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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft XXIX (2007)- In Verbindung mit dem Vorstand der Grimmelshausen-Gesellschaft

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Edited By Dieter Breuer

Im Juni 2007 fand in Oberkirch und Renchen unter dem Thema «Grimmelshausens Simplicissimus im Kontext des europäischen Romans» der Kongress der Grimmelshausens-Gesellschaft statt. Dieser Band enthält die Beiträge des Kongresses und geht der Frage nach, weshalb der Simplicissimus als einziger deutschsprachiger Roman der frühen Neuzeit bis auf den heutigen Tag in hohem kanonischen Ansehen steht, was den Roman, wie sein Autor es wünschte, «aufhebens Werth» gemacht hat. Die Referenten untersuchen die Bedeutung des Simplicissimus anhand von Vergleichen mit der europäischen Romantradition. Dabei geht es weniger um Quellenfragen als um Fragen der Qualität: um Grimmelshausens Anteil an der Herausbildung einer modernen Romanpoetologie, um seinen unkonventionellen Umgang mit den Konstruktionsprinzipien des hohen und niederen Romans, mit der realistisch-satirischen Erzähltradition und den Formproblemen des autobiographischen Erzählens sowie um seine Kunstgriffe bei der Einformung unterschiedlichster Materien.
Hinzu kommen weitere Beiträge der Grimmelshausen-Forschung sowie Rezensionen zu Neuerscheinungen.

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Grimmelshausen als "Erfinder der teutschen Science Fiction"? Zur Mummelsee-Episode im Simplicissimus*

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Jost Eickmeyer (Heidelberg) 1. Einleitung Der Dortmunder Synergen-Verlag kündigte im Jahr 2005 ein Buch von Detlef Münch an, das den vielversprechenden Titel trägt: Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen (1622-1676), der Erfinder der teutschen Science Fiction und des phantastischen Reiseromans in Deutschland. Freunde des barocken Erzäh­ lers mag es gefreut haben, daß dieser offenbar als Archeget eines genuin mo­ dernen Genres profiliert werden soll. Mancher dürfte auch die Stirn gerunzelt haben: Grimmelshausen und Science Fiction? - Was mag sich hinter so einem Titel verbergen? Eine vorläufige Einschätzung könnte feststellen, daß Grimmelshausen für zwei verschiedene Genres mit Beschlag belegt wird: einerseits für den phanta­ stischen Reiseroman, andererseits und weit allgemeiner für das weite Feld der Science Fiction. Überdies scheint die nähere Charakterisierung der letzteren als "teutsch" (sofern keine Ungenauigkeit in der Titelaufnahme von Seiten des Verlages vorliegt) auf den Simplicissimus Teutsch als denjenigen Text anzu­ spielen, in dem die frühesten Züge des phantastischen Itinerariums und der Science Fiction zu finden seien. An diesem Punkt stellt sich die Frage nach der Bestimmung dieser beiden Genres im Zusammenhang mit Grimmelshausen. 1 Das Konzept des Reiseromans erscheint wenig problematisch, liegt der Erzähl­ struktur des pikaresken Romans, das den Simplicissimus neben anderen trägt, doch ohnehin das Muster eines vagierenden Protagonisten und der ständigen Bewegung von Ort zu Ort zugrunde. Auch utopische Elemente (die das Attri­ but "phantastisch" in Münchs Bestimmung bedingen mögen) können im Ro­ man...

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