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Das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland

Begegnungsforum. Austauschplattform. Diskursort

von Wolfgang Schneider (Band-Herausgeber:in) Gerd Taube (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 302 Seiten

Zusammenfassung

Das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland fördert die Vielfalt der Darstellenden Künste, die sich an ein junges Publikum wenden. Zum 25-jährigen Bestehen beschreiben Experten aus Theorie und Praxis Modellprojekte zur Autorenförderung, zum nationalen und internationalen Austausch sowie zur Kulturellen Bildung, erörtern Entwicklungen in der Theaterlandschaft und markieren jugend-, bildungs- und kulturpolitische Herausforderungen, das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Kunst und Kultur zu verwirklichen. Es geht unter anderem um Wege ins Theater als Programm der Partizipation, den Diskurs von Theaterkünstlern und Theaterpädagogen, das Theater für die Allerkleinsten und um ein zeitgenössisches Musiktheater, letztendlich um die Zukunft des Kinder- und Jugendtheaters Made in Germany.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • »Kinder brauchen Theater«: »Theater zum Wachsen«
  • Zum 25-jährigen Bestehen des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland
  • 1. Fachbegegnung und Fachdiskurs
  • 2. Entwicklung von Themen
  • 3. Internationale Dimension der Arbeit des KJTZ
  • 4. Autorenförderung
  • 5. Wissensvermittlung und Wissenserwerb
  • 6. Nachwuchsförderung
  • 7. Kommunikation und Marketing
  • 8. Verwaltung und Infrastruktur
  • I. Kinder brauchen Theater zum Aufwachsen
  • Die Politik der ASSITEJ für das deutsche Kinder- und Jugendtheater in Ost und West (1966 bis 1990)
  • 1. Die ASSITEJ – ein Motor der künstlerischen und institutionellen Entwicklung des Kinder- und Jugendtheaters in beiden Teilen Deutschlands
  • 2. Ausgangsbedingungen in Ost und West in den 1960er Jahren
  • 3. Umbrüche und Veränderungen in den 1970er Jahren
  • 4. Kulturpolitik für Kinder – die Konsolidierung der ASSITEJ in der BRD
  • 5. Mit ästhetischer Vieldeutigkeit wider die didaktische Eindeutigkeit
  • 6. Auf der Suche nach Identität – Kinder- und Jugendtheater in der BRD in den 1980er Jahren
  • 7. Bedingungslose Hinwendung zum Publikum von heute – Kinder- und Jugendtheater in der DDR in den 1980er Jahre
  • 8. Gesellschaftliche Veränderung durch die Veränderung des Theaters – die letzte Utopie des DDR-Theaters
  • 9. »Dürfen Sie das Theater einfach so verändern?«
  • 10. Das Projekt eines Nationalen Zentrums in der Bundesrepublik – auf dem Weg zu professionellen Strukturen
  • 1986 – Die ASSITEJ BRD als Akteur der kulturellen Jugendbildung
  • 1987 – Von der Idee zum Projekt eines Nationalen Zentrums
  • 1988 – Verbandspolitik zur Einrichtung eines Nationalen Zentrums
  • 1989 – Das »Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland« wird eingerichtet
  • 11. Den Übergang gestalten – Das Ende der zweistaatlichen Entwicklung des Kinder- und Jugendtheaters
  • Literatur
  • Archivquellen
  • II. Große und kleine Meilensteine
  • Chronik des Kinder- und Jugendtheaters und des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland (1946-2014)
