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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Das Reale, der Körper und die soufflierten Stimmen: Artaud heute

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Im August 1946, nach neun Jahren der Internierung in psychiatrischen Kliniken nach Paris zurückgekehrt, schreibt Antonin Artaud das Vorwort – „Préambule“ – zur Werkausgabe, die bei Gallimard veröffentlicht werden soll.1 Aus diesem Anlass kommt er auf die Anfänge seines Schreibens zu sprechen und charakterisiert den Ausgangspunkt seiner singulären Erfahrung mit der Sprache, die ihn zu einer Erfahrung mit den Sprachen des Theaters führen wird, so:

Für mich bestand die Frage nicht darin zu wissen, was in den Rahmen geschriebener Sprache, sondern was in die Textur meiner lebendigen Seele einzudringen vermöchte …2

Und er umreißt diese Frage genauer:

Mit welchen Worten werde ich in die Faser dieses scheelen Fleisches eindringen (ich sage TORVE, was scheel heißt, aber im Griechischen gibt es tavaturi, und tavaturi heißt Lärm, etc.).3

Artaud fragt nach der Fähigkeit von Worten, die Kraft, die Spannung, den Druck, seine Unterdrückung in der Schrift, im Schreiben erfahrbar zu machen, ohne dass sie in der Rezeption durch ein, gesellschaftlicher Wahrscheinlichkeit verpflichtetes Denken aufgelöst würden. Deshalb ist ihm wichtig, dass das Wort auch den Körper anzusprechen vermag, indem es ihn hörbar macht als Klang oder Lärm: tavaturi. Diese Suche hatte Artaud in den zwanziger und dreißiger Jahren zum Theater geführt, zu einer Konzeption des Theaters der Grausamkeit, die am breitesten in den Texten von Le théâtre et son double entwickelt wurde.4 Doch 1946...

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