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Spuren.Suche (in) der Romania

Beiträge zum XXVIII. Forum Junge Romanistik in Graz (18. bis 21. April 2012)

Series:

Edited By Luca Melchior, Albert Göschl, Rita Rieger and Michaela Fischer

Die seit Jahrzehnten renommierte Reihe zum romanistischen Nachwuchskolloquium Forum Junge Romanistik sammelt auch in ihrem 28. Band wieder die aktuellen Themen junger romanistischer Nachwuchsforschung. In ihrer Gesamtheit konstruieren die Beiträge ein offenes Bild zum zentralen Leitkonzept der Spur. Spurensuche als geisteswissenschaftliche Methode sowie die Implikationen zeitlicher und räumlicher Dimensionen bis hin zur emotiven Komponente des Spurenkonzeptes ordnen die vielschichtigen Forschungsergebnisse zu einem aufschlussreichen Kompendium neuester Forschungsliteratur. Die Diversität der Tagungsakten lässt ein Panorama der romanistischen Disziplinen (Literatur-, Kultur-, Sprachwissenschaft und Fachdidaktik) entstehen.
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Einleitung

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Der Spurbegriff kann in der philosophischen Tradition Europas auf Platon zurückgeführt werden, dennoch wird in der gängigen Betrachtungsweise der Beginn einer theoretischen Auseinandersetzung mit dem Konzept ‚Spur‘ erst bei der modernen Semiotik angesetzt. Diese Vorstellung stimmt allerdings nur teilweise. Tatsächlich kann auch weit bis in die Aufklärung hinein die Entwicklung einer expliziten Spurentheorie nachgezeichnet werden, die sich bereits von reinen Abhandlungen zur Jagd- und Forstwirtschaft differenziert und in philosophischen Traktaten in metaphorisierter Form fruchtbar wird. So findet sich zum Beispiel in Johann Heinrich Lamberts Logische und philosophische Abhandlungen (1782) ein eigenes Spuren-Kapitel, in dem der Autor die Spur als methodisches Konzept einführt, das für eine wissenschaftliche Erkenntnisgenerierung unabdingbar zu sein scheint:

Da man Spuren als Anfänge von Methoden und Zusammenhang ansehen kann, so kommen sie vorzüglich bey analytischen Untersuchungen vor. Daher können Experimente, in so fern sie etwas von der gesuchten Eigenschaft verrathen, auf die Spur helfen, zumal wenn es Prädicate sind, die uns auf umgekehrte Sätze leiten, welche uns weiter führen. (Lambert 1782, 416)

Die Spur spielt dabei im gesamten 18. Jahrhundert eine entscheidende Rolle in der Auseinandersetzung mit Wahrnehmung dort, wo davon ausgegangen wird, dass unsere Sinneseindrücke Spuren in unserer Seele hinterlassen, wobei jene Funktionalisierung des Spurbegriffes bereits diskursiv von Descartes vorgegeben wurde, der in Bezug auf die Sinneseindrücke von „traces de diverses impressions“ spricht (Descartes 1649, 32). Auch im 19. Jahrhundert mündet so der epistemologisch aufgeladene Term...

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