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Literatur und Zeitgeschichte

Zwischen Historisierung und Musealisierung

von Janusz Golec (Band-Herausgeber:in) Irmela von der Lühe (Band-Herausgeber:in)
Konferenzband 241 Seiten

Zusammenfassung

Im Rahmen eines polnischen-deutschen Forschungsprojekts fragen die Beiträge dieses Bandes nach literarischen Strategien im Umgang mit der Zeitgeschichte. Historisierung und Musealisierung bezeichnen dabei zwei von mehreren Möglichkeiten, die in Texten der deutschsprachigen und der polnischen Literatur seit dem 19. Jahrhundert ausgemacht werden können. Im Zentrum dieses Bandes stehen die historisch-politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die gewaltsamen Grenzverschiebungen im Zusammenhang mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Erinnerung an diese Ereignisse in literarischen Texten des 20. Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Einleitung
  • Von Pferdehändlern und Rebellen oder Die Freiheit des Einzelnen. Historisierende Fiktionen in Heinrich von Kleists Michael Kohlhaas und Samuel Zborowski von Jarosław Marek Rymkiewicz
  • Flucht aus der Geschichte? Das 19. Jahrhundert im deutschen und polnischen historischen Roman
  • Das historische Porträt Russlands der 1920er Jahre in Walter Benjamins Moskauer Tagebuch und Joseph Roths Reise in Russland
  • „Geschichte in der Nussschale“: Auffassungen der Geschichte in der deutschen Lyrik der Bukowina
  • Zeitgeschichte in den Lebenserinnerungen des Schauspielers Alexander Granach und seines Sohnes Gad Granach
  • Gustloff – Ein Mann, ein Schiff, ein Mythos
  • Widerstand im Reich der Denunzianten. Hans Falladas Jeder stirbt für sich allein
  • Strömen und Bleiben: das Geschichtswunschbild Johannes Bobrowskis
  • Arno Surminskis Vaterland ohne Väter – literarische Fiktion oder historische Dokumentation?
  • Dekonstruktion des Schweigens und (Re-)Historisierung der Familiengeschichte in Julia Francks Roman Die Mittagsfrau
  • Belletrisierte Geschichte laut Protokoll. Manfred Frankes Mordverläufe
  • Zeugnisse in Bild und Schrift. Boris Kobe und Anton Jež erinnern sich an den Stollen von Überlingen
  • Zwischen Zeitgeschichte und Alltag. Das Schaffen von Uwe Timm
  • „Wende schreiben“. Die Geschichte der 1989-Zäsur in Ingo Schulzes Neue Leben
  • Heimat oder Heimatmuseum? Die DDR im Schaffen der Zonenkinder
  • Narrative differenzierter Kriegserinnerungen. Zu Kurt Davids: Die Überlebende
  • Zur Darstellung der Geschichte im Endzeitroman (H. Broch, L.-F. Céline, J. Topol)
  • Herta Müllers Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte Rumäniens aus der Randperspektive
  • Das neue Europa? Die Wahrnehmung vom östlichen Mitteleuropa in der neuesten deutschsprachigen Reiseprosa
  • Majer Balaban „Die Judenstadt von Lublin“ (1919)
  • Die Beiträgerinnen und Beiträger

Einleitung

Janusz Golec/Irmela von der Lühe

Von ihrer Entdeckung über die Historisierung bis zur Musealisierung reicht das Spektrum, innerhalb dessen deutschsprachige und polnische literarische Texte sich im 20. Jahrhundert der Zeitgeschichte zugewendet haben. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit ist stets von gegenwärtigen Interessen, Intentionen und Irritationen bestimmt; dies gilt für die Geschichts- und die Politikwissenschaft wie für die Literatur und die kulturwissenschaftliche Beschäftigung mit ihr. Die deutsch-polnische Geschichte des 20. Jahrhunderts ist in besonderer Weise von Katastrophen und Vernichtungserfahrungen bestimmt, deren Behandlung in beiden Ländern und ihren Literaturen ganz eigenen diskursiven, erinnerungspolitischen Prozessen ausgesetzt ist. Vor allem nach 1989 und mit der sog. Wende sind in den nationalen Narrativen, also in der historiographischen und in der literarischen Reflexion der Vergangenheit, folgenreiche Umdeutungs- und Neudeutungsansätze zu beobachten, die nach gründlicher literatur- und kulturwissenschaftlicher Erforschung verlangen.

