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Die soufflierte Stimme: Text, Theater, Medien

Aufsätze 1979-2012

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Helga Finter

Ist die Stimme nur Toninstrument für Sprache oder ist ihr Klang selbst signifikant? Wer spricht, was singt in einer Stimme? Welche Rolle spielt ihre Theatralisierung für Subjekt-, Körper- und Sprachkonzepte? Wie schafft Stimme Präsenz? Wie eine Signatur? Wie wird ein Ursprung der Stimme, wie Audiovision dramatisiert? Welchen Einfluss hat der Einsatz von Mikrofon, Lautsprecher, Sound-Design? Was bewirken Aufzeichnungstechnologien? Welche Rolle haben akusmatische Stimmen? Was kennzeichnet eine Ethik der Stimme, eine Stimm-Politik? Wie verhält sich die poetische zur Autorenstimme? Auf solche Fragen antwortet dieser Band mit Analysen der Praxis von (experimentellem) Theater, Oper, Tanz, Medien, wie auch von poetisch strukturierten Texten, die performativ eine Ästhetik der Stimme entwerfen.
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Sprechen, deklamieren, singen.

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In einer Rede über die diction du vers, welche er anlässlich eines Diners der Revue critique am 27. Mai 1926 hielt, stellt Paul Valéry fest, dass das Sprechen von Versen keinen allgemein verbindlichen Regeln unterliege. Vielmehr gebe es ebenso viele unterschiedliche Vortragsweisen wie Dichter – „[…] il y a d’abord, nécessairement, presque autant de dictions différentes qu’il existe ou qu’il a existé de poètes, car chacun fait son ouvrage selon son oreille singulière.“1 Und darüber hinaus sei noch ein weiterer Aspekt des Vortragens zu vermerken: „Il y autant de dictions qu’interprètes, dont chacun a ses moyens, son timbre de voix, ses réflexes, ses habitudes, ses facilités, ses obstacles et répugnances physiologiques.“2

Nimmt man die feinsinnigen Bemerkungen Valérys ernst, so müssen Überlegungen zur Stimme im Theater des 17. Jahrhunderts zum einen eng mit der Frage nach dem implizierten Modell des Subjekts und zum anderen mit der Frage nach dem hieraus resultierenden Körperkonzept verbunden sein. Denn im Theater ermöglicht gerade die Stimme des Schauspielers, die Illusion einer Verbindung zwischen der visuellen Wahrnehmung des Bühnengeschehens und der auditiven Wahrnehmung des Textes herzustellen: Die Stimme kann dabei ein Steg für den Text sein, aber auch selbst einen Klang- oder Geräuschtext entwickeln.3 Als ein Zwischen von Körper und Sprache4 kann die Stimme sich auf die Seite des Textes schlagen und einen Sprachkörper projizieren; sie ist dann vor allem ein Sprachrohr, das ihre physische...

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