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Translation und sprachlicher Plurizentrismus in der Romania „minor“

von Martina Schrader-Kniffki (Band-Herausgeber:in) Elton Prifti (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 332 Seiten

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Vorwort
  • Sprachpolyzentrismus und Sprachmonozentrismus in romanischen Kleinsprachen (Johannes Kramer)
  • Die Rolle der Translation in der Sprachplanung (Carsten Sinner)
  • ‘Na lonja, lonja viá – A long, long way: Literarische Übersetzung als Überlebensstrategie für Minderheitensprachen (Eva Martha Eckkrammer)
  • La lengua gallega. Pluricentricidad, polinomía, interposición (Henrique Monteagudo)
  • Translation und Minderheitensprachvarietäten: Mirandesisch (Aurelia Merlan)
  • Herausforderungen bei der Filmsynchronisation variationaler Merkmale des in Andalusien gesprochenen Spanisch (Jannis Harjus)
  • Sprache als Artefakt. Konkurrierende Übersetzungen – in zwei Sprachen oder in zwei Varietäten einer Sprache? Der kleine Vampir von Angela Sommer-Bodenburg auf Katalanisch und Valencianisch (Jenny Brumme / Eva Garcia Pinos)
  • Fragmentierende und synthetisierende Sprachkonzeptionen und ihr Einfluss auf die Kommunikation: der Fall des Okzitanischen (Georg Kremnitz)
  • Übersetzen ins Sardische? – yes we can! (Eduardo Blasco Ferrer)
  • Das Judenspanische im Internet als Merkmal einer Ausbausprache? (Yvette Bürki)
  • Traduzione e pluricentrismo: il progetto di traduzione dei Vangeli domenicali e festivi in sardo bittese. Riflessioni metodologiche, primi risultati e reazioni dei lettori (Gloria Turtas)
  • Reihenübersicht

Vorwort

Der vorliegende Band widmet sich unterschiedlichen Aspekten des sprachlichen Plurizentrismus und des Translationswesens mit Blick auf die Sprachen und Varietäten der sogenannten Romania „minor“.

Das Wesen der Romania ist durch eine stark ausgeprägte kulturelle und sprachliche Vielfalt gekennzeichnet. In sprachlicher Hinsicht stellt die markante Mannigfaltigkeit ein bedeutendes Charakteristikum in synchroner und – in besonderer Weise – diachroner Perspektive dar. Schon seit den Anfängen der Ausdifferenzierung und graduellen Emanzipierung der einzelnen romanischen Sprachen war deren Entwicklung durch sich wandelnde Unterschiede in den komplexen Ausbauprozessen, in der Verbreitung sowie in ihrer Akzeptanz charakterisiert, wie etwa die Geschichte des Okzitanischen, des Französischen, des Katalanischen, des Galicischen, des Portugiesischen, des Frankoprovenzalischen oder des Meglenorumänischen zeigt. So reduzierten sich mit der Zeit die kommunikative Valenz (Prifti 2013, 37) und Akzeptanz des Okzitanischen zugunsten des Franzischen bzw. später des Französischen, dessen Dominanz sich zunehmend verfestigte. Die Entwicklung des Dominanzverhältnisses zwischen dem Galicischen und dem Portugiesischen kann als wechselhaft bezeichnet werden, um nur zwei der zahlreichen Beispiele aus der komplexen romanischen Realität zu erwähnen.

Betrachtet man die gegenwärtige Situation, vor allem im europäischen Raum, kann von einer Polarisierung die Rede sein. Auf einer Seite hat man die sogenannten „großen“ romanischen Sprachen, das Spanische, das Französische, das Portugiesische, das Italienische und Rumänische, während am Gegenpol die sogenannten „kleinen“ romanischen Sprachen positioniert sind, die die Mehrheit der romanischen Sprachen darstellen. Aus dieser Gruppe gehören zur Romania continua nach allgemeinem Verständnis vom Westen nach Osten das Galicische, das Katalanische, das Okzitanische, das Frankoprovenzalische, das Sardische, das Bündnerromanische, das Ladinische, das Friaulische, das Istrorumänische, das Aromunische und das Meglenorumänische. Diese Sprachen stellen in der Regel in den Ländern, in den sie gesprochen werden, Minderheitensprachen dar, während die erstgenannten den Status einer Dachsprache im Sinne von Kloss (1978, 23) besitzen. Die Gesamtheit der romanischen Sprachen, die als Sprachen einer Minderheit innerhalb eines Staates gesprochen werden oder wurden und ←7 | 8→durch eine andere Sprache überdacht sind, stellt – ungeachtet ihrer tatsächlichen soziolinguistischen Stabilität und Sprecherzahl – die sogenannte Romania „minor“1 dar.

