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Kompetenzorientierung und Schüleraktivierung im Russischunterricht

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Edited By Anka Bergmann

Der Band beleuchtet das Konzept der Schüleraktivierung im Rahmen eines kompetenzorientierten (schulischen) Russischunterrichts aus verschiedenen Perspektiven: im ersten Teil geht es um die fachhistorische und bildungspolitische Positionierung der Schulfremdsprache Russisch sowie um die konzeptuellen Grundlagen von Kompetenzorientierung und Schüleraktivierung und deren Bezug zu den institutionellen Gegebenheiten des gegenwärtigen Russischunterrichts. Im zweiten Teil werden Handlungsfelder der Unterrichtspraxis reflektiert und wird der Blick darauf gelenkt, wie Lernprozesse in unterrichtlichen Arrangements initiiert und unterstützt werden können. Diese Beiträge basieren größtenteils auf vielfältigen Erfahrungen langjähriger Praktiker, Lehrplanentwickler und Lehrbuchautoren.

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Schüler für Russisch begeistern: aktivierende Methoden im Anfangsunterricht Russisch

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Elke Kolodzy

Schüler für Russisch begeistern: aktivierende Methoden im Anfangsunterricht Russisch

Методы активного обучения должны быть применены в обязательном порядке на начальном этапе обучения русскому языку как иностранному в гимназиях. К такому выводу приходит автор на базе детального описания как условий работы учителей иностранных языков в начальных школах Тюрингии, так и личностных данных учеников при переходе в гимназию. Активизация деятельности учеников, повышение их мотивации и самостоятельности – таковы цели педагогических действий и приёмов в рамках творческого и эффективного обучения русскому языку на начальном этапе. Достижению этих целей способствуют представленные упражнения и игровые задания, снабжённые рекомендациями на базе практической деятельности автора.

1.  Begründung für den Einsatz aktivierender Methoden

Um das Verständnis für die Notwendigkeit schüleraktivierender Methoden in der SEK I zu vertiefen, ist es wichtig, nach einer Situationsbeschreibung zum Fremdsprachenlernen in der Grundschule die Lernvoraussetzungen der Schüler nach dem Wechsel an eine weiterführende Schule zu benennen und diese um Beobachtungen aus dem Unterricht in der Klassenstufe 5/6 zu ergänzen. Hierzu werden Erfahrungen aus dem Tätigkeitsbereich der Autorin in einem Thüringer Gymnasium und als Fachberaterin herangezogen.

1.1  Fremdsprachenlernen an der Grundschule

Die Thüringer Grundschulen haben verschiedene Fremdsprachenprofile, z. B.:

  • Englisch als 1. Fremdsprache ab Klasse 1,
  • Englisch als 1. Fremdsprache ab Klasse 3,
  • Rotationsmodelle zum Kennenlernen der 2. Fremdsprache ab Klasse 3,
  • Französisch als 2. Fremdsprache ab Klasse 3,
  • Selten Russisch, Spanisch, Italienisch als 2. Fremdsprache ab Klasse 3 bzw. 4.

Diese unterschiedlichen Profile beeinflussen das Sprachenangebot an den Grundschulen und die Fremdsprachenwahl in den weiterführenden Schulen. Oft ist es v. a. der Wunsch der Eltern, die bereits begonnene Fremdsprache fortzuführen. ← 93 | 94 → Dementsprechend werden die weiterführenden Schulen, besonders Gymnasien, gezielt nach diesen Fremdsprachenangeboten ausgewählt.

Die Qualität des frühen Fremdsprachenerwerbs hängt in entscheidendem Maß von der Qualifikation des Lehrerpersonals an den Grundschulen ab. So, wie Freude und spielerische Angebote die Schüler motivieren und neugierig auf weitere Sprachangebote bzw. auf die Fortführung der Sprache machen, so kann eine unzureichende Qualifikation der Lehrer die Lernfreude und den Lerneifer der Schüler negativ beeinflussen. Leider sind ausgebildete Grundschullehrer für Russisch in Thüringen eine Seltenheit. Fachkundige Unterstützung und Anleitung erfahren die involvierten Kollegen im Arbeitskreis „Russisch an der Grundschule“ am Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM).

Eine gleichfalls entscheidende Rolle spielen die Lehr- und Lernmaterialien, die für den Unterricht zur Verfügung stehen. Diese werden v. a. für Englisch und Französisch in zahlreicher und vielfältiger Form von mehreren Verlagen zur Verfügung gestellt. Für Russisch beschränken sich die Angebote auf die Verlage Klett und Cornelsen, die allerdings nicht das Russischlernen in der Grundschule berücksichtigen. Russischlehrer müssen mehr Aufwand betreiben, wenn sie ihren Unterricht lebendig und vielfältig gestalten wollen. Die Materialien der anderen Fremdsprachen, insbesondere die Ideen und Aufgabenformate, lassen sich in großen Teilen auf den Russischunterricht übertragen. Zusatzmaterialien bieten auch verschiedene Internetseiten (s. Literaturverzeichnis unter weitere Quellen)

Weiterhin ist anzumerken, dass in Thüringen Lesen und Schreiben im Grundschulunterricht in der 2. Fremdsprache keinen Zielstatus haben. Die Schüler eignen sich eine Sprachkompetenz auf elementarem Niveau (A1) an, die auf lexiko-grammatischen Einheiten (chunks) aufbaut und auf die explizite Grammatikvermittlung verzichtet.

1.2  Lernvoraussetzungen der Schüler nach dem Wechsel an eine weiterführende Schule und der Umgang mit ihnen

Schüler in Thüringen wechseln nach der 4. Klasse in eine weiterführende Schule. Vielen von ihnen gelingt der Wechsel ohne Probleme. Grund dafür sind Fähigkeiten und Erfahrungen, die sie aus der Grundschule mitbringen, wie:

  • hoher Grad an sozialen Lernerfahrungen,
  • Kenntnis offener Unterrichtsformen,
  • Offenheit gegenüber dem Unterrichtsfach und dem Lehrer,
  • keine Angst vor Neuem, Neugier und Freude überwiegen,
  • schnell motivierbar, ← 94 | 95 →
  • Wunsch nach beständigem Tätigsein,
  • Fähigkeit zu schnellem Feedback auf Lehrer- und Schülerhandeln,
  • Wissen aus Muttersprache, 1. Fremdsprache, ggf. 2. Fremdsprache.

