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Acta Germanica

German Studies in Africa

von Carlotta von Maltzan (Band-Herausgeber:in)
Dissertation 198 Seiten

Zusammenfassung

Der erste Teil vermittelt unterschiedliche Blickweisen auf den Schauplatz Afrika in der deutschsprachigen Literatur: von der kolonialistischen deutschen Jugend- und Abenteuerliteratur bis zum Kriegsschauplatz Omaheke, von Apartheid-Analogien in deutschen Medientexten bis zum Leben und Werk Leontine Sagans in Europa und in Südafrika. Weitere Analysen befassen sich mit Hans Christoph Buchs Sansibar Blues und Dürrenmatts fast unbekanntem Text «Die Virusepidemie in Südafrika». Der zweite Teil versammelt allgemeine Beiträge zu Goethes «Iphigenie auf Tauris», Christoph Schlingensiefs Wiener Kunstaktion Container aus dem Jahr 2000, Benjamin von Stuckrad-Barres Roman «Panikherz», Christian Krachts «Die Toten» sowie Thea Dorns Theaterstück «Marleni. Preußische Diven blond wie Stahl». Eine Untersuchung zur vernachlässigten Dimension der Leiblichkeit im interkulturellen Fremdsprachenlernen und ein Interview mit der österreichischen Autorin Gerhild Steinbuch beschließen den Band.
The first part conveys differing perspectives of Africa in German literature: from colonial German youth and adventure literature to Omaheke as a place of war, from apartheid analogies in German media texts to the life and work of Leontine Sagan in Europe and South Africa. Further contributions present critical readings of Hans Christoph Buch’s «Sansibar Blues» and of the almost unknown text «Die Virusepidemie in Südafrika» by Friedrich Dürrenmatt. The second part presents general contributions on Goethe’s «Iphigenie auf Tauris», Christoph Schlingensief’s Viennese art action Container in the year 2000, Benjamin von Stuckrad-Barre’s novel «Panikherz», Christian Kracht’s «Die Toten» and Thea Dorn’s play «Marleni. Preuβsche Diven blond wie Stahl». An investigation of the neglected dimension of corporeality in intercultural foreign language learning and an interview with the Austrian author Gerhild Steinbuch conclude the volume.

Inhaltsverzeichnis

  • Cover
  • Titel / Title
  • Copyright
  • Über das Buch / About the book
  • Zitierfähigkeit des eBooks / This eBook can be cited
  • Inhalt / Contents
  • Editorial (Carlotta von Maltzan)
  • Afrika schreiben / Writing Africa
  • Versprechen im inneren Afrika. Die Schauplätze von Schatzsuchen in der kolonialistischen deutschen Jugend- und Abenteuerliteratur (ca. 1880-1940) (Florian Krobb)
  • Kriegs-Schau-Platz Omaheke: Multiple Perspektiven auf den Völkermord an den Herero (Katharina von Hammerstein)
  • “Race” and Nationhood in Friedrich Dürrenmatt’s Die Virusepidemie in Südafrika (Jacomien van Niekerk / Waldo Grové)
  • Heinrich Brode alias Tippu Tip. Hans Christoph Buchs Sansibar Blues als kritische Relektüre von Heinrich Brodes Biographie über Tippu Tip (Bastian Lasse)
  • Sprach- und Geschichtsgebrauch. Apartheid-Analogien in deutschen Medientexten nach 1994 (Magnus P. Ängsal)
  • Leontine Sagans Filmdebüt Mädchen in Uniform (1931) im Urteil der südafrikanischen Presse (Michael Eckardt)
  • Allgemeine Beiträge / General Contributions to German Studies
  • Iphigenie als Ikone weißer Weiblichkeit. Schauplatz der Kulturen in Goethes Iphigenie auf Tauris (Magdalena Kißling)
  • Thea Dorn’s Marleni: Preußische Diven blond wie Stahl: Revisioning Marlene Dietrich and Leni Riefenstahl (Barbara Kosta)
  • Gegenkulturelle Entgrenzung des theatralen Schauplatzes. Schlingensiefs Container (Koku G. Nonoa)
  • Leiblichkeit im interkulturellen Fremdsprachenlernen. Eine vernachlässigte Dimension (Arnd Witte)
  • Schauplätze der Krise. Linguistische Überlegungen zu Benjamin von Stuckrad-Barres Panikherz (Michael Szurawitzki)
  • Die Inszenierung des Ichs. Eine Lacansche Sicht auf Christian Krachts Die Toten (2016) (Cilliers van den Berg)
  • Interview
  • Was die Sprache redet und was der Körper sagt. Gerhild Steinbuch im Gespräch mit Stephan Mühr
  • Buchbesprechungen / Book Reviews
  • Fremdheit und Interkulturalität. Aspekte kultureller Pluralität. Herausgegeben von Andreas Rauh. Bielefeld: transcript Verlag 2017 (Maria Aleff)
  • Literatur als Palimpsest. Postkoloniale Ästhetik im deutschsprachigen Roman der Gegenwart. Von Julian Osthues. Bielefeld: transcript Verlag 2017 (Kira Schmidt)
  • Der heilige Bruno. Die unglaubliche Geschichte meines Urgroßvaters am Kilimandscharo. Von Tillmann Prüfer, 2. Auflage. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2015 (Gunther Pakendorf)
  • Notes on Contributors

