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Einführung in die germanistische Linguistik

Elke Hentschel and Theo Harden

Die vorliegende Einführung besteht aus 16 Einheiten, die alle so konzipiert sind, dass sie auch unabhängig voneinander gelesen werden können. Jedes Kapitel führt in einen bestimmten Bereich der Linguistik ein: in Semantik, Sprachgeschichte, Spracherwerb, mentales Lexikon, Pragmatik, Dialektologie, Phonetik, usw. Als Ausgangspunkt und Kapitelüberschrift dienen dabei beispielsweise Fragen wie «Können Wörter müde machen?» (Semantik), «Gibt es Sprachen ohne Grammatik?» (Syntax), «Was ist Deutsch eigentlich für eine Sprache?» (Sprachgeschichte) oder «Wo sind die Wörter im Kopf und wie greift man auf sie zu?», die zugleich das Konzept dieses Buches illustrieren: Die wichtigsten linguistischen Themenkomplexe und Grundlagen sollen nicht nur in leicht zugänglicher und gut verständlicher Form vermittelt werden, sondern es soll auch Neugier auf die Fragen geweckt werden, um die es jeweils geht. Vorkenntnisse werden dabei bewusst nicht vorausgesetzt. Da eine Einführung naturgemäß nur jeweils einen begrenzten Einblick in ein Themengebiet geben kann, werden am Ende jeder Einheit stets auch Literaturtipps zur weitergehenden und vertieften Beschäftigung mit dem behandelten Thema gegeben.
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Elke Hentschel: 12 Wie lernt man eigentlich sprechen? Erstspracherwerb

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ELKE HENTSCHEL

12 Wie lernt man eigentlich sprechen? Erstspracherwerb

Dass Kinder sprechen lernen, scheint uns meist so natürlich und selbstverständlich, dass wir gar nicht groß darüber nachdenken – es ist halt so. Tatsächlich ist der kindliche Spracherwerb aber ein komplexer und langwieriger Prozess, und bis heute ist man sich nicht einig darüber, wie er genau vonstatten geht, also auf welche Weise das Kind eigentlich sprechen lernt. Was man mit Sicherheit weiß, da man es ja stets aufs Neue beobachten kann, ist hingegen der Verlauf des Spracherwerbs, der daher zunächst skizziert werden soll.

Neugeborene Kinder können noch nicht mehr als schreien. Das aber tun sie schon gleich nach der Geburt (sog. reflektorisches Schreien), und etwa ab der 4.–6. Lebenswoche können sie auch Missbehagen und Zufriedenheit in lautlich unterschiedlicher Weise ausdrücken. Bei diesem emotional gefärbten Schreien entwickelt sich erst der Ausdruck negativer, dann positiver Gefühle – was aber kein Anlass ist, Menschen als geborene Miesepeter zu betrachten, denn naturgemäß ist es überlebenswichtig und muss daher zuerst sichergestellt werden, dass ein Säugling Unzufriedenheit (etwa Hunger oder Schmerzen) kommunizieren kann. Im krassen Gegensatz zu diesen sehr begrenzten artikulatorischen Möglichkeiten stehen die Fähigkeiten eines Babys, Sprachliches zu erkennen. Es kann sowohl alle Phoneme erkennen, die in menschlichen Sprachen vorkommen, als auch seine Muttersprache von anderen Sprachen unterscheiden. Dass Neugeborene diese Fähigkeiten haben, hat man etwa durch Messung der Intensität, mit der...

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