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Interpretation selbständiger Sätze im Diskurs

Syntax und Intonation in Interaktion

Sebastian Kaiser

Die Bedeutung von Sätzen wird in der Satzmodusforschung im Wesentlichen über syntaktische Operationen abgeleitet. Neben der Wortstellung leistet jedoch auch die Intonation einen wichtigen Beitrag zur Interpretation. Ziel der Arbeit ist zum einen die Beschreibung syntaktischer und intonatorischer Eigenschaften selbständiger Sätze und zum anderen die theoretische Rekonstruktion von Satzinterpretationen auf der Grundlage syntaktischer und intonatorischer Aspekte. Dabei bestimmt die Stellung des finiten Verbs zunächst abstrakt die Gültigkeit des Satzinhaltes in Bezug auf die Diskurswelt. Auf dieser Information operiert die Intonation und signalisiert, ob der Satzinhalt zum Common Ground hinzugefügt werden soll und in welchem Verhältnis der Sprecher zum Satzinhalt steht.
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4. Was die Arbeit leistet

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Ziel der vorliegenden Arbeit war die theoretische Ableitung der Interpretation von selbständigen Sätzen im Deutschen über die Interaktion von Syntax und Intonation. Dieses Ziel wurde in drei Schritten erreicht: Grundvoraussetzung war (i) die deskriptive Erfassung syntaktischer und intonatorischer Eigenschaften von selbständigen Sätzen. Für die Besetzungsoptionen der C-Domäne und die tonale Auszeichnung wurden (ii) Generalisierungen hinsichtlich interpretatorischer Effekte formuliert, damit (iii) die Interaktion der jeweiligen Bedeutungsanteile theoretisch rekonstruiert werden konnte.

Die Beschreibung syntaktischer Eigenschaften selbständiger Sätze erfolgte im Rahmen eines an Chomsky (1995) angelehnten generativen Syntax-Modells. Dabei wurden einschlägige Forschungsbeiträge zur Struktur von Sätzen berücksichtigt. Für die Erfassung intonatorischer Eigenschaften wurden im Rahmen dieser Arbeit zwei empirische Studien durchgeführt, deren Ergebnisse detailliert in Kaiser & Baumann (2013) nachzulesen sind. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass auf Satzebene unterschiedliche finale Steigungsarten differenziert werden können, mit denen verschiedene Interpretationen verbunden sind. Dabei zeigte sich, dass ein Satz, der ein konvexes Intonationsmuster (L*H-^H%) aufweist, über eine fragende Interpretation verfügt. Im Gegensatz dazu führt ein konkaves Intonationsmuster (L+H* H%) zu einer progredienten Interpretation. Dieses Ergebnis ist insofern in besonderem Maße hervorzuheben, als dass nun eine Identifizierung syntaktisch gleicher Sätze (z.B. V1-Fragesatz vs. V1-Konditionalsatz, Assertivfrage vs. progredienter Deklarativsatz) über den Intonationsverlauf erfolgen kann. Zudem lassen sich die unterschiedlichen Satzinterpretationen auf bestimmte intonatorische Realisierungen zurückführen. Dabei wird die Differenzierung von Entscheidungsfragen und V1-Konditionalsätzen über die Art der finalen...

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