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Mehrsprachigkeit, Sprachkontakt und Bildungsbiografie

von Beatrix Kreß (Band-Herausgeber:in) Vasco Silva (Band-Herausgeber:in) Ioulia Grigorieva (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 262 Seiten

Zusammenfassung

Unsere alltägliche Kommunikation ist von Mehrsprachigkeit geprägt: Sowohl multilinguale Diskurse in (in)formellen Sprachlernsettings oder in institutionellen Situationen sind davon betroffen wie auch mehrsprachige Texte im städtischen Raum, in der Sprachdidaktik oder auf universitären Webseiten. Dabei vollziehen sich diese Situationen stets vor dem Hintergrund der jeweiligen Bildungsbiografie, die auch immer von eigenen Entscheidungen oder institutionellen Rahmenbedingungen abhängig ist. Die hier versammelten Beiträge beleuchten «Mehrsprachigkeit», «Sprachkontakt» und «Bildungsbiografie» aus einer linguistischen Perspektive und zeigen die individuelle, gesellschaftliche und institutionelle Vielfalt dieses Themas sowie die Besonderheiten des Umgangs damit auf.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhalt
  • Mehrsprachigkeit, Sprachkontakt und Bildungsbiografie (Beatrix Kreß / Vasco da Silva / Ioulia Grigorieva)
  • Ereignisse, Vorfälle und Wendepunkte – Erzählmuster bei der narrativen Rekonstruktion der Sprachbiographie migrationsbedingt mehrsprachiger SprecherInnen in Deutschland (Katharina König)
  • Mehrsprachige Identität? Zur Bedeutung von Mehrsprachigkeit für die Identitätsbildung von Studierenden mit Zuwanderungsgeschichte (Ksenija Vossmiller)
  • Sprachkontakt in der öffentlichen Verwaltung: Interkulturelle Aspekte behördlicher Gespräche mit Geflüchteten (Lena Erich)
  • Das Sprachcafé als Begegnungsraum: non-formell – mehrsprachig – kommunikationsgenerierend (Kathrin Schweiger)
  • Sprachliche Praxis und Spracheinstellungen. Exemplarische Untersuchungen in Biel/Bienne (Claudio Scarvaglieri)
  • Faktoren und mehrsprachiger Wortschatz (Elke G. Montanari / Roman Abel / Barbara Graßer / Lilia Tschudinovski)
  • „Aber habe ich jetzt RICHtig verstanden, sie können also: !FÜNF! sprachen?“ Mehrsprachigkeit im Kontext von Ad-hoc-Sprach(lern) beratungsgesprächen angehender DaF-/DaZ-Lehrenden mit Erasmus-Studierenden (Milica Lazovic)
  • „Internationale Highlights“ in der Hochschule: Internationalisierung in multimodalen Texten universitärer Selbstdarstellungen (Beatrix Kreß)
  • Anadeiktische Verweisungen in wissensvermittelnder Hochschulkommunikation – Schaltstellen der Wissensprozessierung als sprachdidaktisches Desiderat (Winfried Thielmann)
  • Sprachliches Handeln in Verhandlungssimulationen (Jan Hinzmann)
  • Mehrsprachigkeit in der Hochschullehre: Ein Diskussionsbeitrag zur Internationalisierung von tertiären Bildungsinstitutionen (Vasco da Silva)
  • Reihenübersicht

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Beatrix Kreß, Vasco da Silva und Ioulia Grigorieva

Mehrsprachigkeit, Sprachkontakt und Bildungsbiografie

Der Begriff der Mehrsprachigkeit ist extensional wie intensional weitläufig; unter dem Dach der Mehrsprachigkeit werden die unterschiedlichsten Phänomenbereiche subsumiert und – hier besteht immerhin Einigkeit – im gesellschaftlichen, medialen wie auch weitestgehend politischen Diskurs wird ihm recht viel Gutes zugeschrieben: Kreativ und „gesund“ (Sambanis 2016) macht er, er ist zumindest „der Normalfall“ (Jeuk 2014) und förderwürdig.

