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Kompetenzorientierung und Schüleraktivierung im Russischunterricht

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Edited By Anka Bergmann

Der Band beleuchtet das Konzept der Schüleraktivierung im Rahmen eines kompetenzorientierten (schulischen) Russischunterrichts aus verschiedenen Perspektiven: im ersten Teil geht es um die fachhistorische und bildungspolitische Positionierung der Schulfremdsprache Russisch sowie um die konzeptuellen Grundlagen von Kompetenzorientierung und Schüleraktivierung und deren Bezug zu den institutionellen Gegebenheiten des gegenwärtigen Russischunterrichts. Im zweiten Teil werden Handlungsfelder der Unterrichtspraxis reflektiert und wird der Blick darauf gelenkt, wie Lernprozesse in unterrichtlichen Arrangements initiiert und unterstützt werden können. Diese Beiträge basieren größtenteils auf vielfältigen Erfahrungen langjähriger Praktiker, Lehrplanentwickler und Lehrbuchautoren.

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Das Europäische Portfolio der Sprachen – Einsatz im Russischunterricht / Fremdsprachenunterricht. Motivation zum selbstständigen Lernen.

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Gudrun Seemann

Das Europäische Portfolio der Sprachen – Einsatz im Russischunterricht / Fremdsprachenunterricht. Motivation zum selbstständigen Lernen.

Автор рассматривает вопрос об эффективном использовании Европейского языкового портфеля (ЕЯП) в преподавании русского языка как иностранного в школе с максимальной пользой для ученика. На основе характеристики составляющих ЕЯП – паспорта, языковой биографии пользователя и досье – выделяется потенциал этих инструментов для развития способности ученика к самооценке и рефлексии, а также для развития его автономности в изучении языков на протяжении всей жизни. На примере учебных планов земли Бранденбурга подтверждается большое значение, придаваемое работе с ЕЯП в настоящее время. Подробно описываются три подхода к реализации обязательных стандартов учебных планов: во-первых, использование ЕЯП, аккредитированного Советом Европы; во-вторых, использование соответствующих заданий из учебных комплексов; в-третьих, использование электронного языкового паспорта. Предложенные рекомендации по использованию ЕЯР на уроках русского языка опираются на практический опыт автора.

1.  Ausgangssituation

„Ich soll da so einen Hefter über Sprachen beim Personalchef vorzeigen.“

„Nur weil ich an der Universität kein Sprachenportfolio vorzeigen konnte, musste ich eine Prüfung ablegen, um in den richtigen Sprachkurs zu kommen.“

„Es war das Sprachenportfolio, das ich vorzeigen konnte. Deswegen wurde ich für den Studienplatz ausgewählt.“

Solche und ähnliche Aussagen meiner Schüler in den letzten Jahren veranlassten mich, Portfolioarbeit näher zu beleuchten und praktische Wege in der Unterrichtsarbeit zu finden, damit meine Schüler Vorteile haben.

Die Arbeit mit dem Europäischen Portfolio der Sprachen© (vgl. Europäisches Sprachenportfolio 1999, 2000; Landesinstitut für Schule und Weiterbildung Soest 2001) gewinnt auch in Schulen des Landes Brandenburg seit dem Europäischen Jahr der Sprachen an Bedeutung. Erprobt, umgesetzt und weiterentwickelt, liegen nunmehr eine Vielzahl von Portfolios vor, die nicht nur in der Europäischen ← 149 | 150 → Union ihre Anwendung finden (vgl. Европейский языковой портфель для старших классов общеобразовательных учреждений 2001). Bohl spricht sogar davon, dass „seit einigen Jahren […] Portfolios boomartig in Deutschland thematisiert“ (Bohl 2009: 144) werden. Das Anschaffen dieser Portfolios kostet Geld, was häufig von den Schulträgern nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt werden kann. Das ist oftmals schon ein Grund, warum keine Arbeit mit dem Portfolio stattfindet.

Die neuen Lehrwerkgenerationen für moderne Fremdsprachen werben damit, die Idee des Europäischen Sprachenportfolios (ESP) aufgegriffen zu haben und bedienen in aller Regel die wesentlichen Elemente des ESP.

Praktische Unterrichtsarbeit und Erfahrungen zeigen, dass die neuen Lehrwerke sehr dazu beitragen können, die Idee des ESP zu unterstützen, jedoch gibt es noch eine Vielzahl von Kollegen, die der Arbeit mit dem ESP skeptisch gegenüber stehen, weil ihnen konkrete Anregungen und praktikable Realisierungsmöglichkeiten fehlen. Angst, zu viel Zeit auch noch damit zu ‚vergeuden‘, ist ein weiterer Grund, warum keine Portfolioarbeit stattfindet.

2.  Aufbau und Potenzen des ESP

Da der Aufbau des ESP mittlerweile hinlänglich bekannt ist, soll hier nur kurz darauf eingegangen werden.

Das ESP ist eine organisierte Sammlung von Dokumenten, die den Erwerb sprachlicher Kompetenzen im Laufe der Schulzeit und darüber hinaus feststellt und reflektierend begleitet. Es gibt in systematischer Weise Auskunft über erreichte Leistungen und erworbene Qualifikationen und soll somit die Fähigkeit des Schülers, sich in einem mehrsprachigen Europa und in der Welt zu verständigen, dokumentieren (vgl. Schärer 2003: 387–390).

