Show Less
Restricted access

Von der freien zur integrierten Erwachsenenbildung

Zugänge zur Geschichte der Erwachsenenbildung in Österreich- Ein Studienbuch

Wilhelm Filla

Dieses Werk wurde mit den Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch 2015 ausgezeichnet.

Dieses Studienbuch zur Geschichte der Erwachsenenbildung in Österreich ist das erste seiner Art. Es eröffnet Zugänge zu den Anfängen und zur Entwicklung dauerhaft institutionalisierter Erwachsenenbildung bis in die unmittelbare Gegenwart, unter Bezugnahme auf internationale Entwicklungen. Unter dem Titel Von der freien zur integrierten Erwachsenenbildung wird die komplexe Entwicklungsgeschichte, chronologisch-periodisch strukturiert, zusammengefasst, reflektiert und zur Diskussion gestellt. Offene Fragen und weiße Flecken in der Erwachsenenbildungsgeschichte werden angesprochen und zahlreiche forschungsmethodische Hinweise gegeben. Bild- und Dokumentenmaterial dient der Veranschaulichung.
Show Summary Details
Restricted access

4. Erwachsenenbildung im Faschismus und Nationalsozialismus

Extract



Forschungsstand

Die demokratische Periode der Zwischenkriegszeit endete in Österreich mit der Ausschaltung des Parlaments im März 1933 und in Deutschland mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jänner 1933. Bis 1938 verlief die politisch-gesellschaftliche Entwicklung in beiden Ländern jedoch sehr unterschiedlich. In Deutschland etablierte sich der Nationalsozialismus auch mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die Erwachsenenbildung. In Österreich setzte sich ab 1933 und dann vollends nach dem kurzen Bürgerkrieg im Februar 1934 ein Regime durch, dessen Bezeichnung in der Politik, im Alltagsverständnis der Menschen und in der Wissenschaft kontrovers ist. Das Regime wies zwar totalitäre Züge auf, kann aber nicht mit der Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten gleichgesetzt werden. Es war überdies gesellschaftlich zu wenig verankert, um sich voll im Sinn der eigenen Absichten durchzusetzen.

Vielfalt gesellschaftlicher Zentralbegriffe

Für das politisch-gesellschaftliche System in Österreich von 1933/34 bis 1938 gibt es bis heute keine allgemein gültige Bezeichnung, sondern eine Vielzahl von Begriffen. Politik und Geschichtswissenschaft sprechen überwiegend von:

• Austrofaschismus

• Regierungsdiktatur oder

• (Christlichem) Ständestaat – auch als Eigenbezeichnung des Regimes

Die Auseinandersetzung mit der Erwachsenenbildung zwischen 1933/34 und 1938 setzt auf der Ebene des gesellschaftlichen Zentralbegriffs eine Begriffsverwendungsentscheidung voraus, die – wie das bei solchen Entscheidungen immer der Fall ist – nicht beliebig erfolgen kann. Mit den hier angeführten drei Zentralbegriffen (Austrofaschismus, Regierungsdiktatur, Christlicher Ständestaat) ist ein jeweils unterschiedliches historisches, gesellschaftliches und politisches Verständnis verbunden.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.