Show Less
Restricted access

A Fashionable Style

Carl von Diebitsch und das maurische Revival

Francine Giese and Ariane Varela Braga

Als ein globales Phänomen des 19. Jahrhunderts belegt das Maurische Revival die Faszination westlicher Architekten für das islamische Erbe von al-Andalus. Dieses spielte eine zentrale Rolle im Werk Carl von Diebitschs (1819–1869), der als einer der ersten deutschen Architekten die nasridischen Bauten Granadas, die spektakulären Paläste der Alhambra, den Alcázar von Sevilla und die Moschee-Kathedrale von Córdoba in den Jahren 1846-1847 vor Ort studierte und ihren ornamentalen Reichtum in zahlreichen Bleistiftskizzen und Aquarellen festhielt. Vom 27. Oktober 2017 bis zum 10. Januar 2018 werden Carl von Diebitschs Architekturstudien und Bauentwürfe im Rahmen der im Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin stattfindenden Ausstellung «A Fashionable Style. Carl von Diebitsch und das Maurische Revival» erstmals in Deutschland gezeigt. Die vorliegende Publikation wurde begleitend zur Ausstellung konzipiert und bietet einen vertiefenden Blick auf die gezeigten Exponate und thematischen Schwerpunkte. Der Fokus liegt dabei auf Carl von Diebitschs Jahren an der Berliner Bauakademie, seinen Studien zur islamischen Architektur von al-Andalus und seinen neo-maurischen Bauten und Interieurs in Deutschland und Kairo. Weitere Aspekte sind der Löwenhof als Nukleus des Alhambra-Stils und seine Transformation im 19. Jahrhundert, Owen Jones’ international gefeierter Alhambra Court von 1854, die serielle Reproduktion nasridischer Architektur und Ornamentik in Form von Gipsabgüssen, Architekturmodellen und Möbelstücken oder die Bedeutung von Stuck und Eisen im Werk des preußischen Architekten. Als innovativer Erneuerer gelang Carl von Diebitsch die Revitalisierung der nasridischen Baukunst und ihrer Herstellungsverfahren, die er von Berlin aus in die Welt trug.

Francine Giese ist SNF-Förderungsprofessorin am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich. Im Rahmen ihrer Dissertation und Habilitation hat sie sich intensiv mit islamischen Rippengewölben (Gebr. Mann, 2007) sowie der Bau- und Erhaltungsgeschichte der Moschee-Kathedrale von Córdoba (Peter Lang, 2016) beschäftigt. In ihrem aktuellen Forschungsprojekt „Mudejarismo und Maurisches Revival in Europa" untersucht sie Austausch- und Transferprozesse zwischen al-Andalus und Europa.

Ariane Varela Braga studierte an den Universitäten von Genf und Neuchâtel. Sie promovierte mit einer Dissertation über Owen Jones’ Grammar of Ornament (Campisano Editore, 2017). Ferner war sie ein Mitglied des Istituto Svizzero in Roma und eine Dozentin an der John Cabot University. Derzeit arbeitet sie als Oberassistentin für das vom Schweizer Nationalfonds (SNF) geförderte Projekt „Mudejarismo und Maurisches Revival in Europa" unter der Leitung von Prof. Dr. Francine Giese.