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Boccaccios «De mulieribus claris»

Einführung und Handbuch

von Heinz Willi Wittschier (Autor:in)
Monographie 562 Seiten
Reihe: Grundlagen der Italianistik, Band 17

Zusammenfassung

Dieses Handbuch untersucht Boccaccios «De mulieribus claris» umfassend und kann so zeigen, dass sich das Werk über 106 besondere Frauen als «präfeministisch» erweist. Die unterstellte Misogynie Boccaccios ist einer Unkenntnis des lateinischen Originals oder eklektizistischem Umgang mit bloßen Fragmenten geschuldet. Umfassende Analysen von Übersetzungen und Forschungen erhellen jenen Irrtum: Boccaccio hatte, anders als Petrarca, ein bipolares Verständnis vom Menschen und setzte das Weltbild Plutarchs als gemeinsames Agieren von Männern und Frauen humanistisch fort. Vergleichende Blicke auf Christine de Pizans «Cité des Dames» zeigen, dass ein nur von und für Frauen vertretener Feminismus kein ausgewogenes Begreifen der Welt ermöglicht.
Das Handbuch schließt mit einer kommentierten Bibliographie zu Werk, Autor und angrenzenden Themenkreisen.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Vorwort Eines bedeutenden Mannes gut gemeintes, zu wenig bekanntes und kaum gerühmtes Buch über berühmte Frauen
  • 0. Noch weit von einem großen Buch entfernt! Zur Einführung. Giovanni Boccaccios De mulieribus claris: Erwiesene Kompetenz. Die Welt und ihre Geschichte im Spektrum bemerkenswerter Frauen: Lob und Tadel, Verleugnung und Bewunderung für ein ‘altes’ …
  • 1. Erste Annäherung an De mulieribus claris: Literatur- bzw. textgeschichtliche Voraussetzungen für eine Einschätzung und Wertung von Giovanni Boccaccios ‘Frauenbuch’. Plutarch, Petrarca, Boccaccios ‘De casibus’, Tugendkataloge der Bibel
  • 1.1 Exemplarische ‘Nachrichten’ des ‘römischen Griechen’ Plutarch ‘tüchtige’ oder ‘tapfere’ Frauen der Antike betreffend: Γυναικών ἀρεταί (Gynaikōn aretai) bzw. Mulierum virtutes. Ein (von der Romanistik) vergessenes oder übergangenes, wichtiges …
  • 1.2 Francesco Petrarcas De viris illustribus: Eine Herausstellung ‘großer’ Männer aus alten Zeiten, ein Buch ohne Frauen. „La femme est le plus souvent le diable incarné, ennemie de toute paix.“ Suetons nützliche Materialsammlungen zu Literaten und …
  • 1.3 Wer Boccaccios ‘Frauenbuch’ beurteilt, muss auch sein ‘Männerbuch’ gut kennen: ‘Zwei Seiten derselben Medaille’. Von des Autors Absicht, „gestürzte Männer u n d Frauen vorzustellen“
  • 1.4 De mulieribus claris als logische, notwendige und ‘gerechte’ Fortsetzung von De casibus virorum illustrium: Fortunas Walten unter nun umgekehrten Vorzeichen. Iokaste: fatale Gebärerin des Ödipus. Hecuba: die Qualen einer Mutter, Ehefrau und …
  • 1.5 ‘Viri illustres’ und ‘mulieres clarae’: Welche Attribute sind gemeint? „L’agire è il polo.“ – „Public recognition“
  • 1.6 Die ‘Weltanschauung’ eines Humanisten. Menschliches Streben versus Fortunas Willkür: „Aber Fortuna schonte sie nicht.“
  • 1.7 Einen Schriftsteller suchen Protagonist(inn)en der ‘Weltgeschichte’ auf. Er hört ihnen zu, wird zur Niederschrift ihrer Schicksale sowie zum Nachdenken und Kommentieren veranlasst. Arsinoë: verhängnisvolle Leidenschaft im engsten Familienkreis
  • 1.8 Konsequenzen aus den ‘direkten Begegnungen’ des ‘Biographen’ mit jenen ‘Persönlichkeiten’: Boccaccio bloß eine Figur unter Figuren, kardanisch implementierte Geschehnisse, Relativität allen Seins, Fortunas Präsenz. Besserwisserischen Interpreten …
  • 1.9 Lassen sich bestimmte stilistische Darstellungsweisen oder kompositionelle Verfahren ausmachen? Gibt es ‘Modelle’ für De mulieribus claris? Eigentlich nicht, denn Boccaccio ist „uno scrittore poliedrico, genialmente versatile“!
  • 1.10 Boccaccios Umgang mit ‘Wirklichkeit’. Die zeitlose Gültigkeit poetischer Aussagen: „Der Dichter war für Boccaccio der Inbegriff der Weisheit, der Wahrheit, der Tugend, der Religion. Der Dichter ist Zeuge der großen Geschichte, Verkünder und …
  • 1.11 Zu Boccaccios (angeblicher) Frauenfeindlichkeit (Misogynie). Eine „generelle Abwertung des Weiblichen“ – Eine „generelle Aufwertung des Weiblichen“. Eine latente und permanente „malignité“ als Triebfeder? – „A positive reevaluation of woman’s …
  • 1.12 Urteile über Frauen: Zu Boccaccios ‘Kompetenz’. Ein literarisches Lebenswerk im Kontakt mit Weiblichkeit: „Il primo storiografo del sesso gentile“. Allerdings: Der Mensch – und so auch die Frau – ist in der Regel Teil einer Familie. „L’utilità …
  • 1.13 Boccaccios Umgang mit seinen Quellen. Über fremdsprachliche Defizite und Erkenntnisverspätung. Ein Autor der Weltliteratur als schriftstellerischer ‘Stümper’? DMC als ‘plumpe Kompilation’ („un’opera di grossolana compilazione“)? Voreilige …
  • 2. Zweite Annäherung an De mulieribus claris: Sprache, Werkeinrahmung, Entstehung
  • 2.1 Zur Sprache. „I diversi linguaggi che l’auctor ha in sé“: ein kunstreiches Werk in lateinischer Sprache als ‘internationaler’ und zudem zeitloser Gedankenträger