Es lassen sich aber auch eine Reihe von Defiziten feststellen, deren Ursachen hier nicht weiter erläutert werden sollen, die aber v. a. für das Lehrerhandeln in dieser Schülergruppe von Relevanz sind.

Zuhören

Eine beständige Reizüberflutung durch unterschiedliche Medien beeinflusst die Konzentration nicht immer positiv. So gehört es schon zum normalen Alltag, dass Radio, Handy und MP3-Player in jeder freien Minute in Betrieb sind und sogar andere Aktivitäten begleiten. Dabei besteht die Gefahr, dass viele Informationen verloren gehen. Zuhören wird zur Nebenerscheinung und nützliche Regeln der Kommunikation gehen verloren, wie

  • sich beim Sprechen ansehen,
  • einander ausreden lassen,
  • Rückfragen stellen usw.

Auf diese Regeln sollte im Russischunterricht von Anfang an Wert gelegt werden, da sie für das dialogische Sprechen bzw. für die Teilnahme an Gesprächen von Relevanz sind. Es ist also durchaus hilfreich, wenn die Schüler dem Gesprächspartner nicht nur den Kopf, sondern den gesamten Körper zuwenden. Das Zuhören zu trainieren, verlangt vom Lehrer ein hohes Maß an Konsequenz. Er muss darauf achten, dass Ablenkungen beseitigt werden und die Schüler sich wirklich auf das Hören konzentrieren können. Hilfreich sind z. B. folgende Hinweise:

„Damit unsere Finger nicht wieder zur Federmappe spazieren, setzen wir uns jetzt alle auf die Hände. So merken wir am schnellsten, wenn die Hände etwas anderes machen wollen“ (nur kurzzeitig anwendbar).

„Heute halten wir einmal unsere Oberarmmuskeln fest“ (sorgt meist für eine gesunde Sitzhaltung).

„Wir verstärken unsere Ohrmuscheln mit den Händen, dann empfangen wir besser.“

Ein Schüler kann sich selbst beim Sprechen oder beim lauten Lesen besser hören, wenn er mit gewölbten Händen Kopfhörer nachgestaltet und so andere Geräusche etwas abschirmt. ← 95 | 96 →

Lesen der Aufgabenstellungen

Aufgabenformate wiederholen sich und sind den Schülern i. d. R. gut bekannt. So erkennen sie an der Form beispielsweise schnell Lückentexte oder auch Auswahlantworten. Deshalb sind Schüler nicht immer willig, die Aufgabenstellung noch einmal gründlich zu lesen und weitere Informationen zu erfassen, wie beispielsweise: „Schreibe in gedruckten Großbuchstaben“. Oftmals werden die Operatoren nicht korrekt beherrscht bzw. nicht einheitlich von den Lehrern verwendet.

Schriftbild

Kopiervorlagen, Zeitdruck und zu wenig Üben haben zur Folge, dass die Motorik der Schüler immer schlechter wird, was sich gleichfalls auf Schriftbild und den Umgang mit den Arbeitsmaterialien auswirkt. Es fällt Schülern zunehmend schwer, Linien einzuhalten, mit Lineal und Bleistift Tabellen zu zeichnen, einen Rand zu ziehen und mit Schere und Leim umzugehen – sie benötigen für derartige Anforderungen wesentlich mehr Zeit.

Bereitstellung aller Hausaufgaben und Arbeitsmittel

Die neuen Unterrichtsfächer machen es notwendig, dass die Schultasche täglich gepackt werden muss. Auch das ist neu und bedarf einer ständigen Kontrolle durch das Elternhaus. Leider wird das nicht immer geleistet. Aber auch die Arbeitsblätter und Materialien, die die Schüler während des Unterrichtes erhalten, müssen eingeordnet werden. Deshalb ist es günstig, die Arbeitsblätter bereits gelocht auszugeben und Zeit für das sofortige Abheften einzuplanen.

Arbeitsplatzgestaltung

Raumwechsel stellt an den weiterführenden Schulen oft eine neue Herausforderung für die Kinder dar. Schüler müssen schnell einpacken, den neuen Raum aufsuchen, ggf. die Garderobe umhängen und Zeit finden, die Toilette aufzusuchen, und die Arbeitsmittel wieder neu bereitstellen. Gleichzeitig soll aber auch Zeit für Bewegung gefunden, gegessen und getrunken werden. Immer wieder lässt sich beobachten, dass in diesen kurzen Pausen auch Gespräche mit den Lehrern stattfinden, Dienstleistungen getätigt werden (z. B. Klassenbuch irgendwohin tragen, ins Sekretariat gehen, etwas kopieren lassen). Aus diesem Grund ist es oft unmöglich, den Arbeitsplatz korrekt vor Stundenbeginn einzurichten. Aus der Grundschule sind es die Schüler gewohnt, dass man ihnen sagt, mit welchen Materialien nun gearbeitet wird, jetzt sollen sie das selbstständig leisten. Hinzu kommt, dass der ← 96 | 97 → Fachlehrer nicht immer rechtzeitig vor Unterrichtsbeginn präsent ist, um auf einen vorbereiteten Arbeitsplatz bei den Schülern zu achten.

Sich selbst kritisch hinterfragen

Es fällt den Schülern nicht leicht, eigenes Wissen und Handeln kritisch zu betrachten. Fehler in den eigenen Mitschriften werden zunehmend seltener gefunden. Aus diesem Grund sollten v. a. Aufzeichnungen immer wieder auch mit dem Lernpartner ausgetauscht, Korrekturen beständig kontrolliert werden. Aber auch der Lehrer muss sich Zeit nehmen, gemeinsam mit Schülern über Lernzuwachs, probleme, und strategien zu sprechen. Den Schülern muss deutlich gemacht werden, dass die Verantwortung für erfolgreiches Lernen nicht nur beim Lehrer liegt.

