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Schlüsselkompetenz «Fachsprache»

Theorie und Anwendung

von Maria Katarzyna Lasatowicz (Band-Herausgeber:in) Marek Sitek (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 184 Seiten

Zusammenfassung

Fachkommunikation stellt einen gefragten Forschungsgegenstand mit großem Anwendungspotenzial dar. Dem Phänomen Fachsprache wird im Rahmen zahlreicher Disziplinen der Linguistik vielseitig nachgegangen. Dabei lässt sich derzeit ein starker Bedeutungsanstieg von fachsprachlichem Wissen und Können beobachten. Dies scheint an die rasch fortschreitende Technisierung und Digitalisierung des Lebens – insbesondere des beruflichen Alltags – eng gekoppelt zu sein.
Das Buch präsentiert Artikel von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, Polen, Rumänien und Tschechien, deren Forschungsschwerpunkt im Bereich Fachkommunikation liegt. Eine thematische und methodologische Perspektivenvielfalt sind die Kennzeichen dieses interkulturellen Beitrags zur theorie- und praxisorientierten Fachsprachenforschung.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Maria Katarzyna Lasatowicz, Marek Sitek: Vorwort
  • Marzena Będkowska-Obłąk: Zu interkulturellen Besonderheiten in der Fachkommunikation im Bereich der Technik
  • Anna Bonek: Verstehenskompetenz beim Übersetzen von Rechtstexten. Translationsorientierte Auslegung von Rechtstexten
  • Oliver Herbst: Ein stathalter des Teufels – Fachwortschatz in Luthers Kampf gegen den Papst
  • Věra Höppnerová: Wirtschaftsdeutsch im Unterricht
  • Petra Jeřábková: Als positiv und negativ empfundene Faktoren eines Curriculums
  • Małgorzata Jokiel: Zur praktischen Vermittlung der Fachsprache Wirtschaft im Rahmen des Übersetzungs- und Dolmetschunterrichts
  • Karl-Hubert Kiefer, Felicitas Tesch: Zur Vermittlung von Dolmetschkenntnissen im berufsbezogenen FSU am Beispiel eines Betriebsrundgangs
  • Felicja Księżyk: Diatopische Variation innerhalb von Kollokationen des deutschen und österreichischen Zivilrechts
  • Sebastian Maślanka: Zum aktuellen Stand der Terminologie im Eisenbahnwesen. Ein Versuch der morpho-semantischen Analyse. Ausgewählte Ergebnisse
  • Eva Polášková: Zur Fachwissensvermittlung in DaF-Zeitschriften
  • Doris Sava/Sunhild Galter: Kollokationen der alltäglichen Wissenschaftssprache –Wo liegt das Problem?
  • Alicja Sztuk: Terminologische Kompetenz. Zur Eingrenzung des Entitäten- und Forschungsbereichs

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Vorwort

Fachkommunikation umfasst ein breites Spektrum sowohl theoretisch als auch angewandt orientierter Forschungsansätze. Fachsprachen stellen dabei eine ihrer wesentlichen Erscheinungsformen bzw. Realisierungen dar. Die hier nachweisbaren Kenntnisse wirken sich insbesondere auf berufliche Marktchancen angehender Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer positiv aus. Dies hängt unmittelbar mit der raschen Entwicklung neuer Technologien sowie der darauf beruhenden fortschreitenden Technisierung der Arbeitswelt zusammen. All das lässt den heutigen branchenübergreifenden Arbeitsmarkt als ausgesprochen anspruchsvoll erscheinen, wobei von Bewerberinnen und Bewerbern diverse Soft und Hard Skills vorausgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund stellen sich fachkommunikative Kenntnisse bzw. Fähigkeiten – selbst auf Basisniveau – nicht selten als eine Art Schlüsselkompetenz heraus. Diese Tatsache findet ihre Widerspiegelung in der Gestaltung der Lehr- bzw. Studienprogramme, in denen unterrichtsbezogene Umsetzung fachkommunikativer Inhalte immer stärker gefördert wird.

Der vorliegende Band leistet einen Beitrag zur Fachsprachenforschung aus theorie- und praxisbezogener Perspektive. Diese doppelte Optik ermöglicht eine tiefer greifende Auseinandersetzung mit der Frage der Fachkommunikation. Trotz Vielschichtigkeit der bisherigen Ansätze1 konnte ihre thematische und funktionale Komplexität nicht erschöpft werden. Dies lässt wissenschaftliche Vorhaben wie das vorliegende als willkommene Versuche erscheinen, der immer stärker werdenden Präsenz der fachsprachlichen Inhalte in Forschung und Lehre2 entgegenzukommen bzw. gerecht zu werden. Darüber hinaus beziehen viele Forscherinnen und Forscher die berufsorientierte Perspektive der Fachkommunikation in den Fokus ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit mit ein.