  • 2.2 Gehalt und Bedeutung der drei ‘Paratexte’. Dedikation, Prolog, Epilog (Widmungsbrief, Einführung, Nachwort): „Ein strategisches Potenzial misogynen Sprechens“ (?) – „Un omaggio a tutto il sesso femminile“ (!) – Begleitende und leitende Worte von …
  • 2.3 Die Entstehung eines gar nicht so umfangreichen, aber ganz besonderen Werks. Ein ungewöhnlich langer Produktionszeitraum für maßgebliche, anregende und innovative Äußerungen eines Gelehrten über das weibliche Geschlecht: „Nuove acquisizioni …
  • 2.4 Anlage, Aufbau, Struktur, Zielsetzungen. Ein anspruchsvolles, mannigfaltiges sowie enzyklopädisch offenes ‘Lesebuch’ mit Erzählcharakter und Fortsetzungsfunktion: „A complex and intricate work“. „Together the one hundred and six heroines offer an …
  • 3. Dritte Annäherung an De mulieribus claris: Vier ‘Frauenentwürfe’ auf dem textanalytischen Prüfstand. Vergleiche mit Boccaccios anderen Werken. Exkurse zu entsprechenden Darstellungen in den europäischen Literaturen
  • 3.1 Die ‘außergewöhnlich schöne’ Eva: „hanc arbitrari possumus corporea formositate mirabilem“. Boccaccios relativ unbelastetes Verständnis von einer standardisierten ‘Figur’ der Weltkultur. Bibel, Koran, Haggada. Die ‘kontextuell’ geprägte Eve in …
  • 3.2 Die ‘unglaublich treue’ Penelope: „exemplum sanctissimum et eternum“. Jahrzehntelanges Warten auf den Ehemann: „La confiance remporte la victoire.“
  • 3.3 Die ‘versteckt kaltblütige’ Sabina Poppaea: Opportunismus einer fatalen Schönheit, aber keineswegs ohne gewisse ‘Kompetenzen’. „…und auch von dem, was Frauen auszeichnet, hatte sie zur Genüge“ („nec ille cetere muliebres defuissent dotes“). „Diese …
  • 3.4 Die ‘vorbildlich gebildete’ Iohanna Anglica: Ein Frau als Papst? „Eroberung eines Platzes in der Geschichte“. „Inaudita temeritas“ als polyvalente Eigenschaft: „O Deus inclite, quid non audent mulieres?“ „Subeunte libidine“: Wie Amor (uns alle) …
  • 3.5 Erste Zwischenbilanz. Eva, Penelope, Poppäa, Johanna: Vier außergewöhnliche Frauen als Individuen beurteilt, nicht aber abgeurteilt
  • 4. Vierte Annäherung an Boccaccios De mulieribus claris: Persönlichkeiten mit besonderer Berufung
  • 4.1 Hortensia: engagierte ‘Anwältin’, sprachgewandte Tochter eines namhaften Redners und ‘Feministin’ ante litteram. „Egregii oratoris filia dignis extollenda laudibus“
  • 4.1.1 Nikostrate (= Carmenta): ‘Erfinderin’ der lateinischen Schrift und Begründerin einer verschriftlichten und deshalb allzeit nachlesbaren Bildungs- und Kulturgeschichte Roms und Europas. „Molta lode e gratitudine dobbiamo a Carmenta“
  • 4.2 Gaia Cirilla (= Tanaquil): eine bescheidene Königin als ‘Bekleidungsdesignerin’ und ‘Unternehmerin’. „Prestantissimi ingenii femina […] mirabilis et amantissima“
  • 4.3 Cornificia („femineum decus“): Hommage an eine ‘ersehnte’ Dichterin. Proba, ein Text(ur)genie: „Memoratu dignissima fuit femina“
  • 4.4 Zweite Zwischenbilanz. Hortensia, Gaia Cirilla (Tanaquil), Cornificia, Proba und Nikostrate (Carmenta): Frauen auf dem (langen) Weg zu (allgemeiner) beruflicher, sozialer und/oder intellektueller Selbständigkeit. „Frauen auf politischem, …
  • 5. Fünfte Annäherung an De mulieribus claris: Die Illustrationen der Editio princeps sowie der ersten gedruckten (= deutschen) Übersetzung (Ulm um 1473): „Das Beste, was damals in Deutschland an Holzschnitten erschien“. Geschichten über Frauen (auch) …
  • 6. Sechste Annäherung an De mulieribus claris: Das internationale Spektrum der Übersetzungen. Wege zu Boccaccio, Umwege, Abwegigkeiten
  • 6.1 Die erste (frühneuhoch)deutsche Übersetzung (‘Der kurcz sin von etlichen frowen von denen johannes boccacius in latin beschriben hat’, Ulm 1473) durch den Arzt und Gelehrten Heinrich Steinhöwel. Ceres’ gut gemeinte, göttliche Geschenke an die …
  • 6.1.1 Die in heutiges Deutsch übertragene, kommentierte Reclam-Anthologie (= Teilübersetzung) von Irene Erfen und Peter Schmitt (‘De claris mulieribus – Die großen Frauen. Lateinisch/Deutsch’, 11995, 22013). Wie man Boccaccio entgegen der textlichen …
  • 6.2 Die überraschende Vielfalt der englischsprachigen ‘Übertragungen’ und Übersetzungen. Zu Lybia, Sappho, Dido und Irene von Konstantinopel als ‘mulieres clarae’
  • 6.2.1 De mulieribus claris in mittelenglischen Versen: Eine frühe poetische Teilübertragung (entstanden um 1440; Gustav Schleich ed., Weimar 1924; Janet Cowen ed., Heidelberg 2015). ‘Lybia’, ‘berühmte’ Mutter eines unrühmlichen Sohnes: „womanskyns …
  • 6.2.2 Die erste englische Prosa(teil)übersetzung eines gelehrten Lords: ‘Forty-six Lives’ von Henry Parker (1476–1556; Herbert G. Wright ed., London u. a. 11943, 21970). Sappho: „uti feliciter studuit, sic infelici amore capta est.“ Begnadete und …
  • 6.2.3 Die erste vollständige Übersetzung in englischer Sprache von Guido A. Guarino: ‘Concerning Famous Women’ (Rutgers University NJ 11963, NY 22011). „The eternal question of what a translation should be“. Die beispiellos charakterstarke …
  • 6.2.4 Die zweite vollständige Übersetzung in englischer Sprache von Virginia Brown: ‘Famous Women’ (Cambridge MA 12001, 22003). Irene von Konstantinopel: ‘byzantinisch’ dargestelltes Leben einer Kaiserin. „Grausame Mutter“, aber „clara imperatrix“: …