Im Zentrum der Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte stehen in Deutschland noch immer der Nationalsozialismus und der Holocaust, häufig inzwischen aber auch die Debatte um einen sog. neuen deutschen Opferdiskurs. Gemeint ist die mit den Büchern von W.G. Sebald und Jörg Friedrich1 sowie mit weiteren historiographischen Arbeiten2 verknüpfte Behauptung, es seien im Nachkriegsdeutschland in Literatur und öffentlicher Meinung die Erfahrungen der Vertreibung sowie des Bombenkriegs, das Elend der Flüchtlinge, der Kriegsgefangenen und der Kriegsheimkehrer nicht thematisiert, ja es seien diese Erfahrungen tabuisiert worden.

In Polen dagegen dominiert einerseits die Abrechnung mit der kommunistischen Vergangenheit, andererseits werden die Beziehungen der Polen zu ihren Nachbarn diskurspolitisch immer wichtiger: zu Litauern, Deutschen, Russen, Ukrainern und Juden. Besonders die Haltung zu den Letztgenannten, in erster Linie zu den Polen jüdischer Herkunft und/oder jüdischen Glaubens ist nach wie vor ← 7 | 8 → Gegenstand heftiger Kontroversen. In Bezug auf Deutschland besteht in der öffentlichen Meinung in Polen vor allem Widerstand gegen deutsche Publikationen über die deutschen Opfer des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit, die von Polen im Zuge der Vertreibung verschuldet wurden; im ukrainischen Kontext werden dagegen Fragen nach der Schuld auf beiden Seiten intensiv erörtert.3

Welche Bedeutung der Literatur und literarischen Texten im Prozess der diskurspolitischen Umdeutung der Vergangenheit zukommt, welchen Anteil Autoren und Autorinnen an der ‚Zurichtung‘ und Herstellung von Vergangenheit haben und wie sie mit der Produktion zeitlich geordneter, linearer oder auch diskontinuierlich erzählter Geschichten Zeitgeschichte selbst gestalten, danach fragen mit je unterschiedlichen Akzenten die Beiträge dieses Bandes. Dabei kann es um die Transformation von Geschichte in nationale Mythen oder es kann um große Ereignisse oder um alltagsgeschichtliche Phänomene gehen; nach Wunschbildern oder nach einer spezifisch poetischen Erfahrung von Geschichte lässt sich fragen. Die ethisch, ästhetisch und politisch jeweils neu zu beantwortende Frage nach dem Verhältnis von Fiktion und Wahrheit, nach der Konstruiertheit des für die Zeugnisliteratur so wichtigen Prinzips der Authentizität wird u. a. bei Günter Grass oder Uwe Timm, bei Julia Franck oder Herta Müller explizit zum Thema. Und schließlich hat sich die deutschsprachige und die polnische Literatur spätestens seit der Wende mit der Perspektive auseinandergesetzt, die in der Geschichtsschreibung oder in den Medien auf Täter bzw. Opfer der historischen Ereignisse gerichtet wird. Ob in literarischen Texten gleichsam an einer „alternativen“ Geschichte gearbeitet wird, diese Frage stellt sich nicht nur aus Anlass von Ingo Schulzes Neue Leben. Gerade die literarische Auseinandersetzung mit der DDR bewegt sich – wie einzelne Beiträge zeigen können – zwischen Neudeutung und Musealisierung einer gescheiterten sozialistischen Utopie.