  • 1946
  • 1948
  • 1949
  • 1950
  • 1952
  • 1953
  • 1960
  • 1963
  • 1964
  • 1965
  • 1966
  • 1967
  • 1968
  • 1969
  • 1970
  • 1971
  • 1973
  • 1974
  • 1975
  • 1976
  • 1977
  • 1978
  • 1979
  • 1983
  • 1984
  • 1985
  • 1986
  • 1987
  • 1989
  • 1990
  • 1991
  • 1992
  • 1993
  • 1994
  • 1995
  • 1996
  • 1997
  • 1998
  • 1999
  • 2000
  • 2001
  • 2002
  • 2003
  • 2004
  • 2005
  • 2006
  • 2007
  • 2008
  • 2009
  • 2010
  • 2011
  • 2012
  • 2013
  • 2014
  • III. Begegnungen und Vernetzung
  • Das Theaterfestival »Augenblick mal!«. Eine Plattform und für die Entwicklung einer gesamtdeutschen Kinder- und Jugendtheaterszene
  • Quellen und Literatur
  • Den Text als ein Feld von Energien denken. Die dramatische Literatur des Kinder- und Jugendtheaters als Entwicklungsmotor für die Vierte Sparte
  • Lesungen – Aufführungen – Diskussionen – Ausstellung
  • Das Zentrum in Frankfurt als Zentrum der Kinder- und Jugendtheater
  • Die Literatur des Theater als Sprache – vom Lautwerden der Literatur
  • Das Stückrepertoire des deutschsprachigen Kinder- und Jugendtheaters als europäisches Repertoire
  • »Der Begriff von Autorschaft ist in Bewegung«
  • Förderformate des Kinder- und Jugendtheaterzentrums
  • Das Autorenforum übermorgen
  • Literatur
  • Kulturzentrum Theater. Das Modellprojekt Erweiterung der Kinder- und Jugendtheater zu kommunalen Kulturzentren (1992-1994)
  • 1. Vernetzung
  • 2. Theater unterwegs
  • 3. Theater als Spektakel – Theater als Fest
  • 4. Theater und kunstpädagogische Arbeit – Partizipation für alle
  • 5. Zusammenwachsen von Ost und West
  • Literatur
  • Archivquellen
  • Der Arbeitsbereich Information und Dokumentation des KJTZ. Eine kritische Programmbeschreibung und ein Ausblick
  • Theaterarchive als Wissensbasis
  • Information und Dokumentation
  • Reichhaltiger Blick in die Geschichte
  • Fünf Schwerpunkte
  • 1. Produktion und Rezeption des Theaters
  • 2. Sammlung und Verbreitung
  • 3. Vernetzung mit anderen Sammlungen und Fachgebieten
  • 4. Analoge und digitale Dokumentation
  • 5. Reales und virtuelles Umfeld
  • Öffentliche Impulse
  • Literatur
  • Medien in der Kulturvermittlung. Die multimediale Präsentation des Kinder- und Jugendtheaters
  • Sammlung für den Nachwuchs
  • Aspekte der Sammlung
  • Kooperation mit Medienzentren
  • Theater UND Medien
  • Offene Grenzen
  • Crossmediale Zugänge
  • Crossover im Theater
  • Miteinander Lernen
  • Theater der Kinder. Das Modellprojekt »Kinder spielen Theater. Verbesserung von Infrastrukturen in einem Feld der Kulturellen Jugendbildung« (2001-2004)
  • Stief-Kindertheater
  • Ziele
  • Erreichtes und Angestoßenes
  • Anstoß zur Vernetzung
  • Anstoß zum Sichtbarwerden
  • Anstoß für bessere Qualifizierung
  • Vision KINDERTHEATER: Theater von Kindern – Theater mit Kindern – Theater für Kinder
  • Literatur
  • IV. Der andere Zuschauer
  • Theaterpädagogik im Umbruch. Projekte im Berliner Büro des KJTZ
  • Theater mit Kindern in der Grundschule
  • Exkurs: Darstellendes Spiel in der DDR
  • Der Modellkurs Theaterpädagogik in den neuen Bundesländern (1990-1992)
