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Afrikabilder. Das «Eigene» und das «Andere» in ausgewählten Erzählungen der postkolonialen frankophonen Literatur und (postkolonialen) deutschsprachigen Gegenwartsliteratur

Konstruktion – Dekonstruktion – Rekonstruktion

von Adou Fabrice Achi (Autor:in)
©2026 Dissertation 422 Seiten

Zusammenfassung

Wie entstehen Bilder von Afrika – und wie lassen sie sich wieder aufbrechen? Das Buch untersucht die komplexen Begegnungsräume zwischen dem Eigenen und dem Anderen in der Interaktion. Afrikanische Wirklichkeiten werden – perspektivisch – in ausgewählten Erzählungen der postkolonialen frankofonen Literatur und der (postkolonialen) deutschsprachigen Gegenwartsliteratur verhandelt. Im Zentrum steht die dreifache Bewegung von Konstruktion, Dekonstruktion und Rekonstruktion: Wie formen literarische Texte Afrikabilder? Wie unterlaufen Autorinnen und Autoren koloniale Denkmuster? Eröffnen sich neue Perspektiven, wenn literarische Stimmen die Grenzen kultureller Zuschreibungen verschieben? Die Studie zeigt auf, wie Erzählungen zu Orten werden, an denen Identität, Erinnerung und kulturelle Imagination neu ausgehandelt werden. Sie ist damit ein Beitrag zum Verständnis postkolonialer Literaturen und ihrer Visionen für ein differenzierteres, vielstimmiges Bild Afrikas.