Die o. g. Beobachtungen haben Konsequenzen für das Lehrerhandeln. So sind im Russischunterricht bei der Einführung der Schrift z. B. folgende Aspekte wichtig:

  • Bereitstellung der Grundschullinien (Schreibheft für die Schüler, Lineatur an der Tafel)
  • Bereiche der Lineatur verdeutlichen: Mittelbereich für die kleinen geschriebenen Buchstaben, oberer Bereich für die Großbuchstaben und die Buchstaben б und в. Unterer Bereich für die Buchstaben д, з, р, у, ф, ц, щ.
  • Rolle des kleinen Häkchens, wenn vor м, я, л ein anderer Buchstabe steht (Erkenntnis der Schüler: Die Großbuchstaben bekommen kein Häkchen, weil vor ihnen kein anderer Buchstabe steht). Der Hinweis, dass dieses Häkchen keinen i-Punkt bekommt, ist wichtig und gilt auch für die geschriebenen Buchstaben ц und щ.
  • Unterschied zwischen Betonungszeichen und Haken bei й.
  • Unterschied zwischen в, ч, ь, ъ und ы. Da diese Buchstaben von den Schülern immer wieder verwechselt werden, sollten für sie Merkhilfen formuliert oder Buchstabenbilder gezeichnet und im Raum aufgehängt werden.
  • Ähnlichkeiten bei oberflächlichem Schreiben von и, н, ш, п, т führen dazu, dass Schüler ihre eigenen Buchstaben nicht mehr korrekt lesen können.
  • Verwechslung von ч, ъ und г, wobei ч und г auch mit dem lateinischen z verwechselt werden.
  • In Buchstaben verstecken sich Bilder (z. B. Ж = Käfer oder Schmetterling; geschriebene Großbuchstaben Т = großer Tempel, П = mittlerer Tempel, Г = kleiner Tempel, Ф = Männchen mit den eingewinkelten Armen). Schüler prägen sich Buchstaben, ihre Lautung und ein Wort dazu sehr gut mit Buchstabenkarten ein, die zu jedem Buchstaben ein Tier o. ä. zeigen. ← 97 | 98 →

Gleichfalls rücken folgende Maßnahmen in das Blickfeld des Lehrers:

Verstärkte Kontrollen des Schriftbildes

In den ersten sechs Wochen des Schreibkurses werden regelmäßig Hefte zur Kontrolle eingesammelt. Dabei wird den Schülern deutlich gemacht, dass diese Kontrollen eine Chance sind, die Fehler rechtzeitig zu entdecken und sie nicht zur Gewohnheit werden zu lassen. Lob und Anerkennung spielen eine wichtige Rolle. Zunächst sollte gelobt werden (z. B. Linie und Rand eingehalten, Buchstaben gleichmäßig geschrieben, Rundungen deutlich, Häkchen nicht zu groß), danach können Hinweise folgen, wo sich ein Fehler versteckt hat bzw. was verbessert werden kann. Die Schüler sehen so in der Kritik keine Bedrohung und nehmen die Hinweise gern an, geben sogar freiwillig ihre schriftlichen Arbeiten zur Kontrolle ab. Einsammeln kann man das Schülerarbeitsheft, das Schülerheft oder auch einzelne Arbeitsblätter. Das Schreiben auf OHP-Folie und an der Tafel ist gleichfalls sinnvoll, wenn die Ergebnisse anschließend gemeinsam ausgewertet und so alle Schüler in die Fehlersuche einbezogen werden.

Ebenfalls lohnenswert ist der Einsatz des Rotationsprinzips bei der Kontrolle von Schreibübungen durch die Schüler. Jeder Schüler kontrolliert die Ergebnisse eines anderen Schülers und unterstreicht Fehler nur mit Bleistift. Die Fehlerkorrektur wird anschließend von dem jeweiligen Schüler selbst vorgenommen. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass die Berichtigung deutlich ausgewiesen und das ganze Wort noch einmal geschrieben wird. Unterstützend können Tafel und alphabetisches Wörterverzeichnis eingesetzt werden, wobei letzteres kein Angebot zur Schreibschrift macht. Die beständige Kontrolle ausgewählter Beispiele kann im Laufe der Zeit minimiert, sollte aber nie völlig abgebrochen werden, da es in erster Linie um Hinweise und Hilfestellungen und nicht um Bewertungen und Zensierung geht.

Bei Aufgabenformaten, die unterschiedliche Lösungswege und Lösungen zulassen, sollte stets die Frage gestellt werden: А у кого есть другой вариант? So erhalten die Lerner die Möglichkeit auch ihren Lösungsansatz vorzustellen.

Einführung von Ritualen

Hier geht es darum, festgelegte Arbeitstechniken (z. B. Aufgabenstellungen gemeinsam lesen, Schlüsselwörter markieren, Rand ziehen) regelmäßig zu wiederholen, damit die Schüler Sicherheiten in der Anwendung erhalten, z. B.:

„Ergänze den fehlenden Großbuchstaben in Schreibschrift“ (SAH Dialog 1, 2008: 2). ← 98 | 99 →

Entsprechend der Vorgabe sehen die Schüler bereits die Buchstaben und vor ihnen eine Schreiblinie. Es wäre also durchaus klar, dass etwas geschrieben werden muss. Wichtig ist also zu erkennen, dass es der Großbuchstabe in Schreibschrift sein muss.

„Ergänze die Namensschilder. Die vorgegebenen Silben helfen dir dabei. Male die Karten mit Mädchennamen rot und die mit Jungennamen blau aus“ (SAH Dialog1, 2008: 7).

Hier verstecken sich zwei Einzelhandlungen: Ergänzen, Ausmalen. Der Schüler muss im zweiten Satz der Instruktion erkennen, dass dieser die erste Handlung unterstützt. Die Vorgabe der Farben für das Ausmalen der Namen ist eine weitere unterstützende Information. Als Schlüsselwörter gelten also: ergänze und male. Weitere Informationen zu den Schlüsselwörtern sind demnach: Silben helfen, Mädchennamen rot und Jungennamen blau.

Bei umfangreichen Aufgabenstellungen erweist sich die Wiedergabe mit eigenen Worten als hilfreich.