Als lebenslanger Lernbegleiter (vgl. Brunner 2006: 13) kann diese Dokumentation bei Bewerbungen und Präsentationen genutzt werden.

Es besteht aus drei Teilen, dem Sprachenpass, der Sprachenbiografie und dem Dossier.

Im Sprachenpass dokumentiert der Schüler am Ende eines Bildungsabschnittes (nach der Grundschule, nach den Sekundarstufen I und II bzw. bei Schulwechsel) seine Kompetenzen in allen erlernten Sprachen, auch in denen, die in der Familie und außerhalb von Schule und formaler Weiterbildung erworben wurden. Er enthält Angaben zu erworbenen Zertifikaten, zu Art und Dauer des Sprachenlernens, zu Auslandsaufenthalten, zu Projekten des interkulturellen und grenzüberschreitenden Lernens. Da der Sprachenpass erst recht spät, am Ende ← 150 | 151 → eines Bildungsabschnittes bzw. bei Schulwechsel, von den Schülern genutzt wird, empfiehlt es sich, ihn auch erst zu diesem Zeitpunkt auszuteilen.

In der Sprachenbiografie werden die Wege des sprachlichen und interkulturellen Lernens dokumentiert. Schüler schätzen eigene Lernfortschritte und Kompetenzen regelmäßig ein und ziehen daraus Schlussfolgerungen für einen bestimmten Zeitraum. Bezüglich der Selbstevaluation sprachlicher Kompetenzen stützen sich die Schüler auf den Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen (vgl. GeR 2001). Die für den Schüler zunächst merkwürdig klingenden Formulierungen des Stufensystems der Sprachbeherrschung (A1, A2, B1, B2, C1, C2) sollten in einem Dialog zwischen Schüler und Lehrer besprochen werden. Die Reflexion über den Verlauf des Spracherwerbs fällt anfänglich schwer, weil Schüler dabei einen Perspektivwechsel vollziehen müssen, denn Feedback und Fehlerkorrektur werden nicht mehr allein durch Lehrerrückmeldungen wahrgenommen (vgl. Decke-Cornill/Küster 2010: 121). Auch fehlt Schülern zu Beginn dazu der treffende Wortschatz, wenn sie nicht oberflächlich bleiben wollen. Lehrer sollten diesen Prozess unterstützen, indem sie Formulierungsmöglichkeiten vorstellen. Letztendlich wird aber das selbstverantwortliche Lernen gefördert und führt zu einer vorsichtigen Zurücknahme der Rolle des Lehrers (vgl. Endres/Wiedenhorn/Engel 2008: 15 ff.; Zeller 2002: 259 ff.).

Im Dossier werden besonders gelungene fremdsprachige Produkte, Arbeiten, Zertifikate, Urkunden, wertvolle Realia aufbewahrt, mit deren Hilfe Stationen des eigenen Lernens bewusst gemacht und die eigenen Kompetenzen bzw. ihr Zuwachs anschaulich dokumentiert und präsentiert werden können (vgl. Easley/Mitchell 2004: 51ff.). Die Auswahl wird aktiv und allein vom Schüler getroffen, Lehrkräfte können anfangs Anregungen zur Auswahl geben.

Das ESP soll im Besitz des Schülers sein, denn er ist dafür verantwortlich. Alle Eintragungen werden durch ihn vorgenommen. Praktische Erfahrungen haben gezeigt, dass eine behutsame Heranführung an die Arbeit mit dem ESP nötig ist, der Mehrwert wird den Schülern erst später deutlich. Für diese Zeit sollte die Möglichkeit geprüft werden, ob die Portfolios bzw. Teile davon in der Schule aufbewahrt werden können.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass das ESP abnehmerorientiert ist und lebenslanges, schulisches und außerschulisches Fremdsprachenlernen dokumentiert. Es unterstützt die Idee der Mehrsprachigkeit sowie der kulturellen Vielfalt in Europa und erleichtert Mobilität und Ideenaustausch der Menschen. Es wird zunehmend bedeutsam bei Bewerbungen, Prüfungen und Schulwechsel. Das ESP garantiert durch die Nutzung der Skalen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens internationale Vergleichbarkeit hinsichtlich des Niveaus des ← 151 | 152 → Sprachenlernens, was eine allgemeine Forderung seitens der Wirtschaft darstellt. Es ist eine anerkannte Ergänzung zur Leistungsbewertung durch Zensuren. Nicht zuletzt stärkt das Führen des ESP durch selbstverantwortliches selbstbeurteilendes Lernen die Lernerautonomie, was u.a. eine Forderung in Deutschland nach der PISA-Studie war und ist (vgl. Doff/Schreiner 2007; Bostelmann 2006: 40 ff.; Jäger-Gutjahr 2007: 4 ff.).

Die Arbeit mit dem Sprachenportfolio berücksichtigt Erkenntnisse der neueren Lehr- und Lernforschung, deren Vertreter „ein Lernen mit Portfolios propagieren, das heißt, sie heben den aktiven, eigenständigen Charakter der Arbeit hervor, betonen die notwendige Situiertheit des Lernens […], unterstreichen den sozialen Charakter allen Lernens sowie die große Bedeutung der Reflexion bzw. der Selbstbeobachtung des eigenen Lernens“ (Häcker 2006: 17).

