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Interest Will Not Lie – oder doch?

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Miriam Köhle

Eigeninteresse der Akteure und Akteurinnen ist in der zeitgenössischen Ökonomie die zentrale Motivation menschlichen Handelns. Was aber ist Interesse eigentlich? Diese Arbeit verfolgt zunächst die Spur des schillernden Begriffs von seinen Ursprüngen über seine vielgestaltige Entwicklung bis hin zum zeitgenössischen Gebrauch anhand von Originaltexten des Jansenisten Pierre Nicole, des französischen Moralisten François de La Rochefoucauld, der schottischen Aufklärer David Hume und Adam Smith sowie des politischen Ökonomen John Stuart Mill. Sie analysiert die Implikationen, die das Konzept birgt, und plädiert für eine klarer umrissene, abgegrenzte Verwendung des Begriffs neben anderen, um der Komplexität der ökonomischen Realität wissenschaftlich gerecht zu werden.
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5 John Stuart Mill

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John Stuart Mill (1806-1873) gilt als der letzte Vertreter der klassischen Ökonomie (Canterbery, 2001, S. 98), gleichzeitig hat der auf ihn zurückgehende Homo Oeconomicus die zeitgenössische Ökonomie unvergleichlich stark geprägt.

Mill ist das älteste Kind von Harriet und James Mill (Narewski, 2008, S. 29). Sein Vater lernt 1808 Jeremy Bentham kennen, der als Schöpfer des Philosophischen Radikalismus gilt (Riley, 1994, S. x). Diese Denkschule fußt zunächst auf Hedonismus, also der Annahme, dass das Angenehme zwangsläufig auch gut ist und daher stets verfolgt werden sollte (Canterbery, 2001, S. 69). Ergänzt wird der Philosophische Radikalismus durch Utilitarismus, der eine Verfolgung des größten Glücks der größten Anzahl durch individuelles, aber auch institutionelles Handeln fordert (Canterbery, 2001, S. 70).

James Mill wird Benthams glühender Anhänger und ist bestrebt, seinen Sohn im Geist von Benthams Lehren zu erziehen. ”[John Stuart] Mill wurde zum Gegenstand eines pädagogischen Experiments gemacht“, so Ringo Narewski (2008, S. 32). Die Ausbildung des Kindes beginnt im Alter von drei Jahren mit den Fächern Arithmetik und Griechisch. Als Mill im Alter von dreizehn Jahren unter Anderem vom besten Freund seines Vaters David Ricardo in Nationalökonomie unterwiesen wird, umfasst sein Wissensschatz bereits breite Kenntnisse der Geometrie, der Algebra, der Differentialrechnung, der Logik, der Naturwissenschaften, ← 59 | 60 → des Lateinischen, der Literatur, der Geschichte und der Musik (Narewski, 2008, S. 32). Nach einem einjährigen Aufenthalt in Frankreich, wo er auch Jean-Baptiste Say...

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