Nutzen der Arbeitstechniken aus dem Ergänzungsunterricht

Der Ergänzungsunterricht ist am Zabel-Gymnasium in der Klassenstufe 5 auf das Methodentraining ausgerichtet. Dort erwerben die Schüler lernpraktische Kompetenzen, deren Anwendung im Fachunterricht trainiert werden soll. Das können sein:

  • Anlegen und Verwalten eines Arbeitshefters,
  • Umgang mit Arbeitsmaterialien,
  • Strategieneinsatz bei bestimmten Operatoren, z. B. Vergleiche – Gemeinsamkeiten und Unterschiede finden, Erkenntnisse in einem Satz formulieren, Ergebnisse in einer Tabelle darstellen,
  • Verschiedene Lesetechniken, z. B. Schnelllesetechnik, 3-Schritt-Lesetechnik, 5-Schritt-Lesetechnik, Diagonallesen,
  • Vorgehen beim Markieren, Mindmapping, Vorträge halten,
  • Auswerten von Tabellen und Grafiken.

Darüber hinaus sind folgende Maßnahmen für die Arbeit des Russischlehrers in den 5. Klassen wichtig:

  • Dokumentation vergessener Hausaufgaben und Arbeitsmaterialien,
  • Ständiger Kontakt zu Klassenleiter und Elternhäusern,
  • Wahl unterschiedlicher Arbeitsformen, um alle Lerntypen zu erreichen,
  • für sich selbst Erholungsphasen planen (hilfreich sind Stillarbeitsphasen),
  • Unterricht klar strukturieren, auch den Schülern transparent machen, was sie am Ende der Stunde/Lektion können sollen und was von ihnen erwartet wird (Zielformulierung),
  • Ersatzmaterialien bereithalten. ← 99 | 100 →

Methodenvielfalt als fester Bestandteil eines anspruchsvollen Fremdsprachenunterrichts bildet eine wichtige Voraussetzung für Schüleraktivierung und spiegelt die Professionalität des Lehrers wieder.

Die Notwendigkeit des Einsatzes aktivierender Methoden lässt sich über die bereits erwähnten Argumente hinaus wie folgt begründen, sie:

  • wecken die Sinne über andere Kanäle,
  • räumen auch schwächeren Schülern die Möglichkeit ein, sich aktiv am Sprachunterricht zu beteiligen,
  • bringen Bewegung in den Unterricht,
  • lösen (oft) die herkömmliche Sitzordnung auf,
  • machen das Lernen zum Wettbewerb,
  • gestatten die Anwendung sozialer Lernformen,
  • regen Schüler an, sich selbst intensiver auf den Unterricht vorzubereiten und eigene Ideen einzubringen.

2.  Aktivierende Methoden im Anfangsunterricht

Unterrichtsmethoden organisieren und unterstützen Lehr- und Lernprozesse. Sie dienen unterschiedlichen Zielen, wie z. B. der Entwicklung eines Themas, der Vermittlung von Lehr- oder Lerninhalten, dem Einüben von Fertigkeiten oder der Entwicklung von Kompetenzen. Sie unterstützen die Kommunikation innerhalb des Lernprozesses und tragen somit für Lehrer und Schüler zu einem Kompetenzzuwachs (Wissen, Können und Einstellungen) bei.

Auch aktivierende Methoden können unterschiedlich eingesetzt werden. Ziel ist es, alle Schüler einzubeziehen, sie aus ihrer Passivität herauszuholen. Unter Berücksichtigung möglichst vieler Lernkanäle sollen Schüler den Unterrichtsgegenstand nicht nur rezeptiv aufnehmen, sondern sich in unterschiedlichen Lernarrangements damit selbstständig auseinandersetzen und produktiv tätig werden. Diese Methoden dienen der Auflockerung, der Entfaltung der Kreativität, der Ideenfindung und unterstützen Lernprozess und Lernmotivation maßgeblich.

Aktivierende Methoden:

  • öffnen verschiedene Lernkanäle,
  • regen zum Handeln an
  • beziehen viele Schüler ein,
  • initiieren Selbststeuerungsprozesse,
  • führen zur Übernahme von Verantwortung für das eigene Lernen,
  • berücksichtigen die soziale Komponente. ← 100 | 101 →

Das hat zur Folge, dass Lehrer und Schüler den Unterricht als aktiver und kreativer bzw. origineller und schöpferischer empfinden. Sie erleben die Sinnhaftigkeit dessen, was getan wird, deutlich intensiver und nachhaltiger. So wird Unterricht als Erlebnis wahrgenommen und die verwendeten Methoden als Instrumente für das eigene Lernen („so lerne ich am besten“) erlebt und verstanden. Ein derartiger Unterricht löst die Frontalarbeit auf, bringt Abwechslung in den Schulalltag, zeigt auf, dass Lernen auch Spaß machen kann und verdeutlicht, dass jeder Schüler Verantwortung für seinen Lernfortschritt trägt.

Die Suche nach unterstützenden Lehr- und Lernmaterialien, die diesen Ansprüchen gerecht werden, führt zu folgenden Ergebnissen:

  • Materialien zu den Lehrwerken inkl. Download-Angebote, die von den Verlagen angeboten werden,
  • verschiedene Übungs- und Spielesammlungen (vgl. Bauer 2010)
  • Aktionsmaterialien (z. B. Koosh-Ball, Schaumstoffwürfel zum Bestecken, Fliegenklatschen, Tücher, Spielunterlagen, Würfel, Flipchartpapier oder Angebote in den Katalogen für die Grundschule bzw. www.villa-bossanova.de)
  • selbsterstellte Materialien (z. B. Triminos, Bingos, Bild- und Wortkarten, Schautafeln, Übersichten),
  • Internetangebote zum aktiven Sprachenlernen (vgl. 1.1),
  • Motivationsmotive (vgl. Abb. 1), um soziales Lernen zu bewerten und Lerntendenzen sichtbar zu machen,
  • russische Tastatur oder entsprechende Bildschirmtastatur,
  • digitale Medien und interaktive Tafel.

Abbildung 1: Motivationsmotive.

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3.  Ausgewählte Beispiele aus den Klassenstufen 5/6

Da die Thüringer Lehrpläne jeweils Doppeljahrgangsstufen ausweisen (vgl. Thüringer Lehrplan Russisch 2011), beschränken sich die vorgestellten Methoden auf den Anfangsunterricht in den Klassenstufen 5/6 und beziehen sich auf die Einführung in das Fach, relevante Unterrichtsthemen inkl. ihrer Schwerpunkte und auf praktisch erprobte Formate für eine Stationsarbeit zur Wiederholung sowie Möglichkeiten zur Integration von Bewegungsangeboten.

