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Mobilität & Sprache / Mobility & Language

von Marietta Calderón Tichy (Band-Herausgeber:in) Bernadette Hofinger (Band-Herausgeber:in) Emil Chamson (Band-Herausgeber:in)
Sammelband 214 Seiten

Zusammenfassung

Die Beiträge dieses Buches untersuchen die sprachliche Repräsentation verschiedener Arten von Mobilität. Zur linguistischen Analyse werden unterschiedliche Methoden und Zugänge angewandt, wobei die Schwerpunkte auf Diskursanalyse und Lexikologie liegen. Das untersuchte Datenmaterial stammt aus verschiedenen romanischen, slawischen und germanischen Sprachen.
The focus of this volume is the linguistic representation of different kinds of mobility. Various methods and approaches are applied, with a particular emphasis on discourse analysis and lexicology. Research data is taken from various Romance, Slavic and Germanic languages.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel
  • Copyright
  • Autorenangaben
  • Über das Buch
  • Zitierfähigkeit des eBooks
  • Inhaltsverzeichnis
  • Marietta Calderón, Bernadette Hofinger & Emil Chamson: Mobilität und Sprache – ein Ausblick
  • I. Historische Sprachwissenschaft
  • Mark Richard Lauersdorf: ‘Mobility’ and ‘borders’ in historical standard language development
  • Malene Monka: Mobility and Language Change in Denmark
  • Isabella Greisinger & Bernadette Hofinger: Gliederungsverschiebung als Evidenz für Sprache in Bewegung? Zur Entwicklung der französischen Konjunktion pour […]
  • II. Diskursanalyse
  • Edgar Hoffmann: Mobilität des russländischen Business und Immobilität seiner AkteurInnen
  • Johannes Scherling: On the road to success? – The discursive construction of mobility as key to social advancement in EU documents
  • Rahel Stoike-Sy: Mobility experiences and linguistic representations of students in officially trilingual master’s degree programs at the University of Luxembourg
  • Uta Helfrich: Mobilität und Mobilisierung: Social Media als Protest- und Aktionsraum
  • Cornelia Feyrer: Mobilität im Transfer oder Bewegung in der Medizin: Zur Relevanz von Sprache, Kultur und Translation in der medizinisch-therapeutischen (Fach-)Kommunikation und -interaktion zu Mobilität, Motilität und Mobilisierung
  • Nadja Kerschhofer-Puhalo: Gemma Kino? – Zum Nicht-Gebrauch von Präpositionen
  • III. Lexikologie
  • Emil Chamson: Er-Verben in Forumsbeiträgen zum Mobilitätsspiel Pokémon Go
  • Eva Lavric & Josef Weidacher: Französische Rankings in Sport und Wirtschaft – Wettlauf real und als Metapher
  • Fiorenza Fischer: Mobile Arbeit (liquid work), volatile Aktien, flüchtiges Kapital. Der Begriff Mobilität in Metaphern der Wirtschaftssprache

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Marietta Calderón, Bernadette Hofinger & Emil Chamson

Mobilität und Sprache – ein Ausblick

Die bei Peter Lang herausgegebene X & Language-Reihe (vgl. Calderón / Marko (Hg.) 2012; Calderón / Marko (Hg.) 2015; Calderón / Heuberger /Chamson (Hg.) 2017) beleuchtet gesellschaftlich relevante Phänomene aus verschiedenen Blickwinkeln der Sprachwissenschaft. Sie fußt auf jeweils im Rahmen der Österreichischen Linguistiktagung – in diesem Fall an der Universität Salzburg – veranstalteten internationalen und interdisziplinär offenen sprachwissenschaftlichen Workshops gleichen Namens, diese jeweils geleitet von der Romanistin Marietta Calderón und dem Anglisten Georg Marko. Die dabei entstandene Schwerpunktsetzung auf Diskursanalyse und Lexikon ist darauf zurückzuführen, dass sich diese Zugänge für der jeweiligen Rahmenthematik entsprechende gesellschaftsrelevante Themen als besonders gut geeignet erwiesen haben.