Inhaltsverzeichnis

  • Abdeckung
  • Titelblatt
  • Copyright-Seite
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis
  • Tabellenverzeichnis
  • Siglenverzeichnis
  • Danksagung
  • Zusammenfassung
  • Abstract
  • Résumé
  • Kapitel I Einleitende Überlegungen
  • 1. Situierung der Arbeit
  • 2. Forschungsfragen und Zielsetzungen
  • 3. Forschungsdesign
  • 3.1. Imagologie
  • 3.2. Thematologie
  • 3.3. Postcolonial Studies (Postkoloniale Studien)
  • 4. Forschungshypothesen und Prognosen
  • 5. Korpus: Begründung der Textauswahl
  • 6. Gliederung der Arbeit
  • Kapitel II Überblicke Und Allgemeines
  • 1. Forschungsstand
  • 2. Afrikabild und Afrikadiskurs: Überblicke
  • 2.1. Zum Afrikabild: eine historisch tradierte Konstruktion?
  • 2.2. Joseph Ki-Zerbo und seine Afrika-Vorstellung
  • 2.3. Cheikh Anta Diop und der Afrozentrismus
  • 2.4. Der Afrikadiskurs im deutschsprachigen Kontext
  • 2.5. Medien und Konstruktion von „Afrika-Bildern“ im europäischen Kontext
  • 2.6. Krise der Repräsentation
  • 3. Grundrisse forschungsrelevanter Termini
  • 3.1. Zur (Re-)Präsentation des Identitätsbegriffs
  • 3.1.1. Identität und Heimat
  • 3.1.2. Fremdheit und Exotismus
  • 3.2. Konstruktion des „Eigenen“ und des „Anderen“
  • 3.3. Stereotype: Fremd- bzw. Feindbilder, Vorurteile oder Klischeevorstellung
  • 3.4. Ethnizität, Rasse und Rassismus
  • 3.5. Zum Afrozentrismus: Allgemeines
  • 3.5.1. Der Panafrikanismus
  • 3.5.2. Die Négritude-Bewegung
  • 3.5.3. Von der Négritude zur Migritude
  • 3.5.4. Exkurs I: Zur Stereotypisierung, zur Kategorisierung und zum Rassismus
  • Kapitel III Historische Rückblende: Kulturgeschichte und Literaturgeschichte
  • A. Kulturgeschichte
  • 1. Afrika durch das Mittelalter
  • 1.1. Zeitreise in die Antike Afrikas und Europas
  • 1.2. Das Ghana-Reich
  • 1.3. Das Mali-Reich
  • 1.3.1. Politische Struktur
  • 1.3.2. Weitere Strukturen des Reiches
  • 1.3.3. Militärische Stärke und Niedergang
  • 1.4. Das Songhai-Reich
  • 1.4.1. Herrschaften
  • 1.4.2. Strukturen und Niedergang des Songhai-Reiches
  • 1.5. Regionale Königreiche und die „Neuzeit“ in Afrika
  • 2. Fremdherrschaften und Kolonialismus
  • 3. Postkolonialismus und Unabhängigkeit
  • 4. Zur Dekolonisation: Überschwang des Neubeginns?
  • B. Literaturgeschichte
  • 5. Allgemeine Kontextualisierung
  • 6. Afrikanische Literatur in Schriftform
  • 7. Mündlichkeit und ihre Formen in der afrikanischen Literatur?
  • 8. Exkurs II: Der postkoloniale Blick heute
  • Kapitel IV Theoretische Horizonte: Philosophie, Literatur und Theorien
  • 1. Philosophische Ansätze
  • 1.1. Zur Diskurstheorie
  • 1.2. Diskurstheorie in Bezug auf Afrika
  • 1.3. Zur Dekonstruktionstheorie
  • 2. Literaturansätze und Literaturtheorien
  • 2.1. Ansätze der Postkolonialität
  • 2.2. Afrikanische Literatur und Postcolonial Studies: eine Korrelation?
  • 3. Gattungstheorie: Epik als Literaturauswahl
  • 3.1. Roman und Novelle
  • 3.2. Romane als Populärliteratur oder Elitärliteratur?
  • 3.3. Der Protest- und Bildungsroman im afrikanischen Kontext
  • Kapitel V Exemplarische Analysen
  • A. Frankofone Literatur: Afrikabilder in den ausgewählten Erzählungen
  • 1. Afrika aus negroafrikanischer Sicht (afrikanische Perspektive): Les soleils des Indépendances (1970) / Der schwarze Fürst (1980) von Ahmadou Kourouma
  • 1.1. Allgemeine Charakteristika
  • 1.2. Probleme
  • 1.3. Übersetzung und Transfer (Interferenzen)
  • 1.4. Zeitliche Ebene
  • 1.5. Umgebung: Tradition und Moderne
  • 1.5.1. Zum Umfeld des Habitus (Trauer und Feierlichkeiten)
  • 1.5.2. Umfeld zwischen Exotik und Wildnis
  • 1.6. Soziale Organisation und Umbrüche
  • 1.6.1. Heimat zwischen Kolonisierung und Armut
  • 1.6.2. Postkoloniale Zeit
  • 1.6.3. Die Sonnen der Politik / die Sonnen der Unabhängigkeiten
  • 1.6.4. Der Respekt im afrikanischen Sinne
  • 1.7. Soziale Praktiken
  • 1.7.1. Zur Beschneidung
  • 1.7.2. Zur Verheiratung und Ehe
  • 1.7.3. Geschlechterrollen
  • 1.8. Religion
  • 1.8.1. Glaube
  • 1.8.2. Zwischen Animismus/Fetischanbetung und Islam
  • 1.9. Zur Sprache
  • 1.9.1. Tabelle für die Analyse der Sprache (Tabelle 2)