3.1  Einführung in das Fach

Für die Einführung in das neue Unterrichtsfach und das damit verbundene Lernen einer neuen Fremdsprache sollten zwei bis drei Stunden eingeplant werden. Um die Schüler dauerhaft für die Sprache und das Fach zu begeistern, bietet es sich an, ihre Motivation zu hinterfragen. Hier kann auf den Kurzfilm „Warum Russisch?“ und die gleichnamige Powerpoint-Präsentation der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch GmbH zurückgegriffen werden, die verschiedene Argumente für das Russischlernen anschaulich darstellen (vgl. www.stiftung-drja.de/foerderung/russisch-kommt).

Die Eingangsphase wird durch erste Begrüßungsformeln Здравствуй(те)! und Привет! eingeleitet. Es folgen das Erschließen, Nachsprechen und Einüben dieser Wendungen. Gleichzeitig wird den Schülern deutlich gemacht, bei welchen Gelegenheiten diese Begrüßungsformeln zur Anwendung kommen.

Auf die Frage „Warum lernst du Russisch?“ geben die Schüler ihre unterschiedlichen Standpunkte zum Erlernen dieser Sprache wieder. Erstaunlich dabei ist, dass die Schüler in diesem Lernalter meist eine sehr klare Vorstellung vom Sprachenerwerb haben, oft sogar an Schnupperstunden und eigene Erfahrungen mit dieser Sprache anknüpfen. Deutlich erkennbar ist hier die Rolle des Elternhauses bei der Wahl der 2. Fremdsprache.

Diesem Gespräch folgt i.d.R. das gemeinsame Erforschen des Schülerbuches und seiner Begleitmaterialien. Als Hausaufgabe durchlaufen die Schüler die Schülerbuch-Rallye (2010) zu Dialog 1.

Im Anschluss wird ein Arbeitsblatt bearbeitet, das einerseits Vorkenntnisse der Schüler zu den ihnen bereits bekannten Sprachen abfragt und andererseits Informationen zu Russland bereitstellt. Eine Vorstellung von der Größe des Landes vermittelt z. B. die Darstellung Russlands auf dem Globus. Anschließend tragen die Schüler weitere Informationen über das Land zusammen und bearbeiten bekannte Bildimpulse (z. B. матрёшки, самовар, водка, конфеты, Буратино, крокодил Гена и Чебурашка). ← 102 | 103 →

In einer weiteren Stunde geht es darum, die Wiedergabe des eigenen Namens mit kyrillischen Buchstaben kennenzulernen und weitere Informationen zum Land zu erhalten. Vorbereitete Papierstreifen mit den gedruckten und geschriebenen Namen der Schüler (jeder Schüler erhält den Streifen mit seinem Namen) sind die Arbeitsgrundlage des ersten Stundenabschnittes. Dazu werden die Schüler einzeln nach ihren Namen befragt: Как тебя зовут? – Меня зовут … und aufgefordert, sich ihren Papierstreifen abzuholen. Auf diese Weise erhalten die Schüler erste Informationen über die Schrift, erkennen selbst Buchstaben wieder und stellen fest, dass eine 1:1-Wiedergabe der Buchstaben keinesfalls möglich ist. Es liegt nun im Ermessen des Lehrers, zusätzliche Informationen zu geben. Wichtig ist für diesen Abschnitt, dass die Schüler bereits Buchstabenverbindungen erkennen und sich diese einprägen. Deshalb schreiben alle nach reichlicher Übung ihren Namen an die Tafel. Danach werden gleiche Buchstaben in den Namen gesucht (markiert, eingekreist, unterstrichen) bzw. die Groß- den Kleinbuchstaben zugeordnet. Im Anschluss folgen weitere Informationen zu Land und Leuten zu folgenden Aspekten:

Geographie (Flächenvergleich der Länder: USA passt ca. 2x, Deutschland ca. 47x in die Fläche Russlands hinein; Städte (insbesondere Partnerstädte), Gebirge, Flüsse usw. Unterstützende Medien sind Wandkarte und Bilder von den Städten.

Figuren aus Filmen, Büchern usw. (Чебурашка, Буратино, матрёшка, Незнайка, Мишка).

Bereits in der nächsten Stunde erhalten die Schüler die Möglichkeit, die russische Tastatur zu erforschen und das Land weiter kennenzulernen. Alle Schüler erhalten ein Arbeitsblatt mit einer Abbildung des kyrillischen Tastaturlayouts, das sie ggf. nutzen können, sofern keine Tastaturaufkleber vorhanden sind. Das Arbeitsblatt kann außerdem beim Schrifterwerb zum Einsatz kommen, indem die neu erlernten Buchstaben nachgezeichnet werden.

Im weiteren Stundenverlauf wird an die landeskundlichen Informationen der vorangegangenen Stunden angeknüpft und Wissenswertes zu Politikern, Interpreten, Sportlern, Wissenschaftlern, Schriftstellern oder Souvenirs, Speisen und Getränken ergänzt. Des Weiteren erhalten die Schüler eine Ausmalvorlage (vgl. раскраски unter www.solnet.ee) zur Gestaltung des Deckblattes ihres Hefters.

3.2  Relevante Unterrichtsthemen und ihre Schwerpunkte

Im Folgenden werden exemplarisch einzelne relevante Themen mit ihren Schwerpunkten vorgestellt. ← 103 | 104 →

Die russische Schrift am Computer

Schwerpunkte dabei sind:

  • Auffinden der Bildschirmtastatur (Systemsteuerung\Erleichterte Bedienung\Center für erleichterte Bedienung > Bildschirmtastatur starten).
  • (Ab-)Schreiben am PC üben unter Beachtung der Orthografie. Hier sind v. a. Lehrwerkstexte hilfreich. Der Schwierigkeitsgrad steigt, wenn Texte in Schreibschrift zum Abschreiben angeboten werden. Da der Schreibprozess noch sehr lange dauert, sind i.d.R. vier Zeilen ausreichend.
  • Erste Internet-Recherchen z. B. nach Personen und Städten bzw. Золотое кольцо (vgl. Dialog 1, 2008: 21).
  • Kombinationen mit dem Medienkundeunterricht, wie Anfertigen von Tabellen, Schreiben in Absätzen, Markierungen vornehmen usw.

