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Provincial Turn

Verhältnis zwischen Staat und Provinz im südöstlichen Europa vom letzten Drittel des 17. bis ins 21. Jahrhundert

von Ulrike Tischler-Hofer (Band-Herausgeber:in) Karl Kaser (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 252 Seiten

Zusammenfassung

Das Buch analysiert aus historischer Perspektive das Verhältnis zwischen Staat und Provinz im südöstlichen Europa. Die internationalen Beiträge erweitern die Ideen des Vorgängerbandes «Provinz als Denk- und Lebensform» um die historische Erforschung von «Provinz». Die BeiträgerInnen decken einen zeitlichen Bogen vom letzten Drittel des 17. bis ins 21. Jahrhundert und einen räumlichen Horizont vom Südwesten der Habsburgermonarchie bis in die europäischen Randzonen des Osmanischen Reiches ab. Durch den spezifischen Blickwinkel «von unten» werden die komplexen Beziehungen zwischen «Provinz» und Staat oder Zentrum in neues Licht gerückt.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Herausgeberangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Vorwort
  • Transliterationsvermerk
  • Vormoderne
  • Johann Christoph Kindsperger (1636–1678): Innerösterreichische Verwurzelung und staatsmännischer Weitblick. Eine historische Annäherung an das Verhältnis zwischen Staat und Provinz (Ulrike Tischler-Hofer)
  • Forschungsthema und Ziele
  • Stand und Defizite der Forschung – eine Bestandsaufnahme
  • Historisch-genealogische Analyse der Familie Kindsperger
  • Johann Christoph Kindspergers Rolle als Mittler zwischen zwei großen Welten: Herausforderung und Bürde
  • Cultural Intimacy in der großen Welt: Des Residenten Rückzugsorte
  • Sein oder Nichtsein. Mediales Räsonieren im Hl. Römischen Reich über die Zukunft der Balkanländer während des Türkenkriegs, 1788–1791 (Ivan Părvev)
  • Provinz und staatliche Bevölkerungspolitik im 18. Jahrhundert: Deportationen nach Siebenbürgen (Mathias Beer)
  • Einführung oder: Stimmen aus der Provinz
  • Transmigrationen und Transmigranten
  • Funktionen der Provinz in der habsburgischen Deportationspolitik des 18. Jahrhunderts
  • Provinz als Ort der Bestrafung
  • Provinz als Ort wirtschaftlicher Experimente
  • Provinz als Ort der Identitätsbildung
  • Fazit
  • Politische und ökonomische Regionen in der Peripherie: Der Weg zu den Revolutionen in Südosteuropa zu Beginn des 19. Jahrhunderts (Olga Katsiardi-Hering)
  • Einleitung
  • Regionen und Netzwerke. Der Fall Peloponnes und Diaspora
  • Die „Philiki Etaireia“ zwischen Diaspora und Peloponnes
  • Schlussbemerkung
  • Modernisierung
  • Staat, Hauptstadt und Provinz: Hierarchien im neuzeitlichen Bulgarien (Roumiana Preshlenova)
  • Hauptstadt und Provinz in nationalstaatlichen Kontexten
  • Politischer Pragmatismus vs. Öffentlichkeit
  • Die neue Hauptstadt
  • Abschaffung der Attribute potenzieller Abhängigkeit
  • Langsame Modernisierung und Angst vor zu raschem Wandel im Süden der Monarchie um 1900 (Peter Vodopivec)
  • Die Kriegspostkarte Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg: Ausgewählte Beispiele zum Leitthema „Staat und Provinz“ (Walter Lukan)
  • Zur Geschichte der politischen Bildpostkarte und ihrer Tochter, der Propagandakarte des Ersten Weltkriegs3
  • Zur Inhaltsstruktur der Kriegspostkarte
  • Die Verwendung der Kriegspostkarte zwischen urbanen Zentren und flachem Land
  • Die Kriegspostkarte unter dem Aspekt von Zentrum und Peripherie in der multinationalen Habsburgermonarchie
  • Die Rolle des Bündnispartners Deutschland
  • Das Zentrum Wien
  • Die deutschösterreichische Provinz
  • Budapest
  • Die Polen
  • Die Ukrainer (Ruthenen)
  • Die Tschechen
  • Die Slowenen
  • Österreich-Ungarns Kriegspostkartenpropaganda im internationalen Vergleich
  • Johann von Maasburg (1847–1923): Handschriftliche Aufzeichnungen eines Generalmajors i. R. zur Literatur und zum Krieg 1914–1918 (Mira Miladinović Zalaznik)
  • Vorbemerkungen
  • Die Aufzeichnungen
  • Zur Dichtung und Wahrheit
  • Zum Kriegsbeginn
  • Zur Identität des Chronisten
  • Ausblick
  • Provinzialisierung der Provinz am Beispiel der bulgarischen sozialistischen Reproduktionspolitik (Anelia Kassabova)
  • Das Film- und Novellenbild eines „Mutter-und-Kind-Heims“
  • Die „Mutter-und-Kind-Heime“ in archivalischen Quellen
  • Die öffentliche Debatte über Kinderheime
  • Das widersprüchliche Verhältnis des sozialistischen Bulgarien zu unehelichen Geburten
  • Die Ursachen der Probleme alleinstehender Mütter in Film und Novelle: Die Provinz
  • Schlussfolgerungen
  • Die Insel als Provinz: Isolation, Identität und die Beziehungen zum Zentrum in Dalmatien (Florian Bieber)
  • Venedig und die Habsburger Monarchie
  • Jugoslawien als Bezugspunkt
  • Verschiedene Identitätsebenen
  • Die Insel zwischen Isolation und Integration
  • Schlussbemerkungen
  • Abstracts
  • Vormoderne
  • Modernisierung
  • Liste der Autorinnen und Autoren