  • Theaterpädagogik im Examen
  • Wie gelang es, dieses Projekt zu realisieren?
  • Literatur
  • Identitätssuche in den 1990er Jahren. Impulse für die Entwicklung der Theaterpädagogik in Deutschland
  • 1. Vom Nebeneinander zum Durcheinander: Weg zwischen Theorie und Praxis
  • 2. Miteinander mehr sehen: Das Festival als Forum der Fach-Community
  • 3. Positionsbestimmungen im Rückblick
  • Literatur
  • Der andere Blick. Rezeptionsforschung am Kinder- und Jugendtheater
  • Literatur
  • Keine Angst! oder: »Die Luft knurrt und ruft Mut!«. Projekte der Partizipation
  • 1.
  • 2.
  • 3.
  • Gedanken im Rückblick
  • Inzwischen denke ich
  • Literatur
  • Theater für die Allerkleinsten. Das Modellprojekt »Theater von Anfang an! Vernetzung, Modelle, Methoden: Impulse für das Feld frühkindlicher ästhetischer Bildung« (2006-2008)
  • Konzeption und Dokumentation des Projekts
  • Kontexte
  • Impulse für die künstlerische Praxis
  • Impulse für die pädagogische Praxis
  • Impulse für die wissenschaftliche Reflexion
  • Literatur
  • Mit den Augen hören und mit den Ohren sehen. Die Förderung des zeitgenössischen Musiktheaters für Kinder
  • Eine neue deutsche Welle: Opern entdecken das junge Publikum
  • Kinderoper und Kindertheater entwickeln sich unabhängig voneinander
  • Vom Ersten Symposium für zeitgenössisches Kindermusiktheater zum Mannheimer Manifest
  • Erste Früchte: die Gründung der »Arbeitsgemeinschaft Musiktheater für junges Publikum« der ASSITEJ
  • Das Zweite Symposium in Oldenburg: Musik und Narration
  • Zukunftsmusik: Förderstrukturen für Experimentierräume und internationalen Austausch
  • Literatur
  • Zwischen den Bildern heute. Neubewertung der Ausstellung »Vorstellungen« (2000) im Kontext des Gender-Diskurses
  • Ein Mann im Kleid auf der Bühne – immer noch ein Tabubruch
  • Warum wäre ein Stück wie dieses vor 20 Jahren noch nicht möglich gewesen?
  • »Vorstellungen«
  • Bewertung der Ausstellung aus heutiger Sicht
  • Ausblick
  • Mehr Gender-Themen auf der Bühne
  • Mehr Gender-Forschung zum Kinder- und Jugendtheater
  • Mehr Gender-Kompetenz im Kinder- und Jugendtheater
  • Literatur
  • V. Internationaler und interkultureller Austausch
  • Die Entdeckung Europas. Die bilateralen Fachtagungen zum europäischen Kinder- und Jugendtheater in Bad Münstereifel (1989 bis 1999)
  • Literatur
  • »Made in Germany« und »Explore Germany«. Deutsches Kinder- und Jugendtheater im Ausland und das internationale Kinder- und Jugendtheater zu Gast in Deutschland
  • Literatur
  • Migrations-Mainstreaming als eine Herausforderung für das Kinder- und Jugendtheater in Deutschland. Eine Annäherung
  • Literatur
  • VI. Wahrnehmung, Wertschätzung und Weiterentwicklung
  • Kulturpolitik für Kinder- und Jugendtheater
  • »Vierter Rang – letzte Reihe?« Das Drama der Dramatik
  • Exkurs. Das Freiburger Theater im Marienbad als Modell
  • »Kindheit als Pflichtfach an Kunsthochschulen!« Das Desiderat in der Ausbildung
  • Exkurs. Das Kindertheaterhaus Hannover als Modell
  • »Kinder- und Jugendtheater ist eine soziale Kunst«. Ästhetische Bildung braucht Kulturförderung
  • Literatur
  • Autorinnen und Autoren
  • Series Index

