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Gesundheit & Sprache / Health & Language

von Marietta Calderón Tichy (Autor:in) Reinhard Heuberger (Autor:in) Emil Chamson (Autor:in)
Sammelband 292 Seiten

Zusammenfassung

Die Beiträge dieses Buches untersuchen die sprachliche Repräsentation von Gesundheit in aktuellen und historischen Ausprägungen. Die Beitragenden wenden zur linguistischen Analyse unterschiedliche Methoden und Zugänge an, wobei die Schwerpunkte auf Interaktionsforschung, Diskursanalyse und Lexikologie liegen. Das untersuchte Datenmaterial stammt aus verschiedenen romanischen und germanischen Sprachen sowie aus dem Altgriechischen.
The contributions of this book focus on the linguistic representation of health in current and historical contexts. Various methods and approaches are applied, with a particular emphasis on conversation analysis, discourse analysis and lexicology. Research data is taken from various Romance and Germanic languages and from Old Greek.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Herausgeberangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Gesundheit und Sprache – ein Ausblick (Marietta Calderón / Reinhard Heuberger / Emil Chamson)
  • I. Interaktionsanalyse
  • Und die Erys? – Interaktive Konstruktion von Patientenexpertise in der HIV-Sprechstunde während der Mitteilung der Blutwerte: ein Fallbeispiel (Alexandra Groß)
  • Erzählung als ein (multimodales) Darstellungsverfahren von „Subjektiven Krankheitstheorien“ zu HIV/AIDS in einem Face-to-face-Interview (Ivan Vlassenko)
  • Affekte in der Zweitsprache verbalisieren: Psychoanalysen in L2 (Bettina Lindorfer)
  • Geschriebene Erzählungen über Schmerzen und Emotionen: italienische Geburtsberichte im Internet (Nadine Rentel)
  • II. Diskursanalyse
  • Von der verfettenden zur verschlankenden Stadt? Eine linguistische Analyse der impliziten Fettideologie im wissenschaftlichen Diskurs zu obesogenic environments (Martin Döring)
  • Words that heal and sell: Zur diskursiven Konstruktion von Gesundheit – eine kritische Diskursanalyse von Werbung für Nahrungsergänzungsmittel im historischen Vergleich (Ilse Pointner)
  • Risiken im Bild: Visualisierung als Instrument der Risikokommunikation in der Medizin (Cornelia Feyrer)
  • Risikokommunikation und Translation leicht gemacht – oder: von der Pythia zur Risikoempathie (Anastasia Parianou)
  • The wise and ignorant pathonym: terms for diseases in lay and expert discourses on health (Georg Marko)
  • “Siete, cinco, tres, uno, que se te caigan los gusanos hasta que no quede ninguno”: some linguistic aspects of the practice of curing by words in Uruguay (Joachim Steffen)
  • Über Läuse und Stillberatung – die Implementierung des Friaulischen im Bereich Medizin und Gesundheit (Luca Melchior)
  • III. Lexikon
  • Sprache der Medizin, griechische Sprachgeschichte und nominale Wortbildung (Christina Katsikadeli)
  • Naming Symptoms, Syndromes, and Diseases (Renáta Panocová / Pius ten Hacken)
  • Kreislaufprobleme and Circulation Problems: When English and German Linguacultural Conceptions Diverge (Emil Chamson)
  • Le language des accoucheurs – lexikologische Aspekte zum französischen Diskurs um die Geburt im 17. und 18. Jahrhundert (Eva Schmitt)
  • Apothekennamen im deutsch-französischen Vergleich (Sandra Herling)
  • Der griechische Patient und die Bankrottansteckungsgefahr in der Europäischen Union – Physiologie und Pathologie der Wirtschaft in den Metaphern der Fachsprache (Fiorenza Fischer)

Marietta Calderón / Reinhard Heuberger / Emil Chamson
(Hrsg./eds.)

Gesundheit & Sprache /
Health & Language

Herausgeberangaben

Marietta Calderón ist Sprachwissenschaftlerin am Fachbereich Romanistik der Universität Salzburg.
Reinhard Heuberger ist Sprachwissenschaftler am Institut für Anglistik der Universität Innsbruck.
Emil Chamson ist Sprachwissenschaftler und Lehrbeauftragter am Institut für Anglistik und am Institut für Translationswissenschaft der Universität Innsbruck.