Editorial

Wie bei jeder allgemeinen Mitgliederversammlung des Germanistenverbandes im südlichen Afrika (SAGV) üblich, wurde auch 2015 in Windhoek der nächste Tagungsort festgelegt. Die 28. Tagung vom 10.-12. April 2017 sollte an der University of Cape Town (UCT) stattfinden. Doch zum ersten Mal seit dem Ende der Apartheid 1994 gab es Proteste von Studierenden, die mit der Initiative ‚Rhodes must Fall‘ und der Forderung, das Denkmal des Kolonisators Cecil John Rhodes vom Campus der UCT zu entfernen, am 9. März 2015 begannen, und sich auf landesweite, anhaltende Proteste gegen Studiengebühren und den Anspruch universitäre Curricula zu dekolonisieren ausweiteten. In Folge der Proteste sah sich die UCT gezwungen, die Semesterzeiten für das Jahr 2017 anzupassen, was dazu führte, dass die Räumlichkeiten der Universität für die geplante Tagung des SAGV nicht mehr zur Verfügung standen. So wurde kurzfristig beschlossen die Konferenz an die Universität Stellenbosch zu verlegen. Dort trafen sich Germanist/innen aus Afrika, Europa, Nordamerika und Asien, um über das Leitthema „Schauplätze – Schauspiele“ zu debattieren. Viele der Beiträge in diesem Band sind aus dieser Tagung hervorgegangen.

Der erste Teil vermittelt unterschiedliche Blickweisen auf den Schauplatz Afrika. Einer Untersuchung der Schauplätze von Schatzsuchen in der kolonialistischen deutschen Jugend- und Abenteuerliteratur zwischen ca. 1880 und 1940 folgt eine Analyse des Kriegsschauplatzes Omaheke und der multiplen Perspektiven auf den Völkermord an den Herero. Weitere Beiträge befassen sich mit Apartheid-Analogien in deutschen Medientexten nach 1994, dem Leben und Werk von Leontine Sagan in Europa und in Südafrika und Hans Christoph Buchs Sansibar Blues als kritische Verarbeitung von Heinrich Brodes Biographie über Tippu Tip. Außerdem wird der fast unbekannte Text Die Virusepidemie in Südafrika von Friedrich Dürrenmatt vorgestellt und kritisch analysiert.

Im zweiten Teil finden sich eine neue Lesart von Goethes Iphigenie auf Tauris, in der Iphigenie als Ikone weißer Weiblichkeit gedeutet wird, ein Beitrag über Christoph Schlingensiefs Wiener Kunstaktion Container aus dem Jahr 2000, eine linguistische Analyse von Benjamin von Stuckrad-Barres Roman Panikherz, eine Lacansche Sicht auf Christian Krachts neuesten Roman Die Toten, eine kritische Auseinandersetzung mit Thea Dorns Theaterstück Marleni. Preußische Diven blond wie Stahl, in dem Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl neu betrachtet werden, sowie eine Untersuchung zur vernachlässigten Dimension der Leiblichkeit im interkulturellen Fremdsprachenlernen. Ein Interview mit der österreichischen Autorin Gerhild Steinbuch beschließt den Band.

Carlotta von Maltzan Stellenbosch im September 2017

Editorial

In 2015 in Windhoek, as is customary, the Annual General Meeting of the Association for German Studies in Southern Africa (SAGV), chose the venue for the next conference. The 28th conference from 10 – 12 April 2017 was meant to take place at the University of Cape Town (UCT). For the first time since the end of apartheid in 1994, student protests, which commenced on 9 March 2015 with the movement “Rhodes must Fall” and the demand to remove the statue of the coloniser Cecil John Rhodes from UCT campus, led to protracted, country-wide protests against tuition fees and the demand for decolonising curricula at universities. Because of protest action, UCT was forced to alter semester dates for 2017 so that university venues for the planned SAGV conference were no longer available. Thus, it was decided at short notice to move the conference to the University of Stellenbosch. Germanists from Africa, Europe, North America and Asia met there to debate the topic “Schauplätze – Schauspiele”. Many of the contributions in this volume originate from this conference.

The first part conveys differing perspectives of Africa. An examination of sites of treasure hunts in colonial German youth and adventure literature between ca. 1880 and 1940 is followed by an analysis of the Omaheke as a place of war and the multiple perspectives on the Herero genocide. Further contributions investigate apartheid analogies in German media texts post 1994, the life and work of Leontine Sagan in Europe and South Africa as well as Hans Christoph Buch’s Sansibar Blues as a critical rereading of Heinrich Brode’s biography of Tippu Tip. In addition, the almost unknown text Die Virusepidemie in Südafrika by Friedrich Dürrenmatt is introduced and analysed.