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»Kinder brauchen Theater«: »Theater zum Wachsen«

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Wolfgang Schneider und Gerd Taube

Zum 25-jährigen Bestehen des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland

Das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland (KJTZ), mit Sitz in Frankfurt am Main, wurde 1989 auf Initiative der ASSITEJ Bundesrepublik Deutschland e. V. (Internationale Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche) durch das Bundesjugendministerium eingerichtet. Es wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus Mitteln des Kinder- und Jugendplanes des Bundes, durch das Land Hessen und die Stadt Frankfurt am Main finanziert. Die Projekte des Zentrums werden durch weitere Förderer unterstützt. Rechtsträger des Kinder- und Jugendtheaterzentrums ist die ASSITEJ Bundesrepublik Deutschland e. V. Die Fachaufsicht obliegt einem Kuratorium.

Das Zentrum entstand aus dem Bedürfnis der Künstler des Kinder- und Jugendtheaters nach mehr fachlicher Begegnung und künstlerischer Diskussion. Die Sektion Bundesrepublik Deutschland der ASSITEJ e.V. als ihre Interessenvertreterin, hatte die Notwendigkeit von starken Impulsen zur künstlerischen Entwicklung des Theaters für junge Zuschauer längst erkannt und drängte seit Mitte der 1980er Jahre auf die Einrichtung eines »Nationalen Zentrums für Kinder- und Jugendtheater in der Bundesrepublik Deutschland«. Nach intensiver Entwicklungsarbeit und mit Unterstützung des damaligen Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit wurde aus dieser Idee Realität und der Mauerfall im November 1989 machte es möglich, dass das Erste Frankfurter Autorenforum für Kinder- und Jugendtheater, als Gründungsveranstaltung des neuen Zentrums, auch zu einer deutsch-deutschen Begegnung werden und sich das Zentrum als gesamtdeutsches Projekt entwickeln konnte.

Seit zweieinhalb Jahrzehnten werden an den Standorten in Frankfurt am Main und Berlin, wo gleich nach Wende und Wiedervereinigung das »Büro für internationale Fragen des Kinder- und Jugendtheaters der DDR« zum »Berliner Büro« des KJTZ wurde, planvoll konkrete Arbeits- und Entwicklungsschritte ← 1 | 2 → umgesetzt, was das Bundesjugendministerium dem Zentrum 1989, im Wortlaut der Ordnung, als Auftrag mit auf den Weg gegeben hatte. Seine Aufgabe besteht danach darin, der »Entwicklung des Kinder- und Jugendtheaters und seiner Einbeziehung in alle Bereiche der Jugendhilfe« zu dienen. So sind auch die jüngsten Entwicklungen im KJTZ zu verstehen. Mit den neuen Arbeitsbereichen Nachwuchsförderung und Theater in der Kulturellen Bildung will das Zentrum erneut den aktuellen Anforderungen und dem Bedarf der Theaterschaffenden Rechnung tragen. Denn der Generationswechsel im Kinder- und Jugendtheater ist eine der gegenwärtigen Herausforderungen für die Zukunft, ebenso wie die Stärkung der Theater für junges Publikum als integraler Bestandteil des Theatersystems in Deutschland und Orte der Kulturellen Bildung.

Wenn die ASSITEJ nicht schon das Zentrum erfunden hätte, dann müsste die Internationale Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche, Sektion Bundesrepublik Deutschland, dies schleunigst nachholen. Denn noch nie wurde so viel Theater gespielt für die Jüngsten und von den Jungen. Aber auch noch nie waren die Darstellenden Künste so gefährdet. Die Schutzschirme zur Haushaltskonsolidierung zwingen die Kommunen zu Kürzungen, die Schuldenbremse wird die so genannte freiwillige Aufgabe der Theaterförderung in den Ländern zur Disposition stellen. Auch wenn die Konjunktur der Kulturellen Bildung nach wie vor die Sonntagsreden bestimmt, bestimmen im besten Falle befristete Projekte das Alltagshandeln. Auch wenn die Statistik den Zuspruch zum Theater für ein junges Publikum eindrucksvoll dokumentiert, sind die quantitativen Erfolge eher mit Vorsicht zu genießen. Denn Kinder- und Jugendtheater ist eben kein Massenprodukt, sondern nimmt die Rezipienten ernst. Kinder und Jugendliche sind nicht das Publikum von morgen, sondern sie haben ein Recht auf Kunst und Kultur hier und heute. Die junge Generation ist nicht der personale Pool zum Casting für exklusive »Laienclubs«, sondern bedarf in ihrer repräsentativen Breite der Bevölkerung einer Theaterkunst für alle. Es geht um Partizipation, Freiräume und Qualität. Es geht um Substanz, Relevanz und Substanz. Es geht um den jugend-, bildungs- und kulturpolitischen Stellenwert. »Kinder brauchen Theater« titelte das Zentrum im ersten Jahrzehnt mit der Handschrift Friedrich Karl Waechters, mit dem Silberjubiläum wird mit dem Slogan »Fördern was gebraucht wird: Theater zum Wachsen« geworben