  • 1.9.2. Zur Interpretation der Sprache: Stil und Inhalt
  • a) Grammatische Beispiele mit einigen Verben: „finir“/„assoeir“/„coucher“ oder „marier“
  • b) Stehende Redewendungen/Idioms
  • 1.9.3. Weitere Beispielsätze
  • a) Neologismus (Tabelle 3)
  • b) Rhetorik durch Analogien und Vergleiche (Tabelle 4)
  • c) Sprüche und Sprichwörter als Rhetorik und Volksweisheit (Tabelle 5)
  • 1.9.4. Mündlichkeitsbilder
  • 1.10. Zum Autor und seinem Roman
  • 2. Afrika aus afrikanisch-europäischer Perspektive: L’Aventure ambiguë / Der Zwiespalt des Samba Diallo von Cheikh Hamidou Kane
  • 2.1. Allgemeine Charakteristika
  • 2.2. Figurenkonstellation
  • 2.3. Problemkonstellation
  • 2.4. Zeitliche Ebene (Zeitdimension)
  • 2.5. Religion und Glaube
  • 2.6. Umbruch in ganz Afrika
  • 2.6.1. Anspielung auf die französische Kolonialherrschaft
  • 2.6.2. Der deutsche Kolonialismus: ein Kontrast?
  • 2.7. Umgebung: Tradition und Moderne
  • 2.7.1. Umbrüche als zivilisatorische bzw. soziokulturelle Mutationen
  • 2.7.2. Kontrastive Ideologien: Ein Bild der Verwestlichung Afrikas?
  • 2.8. Zwischen Identität, Integration und Transkulturalität
  • 2.9. Werte und Glück
  • 2.10. Sprache
  • 2.11. Zum Autor und seinem Roman
  • 2.12. Zwischenfazit: Fremd- und Selbstbilder aus dem frankofonen postkolonialen Literaturkorpus
  • B. Kontextualisierung des Afrikabildes in der deutschen bzw. deutschsprachigen Literatur
  • 3. Afrika aus afrodeutscher Perspektive: die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle von Sharon Dodua Otto
  • 3.1. Allgemeine Charakteristika
  • 3.2. Figurenkonstellation
  • 3.3. Problemkonstellation
  • 3.4. Kulturkonflikt: zwischen Tradition und Modernsimus?
  • 3.5. Soziale Umbrüche
  • 3.5.1. Identität und Heimatsgefühl
  • 3.5.2. Konzept der Integration
  • 3.6. Soziale Praktiken/Abenteuer
  • 3.6.1. Ehe und Geschlechterrolle
  • 3.6.2. Afrikabilder am Beispiel von Ghana
  • 3.6.3. Europabilder am Beispiel von Deutschland
  • 3.7. Zur Autorin und ihrer Novelle
  • 4. Afrika aus deutsch-eurozentrischer Perspektive: Usambara von Christof Hamann
  • 4.1. Allgemeine Charakteristika
  • 4.2. Zeitliche und räumliche Ebene
  • 4.3. Problemkonstellation
  • 4.4. Figurenkonstellation
  • 4.5. Afrikabilder: Umgebung und Lebensraum
  • 4.5.1. Ein Abenteuer in der Wildnis
  • 4.5.2. Lebensraum: Infrastruktur bzw. Anlagen und Gewohnheiten
  • 4.6. Die Exotik bzw. das Fremde
  • 4.7. Das Bild der Einheimischen (Anderen)
  • 4.7.1. Der Araber
  • 4.7.2. Der Inder
  • 4.7.3. „Der Schwarze“ (Afrikaner)
  • 4.7.4. Das Fremde: eine kritische Auseinandersetzung
  • 4.8. Umbrüche: wirtschaftliche und machtpolitische Dimension
  • 4.8.1. Wirtschaft durch Plünderung und Ausbeutung
  • 4.8.2. Machtpolitik und Suprematiediskurs
  • 4.9. „Kilimandscharo Benefit Run“ oder die Aufarbeitung der Afrikabilder?
  • 4.9.1. Der Kilimandscharo Benefit Run
  • 4.9.2. Ein aktualisiertes/r Afrikabild und -diskurs?
  • 4.10. Zum Autor und seinem Roman
  • 4.11. Zusammenfassende Analyse: Unterschiede, vergleichende Bilder und Signale aus einem deutsch-eurozentrischen Narrativ
  • 5. Vergleichendes Zwischenresümee
  • 5.1. Analytisch-chronologische Darstellung
  • 5.2. Gemeinsamkeiten und Unterschiede
  • Kapitel VI Afrikabilder: Qual oder Chancen von Umbrüchen?
  • 1. Reflexionen über das koloniale Vermächtnis
  • 1.1. Historischer Blick
  • 1.2. Literatur- und kulturwissenschaftliche Auseinandersetzung
  • 1.3. Zusammenfassung
  • 2. Literatur und Literaturwissenschaft: Afrikabilder und -diskurs im westlichen Raum
  • 2.1. Entwicklung des Afrikadiskurses im deutschsprachigen Raum
  • 2.1.1. Literarische Repräsentation
  • 2.1.2. Rezeption – Resonanz – Kritik
  • 2.2. Entwicklung des Afrikadiskurses im französischen / französischsprachigen Raum
  • 2.2.1. Literarische Repräsentation
  • 2.2.2. Resonanz, Rezeption und Kritiken
  • a) Fall der frankofonen Karibik (Césaire, Fanon, Glissant)
  • b) Fall vom frankofonen Afrika (Senghor, Tchicaya, Mbembé)
  • c) Die französisch-westliche Tendenz (Chevrier, Moura, Treffel)
  • 2.3. Was ist Kanon in der Literatur?
  • Kapitel VII Fazit
  • 1. Schlussbetrachtung
  • 2. Ausblick
  • Literaturverzeichnis