Indem wir ihm den Sprachkontakt und die Bildungsbiografie an die Seite stellen, tragen wir zunächst nicht unbedingt zu einer terminologischen Präzisierung bei. Der wissenschaftshistorisch betrachtet ältere Begriff des Sprachkontakts, der sich (zunächst und vor allem) auf territoriale und gesellschaftliche Mehrsprachigkeit, Di- und Polyglossie fokussierte, verweist jedoch darauf, dass eine linguistische Beschäftigung mit Multilingualität/Mehrsprachigkeit nicht erst mit der Schöpfung der Begrifflichkeiten einsetzte. Auch wurde er nicht erst wissenschaftlich relevant durch gesellschaftliche Prozesse, die die Anerkennung Deutschlands als Einwanderungsland unausweichlich machen. Viele Ansätze und auch Ergebnisse aus der Kontaktforschung lassen sich übertragen und sind es wert, vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen erneut diskutiert zu werden. Darüber hinaus verweist der Begriff des Sprachkontaktes – anders als der Ausdruck der Mehrsprachigkeit, der ein quantitatives Nebeneinander von Sprache impliziert – dass mit Sprache(n) etwas vonstattengeht, wenn sie „sich kontaktieren“, zueinander in Beziehung stehen oder zueinander in Beziehung gesetzt werden. Viele Beiträge des vorliegenden Bandes nehmen diese Kontaktphänomene auf individueller, aber auch gesellschaftlicher Ebene, in den Blick (s. u.).

Die institutionelle Ebene der Mehrsprachigkeit wird oft mit einem mehrsprachigen Angebot in Verwaltungen und anderen institutionellen Organisationen gleichgesetzt (vgl. bspw. Riehl 2009: 60). Dabei ist Schule, neben anderen Bildungseinrichtungen, einer der zentralen Orte, in denen ← 7 | 8 → mehrsprachige Praxis institutionell bearbeitet wird und bearbeitet werden muss. Indiz hierfür sind die zahlreichen, vor allem didaktisch orientierten Arbeiten im Bereich des Deutschen als Zweitsprache, der Immersion und ähnlichen weiteren Ansätzen. Sie zeigen, was der dritte Teil des Titels aufgreift: dass Bildung sprachlich erfahren wird, dass Wissen kommuniziert werden muss und dass sprachliche Lagen und Abweichungen vom immer noch eher einsprachigen Usus in den Institutionen der Bildung sich in besonderer Weise auf biografische Entwicklungsmöglichkeiten der Mehrsprachigen (die aber der Normalfall sind, s. o.) auswirken. Zahlreiche Beiträge des Bandes beziehen sich in unterschiedlicher Weise auf institutionelle Mehrsprachigkeit sowie auf die Auswirkungen von Mehrsprachigkeit auf Bildungsverläufe, Bildungsentscheidungen und Bildungsinstitutionen.

Der vorliegende Sammelband geht zurück auf eine sich über mehrere Semester erstreckende, sehr erfolgreiche Ringvorlesung an der Universität Hildesheim unter dem Titel des Bandes. Ziel der Vorlesungsreihe wie auch des Bandes war es, die Vielfalt der linguistischen Forschung im Bereich der Mehrsprachigkeit zu reflektieren, unterschiedliche Ansätze zu Wort kommen zu lassen und dabei den Zusammenhang zu Bildung und bildungsbiografischer Entwicklung zu suchen.

Die Beiträge in der Übersicht

Die im Band versammelten Beiträge sind Ausdruck der Breite, die das Thema der Mehrsprachigkeit vor dem Hintergrund von Bildungsbiografien und im Zusammenhang mit verschiedenen Situationen des Sprachkontakts einnimmt.