Ulrike Tischler-Hofer / Karl Kaser (Hrsg.)

Provincial Turn

Verhältnis zwischen Staat und Provinz im
südöstlichen Europa vom letzten Drittel
des 17. bis ins 21. Jahrhundert

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Herausgeberangaben

Ulrike Tischler-Hofer studierte Geschichte und angewandte Kulturwissenschaften in Graz sowie Museologie an der Reinwardt Academy in Amsterdam. Sie leitete mehrere vom FWF finanzierte Projekte zur Südosteuropäischen Geschichte und lehrt an der Universität Graz.

Karl Kaser ist Professor für Südosteuropäische Geschichte und Anthropologie an der Universität Graz.

Über das Buch

Das Buch analysiert aus historischer Perspektive das Verhältnis zwischen Staat und Provinz im südöstlichen Europa. Die internationalen Beiträge erweitern die Ideen des Vorgängerbandes „Provinz als Denk- und Lebensform“ um die historische Erforschung von „Provinz“. Die BeiträgerInnen decken einen zeitlichen Bogen vom letzten Drittel des 17. bis ins 21. Jahrhundert und einen räumlichen Horizont vom Südwesten der Habsburgermonarchie bis in die europäischen Randzonen des Osmanischen Reiches ab. Durch den spezifischen Blickwinkel „von unten“ werden die komplexen Beziehungen zwischen „Provinz“ und Staat oder Zentrum in neues Licht gerückt.

Zitierfähigkeit des eBooks

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Vorwort

Der vorliegende Band „Provincial Turn. Verhältnis zwischen Staat und Provinz im südöstlichen Europa vom letzten Drittel des 17. bis ins 21. Jahrhundert“ greift eine Forschungslücke auf, die auf den Umstand zurückzuführen ist, dass ungeachtet der großen Vielfalt an konzeptiven Wenden, die in den Kulturwissenschaften1 angeboten werden, eine solche methodisch-theoretische Neuorientierung fehlt, die einer vertieften historischen Erforschung von Provinz aus der Perspektive von unten Rechnung trägt und dadurch die adäquate Einordnung von Provinz in räumlich und zeitlich größere Zusammenhänge ermöglicht. Zur Behebung dieses Defizits hat der Grazer Historiker Harald Heppner im Rahmen der Tagung „Provinz als Denk- und Lebensform“ im Herbst 2013 den Begriff „Provincial Turn“2 vorgeschlagen und weiterführende Fragen angeregt.

