Stil ohne Subjekt? Literarische Textproduktion im Zeitalter generativer KI
23 Pages
Open Access
Journal:
literatur für leser:innen
Volume 48
Issue 2
Publication Year 2025
pp. 71 - 93
Summary
Der Beitrag untersucht, ob generative KI-Systeme zu einem eigenständigen literarischen Stil fähig sind. Ausgehend von einem literaturwissenschaftlich fundierten Stil- und Literaturbegriff werden promptbasierte Texte von ChatGPT-5.2, Gemini 3 und Claude Sonnet 4.5 im Close Reading mit menschlich verfassten Referenztexten (Judith Hermann, W. G. Sebald, Terézia Mora, Hannes Bajohr) verglichen. Eine Blindtest-Umfrage (n = 183) zeigt, dass KI-Texte deutlich unterhalb des Zufallsniveaus als solche erkannt werden (37,7% bei einem Zufallsniveau von 50 %). Die Teilnehmenden konnten KI-Texte nicht zuverlässig erkennen. Die literaturwissenschaftliche Analyse identifiziert systemische KI-Muster– Kohärenz ohne Reibung, szenische Vollständigkeit, fehlende Idiosynkrasie – als Folge optimierter Textproduktion. Ob diese Eigenschaften einen Mangel oder eine neue ästhetische Kategorie darstellen, hängt weniger vom Text als von der Lesehaltung ab.
Details
- Pages
- 23
- DOI
- 10.3726/lfl.2025.02.02
- Open Access
- CC-BY
- Publication date
- 2026 (August)
- Keywords
- Generative KI Literarischer Stil Stilanalyse Autorschaft Mensch-Maschine-Kollaboration
- Product Safety
- Peter Lang Group AG