Zunächst schaut sich Katharina König mit einem narrativen Ansatz den Spracherwerb aus der Sicht von Migrantinnen und Migranten der ersten, aber auch der zweiten Generation in unterschiedlichen Sprachgruppen an. Über die Analyse von sprachbiografischen Erzählungen zeigt sie in einer Typologie auf, mithilfe welcher Erzählmuster die Mehrsprachigen das Erlebte rekonstruieren und welche impliziten Bewertungsverfahren dabei zum Tragen kommen. Wichtig ist ihr, dass „dem subjektiven Erleben und Empfinden der mehrsprachigen SprecherInnen“ Aufmerksamkeit zuteilwird und die Diskussion nicht nur auf messbare Faktoren reduziert wird. Ähnlich positioniert sich Ksenija Vossmiller in ihrem Beitrag. Sie behandelt ← 8 | 9 → ebenso die mehrsprachige Bildungsbiografie, konzentriert sich dabei allerdings auf so genannte „Herkunftssprecher_innen“, in ihrem Fall des Russischen. Insbesondere interessiert sie sich für die bildungsbiografischen Entscheidungen dieser Gruppe vor dem Hintergrund ihrer ebenso in Erzählungen dargestellten Selbstidentitäten. Exemplarisch diskutiert Ksenija Vossmiller, wie die verschiedenen Teilidentitäten der Interviewten zu einem für sich kohärenten Bild zusammengefügt werden. Beide Autorinnen machen deutlich, dass die frühe Bildungsbiografie oft von den Entscheidungen der Eltern abhängt, die spätere Mehrsprachigkeit aber, d. h. die Pflege der Mutter- bzw. Herkunftssprachen in der neuen sprachlichen Umgebung im jungen Erwachsenenalter eigene Entscheidungen notwendig macht, aber auch bestimmte biographische Schritte bedingen kann.

In einer neuen sprachlichen Umgebung, noch dazu mit einem hohen Handlungsdruck verbunden, befinden sich Geflüchtete, die im Behördenkontakt ihre Anliegen vorbringen. Eine Gelegenheit, solche Gespräche aufzunehmen, erhielt Lena Erich und kann so Situationen des Sprachkontakts vorstellen, die hochgradig asymmetrisch sind: In ihrer handlungstheoretischen Analyse diskutiert sie, wie die Behördenmitarbeiter_innen ihren gewohnten Handlungsvorgang dann unterbrechen, wenn sie feststellen (bzw. dies vermuten), dass die Geflüchteten Verstehensprobleme haben, d. h. wenn Wissensdivergenzen auftreten. In diesem Fall versuchen die – in funktional-pragmatischer Terminologie – Agentinnen und Agenten der Behörde, mit unterschiedlichen, ja gar multimodalen kommunikativen Mitteln, einen Wissensausgleich herbeizuführen. Dabei kann es auch zu Situationen kommen, in denen ein Wissensdefizit auf Seiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegt, diese aber institutionell gesehen trotzdem für den Ausgleich sorgen müssen. In diesem Sinne wird selbst in einer von Hierarchie und Formvorschriften durchzogenen Behörde der Sprachkontakt zu einem gegenseitigen Geben und Nehmen von Informationen – auch und gerade mit Hilfe von Mehrsprachigkeit im Sinne komplexitätsreduzierender Maßnahmen und der Paraphrasierung von Fachsprache. Weiterhin wird die Rolle von Sprachmittlerinnen und Sprachmittlern bei der Fallbearbeitung diskutiert. Ist die Behörde ein Beispiel für eine offizielle Sprachkontaktsituation, beleuchtet Kathrin Schweiger eine mehr informelle Art, Mehrsprachigkeit im Sprachkontakt zu leben, dabei aber auch das Lehren und Lernen von neuen Sprachen zu ermöglichen: Sie interessiert sich für ← 9 | 10 → die jüngst wieder an Relevanz gewonnene Institution der so genannten „Sprachcafés“. Kathrin Schweiger zeigt die Heterogenität dieser Einrichtungen auf: So gibt es Angebote für die unterschiedlichsten Sprachen, die vom klassischen Sprachunterricht bis hin zu informellen Treffen reichen, bei denen mehr das gemeinsame Sprechen im Vordergrund steht. Dabei unterscheiden sich allerdings auch die Zielgruppen, die von neu Zugewanderten, welche Deutsch als Fremdsprache lernen, über Migrantinnen und Migranten gehen, die bereits in zweiter oder dritter Generation – oft mit nunmehr eigenen Kindern – hier leben und ihre Herkunftssprache(n) weiterhin pflegen möchten, bis hin zu Studierenden, die erste authentische Kontakte in einer von ihnen gelernten Fremdsprache knüpfen möchten. Das von Kathrin Schweiger aufgezeigte Spektrum spiegelt gleichzeitig die dem Thema der Mehrsprachigkeit inhärente Pluralität und Heterogenität wieder, die sich oft auch in der Schwierigkeit zeigt, mit eben jener im Alltag umzugehen.

