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Interdisziplinäres Kolloquium zur Geschlechterforschung II

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Edited By Ilse Nagelschmidt, Britta Borrego and Uta Beyer

Der zweite Band zum Kolloquium «Gender-Kritik» versammelt die Redebeiträge dieser interdisziplinären Veranstaltungsreihe zur Geschlechterforschung an der Universität Leipzig aus den Jahren 2010 und 2011. Er vereinigt begriffstheoretische und ideologiekritische Aufsätze, empirische Studien sowie gesellschaftsanalytische Texte zu Themen wie Sexualität und Lebensweisen, Sportsoziologie, Migrations- und Entwicklungspolitik.
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Gesa Mayer: Mangel-Erscheinungen. Die Monogamie-Norm und ihre Logik des Mangels

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Mangel-Erscheinungen. Die Monogamie-Norm und ihre Logik des Mangels254

Gesa Mayer

Die monogame Zweierbeziehung gilt in unserer Gesellschaft als DAS Modell für Liebesbeziehungen schlechthin: Monogam zu leben ist kaum hinterfragte Norm und heißbegehrtes Ideal in einem. Unabhängig vom Bestehen einer Ehe fordern Beziehungs-Partner_innen in der Regel körperlich-sexuelle und/oder emotionalaffektive Exklusivität voneinander – wenn schon kein Leben lang, dann zumindest für die Dauer der jeweiligen Beziehung, was auch als „serielle Monogamie“255 bezeichnet wird. Zwar weisen empirische Untersuchungen wie auch eine Fülle populärer Ratgeberliteratur, die beim Verhindern, Vertuschen oder Verarbeiten von ‚Untreue‘ behilflich sein möchte, deutlich darauf hin, dass sich der normative Anspruch auf Monogamie keineswegs immer reibungslos mit den alltäglich gelebten Praxen und Begehren der Subjekte deckt. Dies geht jedoch für gewöhnlich eher mit einer individualisierenden und responsibilisierenden Infragestellung der betreffenden Beziehung(en) und involvierten Personen einher denn mit einer grundsätzlicheren Kritik der Monogamie-Norm. Das komplexe Zusammenspiel von Diskursen, Machtformen und Subjektivierungsweisen, das eine monogame Selbst- und Beziehungsführung weithin als alternativlos und er-strebenswert, nicht-monogame bzw. polyamouröse Lebensformen dagegen als problematisch, bedrohlich oder als schlicht nicht realisierbar erscheinen lässt, bezeichne ich im Anschluss an Marianne Pieper und Robin Bauer als „Mono-Normativität“256.

Trotz der vermeintlichen Klarheit und Strenge der Norm – Es kann nur Eine_n geben! – ist Mono-Normativität in der Realität weit davon entfernt, monolithisch, statisch und widerspruchsfrei zu sein. Als soziale Institution, subjektivierende...

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