Show Less
Restricted access

Lastenausgleich

Die rechtliche Behandlung von Kriegsschäden in Deutschland seit dem 30jährigen Krieg

Series:

Thomas Habbe

Durch Lastenausgleich unterstützte die Bundesrepublik Deutschland nach 1952 Kriegssachgeschädigte, Flüchtlinge und Vertriebene, ohne die Haftung für im 2. Weltkrieg entstandene Schäden anzuerkennen. Die Arbeit untersucht die Ursprünge der Vorstellung, ein Staat sei seinen Bürgern zum Ersatz von Kriegsschäden verpflichtet. Erste Ansätze in diese Richtung gab es im deutschen Rechtsraum während des 30jährigen Krieges. In den Koalitionskriegen und im 1. Weltkrieg kam die Frage erneut auf, im 2. Weltkrieg versprach das NS-Regime den vollständigen Ausgleich von Kriegsschäden. Die Untersuchung zeigt, dass seit dem 17. Jahrhundert die Staaten mit wenigen Ausnahmen bemüht waren, die kriegsbedingten Lasten der Bevölkerung wenigstens erträglich zu halten; der in der Bundesrepublik praktizierte Lastenausgleich entsprach nicht dem politischen Anspruch.
Show Summary Details
Restricted access

A. Einleitung

Extract

Als am 8. Mai 1945 der Zweite Weltkrieg in der bedingungslosen Gesamtkapitulation des Deutschen Reiches in Europa endet, hat fast sechs Jahre lang ein bis heute beispielloser Krieg gewütet. Viele europäische Städte sind Trümmerwüsten. In den vormals von Deutschland besetzten oder zu Deutschland gehörenden Gebieten im Osten werden viele Städte durch unmittelbare Kampfhandlungen beim Zurückweichen der deutschen Armee in Mitleidenschaft gezogen oder bewusst verwüstet. Gleichzeitig ist es erklärtes Ziel insbesondere der Westalliierten, auf deutschem Gebiet nicht nur kriegswichtige Ziele, also Fabriken und Infrastruktur, zu zerstören, sondern auch die Bevölkerung zu treffen, als man erkennt, dass fehlender Wohnraum den Kampf- und Durchhaltewillen eher beeinträchtigt als eine zerstörte Arbeitsstätte.1 Daher geht ab dem Frühjahr des Jahres ← 1 | 2 → 1942 zunächst die britische und ab dem Jahr 1943 auch die US-amerikanische Luftwaffe dazu über, im sogenannten area bombing ganze Städte zu zerstören. Bei diesen Operationen kommen gleichzeitig bis zu 1 000 Bomber pro Stadt zum Einsatz.2

Am 8. Mai 1945 sind im Gebiet der späteren Bundesrepublik Deutschland3 etwa 2 ½ Millionen Wohnungen zerstört; etwa 2 ½ Millionen Menschen haben dort aus diesem Grund ihre Heimatstädte verlassen müssen.4 Ab Januar 1945 kommen Flüchtlinge und Vertriebene aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße: Etwa zwölf Millionen Personen registrieren die Behörden bis Jahresende 1950; etwa acht Millionen werden im Gebiet der Westalliierten aufgenommen, die übrigen vier Millionen kommen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.