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Potenzial und Entfremdung

Systematisch-historischer Versuch über das bestmögliche Selbst und seine Alternativen

by Florian Heßdörfer (Author)
20 Pages
Open Access
Journal: Pädagogische Rundschau Volume 80 Issue 2 Publication Year 2026 pp. 195 - 214

Summary

Erziehung ist einer der Kernbegriffe der Pädagogik und markiert die Entwicklung als grundlegendes Phänomen der Disziplin. Als ‚Reaktion auf die Entwicklungstatsache“ bildet das Erziehen verschiedene Umgangsweisen mit dem Menschen als unfertigem und werdenden Wesen aus. Sobald Erziehung reflexiv wird – und sich zum Erziehen, seinen Gründen und seinen Zwecken verhält – erweitert sich das Erziehen um die Interpretation seiner Praxis und ergänzt diese um die Fragwürdigkeit ihres Tuns. Die Zweifel, Fragen und Antworten der Erziehung umfassen nicht nur pädagogische Debatte und Reflexion, sondern setzen sich in den alltäglichen Praktiken und Wahrnehmungsweisen fort, die das Feld des Erziehens prägen und den Raum zwischen dem Fragwürdigen und dem Selbstverständlichen strukturieren: Wer bist du? Warum machst du das? Was soll ich? Wie geht es weiter? Zu den grundlegenden Erziehungsfragen gehören diejenigen, die das Subjekt der Pädagogik betreffen. Dies gilt insbesondere, seit sich das Individualisierungsmotiv als Grundelement pädagogischer Praxis und Theoriebildung etabliert hat. Individualisierung, die dem Anspruch einer dem jeweiligen Subjekt gemäßen und seiner Entwicklung förderlichen Erziehungspraxis folgt, verschränkt zwei verschiedene Ausgangsfragen: die nach dem aktuellen Sein des Subjekts sowie die nach seinen Entwicklungsmöglichkeiten. So verschieden diese Fragen ausgestaltet und untersucht werden können, so konsequent orientieren sie sich an der Verschränkung der epistemischen und ethischen Perspektive: Wer bist du? Wer sollst du werden? Reduziert man das pädagogische Fragen auf diese grundlegende Form, wird seine hermeneutische Grundlage durchsichtig – ihr Ausgangspunkt in einer ‚Hermeneutik des Subjekts‘, die sich jedoch selten in dieser Tradition begreift. Um diesen hermeneutischen Zugang zu allgemeinpädagogischen Problemen zu verdeutlichen, setzen sich die folgenden Überlegungen mit Ralf Koerrenz pädagogischen Arbeiten auseinander und versuchen, einige ihrer Motive auf das Themenfeld von Leistung und Optimierung anzuwenden. Im Mittelpunkt steht dabei die Denkfigur des Potenzials als einer spezifischen Form, um die Differenz zwischen dem, was ist, und dem, was möglich wäre, zu beschreiben und zu bearbeiten. Als ergänzender thematischer Fokus wird zum einen die Bezugnahme auf das Konzept der Entfremdung erprobt, das einen erweiterten Blick auf die Differenz von Aktualität und Potenzialität ermöglicht und unterschiedliche Reichweiten der Entfremdungsthematik eröffnet – von einer anthropologisch-kulturgeschichtlichen Dimension bis hin zur Entfremdung im Rahmen konkreter Tausch- und Produktionsverhältnisse. Zum anderen erfolgt als Abschluss der Darstellung ein Seitenblick auf chinesische Denktraditionen, um die von Koerrenz vorgeschlagene Typologie griechischer und hebräischer Verständigungsmuster produktiv zu erweitern.

Details

Pages
20
DOI
10.3726/PR022026.0017
Open Access
CC-BY
Publication date
2026 (April)
Keywords
potenzial entfremdung systematisch-historischer versuch selbst alternativen
Product Safety
Peter Lang Group AG

Biographical notes

Florian Heßdörfer (Author)

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Title: Potenzial und Entfremdung