Mittlerweile hat sich ein anderer Umgang mit Fehlern im modernen Fremdsprachenunterricht durchgesetzt, man spricht in diesem Zusammenhang z. B. von Positivkorrekturen und kriteriengestützter Bewertung. Zunächst von Lehrkräften skeptisch betrachtet, hieß es doch Abschied nehmen vom ‚ach so objektiven Fehlerquotienten‘. Kriteriengestützte Bewertungssysteme sind transparent, auf kommunikative Leistungen orientiert und verhindern, dass bloßes Addieren formaler Verstöße bei der Bewertung zählt. Das ‚alte‘, konventionelle, bisherige Vorgehen bei der Bewertung hat bei Schülern und Lehrkräften wenig Freude, aber viel Frust ausgelöst, wenn Arbeiten zurückgegeben wurden. „Konventionelle Formen der Leistungsfeststellung und -beurteilung richten ihr Augenmerk auf das, was nicht richtig gemacht wurde und zu verbessern ist. […] Fehler und Defizite binden im Wesentlichen die Zeit und Energie im schulischen Unterricht. […] Demgegenüber setzt Portfolioarbeit […] bei den Kompetenzen an, und lädt beide, Schüler und Lehrer, dazu ein zu zeigen, was die Schüler können. Portfolioarbeit ergänzt also die ausschließlich fremdbestimmte, testorientierte Leistungsfeststellung durch die Lehrkräfte um eine selbstbestimmte Leistungsdarstellung durch die Schüler. Sie setzt der Defizitorientierung eine Kompetenzorientierung gegenüber (Häcker 2006: 16). Häcker betont weiter, dass Lernen in der Schule häufig als psychisch sehr belastend empfunden wird, da es einher geht mit ständigen Leistungsanforderungen, Beurteilungs- und Ausleseprozessen (vgl. Häcker 2006: 16).

3.  Bezug zum Rahmenlehrplan Brandenburg

In Brandenburg sind seit 2008/09 neue Rahmenlehrpläne für moderne Fremdsprachen als 1. bzw. 2. / 3. Fremdsprache in Kraft. Sie stellen eine neue Generation von Fremdsprachenplänen dar, da sie für alle modernen Fremdsprachen gelten und über alle Schulstufen hinweg ein einheitlich geltendes Unterrichtskonzept zur ← 152 | 153 → Verfügung stellen. In diesen Plänen ist die Arbeit mit dem Sprachenportfolio für die Grundschule (vgl. PLIB 2002) und Schulen der Sekundarstufe I verbindlich geregelt, für Schulen der Sekundarstufe II gibt es seit 2012 in den neuen Rahmenlehrplänen für moderne Fremdsprachen ebenfalls verbindliche Regelungen geben. Dabei soll sich die Fähigkeit entwickeln, den eigenen Lernprozess sowohl aktiv und kooperativ mitzugestalten sowie ihn auch selbst zu beurteilen. Die Schüler lernen mit Instrumenten für die Kontrolle und Dokumentation des individuellen Lernfortschritts, wie dem Sprachenportfolio, umzugehen (vgl. Implementationsbrief zum RLP SEK I moderne Fremdsprachen 2008, SBJS: 22–23). Die Arbeit mit dem Sprachenportfolio ist erstmalig als methodische Teilkompetenz definiert, erhält im Rahmen der Methodenkompetenz den Rang eines Standards und ist verbindlich.

Für die Grundschule (Jahrgangsstufe 5 / 6) wird mit Bezug auf die methodische Kompetenz folgender Standard gesetzt:

Lern- und Arbeitstechniken

Die Schüler können…

  • eigene fremdsprachige Produkte für das Dossier ihres Sprachenportfolios auswählen
  • ihren Lernfortschritt etappenbezogen einschätzen und ggf. in der Sprachenbiografie kennzeichnen (RLP 1. FS 2008: 26)

Für die Sekundarstufe I (Jahrgangsstufe 9 / 10) werden hinsichtlich der methodischen Kompetenz folgende Standards formuliert:

Lern- und Arbeitstechniken

Die Schüler können…

  • den Lernfortschritt in einem Sprachenportfolio darstellen (*1)
  • aus dem im Sprachenportfolio beschriebenen Lernfortschritt bewusst Schlussfolgerungen für die weitere Arbeit ziehen (***2)(RLP 1. FS 2008, 38; RLP 2./3. FS 2008: 20)

Präsentation

  • Die Schüler können…
  • Arbeitsergebnisse im Sprachenportfolio dokumentieren (*) ← 153 | 154 →
  • Arbeitsergebnisse im Sprachenportfolio dokumentieren und dieses präsentieren (**3) (RLP 1. FS 2008, 40; RLP 2./3. FS 2008: 22).