Und dafür braucht es ein Zentrum, das Zentrum. Um zu fördern, was es schwer hat. Um zu diskutieren, was befördert werden sollte. Um zu vernetzen, was zusammengehört. In einem ersten Konzept war von einem Stückemarkt die Rede, weil das Kinder- und Jugendtheater der besten Kinder- und Jugendstücke bedarf; über ein Nationales Treffen wurde nachgedacht, weil die Kinder- und Jugendtheater zweier deutscher Staaten sich mit dem Rest der ← 2 | 3 → Welt austauschen sollten; Theaterpädagogik wurde als Desiderat in der Theaterarbeit identifiziert, weswegen Aus-, Fort- und Weiterbildung zu stärken und zu etablieren wären. 25 Jahre später werden schon gute Traditionen gepflegt: Beim Autorenforum, bei »Augenblick mal!«, bei »Wege ins Theater!«. Das alles und noch viel mehr gäbe es nicht, wenn es nicht das Zentrum gäbe. Konservativ gedacht, müsste vieles erhalten werden, innovativ wäre es, weiterhin Perspektiven zu entwickeln: Für ein zeitgenössisches Musiktheater, für ein interdisziplinäres Tanztheater, für ein Schulfach Theater in allen Schulformen von der ersten bis zur letzten Klasse.

Das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland ist eine einzigartige national und international tätige Institution. Es entwickelt und fördert das Theater für ein junges Publikum. Jedes Kind und jeder Jugendliche in Deutschland soll die Chance haben, Theaterkunst zu erleben und selbst Theater zu spielen! Das KJTZ fördert das Theater für junge Menschen und mit jungen Menschen, unterstützt Künstler und Pädagogen in ihrer Theaterarbeit und vertritt die Interessen der Akteure in Politik und Gesellschaft. Dabei werden aktuelle Themen aufgegriffen und reflektiert, um auf dieser Grundlage Modellprojekte, Veranstaltungen, Festivals und Tagungen zu initiieren und Fort- und Weiterbildung anzubieten.

Das KJTZ übernimmt Verantwortung für das kulturelle Erbe des Kinder- und Jugendtheaters als Grundlage für dessen Zukunft. Es informiert und berät Künstler, Studierende und Pädagogen sowie alle anderen Interessierten mit einem breiten Serviceangebot. Die Arbeit des Zentrums ist vernetzt mit den Aktivitäten von Theatern, Verbänden, Institutionen, Festivals und anderen Partnern im In- und Ausland. Im 25. Jahr seines Bestehens hat das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland sein Profil geschärft und im Dialog mit dem Vorstand des Rechtsträgers ASSITEJ und den Mitgliedern des Kuratoriums Ziele für die weitere Arbeit formuliert:

1. Fachbegegnung und Fachdiskurs

Eine zentrale Aufgabe des KJTZ ist die bundesweite fachliche Anregung der künstlerischen und pädagogischen Praxis des Kinder- und Jugendtheaters als Theater für junges Publikum und als Theater der Kinder und Jugendlichen. Grundlage dafür sind die kontinuierliche Beobachtung und Einschätzung der Praxisfelder durch die Sichtung und Bewertung der Vorschläge für die Biennale des deutschen Kinder- und Jugendtheaters oder den Deutschen Kindertheaterpreis und den Deutschen Jugendtheaterpreis. Die Vernetzung mit der Theaterpraxis ist das Arbeitsprinzip des KJTZ. Um den Fachdiskurs zu ermöglichen ← 3 | 4 → führt es regelmäßige bundeszentrale Fachbegegnungen durch. Es initiiert darüber hinaus Kooperationsveranstaltungen mit Partnern aus der Praxis oder unterstützt deren Veranstaltungen.

2. Entwicklung von Themen

Die Themenschwerpunkte des KJTZ greifen Entwicklungen und Impulse aus der künstlerischen Praxis sowie aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft auf, die für das Kinder- und Jugendtheater und seine Zukunft wesentlich sind. Das KJTZ eröffnet Räume für den Dialog über diese Themen und entwickelt unter Beteiligung unterschiedlicher Akteure Fragestellungen und Positionierungen. Interdisziplinäre Arbeitsweisen sowie Vertreter unterschiedlicher Theaterformen und Gesellschafsbereiche werden aktiv mit einbezogen. Die Ergebnisse und Diskurse werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

3. Internationale Dimension der Arbeit des KJTZ

Die Internationale Arbeit des KJTZ hat die Aufgabe, die vielfältigen Aktivitäten der Kinder- und Jugendtheater in Deutschland auch im Kontext einer in- und ausländischen Rezeption sichtbar zu machen und nachhaltiger zu entwickeln. Durch diese Wechselbeziehungen über die Grenzen hinaus kommt dem Wissenstransfer sowohl zwischen Institutionen als auch im Dialog der Akteure in den Künsten und der kulturellen Bildung eine besondere Bedeutung zu.