Russische Namen

Schwerpunkte dabei sind:

  • Gemeinsamkeiten finden,
  • Herkunft der eigenen Namen erforschen,
  • Vatersnamen und ihre Bedeutung kennenlernen,
  • Veränderungen bei Vaters- und Familiennamen erforschen und auf die Unterschiede zwischen Vaters- und Familiennamen bei weiblichen und männlichen Personen eingehen,
  • Kosenamen im Russischen,
  • Einführung in das Genus der Substantive: Überleitung vom natürlichen Geschlecht, z. B. bei den Namen (beginnen mit männlichen auf harten Konsonanten auslautenden – Антон, Олег und weiblichen auf -a auslautenden – Рита, Тамара) zum Genus der Substantive, später sächliche auf -o: молоко, озеро ergänzen,
  • Personalpronomen: он, она, оно, deren Zuordnung gleichfalls über Namen bzw. Genus der Substantive erschlossen werden kann.

Weihnachten in Russland

Schwerpunkte dabei sind:

  • Erlernen eines Weihnachtsliedes, z. B. „Ëлочка“: Der Liedtext wird als geschlossener Blocktext mit folgender Aufgabenstellung vorgelegt:

    „In diesem Lied kann man leider die Strophen und deren Zeilen nicht erkennen. Höre aufmerksam zu und setzte senkrechte Striche dort, wo du eine neue Zeile ← 104 | 105 → vermutest. Unterstreiche oder markiere die von dir gesetzten Striche, bei denen du den Anfang einer neuen Strophe erwartest“.
  • Weihnachtskarten selbst gestalten und schreiben: Auch wenn die Lexik noch nicht bekannt ist, macht es Sinn, dieses Fest als Anlass für das Gestalten einer Karte zu nehmen. Dabei kann auch der PC zum Einsatz kommen – Text schreiben und ausdrucken, dann anschließend auf die Karte kleben oder Karte vollständig am PC gestalten.
  • Weihnachten und Neujahrsfest in Russland mit Herausarbeitung der Unterschiede zwischen Weihnachtsmann und Väterchen Frost unter Einsatz russischer Kinder- und Trickfilme:

    z. B. Морозко, Как ёжик и медвежонок встречали новый год, Дед Мороз и серый волк, Новогодняя ночь, В лесу родилась ёлочка, Когда зажигаются ёлки, Маша и медведь: Раз, два, три – ёлочка гори!

Die Zahlen

Schwerpunkte dabei sind:

  • Bedeutung der Zahlen im Alltag: Zunächst reflektieren die Schüler, wo und wann sie Zahlen benötigen. Für Schüler sind folgende Bereiche relevant: Altersangabe, Telefon-, Auto-, Hausnummern, Postleitzahl, Seitenzahlen, Uhrzeit, Zahlen als Mengenangabe. Die Zahlen werden schrittweise eingeführt: zunächst bis 10, dann bis 20, schließlich bis 100. Empfehlenswert ist die Erweiterung bis 199. Das Baukastenprinzip (Zehnerzahl + Einerzahl) kann gleichfalls auf die Zahlen ab 100 (Hunderterzahl + Zehnerzahl + Einerzahl) übertragen werden.
  • Anfangs ist es durchaus legitim, die Telefonnummer mit einstelligen Zahlen anzugeben. Besonders viel Freude bereitet dabei das Erfragen der eigenen Telefonnummern (soweit es von den Schülern datenschutzrechtlich zugelassen wird), aber auch Auswahlantworten, die einander sehr ähnlich sind, wecken das Interesse der Lerner, z. B.:

    5386274: a) 5286284; b) 5386274; c) 5376286

    974398821: a) 874399821; b) 974389821; c) 974398821

    Es ist sinnvoll, die komplette Lösung vorzutragen und sich bei den Antworten nicht auf das Nennen von a), b) oder c) zu beschränken.
  • Als Gesprächsanlass bieten sich kleine Dialoge an, z. B.:

    – Алло! Говорит (Мария).

    – Привет, (Мария). Это я – (Марк).

    – (Марк), у тебя есть номер телефона (Тобиаса)?

    – Да, есть. Это … ← 105 | 106 →

    – Я не понял(а). Повтори, пожалуйста!

    – Ещё раз … Понял(а)?

    – Да, понял(а). Спасибо! Пока!

    – Пока!

3.3  „Stunde des Könnens“ – Stationsarbeit

Die Durchführung dieser Doppelstunde bietet sich zu Beginn des 2. Halbjahres zur Wiederholung und Festigung an. Dabei werden sowohl neue Übungsangebote unterbreitet, als auch bereits praktizierte aufgegriffen. Um eine räumliche Trennung der Stationen zu gewährleisten, sind große Räume, wie Aula oder Speisesaal zu bevorzugen. Die „Stunde des Könnens“ versteht sich als Lernangebot, bei dem die Schüler vollkommen selbstständig entscheiden, was sie lernen bzw. wiederholen möchten. Die Angebote sind deshalb auf Einzel- und Partnerarbeit ausgelegt, auf einen Laufzettel wird verzichtet. Um dem Lehrer die Möglichkeit zur Beobachtung seiner Schüler zu geben, werden an den Stationen Lösungszettel ausgelegt. Den Schülern werden auf diese Weise ein angstfreies Arbeiten und die Selbstkontrolle ermöglicht.

Vor der eigentlichen Stationsarbeit empfiehlt sich ein Rundgang, um die einzelnen Stationen mit Verweis auf die Aufgabenstellungen und die Sozialform vorzustellen. Dieser Rundgang hilft bei der Entscheidungsfindung und verhindert unnötiges Herumlaufen.

Exemplarisch werden im Folgenden einige Stationen vorgestellt.

Mindmap „Это я“

An dieser Station gestalteten die Schüler eine Mindmap. Dabei werden einige Impulse bereits vorgegeben. Für Schüler mit russischsprachigem Hintergrund wird ein Differenzierungsangebot unterbreitet, das bereits bestimmte Vorlieben und Freizeitinteressen vorgibt. Die fertigen Mindmaps werden beim Lehrer zur Kontrolle abgegeben und liefern in der darauffolgenden Stunde den Anlass, die eigene Person noch einmal vorzustellen.