Mobilität & Sprache / Mobility & Language enthält zudem ein Kapitel zu historischer Sprachwissenschaft, das sich mit slawistisch, skandinavistisch und romanistisch relevanten Fragen beschäftigt. Auch die untersuchten Phänomene und angewandten Herangehensweisen sind, wie die behandelten Sprachen, divers:

Mark Richard Lauersdorfs Aufsatz „‘Mobility’ and ‘borders’ in historical standard language development“ stellt einen Rahmen für soziolinguistische Untersuchungen der Entwicklung von Standardsprachen vor, der die Konzepte von Mobilität und Grenzen über traditionelle Bezüge zu physischem Raum und sozialem Status hinaus erweitert. Als Beispiel dienen die soziohistorischen und sprachlichen Kontexte der schriftlichen Sprachentwicklung in den slowakischsprachigen Gebieten Zentraleuropas vom 15. bis zum 18. Jahrhundert.

Malene Monkas Beitrag „Mobility and Language Change in Denmark“ zeigt, basierend auf Sprachaufnahmen von 1978 bis 1986 und von 2005 bis 2010, sprachliche Veränderungen bei DialektsprecherInnen des Dänischen auf; hiebei werden Zusammenhänge zwischen räumlicher Mobilität und individuellem Sprachverhalten klar; zudem lässt sich für den beobachteten Gesamtzeitraum eine Entwicklung einer der untersuchten regionalen Varietäten des Dänischen in Richtung Standardsprache feststellen.

Isabella Greisinger & Bernadette Hofinger greifen ins Mittelalter zurück und bedienen sich in ihrem Aufsatz „Gliederungsverschiebung als Evidenz für ←7 | 8→Sprache in Bewegung? Zur Entwicklung der französischen Konjunktion pour […]“ eines textbasierten Ansatzes.

Der diskursanalytische Teil beginnt mit Edgar Hoffmanns „Mobilität des russländischen Business und Immobilität seiner AkteurInnen“, einer Analyse von Othering-Phänomenen durch Stereotypisierungen, wie sie in deutschsprachigen Pressetexten bezogen auf sogenannte „Neue Russ[Inn]en“ beobachtbar sind.

Johannes Scherlings Herangehensweise in seinem Aufsatz „On the road to success? The discursive construction of mobility as key to social advancement in EU documents“, ist quantitativ, nämlich korpusbasiert; untersucht werden EU-Dokumente im Hinblick einerseits auf mit MOBILITÄT verbundene Assoziationen und andererseits auf darin nicht oder kaum konstruierte Assoziationsangebote.

Im Gegensatz dazu hat Rahel Stoike-Sy für ihren Beitrag „Mobility experiences and linguistic representations of students in officially trilingual master study programs at the University of Luxembourg“ eine qualitative Herangehensweise gewählt; Studierende an der dreisprachigen Universität Luxemburg wurden von ihr in Interviews zu Wahrnehmungen dieser Mehrsprachigkeitssituation befragt.

Uta Helfrich behandelt in „Mobilität und Mobilisierung – Social Media als Protest- und Aktionsraum“ vor allem negative Aspekte von MOBILITÄT; sie beschreibt reframings des Konzepts in Social Media-Beiträgen von Personen, die in Spanien infolge der Finanzkrise ab 2008 delogiert wurden.

Die Translationswissenschaftlerin Cornelia Feyrer thematisiert, beschreibt und analysiert in ihrem Aufsatz „Mobilität im Transfer oder Bewegung in der Medizin: Zur Relevanz von Sprache, Kultur und Translation in der medizinisch-therapeutischen (Fach-)Kommunikation und -interaktion zu Mobilität, Motilität und Mobilisierung“ die Begriffe Motilität (‚körperliche Beweglichkeit‘) und Mobilisierung (,Beweglichmachung‘) in medizinischen Kontexten.