Die Brandenburger Verordnung über die Bildungsgänge in der Sekundarstufe I (vgl. Sek I-V 2007) ermöglicht in Klasse 9 sogar anstelle einer Facharbeit ein Projekt durchzuführen und eine entsprechende Leistungsmappe zu präsentieren. „Zur Sicherung vergleichbarer Standards in den Klassen oder Kursgruppen werden in der Jahrgangsstufe 8 Vergleichsarbeiten geschrieben. Alle Schülerinnen und Schüler in der Jahrgangsstufe 9 fertigen in einem Fach eigener Wahl eine Facharbeit oder eine Leistungsmappe an oder führen ein Projekt durch und präsentieren die Facharbeit, Leistungsmappe oder das Projekt. Die Facharbeit, Leistungsmappe oder die Durchführung des Projekts sowie die Präsentation werden bewertet. Die Bewertung kann besonders gewichtet werden“ (Sek I-V 2007, Abschnitt 4, §13, (4), 9). Damit wird das Führen und Präsentieren einer Leistungsmappe, in unserem Fach eines Sprachenportfolios, hoher Stellenwert eingeräumt und unterstützt das Umsetzen der o. g. Standards. Weitere Hinweise für Lehrerinnen und Lehrer hat Hermann Zöllner (LISUM Bbg) auf der Grundlage eines Manuskripts von Karl-Heinz Streiter (Seelow) in einem Bericht zu Facharbeit, Portfolio (Leistungsmappe), Projekt als andere Prüfungsform bzw. anderer Leistungsnachweis überarbeitet (vgl. Streiter/Zöllner 2003).

4.  Realisierungsmöglichkeiten

Im Folgenden werden verschiedene Herangehensweisen beschrieben, die zwar differieren, aber alle die Realisierung der o. g. verbindlichen Standards garantieren.

4.1  Nutzung des vom Europarat akkreditierten ESP

Die Nutzung des in 3. vorgestellten ESP stellt die angestrebte Variante dar. Das ESP ist eine geschützte Bezeichnung und wird vom Europarat vergeben. Damit ist eine offizielle Anerkennung gewährleistet, die durch das Europalogo bescheinigt wird. Mit diesem ESP ist sichergestellt, dass es eine von verschiedenen in Europa zugelassenen Varianten darstellt, aber dennoch die verbindlichen Prinzipien und Richtlinien (vgl. ELP 2004; Legutke 2001: 20 ff.) sowie die o.g. drei Teile beinhaltet.

Eine kontinuierliche Arbeit mit dem ESP bedeutet, dass sich die Schüler in der Regel im Unterricht halbjährlich in der Sprachenbiografie mit den Selbsteinschätzungsbögen befassen. Diese Selbsteinschätzungsbögen sind vor der erstmaligen Nutzung für alle modernen Fremdsprachen zu kopieren. Bei der ersten ← 154 | 155 → Selbsteinschätzung sollte der Lehrer darauf achten, dass den Schülern die zunächst ungewöhnlichen Formulierungen der Selbsteinschätzungsbögen verständlich sind, und ggf. sollte es dazu einmalig Erläuterungen geben. Nach dem Ankreuzen erfolgt die Selbstreflexion darüber, wie sie die Sprachkenntnisse verbessern sollen:

  • Was habe ich erreicht?
  • Was ich besser machen möchte?
  • Wie ich es erreichen möchte?
  • In welchem Zeitraum? (vgl. Das Europäische Portfolio der Sprachen. Sekundarstufe 1. Jahrgang 5–10. akkr. Modell Nr. 46.2003, 2003)

Auch hierbei sollte anfänglich Unterstützung gewährt werden, da der Perspektivwechsel und die Wahl geeigneter Formulierungen zunächst ungewohnt sind.

Die meisten akkreditierten Sprachenportfolios geben den Schülern zusätzliche Hinweise in Form von methodischen Hilfen und Techniken, wie ihr Sprachenlernen verbessert werden kann. (vgl. ebd.)

Das Dossier wird kontinuierlich erweitert. Lehrkräfte weisen zu Anfang darauf hin, was möglicherweise im Dossier gesammelt werden könnte: Produkte in Form von Texten (z. B. Gedichte, Briefe, Klassenarbeiten), Kollagen. Letztendlich werden hier besonders gelungene Materialien, Informationen zu Projekten, Zertifikate und Zeugnisse aus allen gelernten Sprachen aufbewahrt. Über die Auswahl entscheidet immer der Schüler, soll er sich doch mit den Arbeiten ausweisen, die er für präsentabel hält.

Kritiker werfen die Frage auf, ob Originalarbeiten mit Fehlern, z. B. Klassenarbeiten, oder korrigierte Schülerarbeiten für das Dossier ausgewählt werden sollten. Die Praxis zeigt, dass beides möglich ist und dennoch kein falsches Bild vom Lernstand entsteht. Wählen die Schüler nicht korrigierte Arbeiten aus, sind die Fehler ersichtlich, was den Lernstand zu diesem bestimmten Zeitpunkt widerspiegelt. In aller Regel wird der Schüler nur solche Arbeiten auswählen, die er für präsentabel hält, also Arbeiten mit wenig oder keinen Fehlern. Es besteht aber auch die Möglichkeit, diese wenigen Fehler zu korrigieren, die Arbeit abzuschreiben und im Dossier abzulegen. Als Korrektiv dazu dient auch der Selbsteinschätzungsprozess, der in der Sprachenbiografie festgehalten wird, was also letztendlich nicht zu einer Präsentation von verfälschten Leistungen führt.