Die Sprachen und Varietäten der Romania „minor“ besitzen für die romanistische Forschung eine doppelte Relevanz. Erstens stellen sie fundamentale Bestandteile der sprachlichen Romania dar, die es systematisch, tiefergehend und umfassend zu erforschen gilt, wobei historisch ausgerichtete Untersuchungen für gesamtromanistische Studien besonders ertragreich und viel versprechend sind. Zweitens werden im Rahmen der Auseinandersetzung mit den Sprachen der Romania „minor“ aufgrund ihrer engen Beziehungen und Verbindungen zu den „großen“ romanischen Sprachen bzw. zu den Sprachen der Romania „maior“, die in der Regel Dachsprachfunktionen ausüben, auch die letztgenannten berücksichtigt. Befasst man sich etwa mit dem Galicischen, wird man natürlich auch seinen Beziehungen zum Spanischen und zum Portugiesischen Beachtung schenken müssen, ähnlich wie im Falle des Okzitanischen und des Frankoprovenzalischen oder des Sardischen, des Ladinischen und des Friulanischen, die in Geschichte und Gegenwart in enger Verbindung jeweils zum Französischen oder zum Italienischen stehen.

Sprachpolitische, auf sogenannte „klein(er)e“ Sprachen im europäischen Raum gerichtete Handlungen stehen heute in der Regel im Zusammenhang mit der 1992 entstandenen Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen (www.coe.int). Diese kann als ‘Programm’ europäischer Sprachpolitik und entsprechender Maßnahmen interpretiert werden, das nicht nur sprachliche Diversität fördert, sondern auch Forschung im Bereich der Sprachpolitik der sogenannten „kleine(re)n“ Sprachen hervorgebracht hat.

Zu den zentralen sprachpolitischen Handlungen, insbesondere bei Sprachen dieser Kategorie, zählt auch die Standardisierung. Man wäre womöglich geneigt zu denken, die Standardisierungsprozesse von „kleine(re)n“ Sprachen, die einen Minderheitenstatus und eine eher gering und schrumpfende Sprecherzahl haben, sei ein eher unproblematischer Prozess. Die Realität zeigt jedoch ganz das ←8 | 9→Gegenteil. Es sind gerade diese Sprachen diejenigen, die im Laufe der Standardisierung plurizentristische Tendenzen aufweisen. Der Begriff des Poly- bzw. des Plurizentrismus ist mit Kloss (1967) und Clyne (1989) in das Bewusstsein der Romanistik gerückt und hat eine sprachwissenschaftliche und -politische Diskussion um Sprachen initiiert, die, wie das Deutsche, das Spanische, das Portugiesische, das Englische und andere mehr, mehrere Standardvarietäten besitzen. Geografisch verortete Zentren, welchen Sprecher jeweils die von ihnen akzeptierte Standardvarietät zuordnen, besitzen sogenannte ‘normstrahlende Kraft’, die über die Grenzen von Nationalstaaten hinaus, d.h. supranational, supraregional und quer zu diesen, d.h. auch transnational wirken kann (cf. Morgenthaler García 2008); dies zeigt sich beispielsweise auch in Migrationssituationen, in denen etwa unterschiedliche regionale Varietäten des Spanischen in Kontakt stehen (Schrader-Kniffki, 2016). Auch wenn es sich bei der Anerkennung des Plurizentrismus einer Sprache um eine Dezentralisierung der Norm handelt und damit, wie z.B. im Spanischen, ein Emanzipationsprozess der Sprecher lateinamerikanischer Varietäten von der Norm des ehemaligen kolonialen Mutterlandes angenommen werden kann, wird betont, dass die Anerkennung von Plurizentrismus nicht zwangsläufig mit einer Symmetrie des Prestiges der Varietäten verbunden ist (Oesterreicher, 2001).