  • 6.3 De mulieribus claris in Frankreich: „La più antica versione francese di un’opera del Boccaccio“
  • 6.3.1 Nicht die erste, aber die zuerst gedruckte französische Übersetzung von De mulieribus claris durch Antoine Vérard: ‘De la louenge et vertu des nobles et cleres dames’ (Paris 1493). Ein Verleger als selbstbewusst ‘auktorialer’ Geburtshelfer: …
  • 6.3.2 Die erste französische, anonyme Übersetzung aus dem (bzw. um das) Jahr 1401: ‘Des cleres et nobles femmes’ (Jeanne Baroin und Josiane Haffen edd., Besançon 1993–95). Nun weiß man endlich, wie ‘sie’ wirklich aussieht! „Un travail très imparfait, …
  • 6.3.3 Die erste vollständige Übersetzung in das Französische ‘von heute’: ‘Les femmes illustres’ (Jean-Yves Boriaud, Paris 2013). Übersetzt ja, aber nach welchen Kriterien eigentlich?
  • 6.4 Die erste gedruckte Übersetzung eines Werks von Boccaccio ins Spanische: ‘De las mujeres illustres en romance’ (Zaragoza 1494). Das latente Verlangen eines anonymen Gelehrten: „The desire to present himself“. „Una chiara volontà d’indottrinamento“…
  • 6.5 Eine (nahezu) unbekannte, anonyme Übersetzung ins Niederländische: ‘Bescrivende van den doorluchtighen, glorioesten ende edelsten vrouwen ende van haren wercken’ (Antwerpen 1525). Iole und Herkules oder Herkules und Iole? Wie man als Übersetzer …
  • 6.6 De mulieribus claris in ‘Italien’: ‘Volgare’ und ‘Italienisch’
  • 6.6.1 Das Konglomerat der ‘volgarizzamenti’ I: Donato (degli) Albanzani (‘Delle donne famose’; früh, nämlich noch im 14. Jh. in Venedig entstanden, aber erst spät gedruckt: Neapel 11836, Mailand 21841, Bologna 31881). „La figura di questo umanista …
  • 6.6.2 Die jüngste und ‘präziseste’ (neu)italienische Übersetzung: Das Meisterwerk des erfahrenen Philologen Vittorio Zaccaria (‘Sulle donne illustri’, Verona 11967, 21970): „aiutare il lettore nell’interpretazione del testo“. Ataljas unbändige Gier …
  • 6.6.3 Das Konglomerat der ‘volgarizzamenti’ II: Fra Antonio da Sant’Elpidio – Niccolò Sassetti – Vincenzo Bagli – Giovanni Tacuino (‘L’opera di misser Giouanni Boccacio de mulieribus claris’, ursprünglich vor 1375 entstanden, ‘ergänzt’ gedruckt in …
  • 6.6.4 Das Konglomerat der ‘volgarizzamenti’ III: nicht mehr nur Übersetzer, sondern auch Fortsetzer. Von Giovanni Boccaccio über Jacopo Filippo Foresti und Giuseppe Betussi zu Francesco Serdonati (‘Libro di m. Gio. Boccaccio delle donne illustri, …
  • 7. Siebte Annäherung an De mulieribus claris: Was kam danach? Ein Beispiel: Giovanni Boccaccio (1313–75) und Christine de Pizan (1365 – um 1430). Eine ‘ideale’ Stadt nur für Frauen, ganz ohne Männer!? „Men [or only Women] doing Feminism?“ Über die …
  • 7.1 Wie geht Christine de Pizan mit der Authentizität des Namens, den Titeln des Œuvres und den Leistungen Boccaccios um? – „Elle se mit à piller sans scrupule le traité de Boccace.“ Giovanni Boccaccio zum (anonymen) Lieferanten von Banalitäten …
  • 7.2 Welche Schlüsse sind aus Christine de Pizans vehementem Feldzug gegen frauenfeindliche Autoren zu ziehen? „Virtue and Venom“ als Prinzipien eines Schwarz-weiss-Moralismus und infantilen Gender-Verständnisses. „Boccaccio wants to give an objective …
  • 7.3 Zur Persönlichkeit von Christine de Pizan: Ehefrau, Mutter, Witwe, Familienoberhaupt, literarisches Multitalent, (frühe) ‘freie’ und weltgewandte Schriftstellerin sowie „feministische Vordenkerin [mit] Bestrebungen ohne konkrete Konsequenzen“
  • 8. Ein großes Buch nun ganz nah! Schlussbilanz: Ein Schriftsteller wird rehabilitiert! Giovanni Boccaccios De mulieribus claris: „first man doing feminism“. „La réputation que cet ouvrage acquit [est] à l’origine des nombreuses imitations et …
  • 9. Studienführer zu De mulieribus claris (=‑DMC)
  • Gliederung des folgenden Studienführers zu De mulieribus claris (= DMC)
  • Studienführer zu De mulieribus claris (= DMC)
  • 1. Ausgaben des lateinischen Textes von De mulieribus claris (= DMC)
  • 2. Ausgaben der ‘volgarizzamenti’ von DMC
  • 3. Ausgaben deutschsprachiger Übersetzungen von DMC
  • 4. Ausgaben englischsprachiger Übersetzungen von DMC
  • 5. Ausgaben französischsprachiger Übersetzungen von DMC
  • 7. Ausgabe der niederländischen Übersetzung von DMC
  • 8. Forschungen zu DMC (in Buchform)
  • 9. Forschungen nur teilweise zu DMC (in Buchform)
  • 10. Forschungen zu DMC (Aufsätze)
  • 11. Forschungen nur teilweise zu DMC (Aufsätze)
  • 14. Gender Studies, Frauenforschung, Literatur von Frauen
  • 15. Forschungen zum Themenkreis ‘Die Frau/Frauen’ in der Antike
  • 16. Forschungen zu einzelnen weiblichen Gestalten aus DMC
  • 17. Christine de Pizan: Ausgabe, Übersetzungen, Forschungen
  • 18. Zu Autoren der Weltliteratur, die in den Zusammenhang mit DMC gebracht werden: Chaucer, Hesiod, Hieronymus, Luna (Álvaro de), Madách (Imre), Milton, Petrarca, Plutarch, Sueton
  • ‘Verzeichnis’ der 106 weiblichen Gestalten von DMC. Inhaltsskizzen der einzelnen Kapitel und Einstiegshilfen für die eigene Lektüre
  • Register zum ‘Studienführer’
  • Index Nominum