Die Arbeit mit dem ESP ist ein Prozess und zunächst mit Mehrarbeit verbunden, sein Mehrwert für Schüler erschließt sich bei Schülern und Lehrkräften nicht sofort. Erst wenn es geschafft ist, dass alle Fremdsprachen ihren Beitrag zu einem reich gefüllten und aussagekräftigen Fremdsprachenportfolio leisten, wird der Mehrwert gegenüber einer Mappe, die sich lediglich auf eine Fremdsprache bezieht, deutlich. So fördert die Arbeit mit dem ESP die Zusammenarbeit der ← 155 | 156 → Fremdsprachenlehrer an der Schule. „Bei der konkreten Arbeit mit Portfolios wird sehr schnell die Notwendigkeit zu Kooperation zwischen allen Beteiligten sichtbar. Dieser Effekt ist beabsichtigt […]“ (ebd., 17), denn hierbei geht es um den Schüler. Er steht im Mittelpunkt, nicht der Hefter für eine bestimmte Fremdsprache. Zu häufig funktioniert die Abschottung der einzelnen Fächer immer noch besser als ihr Transfer. Fortbildungen zu entsprechenden Themen sind erforderlich, um Skeptiker umzustimmen.

Kritisch ist die Tatsache anzumerken, dass alle akkreditierten Fremdsprachenportfolios zusätzlich Geld kosten, die nicht immer der Schulträger bezahlen will bzw. kann. Es gibt Beispiele, wo die Kosten vom Schulträger anstandslos übernommen werden. Darüber hinaus sollte die Möglichkeit genutzt werden, Eltern über den Mehrwert eines Sprachenportfolios und dessen Bedeutung für Bewerbungen zu informieren und ggf. Sammelbestellungen zu günstigeren Kosten zu organisieren. Diese Möglichkeiten gilt es im Einzelfall zu prüfen.

4.2  Nutzung der Lehrwerkangebote am Beispiel der Lehrwerkreihe DIALOG

Neuere Lehrwerke für moderne Fremdsprachen bedienen den Portfoliogedanken, was auch ein Kriterium für die Zulassung als Lehrbuch in den einzelnen Bundesländern ist. Lehrwerke werben mit integrierten Portfolios oder es werden in Lehrbüchern Aufgaben mit Symbolen wie z. B. Schatzruhe (s. Abbildung1) oder Begriffen wie ‚Dossier‘ bzw. ‚Schatztruhe‘ versehen.

Abbildung 1

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In der Regel handelt es sich um umfangreichere Leistungen, die in einer Mappe bzw. im Dossier des ESP gesammelt werden können. Selbsteinschätzungsmöglichkeiten bieten einerseits die Lehrbücher, andererseits geben auch passende Arbeitshefte Gelegenheit zur Selbstkontrolle.

Auch bei diesem Umgang mit der Portfolioidee werden die Standards der Brandenburger Rahmenlehrpläne erfüllt. Kritisch ist zu bemerken, dass es bei einer Leistungsmappe für ein Fach bleibt, was den Schüler als Ganzheit z. B. bei ← 156 | 157 → Präsentationen zum Fremdsprachenlernen in Bewerbungsgesprächen nicht widerspiegelt.

Im Folgenden werden Möglichkeiten, die die Lehrwerkreihe DIALOG im Hinblick auf den Portfoliogedanken bietet, zusammengefasst.

Reflexionsanstöße und Hinweise zum Sammeln geeigneter Produkte sind in der gesamten Lehrwerkreihe gegeben. Lehrkräfte werden ausführlich darüber in den Handreichungen für den Unterricht informiert. „Das Sprachenportfolio findet zunehmend Eingang in den Fremdsprachenunterricht. Es hilft den Schülern nicht nur, das eigene Sprachenlernen zu reflektieren und einzuschätzen, sondern bietet ihnen mit dem Dossier die Möglichkeit, sprachliche Leistungen und interkulturelle Erfahrungen zu dokumentieren. Diesem Anspruch wird das Schülerbuch gerecht, in dem dafür geeignete Aufgaben mit dem Symbol (s. Abb. 1) gekennzeichnet sind. Die Dossieraufgaben im Schülerbuch

  • geben dem Schüler die Möglichkeit zu zeigen, was er schon kann,
  • erfordern eine komplexere, selbstständige Leistung,
  • sind mehrperspektivisch und beziehen verschiedene Gestaltungselemente ein,
  • können auch projektartig und in Gruppenarbeit gelöst werden,
  • haben nicht den Status von Testaufgaben“ (DIALOG 2. Handreichungen für den Russischunterricht 2009: 5).