Die Diskussion um den Plurizentrismus der „großen“ Sprachen und die Standardvarietäten dieser Sprachen hat Überlegungen zum Plurizentrismus von Nicht-Standardvarietäten angestoßen, aus denen sich eine Gruppe von Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftlern formiert hat, die sich dieser Frage und schließlich auch dem ‚Plurizentrismus weltweit’ widmen. Dabei werden insbesondere die romanischen Sprachen in die Plurizentrismusdebatte einbezogen. Bisher nicht ins Zentrum der Diskussion gerückt sind jedoch die „kleine(re)n“ romanischen Sprachen, die Romania „minor“, für die diese Debatte Relevanz besitzt, da es sich zu einem Teil um kodifizierte Sprachen und Sprachen mit regional beschränktem ko-offiziellem Status handelt.

Die Translation, die hier synonymisch für die schriftliche und mündliche Übersetzungsprozesse verwendet wird, stellt einen sprachpolitisch relevanten Bereich des sprachlichen Plurizentrismus dar, der nicht nur in den Sprachen der Romania „maior“,2 sondern auch in denen der Romania „minor“ Relevanz besitzt und historisch verankert ist. Die Verbindung zwischen diesen Phänomenen wurde bisher im Kontext der Romania „minor“ kaum aufgegriffen. Im Bereich ←9 | 10→der Sprachen der Romania „minor“ gilt es unter anderem zu untersuchen, inwieweit sich plurizentrische Tendenzen in der Wahl der Varietät, in welche übersetzt wird, manifestieren, denn die Auswahl einer Varietät, ihr schriftlicher Gebrauch z.B. in einer Übersetzung, immer auch ein Akt impliziter oder expliziter praktischer Normierungstätigkeit ist. Geht man sowohl für den Fall des Übersetzens als auch den Fall des Dolmetschens vom Vordringen kleiner Sprachen in institutionelle Domänen wie z.B. im Falle des Rechtsdolmetschens, des Übersetzens im medizinischen Bereich etc. aus, in welchen sie zuvor nicht eingesetzt wurden, kann zudem - implizit oder explizit - ein Prozess der Status- und Korpusplanung (Ausbildung von Fachwortschatz) angenommen werden (cf. dazu Sinner und Merlan in diesem Band). Translation kann „kleine(re)“ Sprachen in eine direkte Beziehung zu „großen“ Sprachen setzen (cf. dazu Monteagudo in diesem Band) und zur Existenzsicherung der Erstgenannten beitragen. Mit Überlegungen zur Übersetzung von Texten in „kleine(re)“ Sprachen, die für ihre Sprecher und die entsprechende Sprechergemeinschaft oftmals eine identitätsmarkierende Rolle spielt, stellt sich gleichzeitig die Frage nach ihrer Standardisierung. Letztere stellt einen komplexen sprachpolitischen Prozess dar, der gewöhnlich durch die Koexistenz verschiedener normativen Zentren bzw. plurizentrischer Merkmale gekennzeichnet ist. Doch die Auseinandersetzung mit sprachpolitischen und sprachplanerischen Fragen „kleine(re)r“ Sprachen ist oftmals von der Idee homogener Sprachen getragen, die in asymmetrischen Beziehungen zu den sie umgebenden größeren Sprachen stehen. Kaum wird zur Kenntnis genommen, dass Sprachen mit geringer Sprecherzahl und nebengeordneter Stellung in Sprachengefügen von Nationalstaaten in Geschichte und Gegenwart nicht minder komplexe Varietätenkontinua als dominante Nationalsprachen darstellen.

