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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft XXIX (2007)- In Verbindung mit dem Vorstand der Grimmelshausen-Gesellschaft

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Edited By Dieter Breuer

Im Juni 2007 fand in Oberkirch und Renchen unter dem Thema «Grimmelshausens Simplicissimus im Kontext des europäischen Romans» der Kongress der Grimmelshausens-Gesellschaft statt. Dieser Band enthält die Beiträge des Kongresses und geht der Frage nach, weshalb der Simplicissimus als einziger deutschsprachiger Roman der frühen Neuzeit bis auf den heutigen Tag in hohem kanonischen Ansehen steht, was den Roman, wie sein Autor es wünschte, «aufhebens Werth» gemacht hat. Die Referenten untersuchen die Bedeutung des Simplicissimus anhand von Vergleichen mit der europäischen Romantradition. Dabei geht es weniger um Quellenfragen als um Fragen der Qualität: um Grimmelshausens Anteil an der Herausbildung einer modernen Romanpoetologie, um seinen unkonventionellen Umgang mit den Konstruktionsprinzipien des hohen und niederen Romans, mit der realistisch-satirischen Erzähltradition und den Formproblemen des autobiographischen Erzählens sowie um seine Kunstgriffe bei der Einformung unterschiedlichster Materien.
Hinzu kommen weitere Beiträge der Grimmelshausen-Forschung sowie Rezensionen zu Neuerscheinungen.

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Figuren des Tiers in Grimmelshausens Simplicissimus Teutsch

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Benjamin Bühler (Konstanz) I Wie schon das Titelkupfer zeigt, steht Grimmelshausens Roman Simplicissi­ mus Teutsch im Zeichen des Tiers. Die Gestalt des Titelkupfers verweist je ­ doch mit seinen Ziegenhömem, Eselsohren, dem Fischschwanz wie dem Vo­ gelfuß nicht allein auf die fundamentale Bedeutung des Tierischen, sondern ebenso auf die Zusammensetzung heterogener Teile zu einem künstlichen fik­ tiven Wesen, das sich jeglicher Klassifikation entzieht. 1 In diesem Sinne ver­ weigern sich auch die im Roman auftretenden Tiere eindeutigen Sinnzuwei­ sungen. Im Vordergrund steht somit weniger die Frage nach den Quellen der Tierdarstellungen oder eine Untersuchung diverser Tier-Motive,2 sondern die Frage, was für Modelle von Tieren im Roman verhandelt werden und wie sie sich zueinander verhalten. Und da die Figuren des Tiers stets auf den Men­ schen bezogen sind, steht die literarische Bearbeitung der Grenze zwischen Tier und Mensch im Zentrum der folgenden Ausführungen. Wesentlich sind in diesem Zusammenhang drei Modelle des Tier-Mensch- Bezugs: Erstens erscheinen Tier-Figuren in moralisch-didaktischer Hinsicht, zweitens und im Gegensatz hierzu beziehen sich Figuren des Tiers auf einen theriophilen Diskurs. Drittens schließlich ist der Roman geradezu charakteri­ siert durch Grenzfiguren, Figuren, in denen sich tierische und menschliche Attribute verbinden, was am Beispiel des Narren erläutern werden wird. Aus­ gangspunkt der folgenden Ausführungen wird das 12. Kapitel des zweiten Bu­ ches sein, in dem Simplicius in Gestalt des Narren eine Rede hält von "Ver­ stand und Wissenschafft" unvernünftiger Tiere. II Nachdem Simplicius in Hanau mehrmals durch sein die sozialen...

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