Einen Text in Schreibschrift umwandeln

Grundlage sind zwei verschiedene kleine Texte aus dem Schülerbuch, die als Kopien vorliegen. Sinnvoll ist hier Partnerarbeit: die Kontrolle des geschriebenen Textes erfolgt gegenseitig. Nach der Berichtigung bestätigt der Partner mit seiner Unterschrift den Abschluss der Arbeit. Die Partnerarbeit leistet hier einen großen Beitrag für die Entwicklung von Selbst- und Sozialkompetenz, da vom ← 106 | 107 → verantwortungsvollen Arbeiten der Partner das erfolgreiche Absolvieren der Station abhängt.

Domino

Diese Station bietet den Schülern die Möglichkeit, den Abbildungen die entsprechende lexikalische Einheit zuzuordnen (vgl. Abb. 2). Die Dominoteile liegen bereits zerschnitten und gebündelt (mit Büroklammer, Ringgummi oder im Briefumschlag) am Arbeitsplatz. Gleichfalls werden für diese Station Klebstift und Papier bereitgestellt.

Abbildung 2: Dominobogen.

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Büroklammern stecken

Voraussetzung für diese Station ist eine umfangreiche Auswahl an farbigen Büroklammern und laminierten Wortlisten. Hier geht es um die Frage Ты откуда?, wobei das Genus der Substantive (der Ortsangaben) zu bestimmen und diesen Wörtern die richtige Endung zuzuordnen ist. Eine weitere Station bietet eine ähnliche Übung, in der nur das Genus der Substantive bestimmt wird. Die Selbstkontrolle erfolgt durch das Wenden der Wortlisten. Die Farbe der richtigen Antwort muss mit der Farbe der Büroklammer übereinstimmen. ← 107 | 108 →

Wörter legen

Verschiedene Buchstabenwürfel (кубики) veranlassen die Schüler, selbstständig Wörter zu legen oder zu bauen. Das Ziel besteht darin, das längste Wort bzw. einen Satz zu bilden (vgl. Abb. 6). Diese Station ist bei den Schülern sehr beliebt. Aus diesem Grund wird sie in zwei Varianten angeboten – Würfel mit Einzelbuchstaben und Würfel mit Silben. Der Erwerb dieser Materialien ist möglich unter: www.rumir.de, www.posylka.de.

Abbildung 3: Mit Würfeln arbeiten (Quelle: Foto privat).

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Fehlerkorrektur

Ziel der Station ist es, durch aufmerksames Lesen versteckte Fehler zu finden, sie zu kennzeichnen und zu korrigieren. Als Hilfsmittel kommt das alphabetische Wörterverzeichnis im Schülerbuch zum Einsatz.

Tandembogen

Hier wird die Uhrzeit geübt. Auf einer Seite sind die Zeitangaben als Abbildung vorgegeben, auf der anderen stehen sie im Wortlaut. Die Schüler sprechen sich also wechselseitig die Zeitangaben vor.

Weitere Angebote für Stationen könnten sein: Laufdiktat, Spiegelschriftbotschaften, halbierte Wörter, Schüttelwörter bzw. -dialoge, Satzzeichen ergänzen, Wörter in Themenfelder einordnen, welches Wort gehört nicht in diese Reihe, Kreuzworträtsel, Hören von fehlenden Wörtern/ von Zahlenreihen/ der richtigen Betonung, Wahr-Falschaussagen erkennen usw.

3.4  Bewegung im Unterricht

Auch im Russischunterricht sollte Bewegung nicht zu kurz kommen. Bedenkt man den Umfang der Sitzleistung von Schülern pro Tag, so erübrigt sich eine ← 108 | 109 → Erläuterung der Notwendigkeit zur Integration von Bewegung in den Unterricht (vgl. z. B. Härdt 2005: 67ff., Klupsch-Sahlmann 2010). Im Folgenden werden einige Möglichkeiten aufgezeigt, wie Bewegung – neben den v. a. im 1. Lernjahr praktizierten Ritualen zu Beginn jeder Stunde (z. B. руки вверх, руки в сторону, руки вниз) – initiiert werden kann.

Buchstabenstandbilder

Die Schüler werden aufgefordert, sich in Partner- oder Kleingruppen so zu stellen, dass sie einen Buchstaben bilden (vgl. Abb. 7). Den jungen Lernern fällt es nicht schwer, mit ganzem Körpereinsatz zu agieren und ihrem Einfallsreichtum nachzugehen.

Abbildung 4: Buchstaben Ф, П, Ж (Quelle: Foto privat).

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Laufdiktate und Schreibposter

Diese Angebote trainieren v. a. die Merkfähigkeit der Schüler und sind für das Wettbewerbslernen geeignet. Entstandene Produkte können nach Ausstreichen der offensichtlichen Fehler im Raum ausgehängt werden. Sie veranschaulichen den Lernstand der Klasse und werben gleichzeitig für das Fach. Als Materialien empfehlen sich die Rückseiten von Plakaten, die es i. d. R. reichlich in der Schule gibt, und Flipchart-Schreiber.

Geheime Botschaft

In diesem Fall wird ein Buchstabe oder Wort auf den Rücken, Handteller oder Handrücken des Vordermannes oder des Banknachbarn geschrieben (vgl. Abb. 9). Als Mannschaftsspiel ist die „Botschaft“ bis zum letzten Schüler weiterzuleiten und dann auf das Lösungsblatt zu schreiben (vgl. Stille Post). Als besonders sensibel erweist sich der Handteller: das Schreiben wird eher als Kitzeln wahrgenommen.

Wenn diese Übung als Mannschaftsspiel durchgeführt wird, empfiehlt es sich, den ungestörten stummen Ablauf durch Regeln zu sichern, z. B.: ← 109 | 110 →

Auf die rechte Schulter des Vordermannes klopfen, wenn der Schreibprozess abgeschlossen ist, Schulterzucken des Vordermannes, wenn er nicht verstanden hat und um eine Wiederholung des Schreibens bittet.