Einer unterschiedlich markierten syntaktischen Entwicklung des Deutschen widmet sich Nadja Kerschhofer-Puhalo in „Gemma Kino? – Zum (Nicht-)Gebrauch von Präpositionen“; die von ihr behandelten (nicht realisierten) Präpositionen fungieren als Orts- und Richtungsangaben.

Den Lexikologie-Teil eröffnet in seiner Eigenschaft als Germanist Emil Chamson mit „Er-Verben in Forumsbeiträgen zum Mobilitätsspiel Pokémon Go“: Die von ihm untersuchten Verben drücken Bewegung aus und sind überdies speziell für die auf Mobilität beruhenden Zwecke eines Handyspiels entstanden; dieser insofern doppelt dem Rahmenthema entsprechende Beitrag wurde nach dem Workshop „Mobilität & Sprache / Mobility & Language“ eigens für die vorliegende Publikation verfasst.

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Die Romanistin Eva Lavric hat gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Anglisten Josef Weidacher das Metaphernfeld sportlicher Positionsbestimmungen in wirtschaftssprachlichen Kontexten in ihrem gemeinsam gezeichneten Beitrag „Französische Rankings in Sport und Wirtschaft – Wettlauf real und als Metapher“ analysiert; der Beispielreichtum dieses Artikels mag auch zur Erweiterung der aktiven Sprachkompetenz der LeserInnen beitragen.

Fiorenza Fischer trägt abschließend mit „Mobile Arbeit (liquid work), volatile Aktien, flüchtiges Kapital. Der Begriff Mobilität in den Metaphern der Wirtschaftssprache“ diskursiven Entwicklungen Rechnung; ihr Aufsatz wurde von den HerausgeberInnen deshalb als Schlussbeitrag platziert, weil er im Sinne der X & L-Reihe an einzelnen Ausdrücken die gesellschaftliche Relevanz einzelner Ausdrücke exemplarisch repräsentiert und die zwei Hauptschwerpunkte, nämlich Diskursanalyse und Lexikologie, anschaulich in sich vereinigt.

Danksagung

Wir, die HerausgeberInnen, danken hier explizit schriftlich:

Eva Lavric und Georg Marko für ihre dieser Publikation vorausgegangenen Ideen und Arbeiten

dem Dekanat der Universität Innsbruck, dem Vizerektorat für Forschung der Universität Innsbruck und der Stiftungs- und Förderungsgesellschaft der Universität Salzburg für ihre finanzielle Unterstützung dieser Publikation

den für diese Publikation Zuständigen des Peter Lang-Verlags für deren Betreuung sowie deren organisatorische Begleitung trotz dessen Ortswechsels von Frankfurt am Main nach Berlin während der Produktionszeit dieses Bandes

unseren Beitragenden für ihre Beiträge und ihre Zusammenarbeit mit uns, in diesem Fall besonders auch für ihre Flexibilität bezüglich Veränderungen in den Anforderungen im Laufe der Produktion.

Quellen

Calderón, Marietta / Georg Marko (Hg.) (2012): Let’s Talk About (Texts About) Sex. Sexualität und Sprache. Sex and Language. Frankfurt am Main etc.: Peter Lang.

Calderón, Marietta / Georg Marko (Hg.) (2015): Religion und Sprache. Religion and Language. Frankfurt am Main etc.: Peter Lang.

Calderón, Marietta / Reinhard Heuberger / Emil Chamson (Hg.) (2017): Gesundheit & Sprache. Health & Language. Frankfurt am Main etc.: Peter Lang.

