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Zur Entwicklung der Erwachsenenbildung in Österreich nach 1945

Strukturen, Zusammenhänge und Entwicklungen

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Angela Bergauer, Johann Dvořák and Gernot Stimmer

Erwachsenenbildung ist der Bildungssektor, in dem die Menschen die Kenntnisse, Fertigkeiten und Einstellungen erwerben und entwickeln können, die es ihnen gestatten, sowohl ihre Arbeitskraft besser verkaufen wie auch ihr Leben besser gestalten zu können. Die Beiträge dieses Buchs untersuchen dieses Ziel des lebensbegleitenden Lernens und bieten eine reflektierte Beschreibung von Strukturen und Entwicklungen der österreichischen Erwachsenenbildung nach ihrer (Wieder-)Entstehung 1945. Somit leistet dieses Buch einen weiteren Schritt zur Aufarbeitung der Geschichte der österreichischen Erwachsenenbildung. Es lädt ein, sich mit der sozialen Relevanz der Bildungsarbeit mit Erwachsenen, den dafür notwendigen Rahmenbedingungen sowie einer wichtigen Erinnerungskultur an die «Volksbildung» als Beitrag zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen auseinanderzusetzen.
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Wege zur gesamtösterreichischen Erwachsenenbildungsvertretung – am Beispiel der Bildungswerke und der Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs

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1.   Der geistig ideologische Hintergrund

Um die Gründungsphase der Bildungswerke etwas besser zu verstehen, ist ein Rückblick auf die ideologisch-politischen Wurzeln der Bildungsszene der Ersten Republik und des Ständestaates angebracht. Dies deshalb, da die polarisierte Bildungs- und Kulturlandschaft der Zwischenkriegszeit als Erbe auf die Zweite Republik überging und alle der am Aufbau des neuen Bildungs- und Erwachsenenbildungssystems nach 1945 Beteiligten davon geprägt waren.

Werfen wir einen vergleichenden Blick auf das ideologisch aufgeladene Schul- und allgemeine Bildungssystem bis 1938, so stehen sich drei dominante Bewegungen gegenüber:

Zum einen das katholisch-konservative Bildungslager, gestützt auf die Vielzahl katholischer Ordensschulen sowie die Bildungsaktivitäten der katholischen Laienbewegung, die zugleich das strukturelle und ideelle Rückgrat der christlich-sozialen Partei bzw. allgemein eines „Politischen Katholizismus“ bildete.

Zum anderen ein sich trennscharf davon distanzierendes, teils noch auf dem Ideengut der liberalen allgemeinen Volksbildung basierendes sozialistisches Gegenmodell, das sich speziell in Wien in seiner ganzen Vielfalt von Bildungsorganisationen und emanzipatorischen Bildungsaktivitäten entfaltete.

Zum Dritten das sich zwar ebenfalls auf das liberal antiklerikale Erbe berufende Dritte Lager, das sich aber zunehmend auf ein transnationales deutsches Volkstum und ein sich daraus ableitendes spezifisches deutsch-antisemitisch eingeschränktes Bildungs- und Kulturverständnis berief.

Diese vordergründig monolithischen Bildungslager wurden indes überdeckt und aufgebrochen durch das lagerübergreifende Phänomen der Jugendbewegung, die als ursprünglich antibürgerliche Protestbewegung das gesamte traditionelle Bildungssystem in Frage stellte und mit der ihr eigenen Deutungsmacht...

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