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Die Entstehung des modernen Erziehungsdenkens aus der europäischen Expansion

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Susanne Spieker

Die erziehungshistorische Forschung richtet ihre Analysen meist auf den Nationalstaat des 19. und 20. Jahrhunderts. Wird ihr Narrativ näher beleuchtet, zeigt sich eine Gründungserzählung, die den eigenen Forschungsbereich als Teil Europas und des Westens konstruiert. Die Autorin veranschaulicht mit zwei Studien zur Frühen Neuzeit den Beitrag der europäischen Expansion zur Herausbildung modernen Erziehungsdenkens: Bernardino de Sahagún (1499-1590) und John Locke (1632-1704) waren auf je unterschiedliche Weise an der Kolonialisierung Amerikas beteiligt. Neuere Ideengeschichte und Globalgeschichte leiten die Untersuchung; umfassend berücksichtigt werden zeitgenössische Kontexte und globale Verflechtungen. Spiekers Analyse führt im Ergebnis zu einer neuen Erzählung über Erziehung in der Moderne.
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2. Positionierung

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Bei meiner Untersuchung handelt es sich um eine bildungshistorische Forschung zur Bedeutung des kolonialen Kontextes für das Erziehungsdenken in der Frühen Neuzeit. Im internationalen Kontext hat die International Standing Conference for the History of Education (ISCHE XV, 1993) zum Thema Education, Encounters, Peoples, and Cultures: The Colonial Experience, 16th–20th Centuries wichtige Impulse zum Umgang mit dem Kolonialismus gegeben, die sich, wie einleitend erläutert, positiv auf die Ausweitung des internationalen Feldes bildungshistorischer Forschung ausgewirkt haben.7 Innerhalb der deutschen Bildungshistorie werden jedoch Forschungen zu internationalen Verflechtungen, Kolonialismus oder allgemein dem Kolonialen8 immer wieder als Desiderat bezeichnet. Diese Einschätzung bestätigt ein Blick auf aktuellere Forschungen, wie ich im ersten Teil des Kapitels darstelle. Warum das so ist, zeige ich im Hinblick auf das bestehende Narrativ bildungshistorischer Forschung. Die Ausweitung der Perspektive auf globalere Zusammenhänge ergab sich für die Geschichtswissenschaften unter anderem aus der Integration der postcolonial studies. Welche Ansätze sich dabei durchgesetzt haben und auch für die vorliegende Untersuchung bedeutsam sind, führe ich im zweiten Teil des Kapitels ein.

← 27 | 28 → 2.1 Ausgangspunkt: Historische Bildungsforschung

2.1.1 Kolonialismus am Rande

Nach Klaus-Peter Horn (2004) lassen sich vier Forschungsschwerpunkte der deutschen Historischen Bildungsforschung herausarbeiten. Horn bezieht sich mit seiner Einteilung auf eine Systematik, die bereits von Josef Dolch 1930 entwickelt wurde (vgl. ebd., 2), was die Konstanz dieses Forschungsfeldes unterstreicht: erstens eine Geschichtsschreibung über die pädagogischen Bedingungen in Einrichtungen, zweitens eine Geschichtsschreibung über bestimmte Formen der Lehre,...

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