Die alltägliche Mehrsprachigkeit in einer davon zutiefst geprägten Umgebung zu analysieren, hat sich Claudio Scarvaglieri vorgenommen. Mit Hilfe des linguistic landscaping fragt er, wie die von einer durchgehenden Zweisprachigkeit umgebenen Bewohner_innen der Schweizer Stadt Biel/Bienne im Alltag und im öffentlichen Raum mit den entsprechenden politisch-sozialen Anforderungen umgehen. Dabei thematisiert Claudio Scarvaglieri auch die damit im Zusammenhang stehende Frage nach Spracheinstellungen, thematisiert mithin latente Sprachideologien, die in einer Nutzung – oder auch gerade der Nichtnutzung – bestimmter Sprachen zu finden sind. Vor dem Hintergrund der öffentlich-politischen Kampagne der Stadt begibt er sich anschließend auf Spurensuche vor Ort. Dabei macht er etwa deutlich, dass in dauerhaft präsenten Texten, wie beispielsweise Schildern mit Öffnungszeiten, die Zweisprachigkeit umgesetzt wird. Spontane, meist per Hand geschriebene Hinweise erfolgen dem gegenüber oft nur einsprachig. Auf diese Weise gelingt es Claudio Scarvaglieri, die Diskrepanz zwischen politischem Wunsch und alltäglicher Realität im Sprachkontakt aufzuzeigen.

Bevor jedoch eine solche Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit überhaupt als Identität in der Biografie wirksam werden kann oder in den Institutionen, wie beispielsweise der Behörde, dem Sprachcafé oder in einem Geschäft des öffentlichen Lebens umgesetzt werden kann, muss sie erst einmal erlernt werden. Elke Montanari, Roman Abel, Barbara Graßer und Lilia ← 10 | 11 → Tschudinovski thematisieren diesen mehrsprachigen Spracherwerb. Ihr kontrastiver Beitrag vergleicht den Wortschatz bei ein- und zweisprachigen Kindern des Russischen und des Deutschen. Ihre Ergebnisse lassen auf multifaktorielle Einflüsse auf die Wortschatzarbeit schließen: So zeigt sich beispielsweise, dass bei der Betrachtung des Faktors „Schuljahrgang“ die bilingualen Kinder einen höheren gesamtsprachlichen Wortschatz aufweisen als ihre einsprachigen Mitschülerinnen und Mitschüler. Im rezeptiven Bereich ließ sich kaum ein Unterschied zwischen den ein- und den mehrsprachigen Schülerinnen und Schülern feststellen. Dies erfordert letztendlich Ansätze und Formate, wie sie auch in der regelmäßigen Begleitung durch die Sprachcafés oder der dauerhaft präsenten Zweisprachigkeit im öffentlichen Raum zu finden sind, da auf diese Weise rezeptive Fähigkeiten unterstützt werden. So fordern Elke Montanari und ihre Kolleg_innen, dass die Schuldidaktik diese Ergebnisse berücksichtigt, um mehrsprachige Konzepte wie Translanguaging auch in den Schulalltag einfließen zu lassen.

Milica Lazovic berücksichtigt solche Ansätze bereits in der Hochschuldidaktik, genauer in der Ausbildung zukünftiger Lehrerinnen und Lehrer für Deutsch als Fremd- und Deutsch als Zweitsprache, und geht der Frage nach einer ganzheitlichen Mehrsprachigkeitsorientierung in der semiprofessionellen Sprachlernberatung nach. Für ihren Beitrag untersuchte sie, wie angehende DaF-/DaZ-Lehrkräfte Erasmusstudierende beraten und gelangt so zu umfassenden Einblicken in die mehrsprachige Sprachlernbiografie beider Beteiligter anhand eines konkreten Sprachkontakts. Ihre Analyse hebt hervor, wie korrektive Sequenzen, die einer Sprachlernberatung immanent sind, von den Teilnehmenden interkulturell sensibel und dennoch aufgabenorientiert umgesetzt werden. Ferner zeigt Milica Lazovic auf, wie auch in diesen Situationen die eigene Sprach- und Bildungsbiografie sowie die der zu Beratenden genutzt wird, um beispielsweise Fehler abzufedern und so zu einer kooperativen Atmosphäre im Beratungsgespräch beizutragen. Das besondere Verdienst dieser Analyse liegt in ihrer kritischen Perspektive: So warnt die Autorin davor, leichtfertig unterstellte, insbesondere lexikalische Äquivalenzen zwischen den Muttersprachen und der zu erlernenden Sprache als höflichkeitswahrendes Stilmittel im Korrektiv zu nutzen.