Siglenverzeichnis

AGG:

das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz

AK:

Ahmadou Kourouma

CH:

Christof Hamann

CHK:

Cheikh Hamidou Kane

et al:

und andere

f.:

folgend

GG:

Das Grundgesetz

Hg.:

Herausgeber

H-Wort:

Haus/Hütte

Jh.:

Jahrhundert

M-Wort:

Mord

N-Wort:

Neger

o. J:

ohne Jahr

Puf:

Presse universitaire de France

R-Wort:

Rassismus

SDO:

Sharon Dodua Otoo

Vgl.:

vergleiche

Danksagung

Remerciements à la Divine Providence et à tous ceux qui me sont chers.

Meiner Doktormutter, Frau Prof.in Dr. Christine Lubkoll, bin ich zu herzlichem Dank verpflichtet. Sie hat mich mit Unterstützung allerlei Arten während meiner verschiedenen Aufenthalte in Garmisch-Partenkirchen, Wasserburg am Inn und München begleitet und mir auch mit stetigem Coaching bei der Entstehung der vorliegenden Arbeit den Rücken gestärkt.

Dem Evangelischen Studienwerk Villigst möchte ich meine Dankbarkeit für die Gewährung eines Promotionsstipendiums ausdrücken.

Meinem Zweitgutachter und übrigens auch dem Betreuer meiner Masterarbeit, Herrn Prof. Dr. Paul N’guessan-Béchié, danke ich auch herzlich für seine Bereitschaft, mich im Rahmen der Stipendienbewerbung und des Promotionsverfahrens zu begutachten.

Meine Danksagung gilt auch jeweils Herrn Prof. Dr. Specht und Frau Dr. Fekadu-Utoff für meine Aufnahme in ihre lehrreichen Lehrveranstaltungen an der FAU und LMU.

Zu guter Letzt danke ich ebenfalls auch meiner ganzen Familie und der Familie Stahl in München für die Kraft und moralische Unterstützung. Nicht vergessen soll Sigurd Jennerjahn sein, der Impulsgeber des vorliegenden Forschungsthemas.

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit befasst sich im Wesentlichen mit den Erscheinungsformen von Afrika (Bilder und Diskurse) im Rahmen der diskursiven Konstruktion des „Eigenen“ und des „Anderen“ in der Literatur. Ich gehe von der Annahme aus, dass Afrikabilder seit der über vierhundertjährigen Begegnung mit Europa noch jetzt stark verzerrt sind. Der Kontinent „Afrika“ unterliegt deshalb vielen negativen Vorurteilen und Assoziationen – Archetypen mit einem oft überholten oder herabwürdigenden Narrativ. Dafür wird in der vorliegenden Dissertation zuallererst ein historisch-politischer und kulturwissenschaftlicher Überblick über die Ausprägung des Afrikabildes als historisch tradierte Konstruktion und die mediale Dimension der Auseinandersetzung mit Subsahara-Afrika sorgfältig herausgearbeitet. Diese Darstellung bildet den Auftakt zur Debatte über den Afrikadiskurs im Westen – mit besonderem Fokus auf Deutschland – seit der Kolonialzeit einerseits und die Positionierung von afrikanischen Geisteswissenschaftlern andererseits. In meiner wissenschaftlichen Beweisführung versuche ich, ein klares Bild über die Vergangenheit Subsahara – Afrikas zu vermitteln, indem die afrikanische Entwicklung des Mittelalters prägnant ab dem 5. Jahrhundert n. Chr. – seit den Imperien des Nigerbogens über die Neuzeit bis hin zum Kolonialismus – als historische Grundlage zusammengefasst wird.

