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Serbien und das Modernisierungsproblem

Die Entwicklung der Gesundheitspolitik und sozialen Kontrolle bis zum Ersten Weltkrieg

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Indira Durakovic

Die Autorin wurde für diese Arbeit mit dem Andrej-Mitrović -Preis ausgezeichnet.

Als Bestandteil eines Modernisierungsprozesses von Staat und Gesellschaft war die Gesundheitspolitik für den angestrebten wirtschaftlichen, militärischen und sozialen Fortschritt Serbiens unerlässlich. Im Kontext einer europäischen Sozialgeschichte der Medizin beleuchtet diese Studie die Medikalisierung einer agrarisch und patriarchal geprägten Gesellschaft. Dabei ist die Analyse der medizinischen Sozialdisziplinierung sowie der hygienischen Erziehung zentral. Basierend auf eugenischen, gesundheitspolitischen sowie sanitärhygienischen Maßnahmen galt es eine effektive soziale Kontrolle zu etablieren. Die Diskrepanz zwischen den theoretisch fundierten Interventionen und ihrer Realisierung verdeutlichen medizinische Zeitschriften, Aufklärungsbücher sowie Archivdokumente aus Belgrad und Wien.
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4. Der Umgang mit Geschlechtskrankheiten und Prostitution

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Um der einfachsten Verbreitung der Infektion – die durch den Geschlechtsverkehr in [Bordellen] erfolgt – den Weg abzuschneiden, ist die sicherste Verfahrensweise, derartige Häuser und die sich darin befindlichen Frauen bewusst zu überprüfen. Dies fällt unter die Pflicht der Sanitätspolizei. Ich muss aber leider zugeben, dass dies nur sehr oberflächlich durchgeführt wird, denn wie könnten wir uns anders die Tatsache erklären, dass sich mehrere [Männer] auf demselben Ort und bei derselben Frau innerhalb weniger Tage anstecken?! Die Art und Weise wie die Sanitätskontrolle der öffentlichen Frauen [Prostituierten] durchgeführt wird, ist von Grund auf falsch; dies ist ein Monopol von ein oder zwei Ärzten, die eine so schwere Untersuchung in der ganzen Stadt in nur 2–3 Stunden abschließen!752

Diese Veranschaulichung aus dem Jahr 1895 erfasst die Kernproblematik des staatlichen Umgangs mit Geschlechtskrankheiten und Prostitution, der im folgenden Kapitel anhand von vier Aspekten analysiert wird. Zunächst wird die theoretische Auseinandersetzung der serbischen Ärzteschaft mit Bordellen sowie dem Vorkommen venerischer Krankheiten in der Bevölkerung durchleuchtet. Da dieser Diskurs die Basis für die Ausrichtung jeglicher Initiativen darstellte, gilt es primär die ärzteinternen Diskussionen und die daraus hervorgegangenen Kampagnen zu ergründen. In diesem Kontext wird auch das Verhältnis zur Sexualität und ← 223 | 224 → außerdem deren Erforschung im Rahmen der Sexualwissenschaft gleichermaßen berücksichtigt. Inwieweit die zeitgenössischen Überlegungen zu Geschlechtskrankheiten und Prostitution die praktischen Lösungsansätze formten, zeigt sich im Rahmen...

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