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Die Ästhetik des Dramenwerks von Rainer Werner Fassbinder

Die Struktur der Doppelheit

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Joanna Firaza

Diese Arbeit stellt einen Versuch dar, die Zäsur zwischen der Theater- und Filmarbeit Fassbinders aufzuheben. Das verbindende Element ist die Doppelheit, ein Konzept, das sich auf formaler Ebene offenbart. Diese auf den ersten Blick enigmatische Struktur bezieht sich gleichermaßen auf das ganze Schaffen Fassbinders, ist Ideenträger und stilistische Klammer und konstituiert somit Fassbinders Ästhetik des Dramas. Die Struktur der Doppelheit erweist sich resümierend als antimimetische Strategie, die Fassbinders Theater in der Nähe eines Synthesen meidenden Surrealismus, der Pop-Kultur und Glamour-Ästhetik ansiedelt. So gesehen ist sein Wunsch, Marilyn Monroe zu sein, nicht notwendig eine Koketterie, sondern Hinausgehen des Theaters über den eigenen Rahmen, Ästhetisierung der Wirklichkeit, Lockerung der Grenze zwischen dem Realen und der Illusion. Es ginge jedoch zu weit zu behaupten, daß Fassbinders Werk die Schwelle der Tragik überschritten und die postmoderne Dimension erreicht hat. Sein Drama balanciert auf der Linie moderner Verzweiflung, der Melancholie und der Auflösung, deren Kehrseite – das emotionsfreie Spiel – immer wieder durchschimmert.
Aus dem Inhalt: Rainer Werner Fassbinder als Dramatiker – Fassbinder und die Tradition des Volkstheaters – Innenräume: Stilistik der Spaltung – Dimension der «Spaltung» in Spiegelbeziehungen – Stilistik der Verdoppelung – Tradition der Maske und Marionette – Doppeltes Menschenbild am Beispiel homosexueller Beziehungen – Ritualtheater – Prototyp des Antihelden – Die Ordnung der Repräsentation.