Show Less
Restricted access

Programmwortschatz einer höfischen Dichtersprache

«hof/hövescheit», «mâze», «tugent», «zuht», «êre» und «muot» in den höfischen Epen um 1200

Series:

Nina Bartsch

Diese Arbeit versteht sich als Beitrag zur Diskussion um die sogenannte höfische Dichtersprache. Den Ansatzpunkt für die Untersuchung bildet dabei die Analyse des oft als gruppenspezifisch verstandenen Wortschatzes. Die Programmwörter hövescheit, mâze, tugent, zuht, êre und muot dieses Wortschatzes entwerfen in ihrer unterschiedlichen sprachlichen Verwendung das für den literarischen Handlungsraum hof gültige Regelwerk und dessen Grenzen. Durch die empirische Analyse der sprachlichen Verwendung der einzelnen Programmwörter und deren konzeptioneller Verknüpfung im Sinne eines Programmwortschatzes in der höfischen Epik um 1200 wird eine bisher bestehende Forschungslücke gefüllt und so eine Basis für weiterführende Forschungsfragen geschaffen.
Show Summary Details
Restricted access

3.6. muot

Extract



3.6.1. Stand der Forschung

muot, besonders in seiner Ausprägung als hoher muot, referiert auf die Innerlichkeit des Menschen, muot umfasst in vielfältiger Weise das gesamte Seelenleben sowohl in seinen irrational emotionalen als auch in seinen rational intellektuellen Ausprägungen und bezeichnet damit sowohl die Kräfte und Affekte als auch das Denken und Wollen. Oft erfährt muot eine sprachliche Modifikation durch die Kombination mit Adjektiven, sodass dabei kontaminierte Ausdrücke entstehen, die individuelle und gesellschaftliche – oft höfische – Verhaltensnormen bezeichnen.399 Versteht man muot in diesem Sinne als ein Seelenwort, gehört es ursprünglich zu den Schlüsselwörtern der germanischen Literatur. Als Glosse bezieht es sich z.B. auf lat. mens, anima, animus, cor und spiritus - also auf die unterschiedlichsten psychischen, geistigen und voluntativen Kräfte des Menschen. In allgemeiner Bedeutung kann es auch für ,Meinung', ,Gedanke‘ oder ,Sinn‘ stehen, dies erklärt die schon im Mittelhochdeutschen vorhandene semantische Nähe von muot und sin. Durch seine Zugehörigkeit zu den Seelenwörtern ergibt sich die enge Bindung an die Bezeichnung aller Aspekte des Lebens, in diesem Zusammenhang kann muot auch Zustände extremer emotionaler Erregung markieren, in der Regel liegt der Fokus der Bedeutung jedoch auf den seelischen Aspekten. Den höchsten Wert erlangt der muot in seiner Akzentuierung als hoher muot, die die grundsätzlich schon im Bezugswort enthaltene Steigerung maximiert – sodass dem hôhen muot der Stellenwert einer ethischen Wertsteigerung zugesprochen werden kann.400Sowohl hochmuot als auch der hohe...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.