4. Autorenförderung

Die Rolle der Autorinnen und Autoren im Kinder- und Jugendtheater soll gestärkt und erweitert werden. Mit der Autorenförderung des KJTZ soll ein Diskurs zwischen Autoren und Theatermachern über unterschiedliche Arbeitsweisen, auch mit dem Ziel der Entwicklung des Repertoires, initiiert werden. Den Autoren soll die Möglichkeit gegeben werden, an den Entscheidungen zu Spielplankonzeptionen und Stückentwicklungen am Theater teilzuhaben und dort den Dialog mit dem Publikum zu führen.

5. Wissensvermittlung und Wissenserwerb

Auf der Basis der seit 25 Jahren strategisch auf- und ausgebauten Sammlung und der vielseitigen Erfahrung zur Generierung von Information und Wissen stellt sich das KJTZ dem Wandel von Technik und Nutzerverhalten mit der Entwicklung von zeitgemäßen Zugängen zur Kulturgeschichte des Kinder- und Jugendtheaters. Diese neuen Angebote entstehen im Dialog mit dem Nachwuchs in der ← 4 | 5 → Kunst, der Pädagogik und dem Management sowie durch eine stärkere Vernetzung mit den Theatern als Quelle und als Nutznießer ihrer Theatergeschichte.

6. Nachwuchsförderung

Die Förderung des künstlerischen und pädagogischen Nachwuchses für das Kinder- und Jugendtheater ist für die Zukunftsfähigkeit der Sparte eine zentrale Herausforderung. Das KJTZ will Konzepte und Formen der Nachwuchsförderung bündeln, weitertragen und den künstlerischen Nachwuchs zur Mitgestaltung einladen, um den beruflichen Nachwuchs für das Arbeitsfeld im Theater für junges Publikum zu begeistern.

7. Kommunikation und Marketing

Vernetzung, Dialog, Transparenz – das KJTZ orientiert sich an diesen Motiven moderner Kommunikation. Es nutzt die Möglichkeiten des Web 2.0, um die Akteure des Kinder- und Jugendtheaters in unterschiedlichen Netzwerken themenspezifisch und aktuell zu informieren. In seine Kommunikation mit Öffentlichkeiten bezieht es die Perspektiven von Experten ein. Als Ansprechpartner mit Überblickswissen fungiert es als Knoten im Netz, der seinen Nutzern Orientierung bietet.

8. Verwaltung und Infrastruktur

Das KJTZ in Frankfurt am Main ist ein kommunikativer Ort für den Fachdiskurs rund um die kulturelle Bildung im Allgemeinen und das Theater für junges Publikum im Besonderen, sowie für Entwicklung von Kooperationen, Recherche und Austausch. Von wesentlicher Bedeutung sind die wachsende theaterhistorische Sammlung und das Projektbüro Berlin. Damit ist das KJTZ ein zentraler Ort und eine Anlaufstelle für Akteure der kulturellen Bildung (kommunal, regional, bundesweit). Das KJTZ könnte mit seiner zentralen Lage in Frankfurt zentraler Ort für den bundesweiten Fachdiskurs zur kulturellen Bildung werden und als kommunikativer Ort innerhalb der Stadt aber mit Blick über Frankfurt hinaus wahrgenommen werden.

Details

Seiten
302
ISBN (PDF)
9783653052336
ISBN (ePUB)
9783653968323
ISBN (MOBI)
9783653968316
ISBN (Hardcover)
9783631662342
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2015 (Januar)
Erschienen
Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2015. 302 S., 81 s/w Abb.

Biographische Angaben

Wolfgang Schneider (Band-Herausgeber:in) Gerd Taube (Band-Herausgeber:in)

Wolfgang Schneider ist Gründungsdirektor des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland, Vorsitzender der ASSITEJ und Inhaber des UNESCO Chair am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Gerd Taube leitet seit 1997 das Kinder- und Jugendtheaterzentrum in der Bundesrepublik Deutschland und ist Vorsitzender der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung.

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