Mit der (postkolonialen) germanofonen und frankofonen Primärliteratur wird anhand von vier Erzähltexten bezweckt, mithilfe von imagologischen und thematologischen Ansätzen sowie auch mit Ansätzen der Postcolonial Studies die Entwicklung der literarischen Afrika-Inszenierung über Raum und Zeit hinweg zu analysieren, dabei Topoi über die afrikanische Ferne in der Vorstellungswelt und Literatur zu interpretieren und schließlich zur Haltungsrevision des „Anderen“ aufzufordern. Genauer genommen setzte ich mich mit zwei frankofonen postkolonialen Romanen auseinander: Der Zwiespalt des Samba Diallo (1980) von Cheikh Hamidou Kane und Der schwarze Fürst (1980) von Ahmadou Kourouma. Danach analysiere ich deutschsprachige Texte von Christof Hamann, Usambara (2007) und die dinge, die ich höre, während ich höflich lächele (2017; Orig. 2012) von Sharon Dodua Otoo. Abschließend reflektiere ich die aus der frankofonen postkolonialen Literatur sich herauskristallisierenden Bilder bzw. Einschätzungen des Kolonialismus (C. H. Kane) und Postkolonialismus (A. Kourouma) sowie der damit zusammenhängenden verheerenden Umbrüche in Afrika. Die deutschsprachige Gegenwartsliteratur weist ihrerseits eine Erinnerungsarbeit bzw. ein Rewriting der deutschen Kolonialliteratur auf, mit einer bewusst klischeehaften Inszenierung (etwa bei C. Hamann) und der Betrachtung von Migrationsströmen und Integrationsprozessen Schwarzer Menschen in der westlichen Mehrheitsgesellschaft (bei S. D. Otoo).

Schlagwörter: Afrikabilder, Postkolonialität, Postmigration, Kulturgemisch, Afrozentrismus, Identität-Alterität.

Abstract

In this thesis, I am essentially concerned with the manifestations of Africa (images and discourses) in the context of the discursive construction of the “own” and the “other” in literature. I started from the assumption that images of Africa are still heavily distorted after more than four hundred years of encounter with Europe. The continent of “Africa” is therefore subject to many negative preconceptions and associations—archetypes with an often outdated or demeaning narrative. To this end, this dissertation first of all provides a historical-political and cultural-scientific overview of the perception of Africa as a historically traditional construction and the media dimension of the debate on Africa in general. This presentation is the prelude to the debate on the discourse on Africa in the West—with a special focus on Germany—since the colonial era on the one hand and the positioning of African humanities scholars on the other. In my scientific argumentation, I have attempted to provide a clear picture of sub-Saharan Africa’s past by concise summarising African medieval development from the 5th century AD—from the empires of the Niger Arc, through the modern period to colonialism—as a historical foundation.

With the (postcolonial) Germanophone and Francophone primary literature based on four narrative texts, the aim was to use imagological, thematological (thematics) and postcolonial studies approaches to analyse the development of the literary staging of Africa through space and time and to interpret topoi about African distance in the imaginary world of the “average” and literature, ultimately in order to call for a revision of the “others”. More specifically, I analyse two francophone postcolonial novels, namely Der Zwiespalt des Samba Diallo (1980) by Cheikh Hamidou Kane and Der schwarze Fürst (1980) by Ahmadou Kourouma. I then analyse the German-language texts by Christof Hamann Sharon Usambra (2007) and by Sharon Dodua Otoo the things i am thinking while smiling politely (Original 2012). I conclude images of colonialism (C. H. Kane), postcolonialism (A. Kourouma) and the associated devastating upheavals in Africa from Francophone postcolonial literature. Contemporary German literature, for its part, shows a remembrance work or a rewriting of German colonial literature, with a clichéd staging (for example in C. Hamann) and the consideration of migration flows and integration processes of black people in the western majority society (in S. D. Otoo).

Keywords: images of Africa, postcoloniality, postmigration, cultural mixture, afrocentrism, identity-alterity.

Résumé

Dans ce travail, nous nous sommes évertués à traiter en substance la question des formes sous lesquelles se présente l’Afrique (images et discours) dans le cadre d’une construction discursive du « Même » et de « l’Autre » dans la littérature. Pour ce faire, nous sommes partis du simple constat que les images de l’Afrique sont de grâce encore fortement déformées depuis la rencontre avec l’Europe qui compte aujourd’hui plus de quatre siècles à son actif. Le continent africain est donc soumis à de nombreux préjugés et associations négatifs basés sur des archétypes d’un seul et même narratif jugé souvent caduque, désobligeant et condescendant. Pour cela, nous présentons de prime à bord un aperçu historico-politique et culturel de l’expression de l’image de l’Afrique en tant que construction historiquement transmise. Aussi, soulignons-nous la dimension médiatique de la confrontation avec l’Afrique en général qui comme suivant sa feuille de route a bien été élaborée. Cette Représentation a été le prélude de notre argumentation au débat concernant le discours sur l’Afrique en Occident – en l’occurrence l’Allemagne – depuis l’époque coloniale d’une part et sur le positionnement de certains chercheurs Africains en sciences humaines en réaction à celle-ci d’autre part. Dans notre argumentaire, nous nous attelons à présenter scientifiquement une image claire du passé de l’Afrique en mesurant de manière concise l’évolution de l’Afrique subsaharienne à partir 5ème siècle après J. C. – depuis la naissance et le déclin des empires de la boucle du Niger, en passant par les Temps Modernes jusqu’au colonialisme – comme fondement historique.