Auch das Arbeitsheft spiegelt die Idee des Sprachenportfolios hinsichtlich der Selbstreflexion wider. Es „beinhaltet für jede Lektion eine Testseite. Für alle Testaufgaben findet der Schüler im Anhang Lösungen und Hinweise, die das selbstständige Wiederholen und die Selbstkontrolle unterstützen. Eine Portfolioseite […] gibt dem Schüler jederzeit die Möglichkeit der Selbsteinschätzung. Zudem bildet die Portfolioseite das Kompetenzprofil ab“ (ebd., 5), das mit dem entsprechenden Lehrbuch erreicht werden kann. So ergeben sich folgende Korrelationen zwischen Schülerbuch bzw. Arbeitsheft und zu erreichender Kompetenzstufe:

Schülerbuch bzw. Arbeitsheftzu erreichende Kompetenzstufe
DIALOG 1A1
DIALOG 2A2
DIALOG 3A2+
DIALOG 4B1
DIALOG 5B1+

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„Mit den Dossieraufgaben im Schülerbuch und der Portfolioseite im Arbeitsheft werden Impulse gegeben für die Verbindung von Fremd- und Selbstevaluation, den Aufbau einer Feedbackkultur sowie für das selbstständige Lernen. Damit fördert das Lehrwerk die Integration des Portfoliogedankens in den Unterricht“ (ebd., 6).

Häufig besteht bei Schülern und Lehrkräften Unsicherheit darin, was für das Dossier ausgewählt werden soll. Wie schon gesagt, entscheidet prinzipiell der Schüler darüber. Als Orientierung dienen die mit dem Symbol (s. Abb. 1) gekennzeichneten Aufgaben zum Leisten im Vergleich zu kleinschrittigeren Übungen zum Lernen. Ein erfolgreiches Lösen dieser ganzheitlichen Aufgaben signalisiert dem Schüler und den Lehrkräften das Erreichen einer bestimmten Kompetenzstufe, die wiederum im besten Fall auch in der Selbsteinschätzung auf der gleichen Niveaustufe formuliert wurde. In der folgenden Tabelle sind Aufgaben aufgelistet, die die Lehrwerkreihe DIALOG 1–4 für das Dossier anbietet.

DIALOG 1 (vgl. DIALOG 1, 2008)DIALOG 2 (vgl. DIALOG 2, 2009)

SL4: Kurzbiografie schreiben

L51: Familie und Freude vorstellen

L1: Antwortbrief gestalten

L1: Mindmap zur Fantasiestadt konstruieren

L2: Steckbrief zur eigenen Person sowie Hobbys gestalten und präsentieren

L3:Grundriss der Wohnung zeichnen

L3:Collage zum Traumzimmer gestalten

L3: Heimat- bzw. Lieblingsstadt vorstellen

L1: Katalogseite zu Kleidung erstellen

L2: Schule vorstellen

Stundenplan / Wochenplan gestalten

L2: Bericht über Schule/ Stundenplan / Zensuren erstellen

L2: Arbeitsgemeinschaft präsentieren

L3: Tagebucheintrag über eigenen Geburtstag verfassen

L3: Glückwunschkarte / Geburtstags-Mail schreiben und gestalten

L3: Sketch für Geburtstagsfeier ausdenken und vorsspielen

L4: Mindmap zu Vorbildern gestalten und präsentieren

L5: Bericht über Ferien verfassen

L5: E-Mail zu Freizeit / Wetter verfassen

L5: Werbeprospekt zum Heimatort oder anderes Reiseziel in Deutschland für russische Touristenn gestalten und präsentieren ← 158 | 159 →

DIALOG 3 (vgl. DIALOG 3, 2010)DIALOG 4(vgl. DIALOG 4, 2011)

WL6: Autobiografie schreiben

WL: Bericht über Heimatort schreiben

WL: Blogeintrag über eigene Interessen verfassen

L1: Bericht über Hausarbeit verfassen

L1: Bericht über Familientraditionen verfassen

L1: Umfrage zu Feiertagen durchführen, Grafik erstellen und Ergebnisse präsentieren

L2: Assoziogramm zu Stadt / Land gestalten und präsentieren

L2: Antwortbrief / E-Mail zum Schüleraustausch schreiben

L3: Assoziogramm zu Jugend / Freizeit gestalten und präsentieren

L3: Flyer zu Lieblingsklub / -kino / -theater / -schwimmbad / -café gestalten

L4: Präsentation zu Massenmedien gestalten

L4: Plakat zu Reklame entwerfen

L4: Videoclip zu Reklame gestalten

L5: Lieblingssportler vorstellen

L6: Bericht über Pläne in Sommerferien verfassen

L6: Tagebucheintrag über Eindrücke und Abenteuer in Ferien gestalten

L6: Bericht über schönste Ferien verfassen

WL: Reklameposter zu Urlaub gestalten

L1: Lebenslauf / Visitenkarte verfassen

L2: Bild beschreiben

L2: Artikel für Schülerzeitung zu einem Projekt schreiben

L2: Präsentation zu russischem Künstler / russischer Künstlerin erstellen

L2: Vortrag zu Lieblingskünstler / Lieblingskünstlerin verfassen

L3: Plakat / Chronik zur Evolution des Menschen erstellen

L4: Präsentation zu russischem Komponist bzw. Musiker erstellen

L4: Reklameplakat zu Buch / Film / Konzert erstellen und präsentieren

L4: Kurzgeschichte / Gedicht / Lied über Liebe verfassen

L4: Szene gestalten

L5: Plakat über (das historische) St. Petersburg erstellen und präsentieren

L6: Präsentation zu historischen Persönlichkeiten erstellen

L6: Aufsatz zur Bedeutung der russischen Sprache in der eigenen Zukunft schreiben

