Fremdheit – Gedächtnis – Translation
Interpretationskategorien einer kulturorientierten Literaturwissenschaft
©2018
Monographie
464 Seiten
Reihe:
Danziger Beiträge zur Germanistik, Band 56
Zusammenfassung
In dieser Monografie werden ausgewählte Kulturtexte des 20. und 21. Jahrhunderts unter Anlehnung an die Interpretationskategorien Fremdheit, Gedächtnis und Translation gelesen. Um das Deutungspotential dieser drei Leitbegriffe einer kulturorientierten Literaturwissenschaft zu entfalten, werden sie einer metaphorischen Extension unterzogen und in diversen Konfigurationen zusammengeführt. Der so entwickelte Analyserahmen erlaubt es aufzuzeigen, wie sich die Werke von so unterschiedlichen Autoren wie Thomas Mann, Bruno Schulz, W.G. Sebald und J.S. Foer sowie ihre interlingualen, intersemiotischen und sonstigen Translationen gegenseitig beleuchten. In den Blickwinkel rücken dabei Wechselbeziehungen zwischen kulturwissenschaftlichen Diskursen wie die Übersetzungs- und die Gedächtnisforschung.
Leseprobe
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Titel
- Copyright
- Autorenangaben
- Über das Buch
- Zitierfähigkeit des eBooks
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Einführung
- 1. Fremdheit, Gedächtnis und Translation: kulturwissenschaftliche Leitbegriffe mit turn-Potential
- 2. Begriffsdefinitorische Schwierigkeiten: ›harte‹ und ›weiche‹ Fachbegriffe
- 3. Zur gemeinsamen interdisziplinären Erforschung von Fremdheit, Gedächtnis und Translation: Forschungsstand und Perspektiven
- 4. Schwerpunkt: Kulturtexte
- 5. Literaturwissenschaft: eine kulturwissenschaftliche? Eine inter-/transkulturelle? Eine kulturorientierte?
- 6. Zur Auswahl der Beispieltexte
- Kapitel I. Translation
- 1. Translationswissenschaftliche Anschlussmöglichkeiten an die Gedächtnisforschung. Standpunkte und Konzepte im Überblick
- 2. Vom interlingualen Transfer zur ›Kultur als Übersetzung‹: die Perspektivverschiebungen der Translationswissenschaft
- 3. Die metaphorische Extension des Translationsbegriffs: Cultural translation als conditio humana
- Exkurs: Wechselwirkungen zwischen Translationsauffassung und Metaphern-Theorie
- 4. Jakobson und die Folgen, oder: An den unscharfen Rändern des Translationsbegriffs
- 5. Translation als radiale Kategorie; übersetzungsähnliche Kulturtext-Transformationen
- Kapitel II. Gedächtnis
- 1. Gedächtnis und Erinnerung, Übersetzen und Dolmetschen: erste formal-lexikalische Annäherungen
- 2. Individuelles Gedächtnis und intrapsychische Translationen
- 2.1 Individuelles Gedächtnis und Dolmetschen aus kognitionspsychologischer und neurowissenschaftlicher Perspektive
- 2.2 Ich-Gedächtnis, Mich-Gedächtnis und intersemiotische Translation
- 2.3 Translation und Gedächtnis in der Psychoanalyse
- 3. Kommunikatives Gedächtnis und Übersetzen: Formen zwischenmenschlicher Kommunikation
- 4. Kulturelles Gedächtnis und sinnverwandte Begriffe
- 4.1 Kultur und Tradition
- 4.2 Fiktives Bezugsfeld (Jerzy Ziomek)
- 4.3 (Sprachliches) Weltbild; Kultur-Code (Maria Krysztofiak)
- 4.4 Intertextualität: das Gedächtnis des Textes (Renate Lachmann)
- 4.5 Das paradigmatische Universum (Edward Balcerzan), Systemreferenzen (Manfred Pfister), Interdiskursivität
- 4.6 Geschichte: Opposition oder Ergänzung zum Gedächtnis?
- 5. Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen
- 6. Individuelle und kollektive Gedächtnisformationen: fließende Übergänge oder »Bruch und Abgrund«?
- 7. Strukturanalogien zwischen ›Gedächtnis‹ und ›Translation‹
- 7.1 Mimesis und Transfer vs. Poiesis und Transformation?
- 7.2 Übersetzungs- und Gedächtnismetaphern
- 7.3 Der memetische Zugang zur Translation und zum kollektiven Gedächtnis
- 7.4 Translation und Gedächtnis: Metapher oder Metonymie?
