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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft XXIX (2007)- In Verbindung mit dem Vorstand der Grimmelshausen-Gesellschaft

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Edited By Dieter Breuer

Im Juni 2007 fand in Oberkirch und Renchen unter dem Thema «Grimmelshausens Simplicissimus im Kontext des europäischen Romans» der Kongress der Grimmelshausens-Gesellschaft statt. Dieser Band enthält die Beiträge des Kongresses und geht der Frage nach, weshalb der Simplicissimus als einziger deutschsprachiger Roman der frühen Neuzeit bis auf den heutigen Tag in hohem kanonischen Ansehen steht, was den Roman, wie sein Autor es wünschte, «aufhebens Werth» gemacht hat. Die Referenten untersuchen die Bedeutung des Simplicissimus anhand von Vergleichen mit der europäischen Romantradition. Dabei geht es weniger um Quellenfragen als um Fragen der Qualität: um Grimmelshausens Anteil an der Herausbildung einer modernen Romanpoetologie, um seinen unkonventionellen Umgang mit den Konstruktionsprinzipien des hohen und niederen Romans, mit der realistisch-satirischen Erzähltradition und den Formproblemen des autobiographischen Erzählens sowie um seine Kunstgriffe bei der Einformung unterschiedlichster Materien.
Hinzu kommen weitere Beiträge der Grimmelshausen-Forschung sowie Rezensionen zu Neuerscheinungen.

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Cervantes und Grimmelshausen

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Ruprecht Wimmer (Eichstätt-Ingolstadt) I Am Anfang des zweiten Bandes von Cervantes' Don Quijote, also etwa in der Mitte des gesamten Werkes, wird eine Geschichte erzählt. Die äußere Situation ist die folgende: Der "Ritter von der traurigen Gestalt" war vor kurzem zum zweiten Mal nach Hause geschafft worden, der Barbier ist mit dem Pfarrer zu Besuch ans Krankenbett des Helden gekommen, um diskret zu prüfen, ob die­ ser nun wirklich von seinem Wahn geheilt ist, als fahrender Ritter leben zu müssen. 1 Nun - Don Quijote ist nicht geheilt. Obwohl sich die beiden Besu­ cher fest vorgenommen hatten, kein Wort über die fahrende Ritterschaft zu verlieren, kommt der Kranke geradezu zwanghaft auf sein Lieblingsthema. Als man die aktuelle politische Lage, konkret die Bedrohung durch die Türken, erörtert, hat er sofort seine Patentlösung parat: er schlägt die fahrenden Ritter als unbesiegbare Eingreiftruppe gegen die heranziehende türkische Riesenflot­ te vor. Und er selbst denkt an eine dritte Ausfahrt: "Als fahrender Ritter will ich leben und sterben, und ob der Türke nun herab- oder hinaufzieht, wann immer er es will und mit wie grösser Macht er es kann, so sag' ich noch ein­ mal, Gott weiss, wie ich es meine." Da nun erzählt der Barbier die erwähnte Geschichte. Sie ist als Therapie gedacht und beginnt lapidar: "Im Narrenhause zu Sevilla befand sich ein Mann, den seine Verwandten dahin gebracht hatten, weil er nicht bei Verstän­ de war." Der Irrenhausinsasse,...

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