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Komik und Sakralität

Aspekte einer ästhetischen Paradoxie in Mittelalter und früher Neuzeit

Series:

Anja Grebe and Nikolaus Staubach

Daß Lachen und Komik der Klerikermoral und Mönchsaskese des Mittelalters suspekt gewesen seien und sich nur als Ausbruch volkstümlich-karnevalesker Gegenkultur zu artikulieren vermocht hätten, gehört zu den Vorurteilen über das auch in diesem Sinne als «finster» geltende Zeitalter. Die Beiträge dieses Bandes zeichnen ein etwas anderes Bild. Sie konzentrieren sich auf das bemerkenswerte und für modernes Empfinden geradezu schockierende Nebeneinander von Komik und Sakralität in zahllosen Zeugnissen mittelalterlicher Literatur, Kunst und Lebenswelt. Es wird gezeigt, daß man darin nicht etwa eine Ausnahmeerscheinung und subversive Regelverletzung zu sehen hat, sondern vielmehr den Ausdruck einer theologisch und anthropologisch fundierten Ästhetik, die den Paradoxien der conditio humana Rechnung trägt.
Aus dem Inhalt: Anja Grebe: Heilige Narren: Einleitende Überlegungen zur Ästhetik von Sakralität und Komik im Mittelalter – Tobias A. Kemper: Iesus Christus risus noster. Bemerkungen zur Bewertung des Lachens im Mittelalter – Erica Gelser: Crucible to Antichrist: Early Medieval Depictions of the Fool in Commentaries on Proverbs – Christel Meier: Zwischen Komik und Grauen. Die Pervertierung des Zeremoniells in der lateinischen Tierdichtung des Mittelalters – Karin Becker: Der Priester als Garant des Gelächters. Narrative Strategien des Komischen in den altfranzösischen Fabliaux – Rüdiger Schnell: Geistliches Spiel und Lachen. Überlegungen zu einer Ästhetik der Komik im Mittelalter – Tomas Tomasek: Bemerkungen zur Komik und zum ‘Humor’ bei Wolfram von Eschenbach – Johannes Klaus Kipf: Mittelalterliches Lachen über semantische Inkongruenz. Zur Identifizierung komischer Strukturen in mittelalterlichen Texten am Beispiel mittelhochdeutscher Schwankmären – Michaela Willers: Schwankmuster und deren Funktionalisierung in den Texten Heinrich Kaufringers (unter besonderer Berücksichtigung des Märes ‘Die unschuldige Mörderin’) – Sabine Griese: Valde turpissimus et deformis sed eloquentissimus. Markolfs Auftreten und seine Gegner – Lothar Fietz: Die Geburt der englischen Komödie im Spannungsfeld von Sakralität und Profanität – Anja Grebe: An den Rändern der Kunst. Drolerien in spätmittelalterlichen Stundenbüchern – Markus Müller: Odisti observantes vanitates supervacue. Überlegungen zu text-illustrativen Darstellungen von Gauklern und Akrobaten in illuminierten Handschriften – Björn R. Tammen: Komik und Groteske in der mittelalterlichen Musikikonographie. Beobachtungen an deutschen Chorgestühlen des 14. Jahrhunderts – Theo Klausmann: Mit dem Blick des Ethnologen. Das ‘Regnum papisticum’ des Thomas Naogeorg – Nikolaus Staubach: Ritus und risus. Komik im Papstzeremoniell der Renaissance.