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Die Eingemeindungen in die Stadt Kiel (1869–1970)

Gründe, Probleme und Kontroversen

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Julian Freche

Die Untersuchung der Eingemeindungen Kiels hat zwei wichtige Ziele. Zum einen wird eine Gesamtübersicht aller Eingemeindungen in die Stadt erstellt. Zum anderen wird die Stadt mit anderen Teilen Deutschlands verglichen, um aufzuzeigen, ob die Entwicklung Kiels typisch war. Zuerst wird in einer Übersicht die Eingemeindungspolitik in Deutschland im Verlauf von zwei Jahrhunderten kurz dargestellt. Anschließend erfolgt erstmalig die Darstellung aller Eingemeindungen in chronologischer Reihenfolge. Die wichtigsten Quellen sind dem Stadtarchiv Kiel entnommen, anhand derer die Entscheidungsprozesse der Verwaltung und der politischen Entscheidungsträger umfassend untersucht werden. Die Arbeit stellt die These auf, dass Kiel den typischen Verlauf von Eingemeindungen in Deutschland aufweist.
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2 Die Grundlagen kommunaler Gebietsreformen

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Im Untersuchungszeitraum 1869 bis 1970 gab es in Schleswig-Holstein verschiedene Verwaltungssysteme, in denen Eingemeindungen auf unterschiedliche Weise bewertet und vollzogen wurden. Zunächst wird die königlich-preußische Verwaltung betrachtet, die nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 etabliert wurde und bis zum Ende des Ersten Weltkriegs existierte, anschließend die republikanisch-preußische Verwaltung der Weimarer Republik bis zur Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur 1933. Danach folgte die nach dem Führerprinzip7 organisierte Verwaltung. Die Zeit der britischen Besatzung wird im Rahmen dieser Arbeit nicht untersucht, da zu diesem Zeitpunkt keine Eingemeindungen in Kiel stattfanden. Zuletzt wird die Phase der Bundesrepublik Deutschland seit 1949 betrachtet. Diese Phasen werden im folgenden Kapitel dargestellt

2.1 Vorrang der Stadt – Gemeindereformen im königlichen Preußen

Reformen im kommunalen Bereich wurden in Schleswig-Holstein erst in den 1860er Jahren voran getrieben.8 Im Gegensatz dazu stand die Entwicklung in Süd- und Westdeutschland, wo unter dem Einfluss des napoleonischen Frankreich bereits Anfang des 19. Jahrhunderts Reformen durchgeführt wurden. Die kommunale Verwaltung änderte sich in den von französischen Truppen besetzten Gebieten nachhaltig, auch nach dem Ende der Befreiungskriege. Beispielsweise blieb nach der Restauration monarchischer Macht auf dem Wiener Kongress 1815 das Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung bestehen. Im Rheinland und Westfalen, den westlichen Provinzen des Königreich Preußen, wurden nach 1815 ebenfalls Reformprozesse initiiert.9 Zwischen 1816 und 1825 wurden viele kleine Landkreise zusammengelegt, zwischen 1857 und 1861 wiederum Landkreise mit über 100.000 Einwohnern geteilt. Beides geschah, um die Effizienz der lokalen...

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