- 8. Zur ethischen Relevanz von Erinnerungs- und Übersetzungspraktiken: Machtdiskurs und Sacrum
- Kapitel III. Fremdheit
- 1. Fremdes, Eigenes, Anderes: Abgrenzungen, Relationen, Systematisierungsversuche
- 2. Xenologische Aspekte der literarischen Übersetzung
- 2.1 Fremdheit als »Programm« in romantischen Übersetzungskonzepten
- 2.2 Fremdheit, Übersetzung, ›Geschichte vs. Eingedenken‹ bei Walter Benjamin
- 3. Gedächtnisrelevante Erscheinungsformen der Fremdheit
- 3.1 »Das Fremde in mir«: das Unbewusste
- 3.1.1 Das Unheimliche (Sigmund Freud)
- 3.1.2 Das Abjekt (Julia Kristeva)
- 3.1.3 Das Trauma
- 3.1.4 Postmemory (Marianne Hirsch)
- 3.1.5 Das Phantom (Nicolas Abraham) und das Ungewusste (Ilany Kogan)
- 3.2 ›Das Fremde‹ im kollektiven Gedächtnis
- 3.2.1 Das kollektive Unbewusste und seine Archetypen (C.G. Jung)
- Exkurs: C.G. Jung und Aby Warburg. Jungs Archetypenlehre: ›das Fremde‹ der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung?
- 3.2.2 Krypta, Archiv, Speichergedächtnis
- 4. Ausblick: Konfigurationen von Fremdheit, Gedächtnis und Translation in einer kulturorientierten Literaturwissenschaft
- Kapitel IV. Thomas Manns Der Erwählte und das kulturelle Gedächtnis des Mittelalters
- 1. Vorbemerkung
- 2. Das ›fremde‹ Mittelalter und seine Verschiebung aus dem Speicher- ins Funktionsgedächtnis
- 3. Intrakulturelle und interdiskursive Translation von Hartmanns Gregorius im Erwählten
- 3.1 Übernahme des Fabelgerüsts, motivische Umdeutung
- 3.2 Der Erwählte als prosaische und parodistische Übersetzung im Sinne von Goethe
- 4. Inszenierung der Fremdheit auf intertextueller Ebene
- 4.1 Erzählhaltungen und konkurrierende »Modi der Rhetorik des kollektiven Gedächtnisses« (Astrid Erll) im Erwählten
- 4.2 Fremdheit auf der Ebene der Stilistik und Gattungspoetik
- 5. Das Bildgedächtnis des Mittelalters: Manns intersemiotische Translationen und ihre polnische Übersetzung
- 6. Fremdheit und Vertrautheit auf sprachlicher Ebene
- 6.1 Übernahme authentischer Archaismen
- 6.2 Synonyme, Antonyme, textinterne Worterklärungen
- 6.3 Der fiktive Dialekt im Original und in der Übersetzung
- 7. Schlussbemerkungen: Der verbale und der visuelle Fundus des kulturellen Gedächtnisses
- Kapitel V. »Die nebeligen Rauchkammern der Fabeln und Märchen«: Formen des Unbewussten in interdiskursiver Translation bei Bruno Schulz
- 1. Vorbemerkung
- 2. Bruno Schulz' Fremdheit: im biographischen, literaturhistorischen und künstlerischen Dazwischen
- 3. Die textinterne Fremdheit: Sprache, Groteske, Entfremdung
- 4. Translationen von/bei Bruno Schulz
- 5. Bruno Schulz' poetische Bilder des Unbewussten
- 5.1 Psychoanalyse als Bruno Schulz' interdiskursives Bezugsfeld
- 5.2 Der Mythos und das kollektive Unbewusste bei Bruno Schulz und Thomas Mann
- 6. Bruno Schulz' interdiskursive Translation in deutschen Übersetzungen
- 6.1 Der Künstler als Medium des kollektiven Unbewussten
- 6.2 »Mythisierung der Wirklichkeit«: Sinngebung oder Versinnlichung der Welt?
- 6.3 Bruno Schulz' ›Gedächtnislehre‹?
- 7. Die ästhetische Umsetzung der Mythos-Idee
- 7.1 Iterative und unvollendete Verbformen als Mittel der »Mythisierung der Zeit«
- 7.2 Zeitangaben und Demonstrativpronomina: scheinbare Logik, scheinbarer Realitätsbezug
- 7.3 Die visuelle Kraft des Grotesken oder die lautmalerische Verfremdung der Sprache?
