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Kinder- und Jugendliteratur der Romania

Impulse für ein neues romanistisches Forschungsfeld

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Edited By Ludger Scherer and Roland Ißler

Die Kinder- und Jugendliteratur der romanischen Länder ist, obwohl seit langem international erfolgreich, in der deutschsprachigen Romanistik bislang noch nicht als systematisches Forschungsfeld etabliert. Dieser Band, der auf eine Sektion des Romanistentags 2013 zurückgeht, gibt nun Impulse für eine romanistische Kinder- und Jugendliteraturforschung. 20 Beiträge behandeln exemplarisch französische und frankophone, italienische, spanische und lateinamerikanische (auch brasilianische) Werke. Die hier angesprochenen fundamentalen literarhistorischen und theoretischen Fragestellungen der Kinder- und Jugendliteraturforschung sind zudem interdisziplinär für praxisnahe universitäre und schulische Bildung und Lehre relevant.
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Christoph Oliver Mayer Gianni Rodari: Marchen fur Kinder oder Prosagedichte fur Erwachsene?

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Wo man heute Gianni Rodari (1920-1980) als kanonisiertem Autor begegnet, gilt er im Allgemeinen als Kinderbuchautor.1 Während er in kaum einer gängigen Geschichte der italienischen Literatur auftaucht,2 werden seine Texte zumeist als Kinderliteratur vertrieben oder er wird selbst als moderner Märchenautor bezeichnet.3 Daher verwundert es kaum, dass die literarische Qualität seiner Texte, vor allem ihre lyrische Dichte und Innovationskraft, bis dato nicht ausreichend gewürdigt worden ist. Wenn er neuerdings in die Tradition der Nonsens-Dichtung gestellt wird,4 so erfährt er zwar dadurch eine gesamteuropäische Würdigung, aber es erfolgt doch zugleich erneut eine Ausweisung aus dem italienischen literarischen Feld, dessen lyrische Strömungen des 20. Jahrhunderts mit dem Werk Gianni Rodaris nicht vereinbar erscheinen.5 Wo er gerade in Deutschland, wohl aber auch dank einer positiven Anerkennung seiner sozialistischen Gesinnung durch das Verlagshaus Wagenbach bzw. der sprachlichen Schlichtheit im Falle der Aufnahme in die Rote Reihe von Fremdsprachenliteratur bei Reclam, zumindest gelegentlich neu übersetzt oder aufgelegt wird,6 belebt er dennoch nur den Reigen der kindgerechten Unterhaltungsliteratur. Einen adäquaten Platz in der italienischen Literatur des 20. Jahrhunderts und eine Basis wissenschaftlicher Textinterpretationen gilt es somit allerdings weiterhin erst zu etablieren.

Nimmt man aber einmal die Forderung nach der literaturwissenschaftlichen Untersuchung auch von sogenannter Kinderliteratur mit den bekannten und etablierten Analysekriterien ernst,7 so erscheint auf den ersten Blick gerade eine Parallele vieler Texte Rodaris mit dem französischen Prosagedicht des 19. Jahr ← 187 | 188 → hunderts nicht abwegig, zuvorderst gerade mit...

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