Heinz Willi Wittschier

Boccaccios De mulieribus claris

Einführung und Handbuch

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Autorenangaben

Heinz Willi Wittschier ist emeritierter Professor für Romanistik in Hamburg. Er hat zu diesem breiten Fach einschlägige Grundlagenwerke, Einführungen, Studienführer und Lehrbücher verfasst, darunter zahlreiche zur italienischen Literatur.

Über das Buch

Dieses Handbuch untersucht Boccaccios De mulieribus claris umfassend und kann so zeigen, dass sich das Werk über 106 besondere Frauen als „präfeministisch“ erweist. Die unterstellte Misogynie Boccaccios ist einer Unkenntnis des lateinischen Originals oder eklektizistischem Umgang mit bloßen Fragmenten geschuldet. Umfassende Analysen von Übersetzungen und Forschungen erhellen jenen Irrtum: Boccaccio hatte, anders als Petrarca, ein bipolares Verständnis vom Menschen und setzte das Weltbild Plutarchs als gemeinsames Agieren von Männern und Frauen humanistisch fort. Vergleichende Blicke auf Christine de Pizans Cité des Dames zeigen, dass ein nur von und für Frauen vertretener Feminismus kein ausgewogenes Begreifen der Welt ermöglicht. Das Handbuch schließt mit einer kommentierten Bibliographie zu Werk, Autor und angrenzenden Themenkreisen.

Zitierfähigkeit des eBooks

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Inhalt

Vorwort Eines bedeutenden Mannes gut gemeintes, zu wenig bekanntes und kaum gerühmtes Buch über berühmte Frauen

0. Noch weit von einem großen Buch entfernt! Zur Einführung. Giovanni Boccaccios De mulieribus claris: Erwiesene Kompetenz. Die Welt und ihre Geschichte im Spektrum bemerkenswerter Frauen: Lob und Tadel, Verleugnung und Bewunderung für ein altes’ zwar, aber sehr innovatives Werk. „Boccaccio is [not] basically hostile to women“. „The work was popular throughout Europe“. „The foundation text of Renaissance profeminism“. „Il termine di un’età

1. Erste Annäherung an De mulieribus claris: Literatur- bzw. textgeschichtliche Voraussetzungen für eine Einschätzung und Wertung von Giovanni Boccaccios ‘Frauenbuch’. Plutarch, Petrarca, BoccacciosDe casibus’, Tugendkataloge der Bibel

1.1 Exemplarische ‘Nachrichten’ des ‘römischen Griechen’ Plutarch ‘tüchtige’ oder ‘tapfere’ Frauen der Antike betreffend: Γυναικών ἀρεταί (Gynaikōn aretai) bzw. Mulierum virtutes. Ein (von der Romanistik) vergessenes oder übergangenes, wichtiges ‘Buch’ über Frauen (und deren Männer): women who have given evidence of greater courage than their husbands“. Vergleich, Differenzierung und geschlechtliche Vollständigkeit bei Plutarch (Bioi parallēloi). ‘Katalogisierte’ Weiblichkeit bei Hesiod. Zynismus in Platon und Xenophon. Dennoch: „Plutarch himself had a high opinion of women“! ←11 | 12→

1.2 Francesco Petrarcas De viris illustribus: Eine Herausstellung ‘großer’ Männer aus alten Zeiten, ein Buch ohne Frauen. „La femme est le plus souvent le diable incarné, ennemie de toute paix.Suetons nützliche Materialsammlungen zu Literaten und Caesaren. Griselda/Griseldis: „Sufferings at the hands of despotic, marital, masculine authority.Petrarcas ‘Trostbrief’ an eine junge Mutter und Kaiserin: Leider nur ein Mädchen! Aber…

1.3 Wer Boccaccios ‘Frauenbuch’ beurteilt, muss auch sein ‘Männerbuch’ gut kennen: ‘Zwei Seiten derselben Medaille’. Von des Autors Absicht, „gestürzte Männer u n d Frauen vorzustellen“ .