Diese Fragestellungen und Zusammenhänge, betrachtet aus verschiedenen einzelsprachlichen Perspektiven und unter Berücksichtigung einzelner Aspekte, stehen im Mittelpunkt dieses Sammelbandes, der elf Beiträge in sich vereint. Der Band wird von drei übereinzelsprachlichen Beiträgen eröffnet. Johannes Kramer fokussiert in seinem Artikel Sprachpolyzentrismus und Sprachmonozentrismus in romanischen Kleinsprachen die Dynamiken der Normierung der romanischen Kleinsprachen, die sich meist erst im 19. oder 20. Jahrhundert ereignete. Er identifiziert dabei widerstrebende Tendenzen, wie etwa, möglichst nahe an regionalen Varianten zu bleiben, oder eine die regionalen Varianten überdachende Normsprache zu entwerfen. Als Beispiele werden das Bünderromanische, das Dolomitenladinische, das Friaulische, das Aromunische und das Valencianische genommen. Kritische und grundsätzliche Fragen nach einer möglichen Wechselwirkung zwischen Sprachplanung und Translation, nach dem Einfluss von Translation auf den geplanten und gezielten Ausbau und ←10 | 11→Normierung von Sprachen und damit ihrer Bedeutung für die Sprachplanung werden im Beitrag von Carsten Sinner mit dem Titel Die Rolle der Translation in der Sprachplanung aufgeworfen. Der Autor diskutiert das Fehlen der Thematisierung des genannten Zusammenhangs in einschlägigen Werken und Studien, die diese Wechselwirkung untersuchen, sowohl für den Bereich der Übersetzung als auch für den des Dolmetschens. Die detaillierte und kritische Diskussion der raren einschlägigen Publikationen zu dem hier relevanten Problembereich führt den Autor zu dem Ergebnis, dass eine direkte Beziehung zwischen Sprachplanung und Translation nicht belegt werden kann. Eva Martha Eckkrammer geht in ihrem Beitrag ‘Na lonja, lonja viá – A long, long way: Literarische Übersetzung als Überlebensstrategie für Minderheitensprachen der Frage der Effizienz des literarischen Übersetzens in Minderheitensprachen als Maßnahme für den Erhalt der Sprachenvielfalt und -diversität nach. Sie berücksichtigt dabei zwei sehr unterschiedliche Sprachen der Romania „minor“, das Papiamentu zum einen, eine vergleichsweise junge Kreolsprache, die in kurzer Zeit beträchtliche Fortschritte im Ausbauprozess erzielen konnte, und das Okzitanische zum anderen, eine historisch und kulturell tief verwurzelte autochthone Sprache der Romania Continua, die nach und nach überlagert und verdrängt wurde. In beiden Fällen handelt es sich um plurizentrische Sprachen, bei denen die Varietätenvielfalt im Ausbauprozess ein Hindernis bildet. Als exemplarisches Fallbeispiel wird dabei die Übersetzungstätigkeit ins Okzitanische und der übersetzerische Umgang mit seinem plurizentrischen Charakter des okzitanischen Autors und Übersetzers Joan-Peire Lacomba.