Das Buch richtet sich an interessierte Leserinnen und Leser, die fachsprachliches Wissen und Können erwerben bzw. ihre bereits vorhandenen Kompetenzen ←7 | 8→erweitern möchten. Die fachsprachliche Kommunikation stellt einen gemeinsamen Nenner für alle in diesem Band präsentierten Artikel dar. Ihre thematische Vielfalt ist jedoch groß und reicht von Fragen, die theoretische Aspekte fachsprachlicher Kommunikation in den Vordergrund stellen, über didaktisch orientierte Faktoren bis hin zu Blickwinkeln, die die Problematik branchenspezifischen Vokabulars aufgreifen.

Auf potenzielle Hindernisse in der fachsprachlich orientierten Kommunikation konzentriert sich in ihrem Beitrag Marzena Będkowska-Obłąk (Schlesische Universität, Polen), wobei der interkulturelle Kontext einen wesentlichen Faktor der Untersuchung darstellt. Den Ausgangspunkt für die vergleichende Analyse bildet die Definition des Fachtextes als Kommunikationsmittel, mit der auf seine Grundfunktionen hingewiesen wird: deskriptiv-informative, instruktive, direktive sowie appellative. Das Korpus setzt sich aus deutschen und polnischen Fach-Werbetexten für hochspezialisierte Antriebe für Einfahrts- und Garagentore zusammen. Auf seiner Basis unternimmt die Autorin den Versuch, Ähnlichkeiten und Unterschiede hinsichtlich solcher Textmerkmale festzustellen wie Makrostruktur, Isotopie und thematische Progression.

Anna Bonek (Universität Warschau, Polen) widmet ihren Beitrag der Analyse der normativen Elemente im Prozess der Auslegung von Rechtstexten. Hierbei differenziert sie zwischen sprachlichen, systemhaften, funktionalen sowie vergleichenden Bestandteilen des translationsbezogenen Interpretationsprozesses. Des Weiteren macht sie auf das sich im Translationsakt gegenseitig bedingende fachliche und nicht-fachliche Wissen aufmerksam. In diesem Zusammenhang stellt sie abschließend die Frage nach der Äquivalenz zwischen den Begriffen Verstehen und Interpretation.

Oliver Herbst (Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Deutschland) widmet seine Untersuchung der Sprache Luthers in dessen Kampf gegen das Papsttum. Auf der Basis von drei Schriften des Reformators zeigt er, dass Luther in seinen Polemiken auf Elemente der Fachsprache aus den Bereichen des Rechts, der Kriegsführung, der Landwirtschaft und der katholischen Theologie zurückgriff und auf diese Weise sowohl das Prinzip der höchstmöglichen Verständlichkeit des Textes für die Rezipienten verfolgte als auch die provokative Wirkung seiner Aussagen verstärkte.

Nach der Skizzierung der Spezifika und Gliederungsmöglichkeiten der Wirtschaftssprache beschäftigt sich Věra Höppnerová (Wirtschaftsuniversität Prag, Tschechien) in ihrem Artikel mit den Besonderheiten der wirtschaftssprachlichen Didaktik, äußert sich zur Stellung der Fachsprache in der Fachausbildung sowie zu den Anforderungen an den Wirtschaftssprachenlehrer und diskutiert zahlreiche Beispiele für interferenzanfällige Lexeme im deutsch-tschechischen Sprachenpaar.

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Ausgehend von der Frage, ob die Meinung der Studierenden für die Gestaltung einer Lehrveranstaltung maßgebend sein sollte, präsentiert Petra Jeřábková (Wirtschaftsuniversität Prag, Tschechien) die Ergebnisse ihrer Dissertation, in der sie sich mit der Frage nach den als positiv bzw. als negativ empfundenen Elementen eines fachsprachlichen Curriculums beschäftigt, wie Lehrerperson, Gruppengröße, Lehrbuch, Wochenstundenzahl oder Unterrichtsmethode. Darüber hinaus diskutiert sie die Vorschläge der im Rahmen der Studie befragten Absolventinnen und Absolventen für ein optimiertes Curriculum und deren Umsetzungsmöglichkeiten in der Didaktik.

In ihrem Artikel stellt Małgorzata Jokiel (Universität Opole, Polen) Überlegungen zur translationsdidaktischen Vermittlung der Fachsprache Wirtschaft im Rahmen des universitären Übersetzungs- und Dolmetschunterrichts an. Ausgehend von der translationsrelevanten Charakteristik der wirtschaftsbezogenen Fachsprache präsentiert sie die Differenzen zwischen den jeweiligen Schwerpunkten, Zielen und Vorgehensweisen im Hinblick auf die Anforderungen der schriftlichen Fachübersetzung, des Stegreifübersetzens sowie des Konsekutivdolmetschens. Abschließend weist die Autorin auf die jeweiligen Optimierungsmaßnahmen hinsichtlich der Translationsdidaktik unter Berücksichtigung der Marktanforderungen hin.

