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Serbien und das Modernisierungsproblem

Die Entwicklung der Gesundheitspolitik und sozialen Kontrolle bis zum Ersten Weltkrieg

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Indira Durakovic

Die Autorin wurde für diese Arbeit mit dem Andrej-Mitrović -Preis ausgezeichnet.

Als Bestandteil eines Modernisierungsprozesses von Staat und Gesellschaft war die Gesundheitspolitik für den angestrebten wirtschaftlichen, militärischen und sozialen Fortschritt Serbiens unerlässlich. Im Kontext einer europäischen Sozialgeschichte der Medizin beleuchtet diese Studie die Medikalisierung einer agrarisch und patriarchal geprägten Gesellschaft. Dabei ist die Analyse der medizinischen Sozialdisziplinierung sowie der hygienischen Erziehung zentral. Basierend auf eugenischen, gesundheitspolitischen sowie sanitärhygienischen Maßnahmen galt es eine effektive soziale Kontrolle zu etablieren. Die Diskrepanz zwischen den theoretisch fundierten Interventionen und ihrer Realisierung verdeutlichen medizinische Zeitschriften, Aufklärungsbücher sowie Archivdokumente aus Belgrad und Wien.
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3. Der Einfluss von Epidemien auf die Entwicklung des Gesundheitswesens

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[…] [B]ei unserem Volk sind Erkrankungen und Todesfälle durch infektiöse Krankheiten zahlreich und sehr häufig. Die Gesamtzahl der Toten bei allen Infektionskrankheiten beträgt jährlich fast die Hälfte der gesamten Todesanzahl. […] So starben im Jahr 1898 16.688 Menschen an Infektionskrankheiten; im Jahr 1899 [waren es] 20.291 und 1900 starben 17.062.517

Die große Problematik der Infektionskrankheiten epidemischen und endemischen Charakters begleitete die meisten gesundheitspolitischen Entscheidungen Serbiens. Auf welche Art und Weise dieser Umstand die Entwicklung sowie die Ausrichtung des serbischen Gesundheitswesens beeinflusst hat, wird in diesem Kapitel anhand unterschiedlicher Bereiche dargestellt. Der Blick wird zunächst auf die Spezifika der modernen Epidemiebekämpfung gerichtet, wobei die dabei angewandten Methoden ebenso wie die daraus resultierenden (Miss-)Erfolge analysiert werden. In diesem Kontext wird insbesondere der Kampf gegen die Flecktyphusepidemie im Ersten Weltkrieg erörtert. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie es zu den folgenschweren Massenerkrankungen kam und welche nationalen und internationalen Handlungsschritte die Ängste vor dem Flecktyphus nach sich zogen.

Die Folgen der gefürchteten Krankheit für die am serbischen Kriegsschauplatz involvierten Truppen sind gleichermaßen Gegenstand der Analyse. Darüber hinaus gilt es herauszufinden, wie die prekäre gesundheitliche Lage unter Kontrolle gebracht wurde und welche zeitge ← 165 | 166 → nössischen Seuchenbekämpfungsmethoden zur Anwendung kamen. Die dabei eingesetzten Zwangsverordnungen, welchen die Bevölkerung ausgesetzt war, werden gesondert untersucht. Insbesondere Epidemien dieser Größenordnung und Signifikanz zogen sofortige Gegenmaßnahmen nach sich, die häufig abgelehnt wurden. Zur Verhinderung der...

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