An völlig unterschiedlichen poetischen Texten und literarischen Gattungen, an politisch und ästhetisch divergenten Autoren/innen und Positionen wird in den hier versammelten Arbeiten nach der Transformation und der Modellierung von Geschichte gefragt; und dies speziell für die Gewalt-Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Dass dies in einem seit über 20 Jahren bewährten deutsch-polnischen Dialog geschieht, darf als institutionell-performativer Beitrag zum Thema gewertet werden. Denn es waren Germanisten/innen der beiden Lubliner Universitäten und ← 8 | 9 → der FU Berlin, die zu Beginn der 90er Jahre den wissenschaftlichen Dialog über gemeinsam interessierende Fragen aufnahmen; die ihn – seit mehreren Jahren erweitert um den Dialog mit ukrainischen Kollegen/innen – in regelmäßigen Tagungen fortführten4 und ausdifferenzierten und die auf diese Weise im beschränkten Raum akademischer Forschung und Diskussion und in der gebotenen Bescheidenheit ihren Beitrag für ein verändertes Geschichtsdenken und eine neue Orientierung im universitären Alltag in Lublin, Berlin oder Kiew zu leisten versuchten. Dass es in diesem Rahmen möglich wurde, ein zeit- und kulturgeschichtliches Dokument der ganz besonderen Art neu herauszugeben und zu interpretieren, darf als ein Glücksfall betrachtet werden. Die Einführung in die von Hartmut Eggert und Janusz Golec verantwortete Neuausgabe des Buches von Majer Balaban „Die Judenstadt von Lublin“ (1919)5 beschließt daher den vorliegenden Band; das Buch wurde in einer eigenen Veranstaltung im Ośrodek Brama Grodzka Teatr NN im September 2012 anläßlich des 70. Jahrestages der Vernichtung der Lubliner Juden und der Judenstadt präsentiert.

Die Herausgeber danken allen Beiträgern und Beiträgerinnen für ihre Mitwirkung an diesem Bande, der – wie angedeutet – Ergebnis eines wissenschaftlichen Projekts unter Beteiligung deutscher, ukrainischer und polnischer Germanisten ist. Der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit danken wir für die großzügige finanzielle Unterstützung, dem Dekan der Fakultät für Geisteswissenschaften der UMCS für die Gewährung eines Zuschusses zur Drucklegung des Bandes. ← 9 | 10 →

 

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  1  Sebald, W.G.: Luftkrieg und Literatur. Ergänzte Ausgabe München 1997; Friedrich, Jörg: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940–1945. München 2002.

  2  Die wichtigste seriöse: Studie zum Thema stammt von Kossert, Andreas : Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945. München 2008.

  3  Motyka, Grzegorz: Tak było w Bieszczadach. Walki polsko-ukraińskie w Polsce 1943–1948 [So war es in Bieszczady. Polnisch-ukrainische Kämpfe in Polen 1943–1948], Warszawa 1999; ders.: Od rzezi wołyńskiej do akcji »Wisła«. Konflikt polsko–ukraiński 1943–1947 [Vom Blutbad in Wolhynien bis zur Aktion »Weichsel«. Der polnisch-ukrainische Konflikt 1943–1947]. Kraków 2011.

  4  Vgl. dazu Golec, Janusz/ von der Lühe, Irmela (Hg.): Geschichte und Gedächtnis in der Literatur vom 18. bis 21. Jahrhundert. (=Berliner Beiträge zur Literatur- und Kulturgeschichte 9.) Frankfurt a.M./ Berlin/ Bern u. a. 2011.

  5  Die Judenstadt von Lublin von Majer Balaban, mit Zeichnungen von Karl Richard Henker. Nachdruck der Ausgabe von 1919, hrsg. von Hartmut Eggert und Janusz Golec, Lublin 2012.

Von Pferdehändlern und Rebellen oder Die Freiheit des Einzelnen. Historisierende Fiktionen in Heinrich von Kleists Michael Kohlhaas und Samuel Zborowski von Jarosław Marek Rymkiewicz