1.4 De mulieribus claris als logische, notwendige und ‘gerechte’ Fortsetzung von De casibus virorum illustrium: Fortunas Walten unter nun umgekehrten Vorzeichen. Iokaste: fatale Gebärerin des Ödipus. Hecuba: die Qualen einer Mutter, Ehefrau und Königin. Filippa da Catania: eine furchtbar geschundene, ‘treue Seele’. „…damit das Buch in allen seinen Teilen gut zusammengestellt erscheint.

1.5 Viri illustres’ und ‘mulieres clarae’: Welche Attribute sind gemeint? „L’agire è il polo.“ – „Public recognition

1.6 Die ‘Weltanschauung’ eines Humanisten. Menschliches Streben versus Fortunas Willkür: „Aber Fortuna schonte sie nicht.“

1.7 Einen Schriftsteller suchen Protagonist(inn)en der ‘Weltgeschichte’ auf. Er hört ihnen zu, wird zur Niederschrift ihrer Schicksale sowie zum Nachdenken und Kommentieren veranlasst. Arsinoë: verhängnisvolle Leidenschaft im engsten Familienkreis .

1.8 Konsequenzen aus den ‘direkten Begegnungen’ des ‘Biographen’ mit jenen ‘Persönlichkeiten’: Boccaccio bloß eine Figur unter Figuren, kardanisch implementierte Geschehnisse, Relativität allen Seins, Fortunas Präsenz. Besserwisserischen Interpreten ist also beim Deuten Vorsicht geboten!

1.9 Lassen sich bestimmte stilistische Darstellungsweisen oder kompositionelle Verfahren ausmachen? Gibt es ‘Modelle’ für De mulieribus claris? Eigentlich nicht, denn Boccaccio ist „uno scrittore poliedrico, genialmente versatile“! ←12 | 13→

1.10 Boccaccios Umgang mit ‘Wirklichkeit’. Die zeitlose Gültigkeit poetischer Aussagen: „Der Dichter war für Boccaccio der Inbegriff der Weisheit, der Wahrheit, der Tugend, der Religion. Der Dichter ist Zeuge der großen Geschichte, Verkünder und Deuter der Religion, Erforscher und Lehrer der Weisheit.

1.11 Zu Boccaccios (angeblicher) Frauenfeindlichkeit (Misogynie). Eine „generelle Abwertung des Weiblichen“ – Eine generelle Aufwertung des Weiblichen“. Eine latente und permanente „malignité“ als Triebfeder? – „A positive reevaluation of woman’s identity“. Was ist denn nun wahr?

1.12 Urteile über Frauen: Zu Boccaccios ‘Kompetenz’. Ein literarisches Lebenswerk im Kontakt mit Weiblichkeit: „Il primo storiografo del sesso gentile“. Allerdings: Der Mensch – und so auch die Frau – ist in der Regel Teil einer Familie. „L’utilità insita nella topica familiare

1.13 Boccaccios Umgang mit seinen Quellen. Über fremdsprachliche Defizite und Erkenntnisverspätung. Ein Autor der Weltliteratur als schriftstellerischer ‘Stümper’? DMC als ‘plumpe Kompilation’ („un’opera di grossolana compilazione“)? Voreilige Schlüsse von Laura Torretta (1902). Vittorio Zaccarias Lob des ‘genio narrativo’ (1992). Erhellung künstlerischer Schöpfungsvorgänge durch Elsa Filosa (2007)

2. Zweite Annäherung an De mulieribus claris: Sprache, Werkeinrahmung, Entstehung

2.1 Zur Sprache. „I diversi linguaggi che l’auctor ha in “: ein kunstreiches Werk in lateinischer Sprache als ‘internationaler’ und zudem zeitloser Gedankenträger

2.2 Gehalt und Bedeutung der drei ‘Paratexte’. Dedikation, Prolog, Epilog (Widmungsbrief, Einführung, Nachwort): „Ein strategisches Potenzial misogynen Sprechens“ (?) – „Un omaggio a tutto il sesso femminile“ (!) – Begleitende und leitende Worte von „gewaltiger Inspirationskraft in anderen Ländern mit unterschiedlichen Sprachen←13 | 14→

2.3 Die Entstehung eines gar nicht so umfangreichen, aber ganz besonderen Werks. Ein ungewöhnlich langer Produktionszeitraum für maßgebliche, anregende und innovative Äußerungen eines Gelehrten über das weibliche Geschlecht: „Nuove acquisizioni erudite e culturali […], inesauribile e affascinante erudizione

2.4 Anlage, Aufbau, Struktur, Zielsetzungen. Ein anspruchsvolles, mannigfaltiges sowie enzyklopädisch offenes ‘Lesebuch’ mit Erzählcharakter und Fortsetzungsfunktion: „A complex and intricate work“. „Together the one hundred and six heroines offer an impressive diversity“. Literatur als ‘Work in progress’ zur „reinigung und vervollkommnung des eigenen denkens auf allen gebieten des lebens

