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Interpretation selbständiger Sätze im Diskurs

Syntax und Intonation in Interaktion

Sebastian Kaiser

Die Bedeutung von Sätzen wird in der Satzmodusforschung im Wesentlichen über syntaktische Operationen abgeleitet. Neben der Wortstellung leistet jedoch auch die Intonation einen wichtigen Beitrag zur Interpretation. Ziel der Arbeit ist zum einen die Beschreibung syntaktischer und intonatorischer Eigenschaften selbständiger Sätze und zum anderen die theoretische Rekonstruktion von Satzinterpretationen auf der Grundlage syntaktischer und intonatorischer Aspekte. Dabei bestimmt die Stellung des finiten Verbs zunächst abstrakt die Gültigkeit des Satzinhaltes in Bezug auf die Diskurswelt. Auf dieser Information operiert die Intonation und signalisiert, ob der Satzinhalt zum Common Ground hinzugefügt werden soll und in welchem Verhältnis der Sprecher zum Satzinhalt steht.
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Einleitung

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1. Gegenstand, Aufbau und Ziele der Arbeit

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Untersuchung der Interaktion von Syntax und Intonation und die daraus resultierende diskursive Interpretation von selbständigen Sätzen im Deutschen. In der generativ orientierten Satzmodusforschung wird die wahrheitsfunktionale LF-Bedeutung von Sätzen im Sinne von Chomsky (1981, 1995) über syntaktische Operationen abgeleitet. Dazu zählen die Besetzungsmöglichkeiten der Position SpecCP ([-wh]-Phrase im Vorfeld, [+wh]-Phrase im Vorfeld, Nicht-Besetzung des Vorfelds), die Position des Finitums (in C0 oder T0) und der Verbmodus (Indikativ, Konjunktiv, Imperativ).1 In prominenten Arbeiten zum Satzmodus (vgl. z.B. BRRZ 1992, Lohnstein 2000, Truckenbrodt 2006a, b) bleibt der Einfluss von prosodischen Parametern auf die Interpretation von Sätzen unberücksichtigt. Bereits frühe Arbeiten zur Intonation (vgl. von Essen 1956) weisen jedoch darauf hin, dass prosodische Parameter Einfluss auf die nicht-wahrheitsfunktionale Interpretation von Sätzen nehmen. Neben Fokussierungen einzelner Konstituenten innerhalb des Satzes (Nuklearakzent, Kontrastakzent, Exklamativakzent) ist insbesondere die finale Tonbewegung für die Interpretation des Satzes wichtig. Diese lässt sich über Akzenttöne (z.B. H*, L+H*, L*, H+L*) und Grenztöne (H-, H%, L-, L%) erfassen.2 Wie sich zeigen wird, lässt sich die Interaktion von Syntax und Prosodie theoretisch rekonstruieren. Grundvoraussetzung dafür ist die präzise Differenzierung von syntaktisch gleichen Sätzen mittels prosodischer Parameter. Zudem müssen semantische Konzeptionen der Korrespondenztheorie abstrahiert werden, um die Derivation randständiger Sätze in einer einheitlichen Theorie abzubilden. Dabei liefern Syntax und Intonation im Sinne einer...

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