Nach der Besprechung der Dolmetscherkompetenzen im Lichte des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen präsentieren Karl-Hubert Kiefer und Felicitas Tesch (beide: Technische Universität Berlin) in ihrem Beitrag eine Reihe von Didaktisierungsvorschlägen für den studienbegleitenden Fremdsprachenunterricht. Diese auf Grundlage von Feldforschungsstudien bei einem deutschen Messgerätehersteller mit Tochterunternehmen in Polen erstellten Übungsformen können im Training von Dolmetscher-Strategien eingesetzt werden.

Auf Differenzen und Gemeinsamkeiten zwischen den diatopischen Kollokationsformen des österreichischen (ABGB) und deutschen (BGB) Zivilrechts, die im Wesentlichen auf die unterschiedliche Entstehungsgeschichte zurückzuführen sind, weist in ihrem Text Felicja Księżyk (Universität Opole, Polen) hin. Die Wissenschaftlerin betont die Tatsache, dass in den bisherigen Untersuchungen insbesondere auf terminologische Unterschiede aufmerksam gemacht wurde, wobei Kollokationen der nationalen Varietäten der deutschen Rechtssprache – trotz wesentlicher Kontraste – keinen umfassenden Untersuchungsgegenstand darstellten.

Sebastian Maślanka (Universität Opole, Polen) konzentriert sich in seiner Arbeit auf die Analyse morphosemantischer Aspekte der Fachsprache des Eisenbahnwesens. Durch die Untersuchungen des jungen Wissenschaftlers, denen ←9 | 10→ein Korpus aus branchenspezifischer Dokumentation zugrunde liegt, kann eine hohe Produktivität von nominalen Komposita – insbesondere von jenen mit metaphorischem Hintergrund – nachgewiesen werden.

Eva Polášková (Universität Ostrau, Tschechien) präsentiert in ihrem Beitrag die Forschungsergebnisse hinsichtlich der Fachwissensvermittlung in ausgewählten DaF-Lehrwerken. Die durchgeführten Untersuchungen basieren auf einem aus drei Titeln zusammengesetzten Korpus: „Deutsch-Perfekt“, „Freundschaft“ und „Hurra“. Die Autorin hebt dabei den Einsatz unterschiedlicher Vermittlungsstrategien von Fachwissen hervor, zu denen u.a. die Metaphern, die Ellipsen, die Thema-Rhema-Progression sowie die emphatisch eingesetzten Bilder gehören.

Der Forderung der fachsprachenorientierten Schreibfähigkeit im Rahmen der akademischen Ausbildung schenken ihre Aufmerksamkeit Doris Sava und Sunhild Galter (Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt, Rumänien). Ausgehend von der Definition der Kollokationen sowie der Präsentation ihrer Gebrauchskontexte im Wissenschaftsdeutschen unterstreichen die Autorinnen den Vorteil des Evidenzbewusstseins von gehäuft auftretender „lexikalischer Solidarität“ für die editorische Tätigkeit. Bei der Darstellung zahlreicher Beispiele für Kollokationen des wissenschaftlichen Deutsch weisen sie auf die Notwendigkeit hin, Fachvokabular vor kulturellem sowie lexikographischem Hintergrund didaktisch vergleichend aufzuarbeiten und umzusetzen.

Alicja Sztuk (Universität Warschau, Polen) unternimmt in ihrem Beitrag den Versuch, die Begriffe Kompetenz und terminologische Kompetenz zu definieren. In Anlehnung an die anthropozentrische Sprachtheorie von Franciszek Grucza stellt sie fest, dass es zwischen dem sprachlichen und nicht-sprachlichen Wissen keine klare Grenze gibt und um erfolgreich zu kommunizieren, auf beide Bereiche zurückgegriffen werden muss. Des Weiteren konzentriert sich die Autorin auf die terminologische Kompetenz, die das Verstehen, Bilden und Verwenden von Fachtermini umfasst und auf dem Wissen und Fachwissen des konkreten Sprechers basiert.

Wir hoffen, mit der vorliegenden Veröffentlichung viele interessante Diskussionen sowie neue Forschungsansätze in dem Bereich der sowohl theoretisch als auch praktisch orientierten Fachkommunikation anzuregen.

Unser Dank gilt allen Autorinnen und Autoren, die der Einladung gefolgt sind, an der Entstehung dieses Bandes mitzuwirken.

Biographische Angaben

Maria Katarzyna Lasatowicz (Band-Herausgeber:in) Marek Sitek (Band-Herausgeber:in)

Maria Katarzyna Lasatowicz ist Professor an der Universität Opole, Direktorin des Instituts für Germanistik und Leiterin des dortigen Lehrstuhls für deutsche Sprache. Ihre Hauptarbeitsgebiete sind Dialektologie, Sprachinselforschung, deutsche Sprachvarietäten in Oberschlesien, Ethno- und Soziolinguistik. Marek Sitek ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Germanistik der Universität Opole. Seine Hauptarbeitsgebiete sind vergleichende Sprachwissenschaft, sprachliche Höflichkeit, Ethno- und Soziolinguistik, Wirtschaftsdeutsch.

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Titel: Schlüsselkompetenz «Fachsprache»