3. Dritte Annäherung an De mulieribus claris: Vier Frauenentwürfe’ auf dem textanalytischen Prüfstand. Vergleiche mit Boccaccios anderen Werken. Exkurse zu entsprechenden Darstellungen in den europäischen Literaturen

3.1 Die ‘außergewöhnlich schöne’ Eva: „hanc arbitrari possumus corporea formositate mirabilem“. Boccaccios relativ unbelastetes Verständnis von einer standardisierten ‘Figur’ der Weltkultur. Bibel, Koran, Haggada. Die ‘kontextuell’ geprägte Eve in John Miltons Paradise Lost (1667–74). Eva – klug, einfühlsam, lebensbejahend – in der ungarischen Versdichtung Az ember tragédiája (1861) von Imre Madách .

3.2 Die ‘unglaublich treue’ Penelope: „exemplum sanctissimum et eternum“. Jahrzehntelanges Warten auf den Ehemann: „La confiance remporte la victoire.“

3.3 Die ‘versteckt kaltblütige’ Sabina Poppaea: Opportunismus einer fatalen Schönheit, aber keineswegs ohne gewisse ‘Kompetenzen’. „…und auch von dem, was Frauen auszeichnet, hatte sie zur Genüge“ („nec ille cetere muliebres defuissent dotes“). „Diese schöne, intelligente, ehrgeizige, aber gewissenlose Frau…←14 | 15→

3.4 Die ‘vorbildlich gebildete’ Iohanna Anglica: Ein Frau als Papst? „Eroberung eines Platzes in der Geschichte“. „Inaudita temeritas“ als polyvalente Eigenschaft: „O Deus inclite, quid non audent mulieres?“ „Subeunte libidine“: Wie Amor (uns alle) heimsucht. Niederkunft und Mutterschaft in Gottesnähe als (vermeintliche) Schande. Johanna oder Johannes? Feminine Kompetenz versus maskuline Dekadenz! Was ist denn nützlicher oder gar besser?

3.5 Erste Zwischenbilanz. Eva, Penelope, Poppäa, Johanna: Vier außergewöhnliche Frauen als Individuen beurteilt, nicht aber abgeurteilt

4. Vierte Annäherung an Boccaccios De mulieribus claris: Persönlichkeiten mit besonderer Berufung

4.1 Hortensia: engagierte ‘Anwältin’, sprachgewandte Tochter eines namhaften Redners und ‘Feministin’ ante litteram. „Egregii oratoris filia dignis extollenda laudibus

4.1.1 Nikostrate (= Carmenta): ‘Erfinderin’ der lateinischen Schrift und Begründerin einer verschriftlichten und deshalb allzeit nachlesbaren Bildungs- und Kulturgeschichte Roms und Europas. „Molta lode e gratitudine dobbiamo a Carmenta

4.2 Gaia Cirilla (= Tanaquil): eine bescheidene Königin als ‘Bekleidungsdesignerin’ und ‘Unternehmerin’. „Prestantissimi ingenii femina […] mirabilis et amantissima

4.3 Cornificia („femineum decus“): Hommage an eine ‘ersehnte’ Dichterin. Proba, ein Text(ur)genie: „Memoratu dignissima fuit femina“ .

4.4 Zweite Zwischenbilanz. Hortensia, Gaia Cirilla (Tanaquil), Cornificia, Proba und Nikostrate (Carmenta): Frauen auf dem (langen) Weg zu (allgemeiner) beruflicher, sozialer und/oder intellektueller Selbständigkeit. „Frauen auf politischem, kirchlichem oder kulturellem Gebiet“: „Subjects engaged in discussion“ – „A bridge to a new concept of woman←15 | 16→

5. Fünfte Annäherung an De mulieribus claris: Die Illustrationen der Editio princeps sowie der ersten gedruckten (= deutschen) Übersetzung (Ulm um 1473): „Das Beste, was damals in Deutschland an Holzschnitten erschien“. Geschichten über Frauen (auch) zum Anschauen. Die schöne Helena: Raub als ‘action’ wie in einem Comic. Sichtbare Sukzessivität des Narrativen

6. Sechste Annäherung an De mulieribus claris: Das internationale Spektrum der Übersetzungen. Wege zu Boccaccio, Umwege, Abwegigkeiten

6.1 Die erste (frühneuhoch)deutsche Übersetzung (‘Der kurcz sin von etlichen frowen von denen johannes boccacius in latin beschriben hat’, Ulm 1473) durch den Arzt und Gelehrten Heinrich Steinhöwel. Ceres’ gut gemeinte, göttliche Geschenke an die Menschen und deren unerwartete Auswirkungen: „Von überhohen sinnen und vernunfft“. „The power of the female elevated to the status of the divine

6.1.1 Die in heutiges Deutsch übertragene, kommentierte Reclam-Anthologie (= Teilübersetzung) von Irene Erfen und Peter Schmitt (‘De claris mulieribus – Die großen Frauen. Lateinisch/Deutsch’, 11995, 22013). Wie man Boccaccio entgegen der textlichen Beschaffenheit und Logik zum Frauenfeind machen kann: „Eifersucht, Geiz, Habsucht, Neugierde, Mißtrauen, sexuelle Zügellosigkeit als weibliche Geschlechtseigenschaften“ (!?) Deianira: Eine Frau will unbedingt ihren Mann zurück! „Deianira, donna innamorata, colpevole solo della propria ingenuità

6.2 Die überraschende Vielfalt der englischsprachigen ‘Übertragungen’ und Übersetzungen. Zu Lybia, Sappho, Dido und Irene von Konstantinopel als ‘mulieres clarae