Es folgen acht Artikel, in den einzelne Sprachen der Romania „minor“ im Mittelpunkt stehen. Ihre Reihung beruht auf dem geographischen Prinzip vom Westen nach Osten. Fragen des extensiven und des intensiven Sprachausbaus mittels Übersetzung geht auch Aurelia Merlan für den Fall des im Norden Portugals von nur noch wenigen Sprechern gesprochenen Mirandesisch in ihrem Beitrag mit dem Titel Translation und Minderheitensprachvarietäten: Mirandesisch nach. Die Autorin sichtet Texte des Mirandesischen als Ergebnis von Übersetzungsprozessen aus klassischen und modernen Sprachen sowie die später einsetzende Übersetzungspraxis von mirandesischen Texten in andere Sprachen, und kommt zu dem Ergebnis, dass vor allem die Übersetzungen ins Mirandesische entscheidend zu einer Expansion der Varietät in unterschiedliche Distanzdiskurstraditionen beigetragen haben (extensiver Ausbau). Für den Fall eines möglichen intensiven Ausbaus des Mirandesischen jedoch kommt die Autorin zu dem Schluss, dass Übersetzungen nur wenig zum intensiven Ausbau des Mirandesischen beitragen. Aufgrund seiner geographischen Nähe zum europäischen Portugiesisch, seiner sprachlichen Nähe sowohl zur europäischen als auch zur ←11 | 12→brasilianischen Varietät der plurizentrischen Sprache Portugiesisch sowie der Frage nach seiner ‘Sprachhaftigkeit’ (lingüícidad), präsentiert das Galicische einen spezifischen Fall für die Übersetzung in die eine oder die andere Varietät. Diesem widmet sich der Beitrag La lengua gallega. Pluricentricidad, polinomía, interposición von Henrique Monteagudo. Ausgangspunkt ist dabei die gegenseitige Verständlichkeit von Texten in galizischer und portugiesischer Sprache, die die Frage nach Übersetzungen und deren Rezeption und Akzeptation besonders relevant macht. Die Fragen, die in seinem Beitrag zu diesem Komplex aufgeworfen werden, diskutiert der Autor entlang der z.T. neu eingeführten Begrifflichkeiten Plurizentrismus, Polynormativität, Polynomie und Interposition. Im Beitrag von Jannis Harjus mit dem Titel Herausforderungen bei der Filmsynchronisation variationeller Merkmale des in Andalusien gesprochenen Spanisch steht im Gegensatz zu den anderen Beiträgen dieses Bandes nicht eine ‘kleine’ Sprache, sondern das Dialektkontinuum des andalusischen Spanisch im Zentrum. Der Autor untersucht zunächst den Gebrauch der Varietäten des Kontinuums in drei Spielfilmen aus Spanien und analysiert dabei insbesondere die sozialen Figuren, die sich in diesen Filmen u.a. durch deren Gebrauch unterschiedlicher Merkmale der andalusischen Varietäten konstituieren. In einem zweiten Teil des Beitrags untersucht der Autor deren Synchronisierung ins Deutsche und die Tilgung der dialektalen Merkmale in der deutschen Übersetzung. Die Frage der Plurizentrizität des Katalanischen bzw. die Beziehung zwischen den Standardvarietäten des Zentralkatalanischen und des Valencianischen stehen im Fokus des Beitrags von Jenny Brumme und Eva García Pinos mit dem Titel Sprache als Artefakt. Konkurrierende Übersetzungen – in zwei Sprachen oder in zwei Varietäten einer Sprache? Der kleine Vampir von Angela Sommer-Bodenburg auf Katalanisch und Valencianisch, in dem verschiedene systemlinguistische Aspekte der jeweiligen Übersetzungen der deutschen Kinderbücher von Angela Sommer-Bodenburg Der kleine Vampir (1979) und der Der kleine Vampir zieht um (1980) kontrastiv analysiert werden. Georg Kremnitz stellt das Okzitanische in den Mittelpunkt seines Artikels mit dem Titel Fragmentierende und synthetisierende Sprachkonzeptionen und ihr Einfluss auf die Kommunikation: der Fall des Okzitanischen. Nach einem kurzen Überblick über die Entwicklung der Sprecherzahlen des Okzitanischen seit etwa 1900 diskutiert er die Konzepte der fragmentierenden und synthetisierenden Sprachkonzeptionen. Auf das Okzitanische angewandt ergibt sich die Frage nach der Einheit der Sprache oder der Existenz mehrerer Sprachen und die Verfolgung der fragmentierenden Tendenzen in der Geschichte des Okzitanischen im 20. Jahrhundert. Abschließend erörtert er die Frage nach den kommunikativen Konsequenzen der beiden Konzepte. Der Aufsatz von Eduardo Blasco Ferrer, der den Titel Übersetzen ins Sardische? ←12 | 13→– yes we can! trägt und posthum erscheint, vervollständigt inhaltlich den 2017 erschienen Manuale di linguistica sarda (Blasco Ferrer/Koch/Marzo 2017) und nimmt als Ausgangspunkt die wachsende Zahl der Übersetzungen ins Sardische. Ziel des Beitrags ist es, eine Bilanz der Übersetzungstätigkeit zu ziehen und sich dabei mit den sprachpolitischen Dynamiken, allen voran mit den Konflikten im Bereich der Standardisierung kritisch auseinanderzusetzen. Die Ausführungen sind durch zahlreiche Beispiele illustriert. Yvette Buerki widmet sich in ihrem Artikel Das Judenspanische im Internet als Merkmal einer Ausbausprache? dem Abbau- und Ausbauprozess des Judenspanischen. Unter anderem analysiert sie dabei die Standardisierungsdynamiken des Judenspanischen auf der Grundlage orthographischer und morpho-lexikalischer Daten, die aus den elektronischen Ausgaben der Zeitschrift Aki Yerushalayim, der Zeitung Şalom sowie dem online-Forum Ladinokomunita erhoben wurden.

Ein Beispiel aus der Übersetzungspraxis in einer Sprache der Romania „minor“ schließt den Sammelband ab. Es handelt sich dabei um den anwendungsorientierten Beitrag von Gloria Turtas Traduzione e pluricentrismo: il progetto di traduzione dei Vangeli domenicali e festivi in sardo bittese. Riflessioni metodologiche, primi risultati e reazioni dei lettori, der einen detaillierten Erfahrungsbericht der Übersetzungstätigkeit von ihr und dem vor Kurzem verstorbenen Kirchenhistorikern und Jesuiten Raimundo Turtas bei der Übertragung religiöser Texte in eine sardische Lokalvarietät, ins Bittesische darstellt, wofür sie für verschiedene Kodifizierungs- und Standardisierungsproblemen adäquate Lösungen finden mussten.