Marietta Calderón works as a linguist at the Department of Romance Languages at the University of Salzburg.
Reinhard Heuberger works as a linguist at the Department of English at the University of Innsbruck.
Emil Chamson works as a linguist and as a Lecturer at the Department of English and at the Department of Translation Studies at the University of Innsbruck.

Über das Buch

Die Beiträge dieses Buches untersuchen die sprachliche Repräsentation von Gesundheit in aktuellen und historischen Ausprägungen. Die Beitragenden wenden zur linguistischen Analyse unterschiedliche Methoden und Zugänge an, wobei die Schwerpunkte auf Interaktionsforschung, Diskursanalyse und Lexikologie liegen. Das untersuchte Datenmaterial stammt aus verschiedenen romanischen und germanischen Sprachen sowie aus dem Altgriechischen.

The contributions of this book focus on the linguistic representation of health in current and historical contexts. Various methods and approaches are applied, with a particular emphasis on conversation analysis, discourse analysis and lexicology. Research data is taken from various Romance and Germanic languages and from Old Greek.

Zitierfähigkeit des eBooks

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Inhalt

Marietta Calderón, Reinhard Heuberger & Emil Chamson

Gesundheit und Sprache – ein Ausblick

I. Interaktionsanalyse

Alexandra Groß

Und die Erys? – Interaktive Konstruktion von Patientenexpertise in der HIV-Sprechstunde während der Mitteilung der Blutwerte: ein Fallbeispiel

Ivan Vlassenko

Erzählung als ein (multimodales) Darstellungsverfahren von „Subjektiven Krankheitstheorien“ zu HIV/AIDS in einem Face-to-face-Interview

Bettina Lindorfer

Affekte in der Zweitsprache verbalisieren: Psychoanalysen in L2

Nadine Rentel

Geschriebene Erzählungen über Schmerzen und Emotionen: italienische Geburtsberichte im Internet

II. Diskursanalyse

Martin Döring

Von der verfettenden zur verschlankenden Stadt? Eine linguistische Analyse der impliziten Fettideologie im wissenschaftlichen Diskurs zu obesogenic environments

Ilse Pointner

Words that heal and sell: Zur diskursiven Konstruktion von Gesundheit – eine kritische Diskursanalyse von Werbung für Nahrungsergänzungsmittel im historischen Vergleich

Cornelia Feyrer

Risiken im Bild: Visualisierung als Instrument der Risikokommunikation in der Medizin←5 | 6→

Anastasia Parianou

Risikokommunikation und Translation leicht gemacht – oder: von der Pythia zur Risikoempathie

Georg Marko

The wise and ignorant pathonym: terms for diseases in lay and expert discourses on health

Joachim Steffen

“Siete, cinco, tres, uno, que se te caigan los gusanos hasta que no quede ninguno”: some linguistic aspects of the practice of curing by words in Uruguay

Luca Melchior

Über Läuse und Stillberatung – die Implementierung des Friaulischen im Bereich Medizin und Gesundheit

III. Lexikon

Christina Katsikadeli

Sprache der Medizin, griechische Sprachgeschichte und nominale Wortbildung

Renáta Panocová & Pius ten Hacken

Naming Symptoms, Syndromes, and Diseases

Emil Chamson

Kreislaufprobleme and Circulation Problems: When English and German Linguacultural Conceptions Diverge

Eva Schmitt

Le language des accoucheurs – lexikologische Aspekte zum französischen Diskurs um die Geburt im 17. und 18. Jahrhundert

Sandra Herling

Apothekennamen im deutsch-französischen Vergleich

Fiorenza Fischer

Der griechische Patient und die Bankrottansteckungsgefahr in der Europäischen Union – Physiologie und Pathologie der Wirtschaft in den Metaphern der Fachsprache←6 | 7→