Auch die letzten vier Beiträge des Bandes thematisieren die Universität als mehrsprachigen Raum. Dabei nimmt, u. a. resultierend aus politischen und gesellschaftlichen Anforderungen an die Hochschulen, das Thema ← 11 | 12 → der „Internationalisierung“ einen großen Raum ein. Selbstdarstellungen auf Webseiten gehören mittlerweile nicht nur zu Unternehmen, sondern sind auch ein selbstverständlicher kommunikativer Akt von Hochschulen geworden. Entsprechend fragt Beatrix Kreß vor einem handlungstheoretischen Hintergrund nach den Zwecken solcher Internationalisierungs-Webseiten verschiedener europäischer Universitäten. Ihre Diskussion macht die intertextuelle Verwobenheit mit latenten Wissensbeständen, so z. B. der allgegenwärtigen Bologna-Deklaration, deutlich. Die Analyse zeigt, dass „Internationalität“ dabei ein Schlagwort ist, welches institutionelle Gegebenheiten repräsentieren soll, jedoch auf den Internetseiten diese nicht weiter differenziert. Insofern verbleiben die Webseiten bei den Illokutionen „Feststellen“ und „Behaupten“, ohne Hinweise zu geben, wie eine Internationalisierung gerade auf der Akteursebene in der Forschung und v. a. der Lehre umgesetzt werden kann. Ein beinah ironischer Nebeneffekt der Analyse von Beatrix Kreß liegt darüber hinaus in der Beobachtung, dass ausgerechnet die Seiten zur Internationalisierung der Hochschulen kaum mehrsprachig gestaltet sind.

Die Ebene der Lehre ist vor den hier versammelten Themen ein besonders zentraler Punkt sprachwissenschaftlicher Analysen. Dass dabei „Mehrsprachigkeit“ auch innerhalb einer Sprache im Sinne von Fach- und Wissenschaftssprachen auftreten kann, zeigt Winfried Thielmann in seinem Beitrag und macht die Komplexität deutlich, der die Studierenden in einer Vorlesung begegnen. Dabei geht es ihm weniger um den fachlichen Schwierigkeitsgrad, sondern vielmehr um die Sprachlichkeit von Wissenschaft, die gern in den didaktischen Empfehlungen zur Hochschullehre, auch und gerade in den Naturwissenschaften, übersehen wird. Winfried Thielmann leitet aus seiner Analyse einer Physikvorlesung didaktische Empfehlungen ab, die u. a. auch auf das Deutsche als fremde Wissenschaftssprache abheben. Es wird deutlich, dass die sprachlichen Mittel der Deixisverwendung den Hörerinnen und Hörern eine Suchanweisung zur Verfügung stellen, um die komplexen sprachlichen Vorgänge, die sich auf das zu etablierende Wissen bei den Studierenden beziehen, nachvollziehen zu können. Wichtig ist ihm dabei zu betonen, dass beispielsweise die „Deiktika überhaupt erst einmal in ihrer prozeduralen Qualität einsichtig zu machen und in ihrer spezifischen Funktionalisierung für die Zwecke hörerorientierter und ← 12 | 13 → hörerorientierender wissensvermittelnder Hochschulkommunikation als einen eigens zu vermittelten Gegenstand zu erkennen [sind].“

Biographische Angaben

Beatrix Kreß (Band-Herausgeber:in) Vasco Silva (Band-Herausgeber:in) Ioulia Grigorieva (Band-Herausgeber:in)

Beatrix Kreß ist Slawistin und Professorin für interkulturelle Kommunikation am Institut für Interkulturelle Kommunikation, an dem auch Vasco da Silva (Dipl.-Wirtschaftshispanist FH) wissenschaftlicher Mitarbeiter ist. Ioulia Grigorieva promoviert zum mehrsprachigen Handeln bei Elternsprechtagen.

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Titel: Mehrsprachigkeit, Sprachkontakt und Bildungsbiografie