Janusz Golec

1540 wird der Geschäftsmann und Rebell Hans Kohlhase zum Tode verurteilt und auf dem Rabenstein in der Nähe des Georgentores (heute Straußberger Platz) in Berlin gerädert. Michael Kohlhaas, die Titelfigur der Erzählung Heinrich von Kleists, stirbt einen edleren Tod: Er wird auf dem Schafott mit dem Beil eines Scharfrichters enthauptet, seine Leiche wird „unter einer allgemeinen Klage des Volkes in einen Sarg“1 gelegt. Klaus Müller-Salget ist der Meinung, dass es dem Dichter Kleist in seiner Erzählung, im Gegensatz zum Bericht über die Taten und Untaten des Hans Kohlhase,

um eine entschiedene Aufwertung dieses ‚Selbsthelfers‘ gegangen ist. Das beginnt schon bei der leichten Veränderung des Familiennamens und mit dem Ersatz des Allerweltsnamens Hans durch Michael; was es der Kleistschen Figur erleichtert, sich auf dem Höhepunkt der kriegerischen Verwicklungen zum ‚Statthalter Michaels, des Erzengels‘ zu stilisieren.2

Kohlhaas ist bei Kleist Pferdehändler, dessen Existenz, aber auch Würde als Mensch durch die Misshandlung der als Pfand zurückgelassenen und im Felde verwendeten und fast verelendeten Rappen bedroht ist. In Kleists Werk geht es vordergründig um die Verantwortung der Obrigkeit gegenüber ihren Untergebenen, die mit den gesetzwidrigen Handlungen der staatlichen Behörden und schließlich auch mit der Rebellion der Titelfigur konfrontiert wird. Johannes Süßmann, der ‚die Poetik der historisierenden Fiktion‘ in Kohlhaas untersucht hat3, stellt fest, dass keine andere Erzählung außer derjenigen Heinrich von Kleists als Geschichtsdarstellung überzeugender gewirkt habe: ← 11 | 12 →

auf Zeitgenossen wie die Grimms, die den „täuschenden Schein wahrer Geschichte“ lobten, auf den Brockhaus-Redakteur von 1853, der Kleists Erfindungen in einen Artikel über den historischen Kohlhase übernahm, auf heutige Rechtshistoriker, die in der Erzählung das mittelalterlichen [sic!] Fehdewesen geschildert sehen. So echt nimmt „der Schein wahrer Geschichte“ sich aus, dass man den Text immer wieder als das liest, wofür er sich auf den ersten Blick ausgibt: als historiographische Darstellung. Insofern zählt er zu den erfolgreichsten Geschichtsfiktionen der deutschen Literatur.4

Michael Kohlhaas glaubt an die Autorität der Obrigkeit, freilich an eine, die „an das Gesetz gebunden ist. Er hofft daher, dass der Junker [Wenzel von Tronka, J.G.] sein Problem besser lösen würde, dass er ihn gesetzlich behandeln würde“5, was sich leider nur als Wunschvorstellung des Protagonisten erweist. Auf den ersten Blick scheint es, dass seine Bitte um „Wiederherstellung der Pferde in den vorigen Stand; und Ersatz des Schadens“6 erfüllt wird, später aber stellt es sich heraus, dass seine Forderungen, schließlich auch seine ultimativen Mandate an die jeweilige Instanz während der darauffolgenden Rebellion lediglich fatale Folgen für Kohlhaas und seine Nächsten haben. Sein Beharren darauf, vom Staat gerecht behandelt zu werden, und die Unverantwortlichkeit der Obrigkeit führen dazu, dass der Konflikt nicht mehr privat ausgefochten wird, sondern dass er sich auf die Landesebene ausdehnt und sogar die Reichsebene erreicht. Es wird auch deutlich, dass Kohlhaas nicht nur im eigenen Interesse handelt. Er empört sich über die Ungerechtigkeiten, „die täglich auf der Tronkenburg gegen die Reisenden verübt wurden“ und fühlt sich verpflichtet, „sich Genugtuung für die erlittene Kränkung, und Sicherheit für zukünftige seinen Mitbürgern zu verschaffen“.7 Als er in der Resolution der Staatskanzlei erfährt, dass er „ein unnützer Querulant“ sei, schäumt er vor Wut und „mitten durch den Schmerz, die Welt in einer so ungeheuren Unordnung zu erblicken“8 beschließt er, das Haus zu verkaufen und das Land zu verlassen. Auf die Frage seiner Frau, warum er das tun will, erwidert er:

weil ich in einem Lande, liebste Liesbeth, in welchem man mich, in meinen Rechten, nicht schützen will, nicht bleiben mag. Lieber ein Hund sein, wenn ich von Füßen getreten werden soll, als ein Mensch!9 ← 12 | 13 →