Marietta Calderón, Reinhard Heuberger & Emil Chamson

Gesundheit und Sprache – ein Ausblick

Mit „Gesundheit & Sprache. Health & Language“ erscheint ein weiterer Band der „X & Sprache / X & Language“-Reihe (vgl. Calderón & Marko 2012 und Calderón & Marko 2015), der wie seine Vorgänger auf einem von Marietta Calderón und Georg Marko organisierten und geleiteten verbal-Workshop, nämlich „Gesundheit & Sprache / Health & Language“ (Universität Innsbruck, 26.-28.10.2012) fußt. Somit ist er in den „X & Sprache / X & Language“-Rahmen, der darauf abzielt, „gesellschaftlich relevante Themen in ihrem Facettenreichtum, ihren diskursiven Einbettungen und ihren sprachlichen Manifestationen zu thematisieren und in ihrem diskursiven und – damit eng verbunden – sozialen Impact zu beleuchten“ (Calderón 2015: 9), einschreibbar. Er hat einen diskursanalytischen und einen lexikologischen (in diesem Fall besonders auch: lexikologisch-semantischen) Schwerpunkt. Da die „X & Sprache / X & Language“-Reihe zudem aktuelle Forschungsschwerpunkte wiederzugeben trachtet, weist der vorliegende Band darüber hinaus und als thematisch-emblematischen Eröffnungsteil interaktionsanalytische Beiträge auf, sind solche aktuell doch oftmals zuvorderst unter diesem Rahmenthema zu vermuten; dies verweist darauf, dass metasprachliche Auseinandersetzungen mit Sprache(n) der Medizin als diskursiv nicht unwirksam einzustufen sind, was ein in allen hier enthaltenen Beiträgen vorhandenes Element ist. Wir, die HerausgeberInnen dieses Bandes, haben die Beiträge infolgedessen beginnend mit den erwähnten interaktionsanalytischen Zugängen so angeordnet, dass nach einem diskursanalytisch dominierten Mittelteil der Band mit konkreten lexikologischen Untersuchungen abschließt. Auch der vorliegende „X & Sprache / X & Language“-Band „Gesundheit & Sprache. Health & Language“ umfasst Beiträge zu Projekten unterschiedlicher Größenordnung, unterschiedlicher methodischer Zugänge, in verschiedenen Stadien und von ForscherInnen unterschiedlicher Karrierephasen. Sowohl thematisch als auch bezogen auf die untersuchten Sprachen weist dieser „X & Sprache / X & Language“-Band, wie seine Vorgänger und für diese Reihe angestrebt, eine große Vielfalt auf. Dies wird auch durch die Kombination deutsch- und englischsprachiger Beiträge unterstrichen.

Im ersten Beitrag, „Und die Erys? – Interaktive Konstruktion von Patientenexpertise in der HIV-Sprechstunde während der Mitteilung der Blutwerte: ein Fallbeispiel“, beschäftigt sich Alexandra Groß mit dem Wissenstransfer in←7 | 8→ Gesprächen zwischen ÄrztInnen und PatientInnen. Dieser Transfer gestaltet sich keineswegs so einseitig, wie es erwartbar sein mag. PatientInnen bringen zunehmend medizinisches Fachwissen in das Gespräch ein, welches nicht selten aus Internetseiten und -foren stammt. Speziell chronisch Kranke, im Falle von Groß’ Analyse HIV-PatientInnen, vergrößern im Laufe der Behandlung ihre Wissensbestände signifikant und lassen diese Expertise auch in die Kommunikation zwischen Ärztin und PatientInnen einfließen. Groß geht speziell der Frage nach, mit welchen interaktiven Verfahren die Konstitution medizinischen Fachwissens bei der Mitteilung der Blutwerte erfolgen kann. Anhand einer Fallstudie stellt die Autorin dar, wie HIV-Patienten ihr medizinisches Wissen präsentieren und analysiert zugleich das Gesprächsverhalten der behandelnden Medizinerin.

Auch Ivan Vlassenkos Beitrag, „Erzählung als ein (multimodales) Darstellungsverfahren von ‚Subjektiven Krankheitstheorien‘ zu HIV/AIDS in einem Face-to-face-Interview“, untersucht den Verbalisierungsprozess beim Sprechen über HIV/AIDS, in diesem Fall das subjektive Erleben der HIV-Infektion zweier infizierter Männer während eines Face-to-face Interviews. Vlassenko geht primär von „Subjektiven Krankheitstheorien“ (SKT) aus, „individuelle[n] Wissens- und Überzeugungssysteme[n] […], in denen krankheitsbezogene Vorstellungen, Assoziationen, Sinndeutungen, Ursachenzuschreibungen und Verlaufserwartungen organisiert sind“ (Filipp et al. 1987: 1). Diese spielen bei der Krankheitsbewältigung und auch für die Therapietreue und den Behandlungserfolg eine wichtige Rolle. Der Autor geht der Frage nach, welche Bedeutung und welche Struktur die Erzählung beim Sprechen über HIV/AIDS hat. Untersucht werden sowohl verbale als auch nonverbale Verfahren zur Veranschaulichung von SKT innerhalb von Alltagserzählungen.