The second part presents a new reading of Goethe’s Iphigenie auf Tauris in which Iphigenia is interpreted as an icon of white femininity, a critical assessment of Christoph Schlingensief’s Viennese art action Container in the year 2000, a linguistic analysis of Benjamin von Stuckrad-Barre’s novel Panikherz, and a Lacanian reading of Christian Kracht’s latest novel Die Toten. Other contributions include a discussion of Thea Dorn’s play Marleni. Preuβsche Diven blond wie Stahl, where Marlene Dietrich and Leni Riefenstahl are critically revisited, and an investigation of the neglected dimension of corporeality in intercultural foreign language learning. An interview with the Austrian author Gerhild Steinbuch concludes the volume.

Versprechen im inneren Afrika

Die Schauplätze von Schatzsuchen in der kolonialistischen deutschen Jugend- und Abenteuerliteratur (ca. 1880-1940)

FLORIAN KROBB

National University of Ireland Maynooth / Stellenbosch University

Abstract

Treasure hunts, though widespread in European and indeed German literature from the last decades of the nineteenth century onwards, have rarely been studied as an intriguing discursive site for the debate of social concerns and cultural values. This article looks at German adventure literature for young readers in which treasures are sought and found in Africa. During many plots, Africa itself, and the German mastery of this colonial space, are constructed as metaphorical ‘treasures’, and the stories serve as manuals for German colonialism.

Title: Promises in innermost Africa: The locations of treasure quests in colonialist German adventure literature for young readers, c. 1880-1940

Keywords: Youth literature, adventure literature, treasure quest, Africa, colonialism

Was ein Schatz ist, definiert sich tautologisch: Ein Schatz ist, was man schätzt, als schätzenswert, also begehrenswert, erwerbenswert, besitzenswert und schließlich erhaltenswert bestimmt. In dem, was eine Kultur als Schatz designiert, definiert umgekehrt diese Kultur ihre Werte und damit das, was sie ihrer Selbsteinschätzung nach ausmacht. Gleiches gilt für Individuen, die sich in dieser Hinsicht dann im Einklang oder Widerspruch zu ihrer Bezugskultur befinden können, indem sie sich entweder einer Mehrheitsmeinung anschließen oder gegen diese bestimmen, was ihnen als schätzenswert gilt. Der Begriff Schatz kann einen konkreten materiellen und einen abstrakten, metaphorischen Wert bezeichnen. In dieser Gleichung steht oft das eine für das andere ein, denn das mit einem Schatz assoziierte Kapital kann sich in geistigen, sozialen oder moralischen Szenarien ausprägen oder beweisen. Das eine kann das andere bedeuten, ermöglichen oder repräsentieren; auch metaphorische, symbolische und spirituelle Schätze treten oft in physischer Gestalt auf (Gral, Stein der Weisen), der Exzeptionalität, Schönheit oder materieller Wert innewohnt. Materiellen und physischen Reichtümern kann andersherum ein ideeller Wert zukommen. Das Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm (1893:2274-2279) definiert Schatz „in jetzigem gebrauch“ als „eine menge von kostbarkeiten, kleinodien u.s.w.“, „verborgen und gefunden“, von „wert und wichtigkeit für den menschen“, „als gegenstand der sorgfalt und vorsichtigen aufbewahrung“, dann „bildlich, von andern dingen hochgeschätzter, reicher vorrat“, „sinnbildlich, höchstes gut, grösstes glück, liebster gegenstand“, und schließlich „besonders von personen gebraucht, so viel als liebster, liebste“. In der Tat ist „Schatz“ mit fast einem Drittel heutzutage der bei weitem meistverwendete Kosename im Deutschen (befragmich.de 2013:6).

Acta Germanica Bd. / Vol. 45, 2017: 9-28 ← 9 | 10 →

Im Gegensatz etwa zur Blauen Blume der Romantik indiziert der Begriff Schatz beide Dimensionen: die physische Gestalt des Findenswerten, Aneignenswerten und Bewahrenswerten sowie eine idealistische oder metaphysische Bedeutung des Schätzenswerten im Sinne etwa von Lebenssinn oder Erkenntnis. Die Zuschreibung von Werthaftigkeit kann sich mithin aus innerweltlichen Zusammenhängen erklären oder aus transzendentalen Einsichten abgeleitet sein; das übertragene Bedeutungspotenzial prädestiniert den Begriff zur religiösen Verwendung als Metapher für die Gott- und Welterkenntnis, für Wiedervereinigung mit einer verlorenen Einheit, ja für Erlösung aus Zeitlichkeit und sonstiger Kontingenz (Waltner-Kallfelz 1993). Der Besitz des Schatzes ermöglicht oder eröffnet diesseitig und jenseitig ein besseres Leben – oder verführt zum Missbrauch der Möglichkeiten, die sein Erwerb eröffnet.

Schatzsuche-Koordinaten

Biographische Angaben

Carlotta von Maltzan (Band-Herausgeber:in)

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Titel: Acta Germanica