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Phraseme im bilingualen Diskurs

«All of a sudden geht mir ein Licht auf.»

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Mareike Keller

Mehrsprachige Menschen verfügen über die Fähigkeit, mitten in einer Äußerung von einer Sprache in die andere zu wechseln. Dieses sogenannte Codeswitching wird von der Forschung inzwischen als systemhafte kommunikative Ressource anerkannt, deren Untersuchung interessante Einblicke in den Prozess der Sprachverarbeitung gibt. Diese Arbeit zeigt die Besonderheiten phraseologischer Mehrwortverbindungen im bilingualen Diskurs aus einer neuen Perspektive. Sie erläutert am Beispiel von Gesprächen deutscher Emigranten in die USA, welche Regelmäßigkeiten beim Codeswitching im Kontext von Phrasemen sichtbar werden und erklärt, wie sich Sprachmischungsphänomene an der Schnittstelle zwischen Syntax und Lexikon in die aktuelle Diskussion zu Mehrsprachigkeit und Sprachverarbeitung einbetten lassen.
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3 Mehrwortverbindungen im bilingualen Diskurs

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„Allein will ich nicht gehn, because alleine is kei fun für mich.“ (Sprechbeispiel aus dem untersuchten Material)

Der phraseologische Charakter wenig idiomatischer Wortverbindungen zeigt sich mitunter erst im Sprachvergleich bzw. an von der einsprachigen Norm abweichenden Transferformen. Diese geben Hinweise auf Phraseologizität an Stellen, die im einsprachigen Diskurs womöglich unbemerkt blieben. Der Gebrauch phraseologischer Wortverbindungen im zweisprachigen Diskurs und die dabei auftretenden Mischungsmuster scheinen bisher wenig erforscht zu sein, und Literatur zum Zusammenhang von Phraseologie und Zweisprachigkeit bezieht sich in erster Linie auf bilingualen Spracherwerb im Kindesalter oder auf Sprachdidaktik bei Kindern und Erwachsenen. Obwohl z. B. die Ergebnisse von Häcki-Buhofer (2007a:842; vgl. Abschnitt 1.4.2.1) in eine andere Richtung weisen, wird in der Forschungsliteratur vielfach erwähnt, dass phraseologische Wortverbindungen eine besondere Schwierigkeit für den Zweitspracherwerb darstellen (s. z. B. Van Lancker Sidtis 2009:461). Eine gewisse Grundkompetenz in formelhafter Ausdrucksweise scheint zwar in der Regel von einem frühen Stadium des Fremdspracherwerbs an gegeben, allerdings wird diese Kompetenz in der Regel nicht gezielt ausgebaut:

Non-native speakers working in the L2 environment often quickly assimilate a collection of formulaic sequences that can be used to achieve a basic level of communication (Wray 2002b: 172–176), but may then struggle to progress further, finding nativelike formulaic language particularly challenging to understand and produce. (Wray 2008:283)

Yorio (1989:57) zitiert eine Reihe von Studien, nach denen erwachsene Sprecher, die eine Fremdsprache nicht im schulischen Kontext erworben haben,...

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