6.2.1 De mulieribus claris in mittelenglischen Versen: Eine frühe poetische Teilübertragung (entstanden um 1440; Gustav Schleich ed., Weimar 1924; Janet Cowen ed., Heidelberg 2015). ‘Lybia’, ‘berühmte’ Mutter eines unrühmlichen Sohnes: „womanskyns perpetuall precone←16 | 17→

6.2.2 Die erste englische Prosa(teil)übersetzung eines gelehrten Lords: ‘Forty-six Lives’ von Henry Parker (1476–1556; Herbert G. Wright ed., London u. a. 11943, 21970). Sappho: „uti feliciter studuit, sic infelici amore capta est.“ Begnadete und unerhört exponierte Dichterin, aber glücklos Liebende: „neither with hyr lamentable verses nor with hyr teares she coulde gett hys loue.“ Historizität und Literarisierung eines genialen Phantoms bzw. phantomhaften Genies. Boccaccios Ekloge Saphos als Apotheose einer ‘irdischen’ Frau

6.2.3 Die erste vollständige Übersetzung in englischer Sprache von Guido A. Guarino: ‘Concerning Famous Women’ (Rutgers University NJ 11963, NY 22011). „The eternal question of what a translation should be“. Die beispiellos charakterstarke Prostituierte Leena („Etsi minus fuerit pudica, bona tamen“): Eine ‘femina’ wird zur ‘mulier clara’. Dido: konsequent bis in den Tod („In finem usque servandus est amor“). Boccaccio gesteht, über die für sein Unternehmen gesteckten Grenzen ‘hinausgeschossen’ zu sein und bittet um Nachsicht .

6.2.4 Die zweite vollständige Übersetzung in englischer Sprache von Virginia Brown: ‘Famous Women’ (Cambridge MA 12001, 22003). Irene von Konstantinopel: ‘byzantinisch’ dargestelltes Leben einer Kaiserin. „Grausame Mutter“, aber „clara imperatrix“: „the most famous person in the world

6.3 De mulieribus claris in Frankreich: „La più antica versione francese di un’opera del Boccaccio

6.3.1 Nicht die erste, aber die zuerst gedruckte französische Übersetzung von De mulieribus claris durch Antoine Vérard:De la louenge et vertu des nobles et cleres dames’ (Paris 1493). Ein Verleger als selbstbewusst ‘auktorialer’ Geburtshelfer: „Ce petit euuvre de mon labeur“. Thisbe: unsterblich verliebt, sich (aber) kompromisslos tötend: „Elle trauersa ladite espee tout a trauers de sondit corps.“ Das Prekäre am Interpretieren von Texten: Wie deutet man menschliches Agieren eindeutig? ←17 | 18→

6.3.2 Die erste französische, anonyme Übersetzung aus dem (bzw. um das) Jahr 1401: ‘Des cleres et nobles femmes’ (Jeanne Baroin und Josiane Haffen edd., Besançon 1993–95). Nun weiß man endlich, wie ‘sie’ wirklich aussieht! „Un travail très imparfait, à peine intelligible par endroits“. Stimmt das wirklich? Nochmals zu Thisbe (und Pyramus). Triaria: mit dem Schwert in der Hand, unverdrossen an der Seite ihres Mannes kämpfend („desirante de son mari la victoire, ceinte d’une espee […] nulle crainte fut trouvee“). „Courage does not depend on sex so much as on the individual character

6.3.3 Die erste vollständige Übersetzung in das Französische ‘von heute’: ‘Les femmes illustres’ (Jean-Yves Boriaud, Paris 2013). Übersetzt ja, aber nach welchen Kriterien eigentlich?

6.4 Die erste gedruckte Übersetzung eines Werks von Boccaccio ins Spanische: De las mujeres illustres en romance’ (Zaragoza 1494). Das latente Verlangen eines anonymen Gelehrten: „The desire to present himself“. „Una chiara volontà d’indottrinamento“. Die ‘Romana iuvencula’ als absolut ‘unmännliche’ Frau: Lebensrettung durch Muttermilch! Konservative Einordnung des objekthaften weiblichen Subjekts durch einen linientreu folgsamen ‘Spanier’: „La nueva moral y los nuevos modelos de comportamiento

6.5 Eine (nahezu) unbekannte, anonyme Übersetzung ins Niederländische: ‘Bescrivende van den doorluchtighen, glorioesten ende edelsten vrouwen ende van haren wercken’ (Antwerpen 1525). Iole und Herkules oder Herkules und Iole? Wie man als Übersetzer aus seiner Vorlage eine ‘andere Geschichte’ machen sowie Lesern und Forschung eine Falle stellen kann

6.6 De mulieribus claris in ‘Italien’: ‘Volgare’ und ‘Italienisch’

6.6.1 Das Konglomerat der ‘volgarizzamenti’ I: Donato (degli) Albanzani (‘Delle donne famose’; früh, nämlich noch im 14. Jh. in Venedig entstanden, aber erst spät gedruckt: Neapel 11836, Mailand 21841, Bologna 31881). „La figura di questo umanista spicca sullo sfondo culturale del secondo Trecento“. Die (nicht grundlos) aufbegehrende Niobe: Einer Mutter tötet man ihre 14 Kinder! „Pianse la sua sciagura“. „Von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Verbreitung des Mythos ist seine Bearbeitung durch Boccaccio.←18 | 19→

