, natürlichen Wechsels von Tag und Nacht, Licht und Finsternis, indem das Festhalten des idealen Moments – der hoch am Himmel stehenden Sonne – als Bild fixiert und somit für ewig erklärt wird. Aber auch die Alltagskultur hinterlässt ihre Spuren: Der Kerzenlöscher oder das Löschhütchen als Waffe gegen das Licht der Republik erscheint in zahllosen Varianten. Dieser Kampf der Republik – und mit ihr der republikanisch geprägten Bildpresse – für ihre Verwirklichung als Regierungsform in Frankreich beginnt bereits...

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