Bereits an dieser Stelle fühlt sich Kohlhaas wie ein banita, also als aus der Gemeinschaft Verbannter, weil ihm der Schutz der Gesetze versagt ist. Im Laufe der Zeit verliert er jegliches Vertrauen in die Autorität, weil die nächste Instanz, an die er sich wendet, der Kurfürst von Sachsen, ihn betrügt. Tief enttäuscht ruft er aus: „Wer mir sein Wort einmal gebrochen, […] mit dem wechsle ich keins mehr.“10 Das Vertrauen in die Autorität des Kurfürsten basierte darauf, dass er über allen Institutionen des Landes steht und sich nur vor Gott verantworten muss. Die Obrigkeit sei von Gott eingesetzt und jedermann habe sich ihr zu unterwerfen – diese Wahrheit hört Kohlhaas von Luther, der ihn ermahnt, den Streit zu beenden und den Weg des Rechts zu gehen. Weil auch dieser Weg verschlossen bleibt, ist die Rebellion, sind brutale Gewalttaten (denen auch unschuldige Frauen und Kinder zum Opfer fallen) für Kohlhaas die einzige Lösung und der Tod auf dem Schafott (letztendlich verbunden mit der Erfüllung seiner Forderungen) sein letztes Ende. Nach seiner Hinrichtung, die – wie bereits zitiert – vom Volk betrauert wurde, schlägt der Kurfürst seine Söhne Heinrich und Leopold zu Rittern.

„Das Fundament dieser Erzählung ist rechtlicher Natur“, schreibt Hans Joachim Kreutzer, „und liegt im Zentrum der politischen Reformen aus dem Geiste Steins: Gewerbefreiheit heißt das Leitwort. Michael Kohlhaas besteht auf dem Recht, sein Gewerbe auszuüben, damit reklamiert er zugleich seine Bürgerechte, ja, er definiert sich als Bürger. Dergleichen war dem 16. Jahrhundert fremd.“11 Kleist fügte in seinen Text allerdings die sogenannte Zigeunerin-Episode ein, um zu zeigen, dass das irdische Recht auch durch höhere Mächte gesteuert wird, dank derer schließlich auch der Kurfürst bestraft werden kann. Indem Kohlhaas ihm den Zettel verweigert, entheiligt er ihn und damit den Staat. „Es ist gerade die Macht des ‚nichtigen Zettels‘, wie der Kurfürst selbst das bezeichnet, die alle Folgen für den Landesherrn und seine Dynastie bestimmt. Zutreffend befindet Martini dies als,eine metaphysische Entscheidung der Allmacht gegen das Böse schlechthin‘“.12

Details

Seiten
241
ISBN (PDF)
9783653044218
ISBN (ePUB)
9783653997378
ISBN (MOBI)
9783653997361
ISBN (Hardcover)
9783631629550
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2014 (April)
Schlagworte
Erinnerungskultur Kollektives Gedächtnis Fiktionalisierung der Geschichte Ostpreußen Zeugnisliteratur
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2014. 241 S.

Biographische Angaben

Janusz Golec (Band-Herausgeber:in) Irmela von der Lühe (Band-Herausgeber:in)

Janusz Golec ist Professor am Institut für Germanistik der Universität Lublin (Polen). Seine Forschungsgebiete sind deutsch-polnisch-jüdische Literatur im 19. und 20. Jahrhundert sowie die Literatur des deutschen Expressionismus und der Weimarer Republik. Irmela von der Lühe ist Professorin a.D. am Institut für Deutsche und Niederländische Philologie der Freien Universität Berlin und Senior Advisor am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Ihre Forschungsgebiete sind die Literatur des 18. bis 20. Jahrhunderts, Schriftstellerinnen der Moderne, deutsch-jüdische Literatur sowie Exil- und Holocaustliteratur.

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