Es lässt sich leicht erkennen, dass die neue Lehrwerkreihe DIALOG geradezu zur Portfolioarbeit einlädt, indem sie vielfältige Auswahlmöglichleiten für das Dossier und Reflexionsanstöße bietet. Damit werden die eingangs erwähnten Standards des Rahmenlehrplans erfüllt. Nachteilig ist die Tatsache, dass es keinen Sprachenpass gibt, in dem die erreichten Kompetenzen als Querschnitt ← 159 | 160 → dokumentiert und der Sprachenpass für Bewerbungen genutzt werden können. Eine mögliche Lösung für dieses Problem kann der elektronische Sprachenpass (s. Der Europass-Sprachenpass) sein.

4.3  Nutzung des elektronischen Sprachenpasses

Der elektronische Sprachenpass steht als Europass-Sprachenpass online zur Verfügung. Ihn auszufüllen, setzt einen internetfähigen Rechner als technische Bedingung voraus. Die Nutzung der angebotenen Dokumente ist kostenneutral und damit interessant für Schulen, die nicht mit dem klassischen ESP arbeiten. Ausführlich wird zunächst der Gedanke des Europäischen Sprachenportfolios beschrieben und eine detaillierte Anleitung zum Ausfüllen des Europass-Sprachenpasses gegeben. Dabei wird darauf verwiesen, Einträge knapp, eindeutig, leicht verständlich und relevant zu halten. Die Selbstdarstellung sollte nicht geschönt, sondern realistisch sein, um in Vorstellungsgesprächen nicht in peinliche Situationen zu geraten. Beispiele von Sprachenpässen erleichtern das Erstellen des eigenen Passes (vgl. European Council, Leitfaden, 1 ff.). Die Nutzung des elektronischen Sprachenpasses kombiniert mit der Nutzung der Dossier- und Reflexionsangebote der Lehrwerkreihe DIALOG ist eine gute Alternative zum ESP. Die Standards der Rahmenlehrpläne werden damit ebenfalls erfüllt.

5.  Praktische Hinweise zur Überwindung von Anfangsschwierigkeiten

  1. Das Führen eines Sprachenportfolios wird sich weiter an Schulen etablieren. Alle an Schulausbildung Beteiligten sollten vom Mehrwert für die Schüler überzeugt werden bzw. sein. So sind neben allen Fremdsprachenlehrern auch die Schulleitung, Eltern und Schüler in geeigneter Weise, z. B. bei Elternabenden, über die Grundidee des Fremdsprachenportfolios zu informieren.
  2. Ein Leitfaden für Eltern und Schüler sollte wesentliche Fragen zum Sprachenportfolio beantworten: ← 160 | 161 →
Was bedeutet ‚Portfolio‘?

Mappe für eigene, besonders gelungene Lernergebnisse, Dokumente und Zertifikate

Sprachenlerner entscheidet über Auswahl und Eintragungen

lebenslanger Lernbegleiter

Aus welchen Teilen besteht das Portfolio?

Sprachen-Pass – am Ende eines Bildungsabschnittes ausgefüllt; dokumentiert Fähigkeiten und Fertigkeiten in allen erlernten Sprachen (schulisch oder außerschulisch erlernt)

Sprachen-Biografie – enthält eigene kontinuierliche Einschätzung über sprachliche Fortschritte; informiert darüber, welches Niveau der Sprachenlerner im Laufe der Zeit in allen Fremdsprachen erreicht

Dossier – Materialsammlung, z. B. eigene Texte, Aufnahmen von Filmsequenzen, Präsentationen, Projektbeiträgen, Bescheinigungen und Zertifikate über Teilnahme an Projekten und Auslandsaufenthalten…

Wozu wird das Portfolio geführt?

beschreibt Sprachkenntnisse, die der Sprachenlerner auch außerhalb von Schule erworben hat

Erfahrungen mit anderen Kulturen, Ländern und Sprachen werden über mehrere Jahre gesammelt

Dokumentation über Sprachlerner entsteht und wird kontinuierlich, lebenslang, auch nach der Schule erweitert

zusätzliche Qualifikation in vielen Ländern Europas bei Bewerbungen

internationale Vergleichbarkeit erreicht

Sprachkenntnisse beschreibt der Sprachenlerner nicht nach Schulnoten, sondern nach international anerkannten Bezeichnungen (Kompetenzstufen)

Wie wird sprachliches Vorankommen im Portfolio beschrieben?

Sprachenlerner ordnet sein Sprachkönnen 6 international vergleichbaren Kompetenzstufen zu:

A1 / A2 elementare Sprachkenntnisse

B1 / B2 selbstständige Sprachkenntnisse

C1 / C2 kompetente Sprachkenntnisse

Sprachenlerner schätzt Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben ein ← 161 | 162 →

Wie unterstützt das Portfolio die Selbsteinschätzung?