Während Sprache in diesen beiden Aufsätzen als Ausdruck von Befindlichkeiten und diskursgestaltend in Erscheinung tritt, kommt ihr in Bettina Lindorfers „Affekte in der Zweitsprache verbalisieren: Psychoanalysen in L2“ (wobei Lindorfer mit L2 jedwede Ln meint) zudem die Funktion eines bewusst gewählten Gestaltungselements zu. Die jeweils von den InformantInnen wahrgenommenen und in den das Korpus bildenden Interviews wiedergegebenen Sprachenschnittstellen legen nicht nur unterschiedliche sprachliche (vor allem semantische und morphologische) Strukturen frei, sondern weisen auch auf dahinterliegende Therapiethemen hin. Darüber hinaus spiegelt dieser Beitrag gesellschaftliche Milieus mittelschichtiger MigrantInnen wider und ist, wie das gesamte ihm zugrunde liegende Korpus, Ergebnis einer außergewöhnlich vertrauensbasierten Zusammenarbeit zwischen Forscherin und Gewährspersonen.←8 | 9→

Nadine Rentel untersucht in ihrem italianistischen Beitrag „Geschriebene Erzählungen über Schmerzen und Emotionen: italienische Geburtsberichte im Internet“ Beispiele dieser Textsorte text- und insbesondere auch interaktionsanalytisch, u. a. in Anwendung traditionell an mündlicher Kommunikation erprobter Herangehensweisen. Speziell dem Wie (z. B. auch grafischer Art), dem Wo (im Text) und dem Was (nämlich was den jeweiligen Müttern besonders hervorhebenswert erscheint) des in Textbeispielen wiedergegebenen Erlebten widmet die Verfasserin diesen auch aus Genderperspektive relevanten Artikel.

Besonders stark kommen diskursanalytische Fragestellungen im Beitrag Martin Dörings, „Von der verfettenden zur verschlankenden Stadt? Eine linguistische Analyse der impliziten Fettideologie im wissenschaftlichen Diskurs zu obesogenic environments“, zur Geltung. Er analysiert darin Diskurse zum Thema „Fett“ und hinterfragt kritisch die zugrundeliegende Fettideologie unserer Zeit. Die gesundheitsgefährdende Wirkung von zu viel Körperfett ist in den Medien täglich präsent. Döring bezweifelt, dass der Erhalt unserer Gesundheit und die Förderung unseres Wohlergehens die einzigen Triebfedern dieses Diskurses sind. Er sieht die Ursache teilweise auch in einer „kulturell tief verankerten protestantischen Ethik und Ideologie“ (Seite 78), in welcher asketische Körper Pflichterfüllung und Leistungsfähigkeit widerspiegeln. Im Diskurs spielen wiederkehrende Metaphern (z. B. Fettleibigkeits-Epidemie) eine wichtige Rolle, weil darin Abstraktes durch Gegenständliches konzeptualisiert wird. Metonymien nutzen Kontingenzbeziehungen, um sachliche oder kausale Zusammengehörigkeit herzustellen. Ausgehend vom Forschungszweig der Obesogenic Environments (OEs) erläutert Döring, wie mit solchen und anderen komplexen sprachlichen Mitteln eine „Wahrheit“ von Übergewicht und Fettleibigkeit konstruiert und durch implizite Vorannahmen eine spezifische Fettideologie hergestellt wird.

Biographische Angaben

Marietta Calderón Tichy (Autor:in) Reinhard Heuberger (Autor:in) Emil Chamson (Autor:in)

Marietta Calderón ist Sprachwissenschaftlerin am Fachbereich Romanistik der Universität Salzburg. Reinhard Heuberger ist Sprachwissenschaftler am Institut für Anglistik der Universität Innsbruck. Emil Chamson ist Sprachwissenschaftler und Lehrbeauftragter am Institut für Anglistik und am Institut für Translationswissenschaft der Universität Innsbruck. Marietta Calderón works as a linguist at the Department of Romance Languages at the University of Salzburg. Reinhard Heuberger works as a linguist at the Department of English at the University of Innsbruck. Emil Chamson works as a linguist and as a Lecturer at the Department of English and at the Department of Translation Studies at the University of Innsbruck.

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Titel: Gesundheit & Sprache / Health & Language