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Zwischen Liebe, Verständigung und Hass: Die Darstellung religiöser Konflikte in der Literatur Galiziens (1848–1914)

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Lyubomyr Borakovskyy

Das Buch bringt religiöse Konflikte in der galizischen Literatur zur Darstellung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Analyse von literarischen Werken, die zwischen 1848 und 1914 entstanden, als Galizien noch «österreichisch» und durch eine große ethnisch-konfessionelle Vielfalt geprägt war. Zugleich stellt die Studie den Versuch dar, die literarische Deutung konfessioneller Beziehungen zwischen der römisch-katholischen, griechisch-katholischen und jüdischen Bevölkerung in Galizien unter Berücksichtigung ästhetisch-ideologischer und nationaler Perspektiven zu erforschen. Aus diesem Grund erfolgen Analysen deutschsprachiger, ukrainischer und polnischer Werke von Autoren mit unterschiedlichem ethnisch-konfessionellem Hintergrund.

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Schlussfolgerungen

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Das Motiv eines religiösen Konflikts war im Schaffen vieler galizischer Autoren präsent. Seine Verbreitung ist vor allem auf die außerliterarische Wirklichkeit zurückzuführen, denn religiöse Konflikte waren in Galizien keine Seltenheit. Sie waren vor allem durch religiöse Widersprüche und die Konkurrenz zwischen der römisch-katholischen, der griechisch-katholischen und der jüdischen Bevölkerung bedingt. Weitere wichtige Faktoren waren kulturelle, politische und ökonomische Auseinandersetzungen zwischen Polen, Ukrainern und Juden, welche in jeweils einer der Konfessionen die Mehrheit darstellten. Der konfessionelle Unterschied überschnitt sich somit mit sozialen und kulturellen Differenzen – ein Umstand, der vielen literarischen Darstellungen religiöser Konflikte innewohnt.

Ein anderer wichtiger Faktor für die Entstehung religiöser Konflikte in Galizien lag in einigen sozialen Umwälzungen, die für die galizische Gesellschaft der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts relevant waren. Dazu zählten die wirtschaftliche Modernisierung und Industrialisierung einzelner Regionen wie Boryslav, die Gleichberechtigung der Juden, die Gewährung einer politischen Autonomie für Galizien, die Intensivierung der ukrainischen und polnischen Nationalbewegungen, die Verbreitung sozialistischer und zionistischer Ideen usw. Diese Prozesse riefen Veränderungen im religiösen Leben der Menschen hervor, indem man die alte, durch die jeweilige religiöse Tradition bestimmte Weltvorstellung zu hinterfragen begann. Als Subjekt mehrerer religiöser Konflikte trat somit eine einzelne Person auf, die nach neuen Lebensperspektiven gesucht und infolgedessen gegen bestimmte religiöse Normen verstoßen hatte.

Anhand der durchgeführten Analyse literarischer Werke lassen sich vier thematische Gruppen...

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