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Innenansichten zur Wissenschaftsgeschichte

Vorläufige Bilanz eines Literaturwissenschaftlers

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Rainer Rosenberg

Ausgehend von der Skizzierung seines Lebenslaufs und der Auseinandersetzung mit den gängigen Identitätstheorien zieht Rosenberg die vorläufige Bilanz aus seinem Germanisten-Dasein. Als ein Literaturwissenschaftler hat er schon seit den 1980er Jahren zur Geschichte seiner Disziplin gearbeitet. Sein Augenmerk richtet sich nach den Tendenzen zu deren Neukonstituierung als Kulturwissenschaft nun auch auf ihre Hinwendung zu einer Geschichte der Wissensformen.
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Zur Identitätsproblematik

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Hier geht es also um das Selbstverständnis eines Menschen. Darum, wie er die Frage nach der eigenen Identität beantworten sollte. Er spricht von Identität – personaler Identität –, weil er von der Person, die in ihrer Jugend zu einem ersten Selbstverständnis gekommen ist und in späteren Jahren eine bestimmte Richtung eingeschlagen hat, immer noch etwas an sich zu haben meint – ungeachtet der Krisen, die dieses Selbstverständnis erschüttert haben und der Veränderungen, die es dadurch erfahren hat. Weil er meint, dass die erhalten gebliebenen Elemente von Kontinuität und Kohärenz seines Ich nicht nur in seiner Leiblichkeit und seinen Erinnerungen bestehen können. Das Attribut des Personalen ist ihm wichtig, denn anders als in der Individualpsychologie steht der Begriff im Sprachgebrauch der Kulturwissenschaften hauptsächlich für ein Gruppenphänomen – die kollektive Identität als ein auf übereinstimmender ethnischer, religiöser, nationaler oder politischer Grundlage sich entwickelndes zwischenmenschliches Zusammengehörigkeitsgefühl oder Gemeinschaftsbewusstsein. Wobei gleich hier anzumerken ist, dass das Gemeinschaftsbewusstsein nicht nur phylogenetisch als die erste Form menschlichen Selbstverständnisses gilt, sondern auch beim heutigen Menschen der Beginn der individuellen Selbstidentifikation zumeist in die Auseinandersetzung mit der Gruppenidentität verlegt wird, die er im Kindesalter von der familiären und erweiterten sozialen Umwelt übernommenen hat.2 Davon abgesehen bestehen Übergangszonen, in denen die Begriffsfelder sich überlappen. So hat auch das ausgebildete individuelle Selbstverständnis eine soziale Dimension: Das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe bzw. ← 1 | 2 → des Ausschlusses, der gesellschaftlichen...

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