À travers les littératures (postcoloniales) germanophone et francophone au support de quatre textes narratifs, il s’agit d’analyser l’évolution de la mise en scène littéraire de l’Afrique à travers l’espace et le temps, d’interpréter les images typées sur l’Afrique dans la littérature et l’imaginaire général à l’aide d’approches d’imagologie, de thématologie et postcoloniales, en vue d’inviter à une révision d’attitude dans la perception de l’altérité voire l’autreté. Plus précisément, nous nous sommes penchés sur deux romans postcoloniaux francophones, à savoir L’Aventure ambiguë (1961) de Cheikh Hamidou Kane et Les soleils des Indépendances (1970) d’Ahmadou Kourouma. Ensuite, nous avons analysé les textes de la littérature germanophone de Christof Hamann Usambara (2007) et de Sharon Dodua Otoo die dinge, die ich höre, während ich höflich lächele (2017). En conclusion, nous avons relevé dans la littérature postcoloniale francophone des images du colonialisme (cf. C. H. Kane) et du post-colonialisme (cf. A. Kourouma) ainsi que de grands bouleversements liés à ces époques en Afrique. La littérature contemporaine d’expression allemande caricature d’une part l’entreprise coloniale en Afrique (de l’est) en vue d’un travail de mémoire ou de re-écriture du discours colonial allemand d’antan beaucoup trop suffisant et irréprochable (cf. C. Hamann). D’autre part, les flux migratoires et le processus d’intégration des hommes de couleur dans la société occidentale majoritairement blanche (cf. S. D. Otoo) sont mis à nu.

Mots-clés: images de l’Afrique, postcolonialité, postmigration, brassage culturel, afrocentrisme, identité et altérité.

Kapitel I Einleitende Überlegungen

Die Geschichte Afrikas ist von Fremdzuschreibungen geprägt. Sie wird in Narrativen erzählt, die Afrika mit Stereotypen belegen. Generell sind die Informationen aus dem Narrativ über diesen Kontinent mit negativen Assoziationen verbunden. Diese Assoziationen und Zuschreibungen vermitteln Bilder, die – so M. Moustapha Diallo– „eine lange Tradition haben, und daran hat die Literatur großen Anteil. Diese Tradition ist bekanntlich von Rassismus und verzerrter Darstellung geprägt […].“1 Daher spiegeln Bilder über Afrika in Belletristik und Sachbüchern klischeehafte Interpretationen Außenstehender wider. Man gewinnt als Afrikaner den Eindruck, dass unter den Geschichts- und Kulturtraditionen aller Kulturräume nur die von Afrika von Dritten verschriftlicht wurden, wobei die betreffenden Geschichtsschreiber diesen Kontinent vermeintlich geschichtslos vorfanden. Im Namen der Versklavung und darauffolgenden Zivilisierungsmission und heute des Neokolonialismus hat Afrika viele Formen von Barbarei und Ungerechtigkeit erlitten, nämlich eine gefälschte Geschichte, eine angegriffene Kultur, ausgelöschte Sprachen, die Zerstörung der Länder bzw. ihrer Wirtschaft sowie die Deportation und Ausrottung von Kindern.2

Die pejorativen Beschreibungen und Bilder über Afrika, die einst vom transatlantischen Sklavenhandel (1536–1848) vermittelt wurden, hatten sich bereits in der Aufklärung durch einen dominierenden oder kategorisierenden Diskurs verschärft und dann später auch im Kolonialismus (1850–1960) verfestigt. Dieser Hintergrund hat einen erniedrigenden und spaltenden Diskurs über Afrika – insbesondere Subsahara-Afrika – hervorgerufen und wird heute noch in vielen Gesellschaftssphären reproduziert. In den gegenwärtigen Debatten wird stets mehr darauf hingewiesen, wie die koloniale Vergangenheit und die damit verbundenen Topoi (Zuschreibungen der Kolonisten) eine prägende Rolle gespielt und bis heute ein einseitiges und undifferenziertes Afrikabild in der westlichen Wahrnehmung und in ihrem Diskurs etabliert haben. Diese Ausgangsthese bzw. Feststellung fassen die Herausgeber von „Afrika-Bilder im Wandel?“ wie folgt zusammen:

Viele dieser Differenzen haben ihren Ursprung bereits in der Kolonialzeit und wirken bis heute nach. Durch diese Konstruktion stereotyper Bilder „Afrikas“ ist ein Diskurs über „Afrika“ entstanden, in dessen wiederholten Darstellungen und Repräsentationen ein Wissen über den als Afrika bezeichneten Raum produziert worden ist, welcher sich als geltende Wahrheiten in der okzidentalen Gesellschaft etabliert hat (Said, 1978).3

Durch Romane, Sachbücher, Zeitungen, Reportagen, Dokumentarfilme, Zeichnungen und Plakate wird Afrika hauptsächlich als „Raum des Elends“ beschrieben. Dieses Afrika ist deshalb zum Analysegegenstand von Journalisten, internationalen Ökonomen, UN-Institutionen und Nichtregierungsorganisationen avanciert. Informationen über den Kontinent werden in Zahlen und Statistiken erfasst und vor allem über die klassischen Medien weltweit verbreitet.

Afrika ist reich an Sprachen, Kultur, Kunst, Architektur, Rohstoffen und Bodenschätzen. Jedoch fällt der Kontinent angesichts der anhaltenden politischen Instabilität, unter der die wirtschaftliche Entwicklung zahlreicher afrikanischer Länder leidet, weit in seinem Weltrang zurück. Die Stereotype und die weit verbreiteten Vorurteile über Afrika haben sich deshalb in vielen Köpfen festgesetzt. Schließlich manifestiert sich in den von den Medien verbreiteten Informationen eine erhebliche Verschärfung der Disparitäten zwischen den Entwicklungs- und Industrieländern. Die von den UN verbreiteten Kennzahlen dieser Länder scheinen das okzidentale Bild Afrikas als eines Kontinents, der immer weiter ins Elend stürzt, zu bestätigen.4 Zwar wurde der Sklavenhandel abgeschafft und der Kolonialismus ist ebenfalls vielfach angeprangert und sogar als Verbrechen gegen die Menschheit verurteilt worden; die Spuren von Sklavenhandel und Kolonialismus sind aber bis heute in Afrika sichtbar. So ist etwa die heutige afrikanische Identität und Kultur ein Produkt der Verschmelzung der ursprünglichen afrikanischen Kultur mit europäischen Werten. Die Geschichte der Unterwerfung bildet deshalb den Nährboden für die Ausprägung der lokalen Schriftliteratur in Afrikas Moderne. Da Literatur nicht außerhalb der Gesellschaft entsteht und stets von den sozialen Umständen beeinflusst ist, sind gerade mit Blick auf die problematischen Verhältnisse zahlreiche literarische Texte in Afrika, im frankofonen Europa und im deutschsprachigen Raum über Afrika entstanden. Diese behandeln als Motive die Kolonisierung Afrikas und die Prozesse der Globalisierung. Außerdem entfalten sie aus ihrer jeweiligen Perspektive ein heutiges Afrikabild, das durch Identitätsprobleme, Leid, Qual und Unterentwicklung gekennzeichnet ist.

Details

Seiten
422
Erscheinungsjahr
2026
ISBN (PDF)
9783631949443
ISBN (ePUB)
9783631949450
ISBN (Hardcover)
9783631949436
DOI
10.3726/b23617
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2026 (September)
Schlagworte
Postkolonialität Postmigration Kulturgemisch Afrozentrismus Identität und Alterität
Erschienen
Berlin, Bruxelles, Chennai, Lausanne, New York, Oxford, 2026. 422 S., 2 farb. Abb., 1 s/w Abb., 5 Tab.
Produktsicherheit
Peter Lang Group AG

Biographische Angaben

Adou Fabrice Achi (Autor:in)

Adou Fabrice Achi hat Germanistik und Deutsch als Fremdsprache an der Université Félix Houphouët-Boigny in Côte d’Ivoire studiert und an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im Fach Neuere deutsche Literaturwissenschaft promoviert. Seine Forschungsschwerpunkte sind kulturvergleichende Literaturwissenschaft, Afrikadiskurs, Afrozentrismus, Afropolitanismus, Négritude und Postkolonialismus. Er ist als Dozent für Französisch und Deutsch an der Volkshochschule München tätig.

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