6.6.2 Die jüngste und ‘präziseste’ (neu)italienische Übersetzung: Das Meisterwerk des erfahrenen Philologen Vittorio Zaccaria (‘Sulle donne illustri’, Verona 11967, 21970): „aiutare il lettore nell’interpretazione del testo“. Ataljas unbändige Gier nach Macht als unweibliche Untugend: „La crudele si accese della brama del regno.“ „Sie schickte sich also an, die gesamte königliche Verwandtschaft des Hauses Juda auszurotten.“ Dennoch: „Even from a naive reading, it is a wonderful story – full of intrigue and drama.“

6.6.3 Das Konglomerat der ‘volgarizzamenti’ II: Fra Antonio da Sant’Elpidio – Niccolò Sassetti – Vincenzo Bagli – Giovanni Tacuino (‘L’opera di misser Giouanni Boccacio de mulieribus claris’, ursprünglich vor 1375 entstanden, ‘ergänzt’ gedruckt in Venedig 1506). „Per lor uirtu sóno a memoria“: „The theme of eternal fame“. Boccaccios De mulieribus claris und die romanische Tradition des Frauenlobs

6.6.4 Das Konglomerat der ‘volgarizzamenti’ III: nicht mehr nur Übersetzer, sondern auch Fortsetzer. Von Giovanni Boccaccio über Jacopo Filippo Foresti und Giuseppe Betussi zu Francesco Serdonati (‘Libro di m. Gio. Boccaccio delle donne illustri, tradotto per messer Givseppe Betvssi; con vna additione’, Venedig-Florenz 1497 bis 1596): „un testo in continua costruzione“. De mulieribus claris als literarischer ‘Steinbruch’

7. Siebte Annäherung an De mulieribus claris: Was kam danach? Ein Beispiel: Giovanni Boccaccio (1313–75) und Christine de Pizan (1365 – um 1430). Eine ‘ideale’ Stadt nur für Frauen, ganz ohne Männer!? Men [or only Women] doing Feminism?“ Über die Problematik des unlauteren Verschweigens in der ‘schönen’Literatur

7.1 Wie geht Christine de Pizan mit der Authentizität des Namens, den Titeln des Œuvres und den Leistungen Boccaccios um? – „Elle se mit à piller sans scrupule le traité de Boccace.“ Giovanni Boccaccio zum (anonymen) Lieferanten von Banalitäten degradiert. – Selbstdarstellung einer Frau als zentrale schriftstellerische Lebensaufgabe: „Der Nachwelt das Andenken der eigenen Person bewahren←19 | 20→

7.2 Welche Schlüsse sind aus Christine de Pizans vehementem Feldzug gegen frauenfeindliche Autoren zu ziehen? „Virtue and Venom“ als Prinzipien eines Schwarz-weiss-Moralismus und infantilen Gender-Verständnisses. „Boccaccio wants to give an objective picture of renowned women“ – „Christine […] believes that it is not natural for a woman to be evil“ – „Die ‘Stadt der Frauen’ ist […] ein letztendlich abstraktes, wenig konkretes und ‘unsinnliches’ Gebilde.“ – Dem steht gegenüber „la modernité du récit chez Boccace

7.3 Zur Persönlichkeit von Christine de Pizan: Ehefrau, Mutter, Witwe, Familienoberhaupt, literarisches Multitalent, (frühe) ‘freie’ und weltgewandte Schriftstellerin sowie „feministische Vordenkerin [mit] Bestrebungen ohne konkrete Konsequenzen“ .

8. Ein großes Buch nun ganz nah! Schlussbilanz: Ein Schriftsteller wird rehabilitiert! Giovanni Boccaccios De mulieribus claris: „first man doing feminism“. „La réputation que cet ouvrage acquit [est] à l’origine des nombreuses imitations et traductions exécutées dans les différentes langues européennes.“ „The first attempt at female biography in the history of post-classical Western literature.“ Ein ‘mindestens zu 75 %’ positiv und frauenfreundlich ausgerichtetes Meisterwerk

9. Studienführer zu De mulieribus claris (= DMC)

Gliederung des folgenden Studienführers zu De mulieribus claris (= DMC)

Studienführer zu De mulieribus claris (= DMC)

1. Ausgaben des lateinischen Textes von De mulieribus claris (= DMC)

2. Ausgaben dervolgarizzamentivon DMC

3. Ausgaben deutschsprachiger Übersetzungen von DMC

4. Ausgaben englischsprachiger Übersetzungen von DMC

5. Ausgaben französischsprachiger Übersetzungen von DMC

7. Ausgabe der niederländischen Übersetzung von DMC

8. Forschungen zu DMC (in Buchform)

9. Forschungen nur teilweise zu DMC (in Buchform) ←20 | 21→

10. Forschungen zu DMC (Aufsätze)

11. Forschungen nur teilweise zu DMC (Aufsätze)

12. Boccaccios sonstige Werke: Ausgaben und Übersetzungen

13. Forschungen zu Boccaccio: Person und Werk (außer DMC)

Details

Seiten
562
ISBN (ePUB)
9783631700150
ISBN (PDF)
9783653042122
ISBN (MOBI)
9783631700167
ISBN (Hardcover)
9783631650783
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (April)
Schlagworte
Gender Studies Feminismus Frauenliteratur Lateinischer Humanismus Italianistik Übersetzungswissenschaft
Erschienen
Frankfurt am Main, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2017. 562 S., 1 farb. Abb.

Biographische Angaben

Heinz Willi Wittschier (Autor:in)

Heinz Willi Wittschier ist emeritierter Professor für Romanistik in Hamburg. Er hat zu diesem breiten Fach einschlägige Grundlagenwerke, Einführungen, Studienführer und Lehrbücher verfasst, darunter zahlreiche zur italienischen Literatur.

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Titel: Boccaccios «De mulieribus claris»