- 8. Eine Zwischenbilanz: interlinguale Übersetzung als Grundlage für rewritings/remediations
- Kapitel VI. ›Kulturtext Bruno Schulz‹: ein Gedächtnisort der mitteleuropäischen und globalen Erinnerungskultur
- 1. Vorbemerkung
- 2. Der mitteleuropäisch-galizische Hintergrund des ›Kulturtextes Bruno Schulz‹
- 3. Das Fragmentarische und Lückenhafte an Schulz' Leben und Werk
- 4. Bruno Schulz' Gedächtnismetaphern: Apokryph und Palimpsest als Impuls zum rewriting
- 5. Bruno Schulz' literarische Porträts bei David Grossman, Cynthia Ozick, Ugo Riccarelli und Maxim Biller
- 5.1 Bruno Schulz' apokryphes und palimpsestartiges Nachleben in der Postmoderne
- 5.2 Fiktiver Schulz und ›schulzoide‹ Figuren mit hybriden Identitäten
- 5.3 Das metapoetische Bewusstsein und die Suche nach der ›authentischen‹ Sprache
- 6. Die Zimtläden als Comic bzw. Graphic novel: Zur visuellen Verfremdung des Originals in der intersemiotischen Translation von Dieter Jüdt
- 7. J.S. Foers Tree of Codes: ›transmediale Translation‹ in ein hybrides Designobjekt
- 8. Schlussbemerkung
- Kapitel VII. Fremde Räume und Translationen als Denkfiguren der memoria im Erzählwerk von W.G. Sebald
- 1. Fremdheit, Gedächtnis und Translation bei Sebald: textinterne Leitmotive und biographische Hintergrundfaktoren
- 2. Zur gedächtnisprägenden Leistung ›fremder Räume‹: Sebalds Heterotopien und Nicht-Orte
- 2.1 Bahnhöfe: Nicht-Orte mit identitätsstiftender Funktion
- 2.1.1 Der Bahnhof in Antwerpen: Ein Ort des kommunikativen Gedächtnisses
- 2.1.2 Liverpool Street Station: Gedächtnis als Gefängnis, Verräumlichung der Zeit und Heterochronie
- 2.2 Scheinbarer anthropologischer Ort ›Bibliothek‹: Entfremdung und Tod des kulturellen Gedächtnisses in der Heterotopie
- 2.3 Die Festung Breendonk: »Lebenszitadelle des Fremden« und Abwehrmechanismen des individuellen Gedächtnisses
- 3. Im Labyrinth der Sprache: von der Aphasie zur Metonymie
- 4. Metonymische Präsenz und metaphorische Bedeutung
- 5. Metonymisches Zusammenspiel von Sprache und Bild
- 6. Die babylonische Sprachverwirrung und translatio als memoria
- 7. Sebalds Individualästhetik in polnischer Übersetzung
- 8. Schlussbemerkung: Die Melancholie der cultural translation
- Kapitel VIII. Illuminationen des Fremden: Zugänge zu verdrängten Traumata in J.S. Foers Roman Everything Is Illuminated und in seinen rewritings/remediations
- 1. Zur Genese und Erzählstruktur des Romans
- 2. Dimensionen der Alienität bei J.S. Foer und seinen rewritern
- 2.1 Fremdheit im Idiolekt des fiktiven Übersetzers: der ›Dritte Raum‹ der Sprache
- 2.2 Sprachliche Fremdheit in filmischer remediation
- 2.3 Fremdheit als das ›unbekannte Draußen‹ in soziokultureller Hinsicht
- 2.4 Alienität als metaphysisches Erlebnis: das Fremde als das verdrängte Eigene im Roman und in der Verfilmung
- 3. Verdrängte Vergangenheit: ›beschwiegen‹, erfunden, übersetzt. Der Dolmetscher als sekundärer Zeuge
- 4. Alternative Erinnerungsmittel: Tastsinn, Schmerz, Performanz
- 5. Dinge, Abfall, Gegengedächtnis
- 6. Neue kulturelle Verarbeitungsmuster für das Verdrängte: Groteske und Humor
- 7. Schlussbemerkung: ›Everything is illuminated … in translation‹
- Kapitel IX. Interdiskursive Translationen im Schatten der postmemory: J.S. Foers Roman Extremely Loud & Incredibly Close
- 1. Vorbemerkung
- 2. Zu Foers interdiskursiver Translation einer Psychopathologie in literarische Ästhetik
- 2.1 Die posttraumatische Belastungsstörung (PTSD)
- 2.2 Trauer und Melancholie: zwei Möglichkeiten, ein Trauma zu erleben
- 2.3 Literarische Porträts von drei Melancholikern
- 3. Wege aus der Trauerkrankheit
- 3.1 Kommunikatives Gedächtnis und transgenerationelles Leibgedächtnis
- 3.2 Zur Rolle der automatischen Übersetzung im Trauerprozess: Oskars Fremdheitserfahrung im Translationsraum des Internets
- 3.3 Das Internet als Archiv, Krypta und Gegengedächtnis
- 3.4 Mediale Ikonen des 9/11: vorprogrammierter Wiederholungszwang oder Muster zur Durcharbeitung des Traumas?
- 4. Die Sprache der Bilder: Foers visuelle Verfremdungsverfahren
- 5. Im Schatten der postmemory: J.S. Foer und die Erinnerung an den Luftkrieg
- 5.1 W.G. Sebalds Vermächtnis: Luftkrieg und Literatur
- 5.2 Foers Umgang mit Überlebenden-Berichten
- 6. Schlussbemerkung
- Schlusswort
- Bibliographie
- Personenregister
- Reihenübersicht
Zitierfähigkeit des eBooks
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Details
- Seiten
- 464
- Erscheinungsjahr
- 2018
- ISBN (Hardcover)
- 9783631667491
- ISBN (ePUB)
- 9783631710142
- ISBN (MOBI)
- 9783631710159
- ISBN (PDF)
- 9783653063660
- DOI
- 10.3726/978-3-653-06366-0
- Sprache
- Deutsch
- Erscheinungsdatum
- 2018 (Oktober)
- Schlagworte
- Übersetzung Erinnerungskultur Kollektives Gedächtnis Xenologie Trauma studies Remediation
- Erschienen
- Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2018. 464 S., 10 s/w Abb., 3 Tab.
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