Show Less
Restricted access

Poetologie der Erinnerung

«Lisbon Story» von Wim Wenders

Series:

Lena Wetenkamp

Im Zentrum des Buches steht der Film Lisbon Story (1994) des Regisseurs Wim Wenders. Der Film wird als eine Darstellung des Gedächtnisdiskurses gelesen und in den Zusammenhang von Intertextualität und Gedächtnis gebracht. Das Thema Erinnerung wird in Lisbon Story über Zitate, durch Farbgestaltung, Geräusche und Medialität motivisch und thematisch in den Vordergrund gestellt. Die Studie weist die in den Film eingelagerten Referenzen an die Filmgeschichte – insbesondere die Regisseure Dziga Vertov und Manoel de Oliveira – und die intertextuellen Bezüge auf das Werk des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa nach. Zusätzlich zeigt sie, dass in Lisbon Story die Stadt Lissabon als Erinnerungsraum inszeniert wird, der seine Geschichte erzählen will.
Show Summary Details
Restricted access

Vorwort

Extract



Dem Regisseur Wim Wenders (*1945) ist wie kaum einem anderen deutschen Filmemacher die Gabe gegeben, „die Geschichten, die Orte uns erzählen kön­nen, zu dechiffrieren, offenzulegen und weiterzugeben“.2 Dies sieht er auch als Hauptantrieb für sein Filmschaffen an – wie in dem Motto, welches dieser Studie vorangestellt ist, deutlich wird. Doch es ist nicht nur die Geschichte der Orte, der er sich in seinen Filmen, Fotoarbeiten und Essays nähert. Auch die Geschichte der Medien und insbesondere die des Kinos rücken immer wieder in seinen Blickpunkt. Wenders’ Werk zeichnet sich durch eine besondere kinematografische Schreibweise aus, die einen reflexiven Umgang mit unterschiedlichen Medien umfasst. In seinen Filmen tauchen immer wieder Künstler und Medienschaffende auf: Fotografen, Tontechniker, Regisseure, Tänzer und Schriftsteller sind die Protagonisten seiner Filme. Dass über diese Hauptfiguren auch die je eigene Medialität in das Blickfeld gerät, ist evident. Auf die besondere Intermedialität von Wenders’ Filmschaffen wurde in der Forschung bereits hingewiesen.3 Und auch die Frage nach dem Zusammenhang von Medien und Gedächtnis wurde aus kulturwissenschaftlicher Sicht immer wieder gestellt. Wie dieser Zusammenhang aber auch medial inszeniert wird, wurde bis heute nur marginal untersucht. Dabei kann der Film Lisbon Story, den Wenders im Auftrag der Stadt Lissabon anlässlich der Ernennung zur Europäischen Kulturhauptstadt 1994 drehte,4 als eine eben solche Auseinandersetzung gelesen werden.

In diesem Film geht es nicht allein um die Geschichte des Toningenieurs Phillip Winter, der sich auf die Reise nach...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.