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Simpliciana

Schriften der Grimmelshausen-Gesellschaft XXIX (2007)- In Verbindung mit dem Vorstand der Grimmelshausen-Gesellschaft

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Edited By Dieter Breuer

Im Juni 2007 fand in Oberkirch und Renchen unter dem Thema «Grimmelshausens Simplicissimus im Kontext des europäischen Romans» der Kongress der Grimmelshausens-Gesellschaft statt. Dieser Band enthält die Beiträge des Kongresses und geht der Frage nach, weshalb der Simplicissimus als einziger deutschsprachiger Roman der frühen Neuzeit bis auf den heutigen Tag in hohem kanonischen Ansehen steht, was den Roman, wie sein Autor es wünschte, «aufhebens Werth» gemacht hat. Die Referenten untersuchen die Bedeutung des Simplicissimus anhand von Vergleichen mit der europäischen Romantradition. Dabei geht es weniger um Quellenfragen als um Fragen der Qualität: um Grimmelshausens Anteil an der Herausbildung einer modernen Romanpoetologie, um seinen unkonventionellen Umgang mit den Konstruktionsprinzipien des hohen und niederen Romans, mit der realistisch-satirischen Erzähltradition und den Formproblemen des autobiographischen Erzählens sowie um seine Kunstgriffe bei der Einformung unterschiedlichster Materien.
Hinzu kommen weitere Beiträge der Grimmelshausen-Forschung sowie Rezensionen zu Neuerscheinungen.

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'Gespräch über die Poesie'? Der Abentheurliche Simplicissimus aus der Perspektive von Grimmelshausens Rathstübel Plutonis

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Nicola Kaminski (Bochum) Sieben Personen, Männer und Frauen, versammeln sich im Jahr 1800 in Fried­ rich Schlegels Athenäum zu einem Gespräch über die Poesie und unterhalten sich - über Weltliteratur. Von Cervantes ist da die Rede und von Shakespeare, auch vom deutschen 17. Jahrhundert, nicht aber, wie man es sich vielleicht erhofft hätte, von Grimmelshausen. Doch fällt in der Diskussion über Andreas Vortrag unter dem Titel "Epochen der Dichtkunst", in welchem Grimmelshau­ sen eben ¿/«genannt bleibt, folgende Äußerung, von der aus mir eine Spur zur Etablierung Grimmelshausens im Kanon der Weltliteratur zu führen scheint. 1 "Das Reich der Poesie", so erklärt Andrea, Autor jenes ersten Vortrags, "ist unsichtbar. Wenn ihr nur nicht auf die äußre Form seht, so könnt ihr eine Schule der Poesie in ihrer Geschichte finden, größer als in irgendeiner ändern Kunst. Die Meister aller Zeiten und Nationen haben uns vorgearbeitet, uns ein ungeheures Kapital hinterlassen."2 Daß die Romantiker Grimmelshausens Texte als Teil dieses 'ungeheuren Kapitals' begriffen haben, welches es zinsträchtig anzulegen gelte, zeigt die produktive Rezeption seiner Simpliciana in ihren Erzählungen und Romanen, noch bevor man deren pseudonym verkappten Autor namhaft zu machen wuß­ te (schon deshalb konnte sein Name im Gespräch über die Poesie nicht fal­ len...).3 Courasche und Bemhäuter, Simplicissimus und der alte Einsiedel ge­ ben sich in ihren Texten als intertextuelle Revenants ein Stelldichein - ganz so, wie Schlegels Antonio es im dritten Vortrag des Gespr...

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