Im Herbst 2015 wurde im Rahmen einer Tagung3 an der Universität Graz die Diskussion erneut aufgegriffen: Diesmal galt es, den methodisch-theoretischen (Neu-)Ansatz des „Provincial Turn“ für das facettenreiche Beziehungsgeflecht zwischen Staat und Provinz zu erproben. Ausgangspunkt für diese Publikation war somit die Tagung, bei der sich neun Vortragende aus insgesamt fünf Staaten dem Beziehungsgeflecht von Staat und Provinz aus unterschiedlichen fachlichen Zugängen näherten.4 Diesem Grundstock konnten zur Bereicherung und chronologischen und räumlichen Erweiterung des Themas noch zwei zusätzliche Beiträge hinzugefügt werden.←7 | 8→

An die AutorInnen erging der Auftrag, über die konzeptive Wende des „Provincial Turn“ die Provinz selbst ins Rampenlicht zu stellen, um ihre adäquate Einordnung in kulturpolitische, soziokulturelle und kulturästhetische (staatliche) Kontexte und Entwicklungen zu erleichtern, ja vielleicht auch überhaupt erst zu entdecken und ein Umdenken anzuregen. Die Texte erfassen einen zeitlichen Horizont vom ausgehenden 17. bis ins 21. Jahrhundert. Der räumliche Bogen erstreckt sich vom Südwesten der Monarchie (Dalmatien, Krain, österreichisch-illyrisches Küstenland) über Siebenbürgen und die Peloponnes bis hin in die europäischen Randzonen des Osmanischen Reichs (Podolien, Moldau, Walachei, Dobrudscha, Thrakien). Ausgerichtet auf die Leitfrage des Bandes nach dem Verhältnis zwischen Staat und Provinz arbeiten die AutorInnen aus fachlich verschiedenen Richtungen und gestützt auf unterschiedlichste Quellen (Presse, Bildpostkarten, Briefe, Tagebücher, Film…) die Mehrdimensionalität der wechselseitigen Berührungen von provinzialen Mikrowelten mit der großen Welt heraus.

Der Aufbau des Bandes orientiert sich an den chronologischen Schwerpunkten der Beiträge, sodass sich zwei große Themenblöcke ergeben:

Der Vormoderne sind Texte zugeordnet, die sich auf die Zeit vom letzten Artikel des 17. bis ins frühe 19. Jahrhundert beziehen (Tischler-Hofer, Părvev, Beer, Katsiardi-Hering), während unter der Rubrik Modernisierung jene Abhandlungen zu finden sind, die den zeitlichen Horizont von der Mitte des 19. bis ins 21. Jahrhundert abdecken (Preshlenova, Vodopivec, Lukan, Miladinović Zalaznik, Kassabova, Bieber).

Der Dank richtet sich zunächst an alle Kolleginnen und Kollegen für ihre Bereitschaft, dieser Publikation ihr Fachwissen bereitzustellen, sowie an Herrn Sigurd Hofer für die Bearbeitung der zahlreichen Abbildungen. Weiters ist den Geldgebern zu danken, die mit großzügiger finanzieller Unterstützung die Drucklegung dieses Bandes überhaupt erst ermöglicht haben: Namentlich sind dies die Karl-Franzens-Universität Graz, das Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres und die Stadt Wien. Hernach ergeht ein Dank an den Verlag für seine Bereitschaft, die Rolle des Vermittlers zwischen der Fachwelt und dem Publikum zu übernehmen.

Die Herausgeber Graz, im Juli 2016←8 | 9→


1 Vgl. Doris Bachmann-Medick, Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften, Hamburg 42010.

Details

Seiten
252
ISBN (ePUB)
9783631699720
ISBN (PDF)
9783653065008
ISBN (MOBI)
9783631699737
ISBN (Hardcover)
9783631669389
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (Januar)
Schlagworte
Provinz Staat Osmanisches Reich Südosteuropa Vormoderne Modernisierung
Erschienen
Frankfurt am Main, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2017. 252 S., 39 s/w Abb., 7 farb. Abb.

Biographische Angaben

Ulrike Tischler-Hofer (Band-Herausgeber:in) Karl Kaser (Band-Herausgeber:in)

Ulrike Tischler-Hofer studierte Geschichte und angewandte Kulturwissenschaften in Graz sowie Museologie an der Reinwardt Academy in Amsterdam. Sie leitete mehrere vom FWF finanzierte Projekte zur Südosteuropäischen Geschichte und lehrt an der Universität Graz. Karl Kaser ist Professor für Südosteuropäische Geschichte und Anthropologie an der Universität Graz.

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Titel: Provincial Turn