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Mark Richard Lauersdorf

‘Mobility’ and ‘borders’ in historical standard
language development

This article seeks to develop a framework for the historical sociolinguistic investigation of standard language development that extends the concepts of ‘mobility’ and ‘borders’ beyond traditional references to physical space and social status. The proposed framework is applied to the study of normalization and standardization of language varieties in situations of intense language contact over extended periods of time in the absence of a standardized, codified ‘standard language’ (or ‘roofing’ language), using as illustration the socio-historical and linguistic contexts of written language development in the Slovak-speaking territories of Central Europe during the pre-codification period (roughly the 15th–18th centuries). In discussing application of the framework, emphasis is placed on using all the data (i.e. avoiding a priori filtering of socio-historical parameters or linguistic variables) in order to arrive at a richer picture of the complete array of mechanisms and pathways, the full range of ‘mobilities’ and ‘borders’, that contribute to standard language development.

Keywords: mobility; borders; standard language development; Central Europe; historical sociolinguistics

1. Framing the discussion

The consideration of mobility as a factor in language variation and change is not new, particularly in research on language contact. The study of border effects in language change has also become common, perhaps most prominently in investigations of dialect convergence and divergence.1 In the present discussion, I seek to extend the notions of ‘mobility’ and ‘borders’ in proposing a historical sociolinguistic2 framework for the analysis of historical standard language ←13 | 14→development. The application of the proposed framework here focuses on the study of normalization and standardization of language varieties in situations of intense language contact over extended periods of time in the absence of a standardized, codified ‘standard language’ (or ‘roofing’ language) – a situation that was quite common in the Early Modern period in Western and Central Europe. The language context that I will use as illustration in applying the framework is the pre-codification period (roughly the 15th–18th centuries) in Slovakia3.

2. Mobility

2.1. ‘Mobility’ in its standard conceptualization

The term mobility, as it is commonly used in discussions of language contact, language variation, and language change, generally refers to either geographical or social mobility of speakers. This geographical and/or social mobility is of interest as it brings speakers of one language variety into contact with speakers of another variety, giving rise to opportunities for contact-induced language variation and change. Thus, the term mobility has come to be used in sociolinguistic and dialectological studies for a full spectrum of geographical movement, from daily commuting to transnational migration, and for a broad range of social movement, from daily interactions across social hierarchies to more permanent upward and downward social climbing.

Not surprisingly, these now-common concepts of geographical and social mobility are regularly considered as factors in historical sociolinguistic investigations, given the field’s focus on socio-historical parameters and their impact on language variation and change over time (see, as just one example, the articles on “migratory movements” [Schreier 2012] and on “social networks and mobility” [Conde-Silvestre 2012] in the recent Handbook of Historical Sociolinguistics [Hernández-Campoy / Conde-Silvestre 2012]).

Details

Seiten
214
ISBN (PDF)
9783631802021
ISBN (ePUB)
9783631802038
ISBN (MOBI)
9783631802045
ISBN (Hardcover)
9783631800201
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Januar)
Schlagworte
Lexikologie Diskursanalyse Soziolinguistik Historische Sprachwissenschaft Metaphernforschung Fachkommunikation
Erschienen
Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2019. 214 S., 12 s/w Abb., 12 Tab.

Biographische Angaben

Marietta Calderón Tichy (Band-Herausgeber:in) Bernadette Hofinger (Band-Herausgeber:in) Emil Chamson (Band-Herausgeber:in)

Marietta Calderón ist Sprachwissenschaftlerin am Fachbereich Romanistik der Universität Salzburg. Bernadette Hofinger ist Romanistin und Fachdidaktikerin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Emil Chamson ist Sprachwissenschaftler und Lektor am Institut für Translationswissenschaft der Universität Innsbruck. Marietta Calderón works at the Department of Romance Languages at the University of Salzburg. Bernadette Hofinger works at the Department of Romance Languages at the Ludwig-Maximilians-Universität Munich. Emil Chamson works at the Department of Translation Studies at the University of Innsbruck.

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Titel: Mobilität & Sprache / Mobility & Language