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Aufarbeitung der Vergangenheit als Dimension der Erwachsenenbildung

Polnische, russländische und ukrainische Perspektiven

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Dr. Tetyana Kloubert

Wie wird in den drei Ländern Russland, Polen und Ukraine mit den problematischen Ereignissen der nationalen Geschichte umgegangen? Dieser Frage widmet sich diese Studie in Form einer empirischen Untersuchung, durchgeführt im Jahr 2009. Befragt wurden in eingehenden Interviews 91 Erwachsenenbildner aus drei Ländern. Dabei ergab sich, dass die Aufarbeitung der Geschichte in engem Zusammenhang steht mit den Prozessen der gesellschaftlichen Transformation und Integration sowie mit der Demokratieentwicklung im jeweiligen Land. An einer Fülle von Beispielen kann gezeigt werden, dass der Erwachsenenbildung in Umbruchzeiten ganz eigene Möglichkeiten zukommen, den Prozess der Aufarbeitung der Vergangenheit zu fördern. Im Vergleich von Russland, Polen und der Ukraine treten neben Gemeinsamkeiten auch markante Unterschiede in Theorie, Praxis und professionellem Selbstverständnis der Erwachsenenbildner hervor.
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2.2.5 Aufarbeitung der Vergangenheit und Werte

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Im nächsten Schritt soll im Kontext der pädagogischen Aufarbeitung der Vergangenheit ein weiteres in der Literatur viel beachtetes Merkmal – die ethische Funktion des Erinnerungsprozesses – beleuchtet werden. Im Rahmen der Transformationsforschung wurde häufig darauf hingewiesen, dass die Konsolidierung der Demokratien und der Abschied vom Totalitarismus auf verschiedenen Ebenen zu bewerkstelligen ist, unter anderem auf der Ebene der Einstellungen und Mentalitäten, was für gewöhnlich auch am längsten dauert (vgl. dazu z. B. Dahrendorf 2005). Bevor auf die Darstellung des Zusammenhangs der Aufarbeitung der Vergangenheit und des Systems der Werte eingegangen wird, soll eine Definition der Werte, die im Weiteren als Grundlage der theoretischen Überlegungen gelten kann, gegeben werden. Bei Kluckhohn sind Werte eine explizite oder implizite, für ein Individuum oder eine Gruppe charakteristische Konzeption des Wünschenswerten, welche eine Auswahl unter verfügbaren Handlungsarten, -mitteln und -zielen beeinflusst (vgl. Kluckhohn 1951).

Karl-Ernst Jeismann hat darauf hingewiesen, dass die Analyse des Umgangs mit der Vergangenheit unausweichlich auf „Normen und Wertungen, Wünsche und Erwartungen [stößt], die sich in Geschichtsvorstellungen inkarniert haben, unbewußt zu ‚Wahrheiten‘ versteinert sein können oder bewußt als politisches Herrschaftswissen instrumentalisiert werden“ (Jeismann 1977, S. 14). Assmann weist ebenfalls ausdrücklich darauf hin, dass das kulturelle Gedächtnis eine normative Dimension beinhaltet: „Die Verbindlichkeit des Wissens, das im kulturellen Gedächtnis bereitgehalten wird, hat zwei Aspekte: den der Formativität in seinen edukativen, zivilisierenden und humanisierenden Funktionen und den der Normativität in seinen handlungsleitenden Funktionen“ (Assmann...

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