Wir möchten uns bei den Herausgebern der Studia Romanica et Linguistica, den Kolleginnen und Kollegen Daniel Jacob, Elmar Schafroth, Edeltraud Werner, Araceli López Serena, André Thibault und Manuela Caterina Moroni für die Aufnahme dieses Sammelbandes in ihre Reihe sowie beim Peter Lang Verlag, insbesondere bei Frau Katharina Wlost und Herrn Benjamin Kloss, für die Unterstützung sowie die professionelle Betreuung vor und während der Drucklegung bedanken. Ein besonderes Wort des Dankes gilt abschließend den Autorinnen und Autoren für die ausgezeichnete Zusammenarbeit, die die diese Publikation erst möglich gemacht haben.

Bibliographie

Blasco Ferrer, Eduardo/Koch, Peter/Marzo, Daniela (eds.), Manuale di linguistica sarda, Berlin/Boston, De Gruyter, 2017.

Clyne, Michael, Pluricentricity: National Variety, in: Ammon, Ulrich (ed.), Status and Function of Languages and Language Varieties, Berlin/New York, Walter De Gruyter, 1989, 357–371.

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Kloss, Heinz, Abstand languages and Ausbau languages, Anthropological Linguis-tics 9 (7) (1967), 29–41.

Kloss, Heinz, Die Entwicklung neuer germanischer Kultursprachen seit 1800. Düsseldorf, Pädagogischer Verlag Schwann, 21978 [11952].

Morgenthaler García, Laura, Identidad y pluricentrismo lingüístico. Hablantes canarios frente a la estandarización, Frankfurt/Madrid, Vervuert/Iberoamericana, 2008.

Oesterreicher, Wulf, Plurizentrische Sprachkultur. Der Varietätenraum des Spanischen, Romanisches Jahrbuch 5 (2001), 287–317.

Prifti, Elton, Italoamericano. Italiano e inglese in contatto negli USA. Un’analisi variazionale diacronica, Berlin/Boston, De Gruyter, 2013.

Schrader-Kniffki, Martina, El español que nosotros usamos, es más correcto que el que usan aquí: Migration, Varietätenkontakt und Plurizentrismus aus der Perspektive peruanischer Spanisch-Sprecher in Spanien, in: Ptashnyk, Stefaniya/Beckert, Ronny/Wolf-Farré, Patrick/Wolny, Matthias (eds.), Gegenwärtige Sprachkontakte im Kontext der Migration, Heidelberg, Universitätsverlag Winter, 2016, 157–180.

Elton Prifti (Wien)

Martina Schrader-Kniffki (Germersheim)

Zusammenfassung

Gegenstand des Bandes sind die sogenannten «kleineren» romanischen Sprachen, die die Romania «minor» ausmachen. Obwohl diese für die romanistische Forschung eine hohe Relevanz besitzen, ist ihre Erforschung in vielerlei Hinsicht noch lückenhaft. Die Sprachen der Romania «minor» stellen fundamentale Bestandteile der gesamten Romania dar und können zur Untersuchung der größeren romanischen Sprachen einen wichtigen Beitrag leisten. Im Mittelpunkt des Bandes stehen Standardisierungsprozesse und Variationsphänomene in der Romania «minor». Im thematischen Gesamtrahmen wird auch die Bedeutung des Translationswesens einer näheren Betrachtung unterzogen. Im Hinblick auf die Standardisierung weisen die untersuchten Sprachen stark plurizentristische Tendenzen auf. Illustriert wird die Thematik anhand konkreter Fallbeispiele aus der Romania.

Biographische Angaben

Martina Schrader-Kniffki (Band-Herausgeber:in) Elton Prifti (Band-Herausgeber:in)

Elton Prifti ist Professor für Romanische Sprachwissenschaft: Interkulturalität und Mehrsprachigkeit an der Universität Wien. Martina Schrader-Kniffki ist Professorin für Romanische Sprach- und Translationswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

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