Sprachenlerner macht sich bewusst,

wie er lernt und mit welchen Methoden er erfolgreich ist,

welche Stärken er hat, was und wie gut er schon etwas kann,

in welchen Bereichen er noch intensiver arbeiten muss

Sprachenlerner denkt regelmäßig über sein Sprachenlernen nach und übernimmt damit Verantwortung für sein eigenes Lernen

Was hat das Portfolio mit Europa zu tun?

in Europa leben viele Menschen mit unterschiedlichen Sprachen zusammen – internationale Vergleichbarkeit

Portfolio unterstützt lebenslanges Sprachenlernen und mehrsprachige Orientierung

Mehrwert für Sprachenlerner im europäischen Vergleich

3. Die Arbeit mit den verschiedenen Checklisten wird zuerst oft als fremd und ungewöhnlich empfunden, was Schneider mit unliebsamer „Buchhaltermentalität“ (Schneider 1999: 30) beschreibt.

4. Die Niveauunterschiede zwischen den einzelnen Kompetenzstufen (A1 bis C2) können für Schüler als sehr groß empfunden werden, Zwischenlösungen sind gefragt. Wer zunächst eine Überforderung seiner Schüler beim Ausfüllen der Checklisten vermutet, sollte sie erst an diese komplexe Art der Selbstbeurteilung schrittweise heran führen und konsequent die Möglichkeiten, die die Lehrwerkreihe DIALOG in den Lehrbüchern bzw. Arbeitsheften bietet, nutzen. Darüber hinaus empfiehlt sich die folgende Variante (s. Abb. 2) als Instrument der Selbstreflexion nach längeren Lernabschnitten, z. B. nach umfangreichen Leistungsfeststellungen (Klassenarbeiten, Klausuren) an. Kontinuierlich angewendet, ermöglicht dieses erprobte Beispiel gute Reflexionsmöglichkeiten, die einerseits von Schülern als sinnvoll und hilfreich angesehen sowie andererseits auch für Lehrkräfte und Eltern sehr aufschlussreich sind. Die Schüler werden geschult, über das eigene Lernen nachzudenken und diese Gedanken angemessen sprachlich umzusetzen.

5. Das Führen eines Fremdsprachenportfolios kann nicht alle Probleme lösen. Es sollte nicht als lästig, sondern als positiv ergänzend zum Schulbetrieb betrachtet werden. Wenn alle Fremdsprachenlehrer einer Schule zusammenarbeiten, ist es nur einmal erforderlich, die Idee des Portfolios zu erläutern, was Zeit spart. Schüler und Eltern werden eine gute Zusammenarbeit der Lehrkräfte immer wohlwollend bemerken. ← 162 | 163 →

Abbildung 2

Umfrage     Name:____________ Fach:_______ Klasse:_____ Datum:_______ Ich habe im letzten Leistungsnachweis _____ Punkte / die Note____ erhalten.
Ich bin mit meiner Leistung

image19   sehr zufrieden.

image19   zufrieden.

image19   unzufrieden.

image19   sehr unzufrieden.

Beantworte bitte beide Fragen stichpunktartig.
Warum glaubst du7, dass du kein besseres Ergebnis erzielt hast?Warum glaubst du, dass du ein solch gutes Ergebnis erzielt hast?
    

6. Die Notengebung wird durch das Führen eines Fremdsprachenportfolios nicht abgeschafft, das Nebeneinander von Notengebung und verbaler Beschreibung der Kompetenzen muss kompatibel und transparent sein. „Die Instrumente im Portfolio können aber helfen, zu verdeutlichen, wofür eine Note möglicherweise steht, und sie können helfen, insbesondere die Noten in Abschlusszeugnissen für Außenstehende zu übersetzen“ (ebd.).

7. Das Fremdsprachenportfolio ist kein Disziplinierungsinstrument, es sollte in erster Linie die Einzigartigkeit und Vielfalt des Lerners lebenslang dokumentieren und das leistungsbezogene Versagensrisiko vermindern (vgl. Brunner 2006: 12; Häcker 2006: 16), positive Motivation am Fremdsprachenlernen und die Lernerautonomie stärken (vgl. Schneider 1999: 31). ← 163 | 164 →

Literatur

Bohl, T. (2009). Prüfen und Bewerten im Offenen Unterricht. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.

Bostelmann, A. (2006). Das Portfoliokonzept in der Grundschule. Individualisiertes Lernen organisieren. Mühlheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr.

Brunner, I. (2006). Begabt, doch für die Schule viel zu dumm. In: I. Brunner, T. Häcker, & F. Winter (Hrsg.), Das Handbuch Portfolioarbeit: Konzepte, Anregungen, Erfahrungen aus Schule und Lehrerbildung. Seelze-Velber: Erhard Friedrich Verlag GmbH. S. 11–14.

Das Europäische Portfolio der Sprachen. Sekundarstufe 1. Jahrgang 5–10. akk. Modell Nr. 46.2003. (2003). Hamburg: Behörde für Bildung.

Decke-Cornill, H. / Küster, L. (2010). Fremdsprachendidaktik. Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag.

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1 Niveau grundlegende allgemeine Bildung.

2 Niveau vertiefte allgemeine Bildung.

3 Niveau erweiterte allgemeine Bildung.

4 SL-Startlektion.

5 L – Lektion.

6 WL-Wiederholungslektion.

7 Diese Variante ist bei älteren Schülern bezüglich der Anrede zu verändern.