Show Less
Restricted access

Interpretation selbständiger Sätze im Diskurs

Syntax und Intonation in Interaktion

Sebastian Kaiser

Die Bedeutung von Sätzen wird in der Satzmodusforschung im Wesentlichen über syntaktische Operationen abgeleitet. Neben der Wortstellung leistet jedoch auch die Intonation einen wichtigen Beitrag zur Interpretation. Ziel der Arbeit ist zum einen die Beschreibung syntaktischer und intonatorischer Eigenschaften selbständiger Sätze und zum anderen die theoretische Rekonstruktion von Satzinterpretationen auf der Grundlage syntaktischer und intonatorischer Aspekte. Dabei bestimmt die Stellung des finiten Verbs zunächst abstrakt die Gültigkeit des Satzinhaltes in Bezug auf die Diskurswelt. Auf dieser Information operiert die Intonation und signalisiert, ob der Satzinhalt zum Common Ground hinzugefügt werden soll und in welchem Verhältnis der Sprecher zum Satzinhalt steht.
Show Summary Details
Restricted access

3. Diskursinitiativen

Extract



3.1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit wird die Interpretation von Sätzen im Diskurs über die systematische Interaktion von Syntax und Intonation konstituiert. Im Sinne einer modular angelegten Grammatik liefern Syntax und Intonation jeweils unterschiedliche Bedeutungsanteile. In der Syntax ist das Korrespondenzverhältnis zwischen dem Satzinhalt (Proposition) und der Diskurswelt kodiert. Dieses kann vorliegen, nicht bestehen oder unterspezifiziert sein. Sind Syntax und Intonation nicht exakt zu interpretieren, können die Modalpartikeln als zusätzliche Disambiguierer auftreten. Die Korrespondenzrelation einer in der TP ausgedrückten Proposition mit einer Situation in der Welt wird über syntaktische Operationen repräsentiert: Zur Etablierung von Korrespondenz wird das Finitum vorangestellt und die Position SpecCP muss mit einer [-wh]-Phrase besetzt sein. Ist das Vorfeld nicht besetzt, wird die Korrespondenz syntaktisch nicht angezeigt: Der Wahrheitswert der Proposition bleibt offen. Bei Entscheidungsfragen und V1-Konditionalsätzen ist die Reduktion der Bipartition auf die Menge der wahren Indizes nicht erfolgt. Wird das Vorfeld mit einer [+wh]-Phrase besetzt, wird die Korrespondenz einer unterspezifizierten Proposition thematisiert.

Diese theoretische Konzeption schlägt eine Brücke zur wahrheitsfunktionalen Semantik, die sich der Mögliche-Welten-Semantik bedient: Die in der TP ausgedrückte Situation ist der Satzinhalt, der als Proposition (p) aufgefasst wird. Dieser Satzinhalt kann in unterschiedlichen Welten zu unterschiedlichen Zeitpunkten wahr (1) oder falsch (0) sein. Ein Welt-Zeit-Punkt (als geordnetes Paar ) wird auch als Index (i) bezeichnet, der in der Mögliche-Welten-Semantik mit einer möglichen Welt (w) gleichgesetzt wird. Die Menge...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.