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Interdisziplinäres Kolloquium zur Geschlechterforschung II

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Ilse Nagelschmidt, Britta Borrego and Uta Beyer

Der zweite Band zum Kolloquium «Gender-Kritik» versammelt die Redebeiträge dieser interdisziplinären Veranstaltungsreihe zur Geschlechterforschung an der Universität Leipzig aus den Jahren 2010 und 2011. Er vereinigt begriffstheoretische und ideologiekritische Aufsätze, empirische Studien sowie gesellschaftsanalytische Texte zu Themen wie Sexualität und Lebensweisen, Sportsoziologie, Migrations- und Entwicklungspolitik.
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Marion Gemende: Zuschreibungen und Differenzierungs- dilemmata im Kontext von Migration, Geschlecht und Gleichstellung

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Zuschreibungen und Differenzierungsdilemmata im Kontext von Migration, Geschlecht und Gleichstellung

Marion Gemende

In den öffentlichen Debatten um Migration und über Menschen mit Migrationshintergrund ist zu beobachten, dass diese Themen zum Teil mit dem Thema ‚Geschlecht‘ verbunden werden. Prominentes Beispiel dafür ist das Buch von Thilo Sarrazin Deutschland schafft sich ab von 2010. Wie auch Sarrazin es tut, wird dann mittels verallgemeinerter Zuschreibungen und entsprechender sprachlicher Wortschöpfungen in jeweiligen Kontexten, wie zum Beispiel „die Kopftuchmädchen“ (u.a. für Töchter mit niedrigen oder keinen Schulabschlüssen bzw. gering qualifizierte junge Frauen aus Familien mit türkischer Herkunft), – bewusst und/oder unbewusst – das Verhältnis zwischen migrierten und nicht migrierten Menschen als unterschiedlich und ungleichwertig dargestellt.148 Wie in der sozialpolitischen Diskussion besteht auch in Sozialer Arbeit und Pädagogik die Herausforderung, mit Differenzierungsprozessen umzugehen. In der Regel betonen die Professionellen, alle Mädchen und Jungen bzw. Frauen und Männer, mit und ohne Migrationshintergrund gleich zu behandeln und auf rechtlichen Grundlagen auch gleich behandeln zu müssen.

Aber einerseits müssen soziale Probleme von Menschen benannt und skandalisiert sowie Bewältigungs-, Entwicklungs- und Bildungsaufgaben und ihre sozialstrukturellen Bedingungen beschrieben und begründet werden. Kulturelle Differenzen (wie z.B. nach Nationalität/Ethnie und Geschlecht) werden dann hinsichtlich ihrer sozialen Benachteiligungen hinterfragt, um sie nach Möglichkeit durch sozialpolitische Interventionen, soziale Hilfe sowie Lern- und Bildungsprozesse zu minimieren. Andererseits wird gefordert und erwartet, Menschen in ihren je individuellen Besonderheiten (z.B. selbst zugeschriebene ethnische und...

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