Fliegenklatsche

An der Tafel stehen verschiedene Wörter, die die Schüler schnell mit der Klatsche anschlagen müssen. Zunächst werden Mannschaften gebildet – jedes Mannschaftsmitglied erhält eine Nummer; Nummer 1 hält die Fliegenklatsche hoch, alle anderen stehen hintereinander. Der Lehrer nennt eine Vokabel, nach zwei Sekunden Bedenkzeit, in der alle Schüler die Möglichkeit haben, die Vokabel an der Tafel zu suchen, wird eine Nummer aufgerufen. Die Schüler mit dieser Nummer rennen vor, greifen dabei nach der Klatsche und schlagen schnell die Vokabel an. Die Aufgabe des Lehrers besteht in der Dokumentation des Punktestandes. Diese Übung trainiert die Vokabelkenntnisse und das Reaktionsvermögen der Schüler.

Musik mit Holzlöffeln und anderen Instrumenten

Bei vielen russischen Liedern bietet es sich an, selbst aktiv zu werden: nicht nur zu singen, sondern auch Bewegungen einzubringen. So kann man bei Дважды два – четыре die Zahlen ganz schnell mit den Fingern zeigen. Gerade zu diesem Lied gibt es zahlreiche Angebote im Internet.

Gleichfalls können parallel zum Singen auch Instrumente eingesetzt werden. Dazu leiht man sich beim Musiklehrer Klanghölzer, Triangel u. ä. Instrumente aus. Schüler bringen i.d.R. bereitwillig Instrumente von zu Hause mit bzw. lassen sich originelle Instrumente einfallen (Blechdosen, Rasseln, Kamm u. ä.).

Vokabelbingo

Dieses Spiel lässt sich gleichfalls auf unterschiedliche Weise praktizieren. Eine Möglichkeit besteht darin, die Schüler bereits zu Hause Vokabeln der Lektion in ein Raster von 6x6 oder 10x10 eintragen zu lassen. In diesem Fall liest der Lehrer in der nächsten Stunde die einzelnen Wörter vor und die Schüler suchen diese in ihren 4er Reihen. Ebenso ist es möglich, bereits vorbereitete Kärtchen (Blancovorlagen und fertige russische Vorlagen unter www.4teachers.de) an die Schüler auszuteilen. Um ein mehrfaches Verwenden zu gewährleisten, sollten diese Kärtchen laminiert sein. Dann können die Markierungen mit wasserlöslichem Fineliner vorgenommen werden. ← 110 | 111 →

Wörter bzw. Tiere stellen

Jedes Teammitglied bekommt zwei Tafeln umgehängt (jeweils unterschiedlichen Buchstaben vorn und hinten). Diese Buchstaben muss man sich merken. Der Lehrer nennt Tierbezeichnungen. Aufgabe der Schüler ist es nun, sich stumm so zu aufzustellen, dass die Buchstaben die Tierbezeichnung ergeben (vgl. www.4teachers.de).

Versteckte Wörter im Buchstabengitter

Aus einem Buchstabenpool, der auf einem Arbeitsblatt gegeben ist, müssen zum Thema город möglichst viele Wörter gefunden werden. Für neue Wörter steht der Pool immer wieder vollständig zur Verfügung, es dürfen allerdings keine anderen Buchstaben verwendet werden.

Gezeichnete Diktate

Hier gibt der Lehrer den Impuls vor und die Schüler zeichnen das, was sie hören, z. B. Adjektive, die das Äußere von Personen und Gegenständen wiedergeben oder Farbadjektive. Eine weitere Möglichkeit ist das Zeichnen, z. B. der Körperteile, ohne auf das eigene Blatt zu schauen.

Zeichnen nach Musik

Diese Übung bietet sich v. a. dann an, wenn das Thema Musik selbst Unterrichtsgegenstand ist. Hier haben die Schüler die Möglichkeit, die Wahrnehmung durch Bewegung (Führung des Stiftes oder Pinsels) und Farbe nachzuempfinden. Anschließend kann sich darüber ausgetauscht werden.

Die vorgestellten Methoden und Übungsangebote zeigen exemplarisch, wie Schüler im Anfangsunterricht Russisch zum selbstständigen, freudbetonten Arbeiten aktiviert werden können. Die demonstrierte Methodenvielfalt unterstützt dabei die verschiedenen Lerntypen und berücksichtigt das Lernen mit allen Sinnen.

Literatur

Bauer, F. (2010). Давай поиграем! Komm, spiel mit mir! Spielesammlung für den Russischunterricht. Eisenstadt: E. Weber Verlag.

Dialog 1 (2008) = Wapenhans, H./Behr, U. (Hrsg.). Диалог 1. Schülerbuch für den Russischunterricht. Berlin: Cornelsen, Volk und Wissen. ← 111 | 112 →

Härdt, B. (2005). Bewegte Schule. In: Informationsdienst zur Suchtprävention Nr. 18. Online: www.schule-bw.de/lehrkraefte/beratung/suchtvorbeugung/informationsdienst/info18/I1826Haerdt_E.pdf (letzter Zugriff [30.01.2014]).

Klupsch-Sahlmann, R. (2010). Mehr-Bewegung-in-die-Schule.de. Online: www.mehr-bewegung-in-die-schule.de/ (letzter Zugriff [30.01.2014]).

SAH Dialog 1 (2008) = Wapenhans, H./Behr, U. (Hrsg.): Диалог 1. Schülerarbeitsheft. Berlin: Cornelsen, Volk und Wissen (Bd. 1).

Schülerbuch-Rallye (2010). Online: www.cornelsen.de/lehrkraefte/reihe/r-5136/ra-6347 (letzter Zugriff [30.01.2014]).

Thüringer Lehrplan Russisch für den Erwerb der allgemeinen Hochschulreife (2011). Online: www.schulportal-thueringen.de (letzter Zugriff [30.01.2014]).

weitere Internetquellen (letzter Zugriff 16.3.2016):

www.russian-online.net

http://russisch-verbindet.blogspot.de/

www.gaertig.at/schule/49/49/88001/liste9.html

www.russischstunde.de

www.4teachers.de

www.russischlehrer.at

solnet.ee

www.urya.ru

http://www.texts.cie.ru/.